Charles de Gaulle (1890-1970; Staatspräsident Frankreichs 1959-1969) äußerte sich über den Ersten Weltkrieg in etwa so: „Es gab Sieger und Besiegte; verloren haben wir alle.“

Der Erste Weltkrieg forderte etwa 17 Millionen Menschenleben. Annähernd 70 Millionen Menschen standen unter Waffen. 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte. Die direkten Kriegskosten betrugen insgesamt 956 Milliarden Goldmark. Davon entfielen auf Großbritannien 208 Milliarden, auf Deutschland 194 Milliarden, auf Frankreich 134 Milliarden, auf die USA 129 Milliarden, auf Russland 106 Milliarden, auf Österreich-Ungarn 99 Milliarden, auf Italien 63 Milliarden und auf sonstige Teilnehmer 23 Milliarden. Diese gigantischen Kosten überstiegen in kaum vorstellbarer Weise die Wirtschaftskraft der europäischen Länder. Die besonders schwer umkämpften Gebiete in Nordfrankreich und Belgien waren größtenteils zerstört worden. Allein die Kosten für diesen Wiederaufbau wurden auf ungefähr 100 Milliarden Francs geschätzt.

 

Der Erste Weltkrieg wurde in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, in Ostasien und auf den Weltmeeren geführt. Kriegsbeteiligte waren Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien einerseits sowie Frankreich, Großbritannien und das Britische Weltreich, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und die USA andererseits.

Der Krieg begann nach dem Attentat von Sarajevo mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914 und endete mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918.

Bei dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Mitgliedern einer revolutionären Untergrundorganisation ermordet, denen eine Verbindung zu offiziellen Stellen Serbiens zugeschrieben wurde. Hauptmotive für das Attentat sollen die Befreiung Bosnien-Herzegowinas von der österreich-ungarischen Herrschaft mit dem Ziel einer Einigung der Südslawen unter Führung Serbiens gewesen sein.
Für ein Vorgehen gegen Serbien suchte Österreich Rückendeckung durch das Deutsche Kaiserreich, auch deswegen, weil Serbien Russland um Unterstützung ersuchen konnte. Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sagten Österreich-Ungarn Anfang Juli 1914 eine bedingungslose Unterstützung zu und stellten damit den sogenannten Blankoscheck aus.

 

Ein deutscher Soldat, der an der Westfront eingesetzt war. Bundesarchiv, Bild 183-R05148 / Unknown / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R05148,_Westfront,_deutscher_Soldat.jpg
Ein deutscher Soldat, der an der Westfront eingesetzt war. Bundesarchiv, Bild 183-R05148 / Unknown / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R05148,_Westfront,_deutscher_Soldat.jpg

Aufgrund der tragödienhaften Verwerfungen und wegen der bis in die jüngste Vergangenheit nachwirkenden Folgen wird der Erste Weltkrieg als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet.

Als ein Beispiel der Schrecklichkeit des Ersten Weltkriegs soll die Schlacht um Verdun erwähnt werden: Die Schlacht begann am 21. Februar 1916, endete am 20. Dezember 1916 und kostete 170.000 französischen Soldaten und 150.000 deutschen Soldaten das Leben. Obwohl die im Juli 1916 begonnene Schlacht an der Somme mit wesentlich höheren Verlusten verbunden war, wurden die brutalen Kämpfe vor Verdun zum deutsch-französischen Symbol für die Tragik des Krieges. Verdun gilt heute als Mahnmal gegen den Krieg und dient der Erinnerung und als Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung.

Als ein weiteres Beispiel muss angesprochen werden, dass der Krieg dramatische Lücken in der Demografie Deutschlands, Frankreichs, Serbiens, Montenegros und der Türkei hinterließ und eine bis dahin noch nicht gekannte soziale Not bei den Kriegswitwen und -waisen erzeugte.

 

Der Versailler Vertrag bzw. die Friedensverträge beantworten die Kriegsschuldfrage damit, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber aller Verluste und Schäden anzusehen sind. In Deutschland wurde diese Festlegung als Kriegsschuldlüge bezeichnet. Der Vertrag legt deutsche Reparationsleistungen zunächst nicht fest. Später einigt sich die Reparationskommission auf 226 Milliarden Goldmark, die sie später auf 132 Goldmark reduziert. Die letzte Rate wurde am 3. Oktober 2010 beglichen. Außerdem musste Deutschland Gebietsverluste und die Rheinlandbesetzung hinnehmen. An Frankreich ging u.a. Elsaß-Lothringen und Neukamerun; Polen bekam Posen und Westpreußen ohne Danzig zugesprochen; an die Tschechoslowakei kam das Hultschiner Ländchen und an Japan Kiautschou und die Inselgruppe der Marianen.

 

Im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg darf auch der Völkermord an den Armeniern nicht vergessen werden. Hauptsächlich in den Jahren zwischen 1915 und 1916 fand der erste Genozid des 20. Jahrhunderts statt, dem eine bis zum heutigen Tage nicht genaue Anzahl von Menschen zum Opfer fiel. Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen, die auf Todesmärschen und Massakern zu Tode kamen. Verantwortlich dafür war ein türkisches Komitee in der Regierung des Osmanischen Reichs.

 

Da der Erste Weltkrieg einen Nährboden für den Faschismus in Italien und für den Nationalsozialismus in Deutschland bot, kann festgestellt werden, dass dieser Konflikt auch als Vorläufer des Zweiten Weltkriegs bezeichnet werden kann.

 

Dieser Artikel stammt aus dem Geschichte-Wissen Magazin „Deutschland und Frankreich“. Sie können die Ausgabe hier kostenlos lesen.