Vorwort

Am 3. November 1918 begann in Kiel der Matrosenaufstand, der sich rasch in ganz Deutschland als Novemberrevolution ausweitete und am 9. November 1918 zur Absetzung von Kaiser Wilhelm II. und damit zum Ende der Monarchie und des Ersten Weltkrieges führte. Vorausgegangen waren militärische Misserfolge der kaiserlichen deutschen Truppen an der Westfront zu Frankreich und eine katastrophale wirtschaftliche Situation, die eine Fortsetzung des Krieges sinnlos machten.

Mit dem Waffenstillstand am 11. November 1918 wurden die Kampfhandlungen zwischen den Mittelmächten und den Westmächten, der Entente, beendet, die insgesamt zwischen 1914-1918 knapp 10 Millionen Todesopfer unter den Soldaten und schätzungsweise noch einmal 7 Millionen zivile Opfer forderte. Dazu kamen etwa 20 Millionen Verwundete.

 

Militärische Situation am Ende des Krieges

Die Frühjahrsoffensive vom 21. März bis 17. Juli 1918 brachte nur kurzzeitige Erfolge. Es erscheint unverständlich, warum die kaiserliche militärische Führung nicht gleich auch die Flotte zur Unterstützung dieser Bodenoffensive einsetzte. Vielleicht hätte man nach einem eventuellen Sieg (oder zumindest Durchbruch durch die Blockade) der Kaiserlichen Marine sogar Landungsoperationen an der französischen Küste unternehmen können, um so die Landoffensive zu unterstützen.

Der Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918, der genau das bezwecken sollte, kam viel zu spät. Er hätte schon im März mit dem Beginn der Offensive an der Westfront ausgegeben werden müssen. Anscheinend war die militärische Führung zu solchen Überlegungen nicht fähig. Tatsächlich hatte die deutsche Kriegsmarine keinen wirklichen Einfluss auf den Kriegsverlauf.

 

Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches

Nach dem Scheitern der deutschen Frühjahrsoffensive mit der zweiten Schlacht an der Marne und den französischen Gegenangriffen ab dem 18. Juli 1918 begann die Lage an der deutschen Westfront aussichtslos zu werden. Zudem waren die USA bereits am 6. April 1917 auf der Seite der Entente-Mächte in den Krieg eingetreten, wodurch diese im Laufe der Zeit ein immer größeres militärisches Übergewicht an der Front hatten.

Auch den deutschen Verbündeten ging es nicht besser. Am 29. September 1918 kapitulierte Bulgarien und auch Österreich-Ungarn stand vor dem Zusammenbruch – am 28. Oktober 1918 erklärte sich die Tschechoslowakei als erster Staat für unabhängig, womit das Reich auseinander zu brechen begann.

 

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Ebenfalls am 29. September 1918 informierte die Oberheeresleitung (OHL) den Kaiser und Reichskanzler Georg von Hertling im belgischen Spa über die aussichtslose militärische Lage. General Erich Ludendorff forderte die Regierung zudem auf, die Ententemächte um einen Waffenstillstand zu bitten. Um günstigere Friedensbedingungen zu erreichen, empfahl dieser weiterhin, eine zentrale Forderung Wilsons zu erfüllen und die Reichsregierung auf eine parlamentarische Basis zu stellen. Diese Empfehlung wurde am 5. Oktober 1918 umgesetzt, als das Deutsche Kaiserreich durch eine Verfassungsreform in eine parlamentarische Monarchie umgewandelt wurde. Dazu wurde Reichskanzler Georg von Hertling am 3. Oktober 1918 durch den als liberal geltenden Prinzen Max von Baden abgelöst. Dem neuen Kabinett gehörten erstmals auch Sozialdemokraten an. Die neue Regierung bot dem Kriegsgegner am 4. Oktober einen Waffenstillstand an.

 

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Doch diese Regierungsumbildung ging in der öffentlichen Wahrnehmung unter, da am 5. Oktober die Öffentlichkeit auch über die drohende Kriegsniederlage informiert wurde, was im ganzen Reich einen Schock auslöste.
Auf das Waffenstillstandsgesuch der deutschen Regierung antwortete US-Präsident Woodrow Wilson mit drei diplomatischen Noten, in denen dieser als Vorbedingungen für Verhandlungen etwa den Rückzug Deutschlands aus allen besetzten Gebieten, die Einstellung des U-Boot-Kriegs und in seiner dritten Note – wenn auch verklausuliert – die Abdankung des Kaisers forderte. Nach der dritten Note vom 23. Oktober erklärte Ludendorff die Bedingungen für unannehmbar und forderte, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen, die er selbst erst einen Monat zuvor noch für aussichtslos erklärt hatte.

 

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Ein von US-Präsident Woodrow Wilson am 8. Januar 1918 bekanntgegebenes 14-Punkte-Programm, in dem dieser das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ proklamierte und das einen Frieden „ohne Sieger und Besiegte“ vorsah, hatten Hindenburg und Ludendorff noch ignoriert. Zu diesem Zeitpunkt spekulierten sie noch auf einen Siegfrieden auch an der Westfront, nachdem ihnen das an der Ostfront gegen Russland bereits gelungen war.

 

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Doch nun erwies sich Ludendorffs Forderung nach Wiederaufnahme der Kampfhandlungen an der Westfront schon dadurch als unrealistisch, da die Kampfmoral der Soldaten am Boden lag und diese schnellst möglich nach Hause wollten. So häuften sich die Desertationen auf deutscher Seite dramatisch. Als weitere Maßnahme gab Ludendorff am 24. Oktober 1918 den sogenannten Flottenbefehl zum Eingreifen der Deutschen Kriegsmarine in die Kampfhandlungen heraus, den er durch Hindenburg verbreiten ließ.

 

Der Flottenbefehl führte zum Matrosenaufstand

Der Flottenbefehl führte aufgrund der Aussichtslosigkeit der Lage zum Matrosenaufstand in Kiel am 3. November 1918, der die Novemberrevolution einleitete.

Die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens erkannte auch die Reichsregierung und ersetzte Ludendorff als 1. Generalquartiermeister am 26. Oktober durch General Wilhelm Groener. Ludendorff setzte sich nach Schweden ab.
Die dritte Wilson-Note zeigte eine breite Wirkung sowohl auf die deutsche Gesellschaft, wie auch auf die Regierungskreise und Forderungen nach einem Thronverzicht Wilhelms II. wurden lauter. Am 28. Oktober forderte auch Philipp Scheidemann (SPD) in einem Schreiben an Reichskanzler Max von Baden den Thronverzicht des Kaisers.
Wilhelm II. verließ daraufhin Berlin und begab sich ins deutsche Hauptquartier in Spa, im besetzten Belgien.

 

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Der Boden für die Dolchstoßlegende wird bereitet

Am 5. November 1918 stimmten die Ententemächte der Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen unter der Auflage deutscher Reparationsleistungen zu.

Die Waffenstillstandskommission bestand entgegen der üblichen Gepflogenheiten nicht aus Militärangehörigen, sondern aus Zivilisten unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Matthias Erzberger (Zentrumspartei). Sie traf am 8. November 1918 am Verhandlungsort bei Compiègne in Nordfrankreich ein.

US-Präsident Wilson hatte es abgelehnt, mit Hindenburg oder Ludendorff zu verhandeln. Dieser Umstand, dass das deutsche Militär nicht die Verantwortung bei der Kapitulation übernehmen musste, ermöglichte es Paul v. Hindenburg später, die sogenannte Dolchstoßlegende in die Welt zu setzen. Diese besagte, man sei durch die eigenen Zivilisten (Revolutionäre und Zivilregierung) quasi „von hinten erdolcht“ worden, während man „im Felde unbesiegt“ geblieben sei – eine Lüge.

 

Die Abdankung des Kaisers

Inzwischen überschlugen sich in der Reichshauptstadt die Ereignisse. Am Vormittag des 9. November 1918 erklärte Reichskanzler Max von Baden den Kaiser und dessen Sohn eigenmächtig für abgesetzt und übergab auch sein Amt des Reichskanzlers an Friedrich Ebert (SPD). Am Nachmittag des selben Tages wurde durch Philipp Scheidemann (SPD) die Republik ausgerufen.

Kaiser Wilhelm II. verließ daraufhin am frühen Morgen des 10. November mit dem Zug das Hauptquartier in Spa und begab sich ins Exil in die Niederlande. Seine offizielle Abdankungsurkunde unterschrieb er am 28. November 1918.
So wurde am 11. November 1918 der Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und den Entente-Mächten unterzeichnet, womit die Kampfhandlungen an der Front beendet wurden.