Kapp Putsch der Demokratiefeinde gegen die junge Weimarer Republik

Bereits der Tag der Proklamation trug den Keim weiterer Ursachen für die Instabilität der Republik in sich. So rief wenige Stunden nach Proklamation von Philipp Scheidemann der Kommunist Karl Liebknecht die „freie sozialistische Republik Deutschland“ aus, in der die „Herrschaft des Kapitalismus“ gebrochen sei und propagierte eine „neue staatliche Ordnung des Proletariats“ mit dem Ziel der „Vollendung der Weltrevolution“. 4 Damit lehnte er sich direkt an die Oktoberrevolution in Russland 1917 an. Tatsächlich hatte sich der erste Arbeiter- und Soldatenrat bereits am 4. November 1918 in Kiel infolge des Matrosenaufstands gebildet. Es folgten weitere in Braunschweig, Bremen, Mannheim, Fürth, Würzburg, München, Rosenheim, Kempten, Lindau, Regensburg, Schweinfurt und Hof, die in der Hauptsache in der Zeit zwischen November 1918 und Mai 1919 bestanden. Höhepunkt dieser Bewegung war der Januaraufstand vom 5. bis 12. Januar 1919 in Berlin der aus der „Spartakusgruppe“ hervorgegangenen KPD. Der Aufstand wie auch die Räterepubliken wurden mit militärischen Mitteln niedergeschlagen – die Kommunistenführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden dabei von Angehörigen rechter Freikorps am 15. Januar 1919 gefangen genommen und getötet.
Der Kampf um das politische System wurde damit zugunsten einer parlamentarisch-demokratischen Ordnung entschieden.

Auch nach dem Ende dieser Unruhen blieb die Situation unsicher.
So gab es Umsturzversuche, wie den sogenannten „Kapp-Putsch“ (13.-18. März 1920) und den Putschversuch von Hitler und Ludendorff (8. und 9. November 1923) in München, die beide scheiterten.
Die Besetzung des Ruhrgebietes (11. Januar 1923 – Juli/August 1925) durch französische und belgische Truppen, um die Erfüllung der deutschen Reparationsverpflichtungen zu erzwingen, führte zu Generalstreiks, Sabotageakten und auch Anschlägen auf die Besatzungstruppen. Diese Ereignisse führten zur Hyperinflation, durch die am 15. November 1923 eine Währungsreform notwendig wurde. Erst ab 1924 beruhigte sich die Situation und die Republik stabilisierte sich.
Die Situation verschlechterte sich mit dem sogenannten „Schwarzen Donnerstag“ im Oktober 1929 wieder, mit dem die Weltwirtschaftskrise begann. Eine Drosselung der Industrieproduktion und hohe Arbeitslosigkeit war die Folge. Während es in Deutschland im Jahre 1927 nur etwa 1 Million Arbeitslose gab, stieg die Zahl bis Ende September 1929 auf 1,4 Millionen und bis Februar 1930 auf bereits 3,5 Millionen. Ihren Höhepunkt erreichte die Krise auf dem Arbeitsmarkt im Februar 1932, als es 6.120.000 Arbeitslose gab. Zudem wurden die öffentlichen Gehälter um 25 % vermindert und die Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe wurden stark gekürzt.
Weitere Schwächen der Republik lag im Politischen System begründet. So gab es keine Sperrklausel bei den Reichstagswahlen – eine Vielzahl von im Reichstag vertretenen Parteien waren die Folge, die stabile Regierungsbildungen verhinderten und häufige Neuwahlen notwendig machten. Von Januar 1919 – März 1933 fanden insgesamt 9 Wahlen zum Reichstag/Nationalversammlung statt. Die häufigen Regierungsumbildungen und Reichstagsauflösungen führten insbesondere in der Endphase der Weimarer Republik ab 1930 dazu, dass Reichspräsident v. Hindenburg verstärkt die Regierungsgewalt mit Hilfe von Notverordnungen und sogenannten Präsidialkabinetten, die sich im Reichstag auf keine Mehrheit stützen konnten, an sich zog.
Ebenfalls in die Endphase der Weimarer Republik fällt der sogenannte „Preußenschlag“. In der Landtagswahl am 24. April 1932 in Preußen, dem mit Abstand größten Flächenstaat Deutschlands, errangen die beiden radikalen Parteien NSDAP und KPD zusammen 219 Sitze, die demokratischen Parteien hingegen nur 204 Sitze. Eine regierungsfähige Landesregierung mit ausschließlich demokratischen Parteien war damit nicht möglich. Das führte dazu, dass die bisherige Landesregierung aus SPD, Zentrum, DDP und DStP am 19. Mai 1932 zurücktrat und laut Verfassung lediglich geschäftsführend im Amt blieb. Obwohl dazu nicht befugt, forderte Reichskanzler Franz von Papen am 7. Juni 1932 den Landtagspräsidenten Hanns Kerrl (NSDAP) per Brief auf, die amtierende Landesregierung durch eine gewählte zu ersetzen. Rechnerisch wäre in Preußen eine Koalition aus NSDAP (162 Sitze) und Zentrum (67 Sitze) mit einer Mehrheit von insgesamt 229 Sitzen möglich gewesen – zusammen mit den 31 Sitzen der DNVP hätte diese Koalition sogar eine Mehrheit 260 von 423 Sitzen gehabt. Eine solche Koalition strebte Papen in Preußen an. Die Koalitionsverhandlungen scheiterten jedoch an der NSDAP.
Währenddessen verschlechterte sich die Sicherheitslage in ganz Deutschland erheblich. Im Vorfeld der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 kam es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen insbesondere zwischen Anhängern von NSDAP und KPD, bei denen es zu etwa 300 Toten und über 1100 Verletzten kam. Höhepunkt der Auseinandersetzungen war der „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932. Es war der blutigste Wahlkampf in der Geschichte der Weimarer Republik. 5
Diese Situation nutzte Papen mit Rückendeckung durch Reichspräsident Hindenburg aus, als er am 20. Juli 1932 die geschäftsführende Landesregierung mit dem Vorwand absetzte, dass „die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Preußen nicht mehr gewährleistet erscheine“. 6 Unter Protest der bisherigen Landesregierung, aber ohne weiteren Widerstand von SPD oder der Gewerkschaften setzte Papen eine Kommissariatsregierung unter Franz Bracht (parteilos, ehemals Zentrum) ein – weitere Ablösungen gab es auch bei der preußischen Polizei.
Dieser als „Preußenschlag“ in die Geschichte eingegangene Staatsstreich im Land Preußen stand noch nicht im Zeichen der Machtergreifung Hitlers in ganz Deutschland, wohl aber wurde dessen spätere Zentralisierung durch die Aufweichung des Föderalismus erleichtert. Es deutete sich hier bereits eine Demontage der Demokratie in großen Teilen Deutschlands an, an der prominente Persönlichkeiten außerhalb der extremen Parteien die Hauptakteure waren.

 

Bild Kapp-Putsch: Bundesarchiv, Bild 183-J0305-0600-003 / CC-BY-SA

 

Artikel aus dem Magazin: Untergang der Weimarer Republik