Stalingrad-GrenadierIn Russland gilt die Schlacht um Stalingrad als Wendepunkt im II. Weltkrieg. Das deutsche Reich hatte seine gesamte 6. Armee verloren – die Stadt, die Stalins Namen trug, war zur Hölle für hunderttausende Deutsche und Russen geworden.

Im Kessel wurde den hungernden, frierenden, erschöpften und traumatisierten Soldaten die Losung „Drum haltet aus, der Führer haut uns raus“ ausgegeben – die Hoffnung auf ein Ausbrechen wurde jedoch alsbald zerstört. Was folgte, waren zermürbende Kämpfe, die endgültige Niederlage und die Kriegsgefangenschaft für zehntausende junge Soldaten.

Inhalt

1. Die Stadt Stalingrad
2. Operation Barbarossa und Fall Blau
3. Die Schlacht von Stalingrad
3.1. Deutsche Offensive und Eroberung
3.2. Operation Uranus und Einkesselung
3.3. Einstellung der Kämpfe und Kriegsgefangenschaft
4. Friedrich Paulus
5. Auswirkungen
6. Zahlen und Fakten

1. Die Stadt Stalingrad

Stalingrad, das heutige Wolgograd, liegt am rechten Ufer der Wolga und 1075 Kilometer südlich von Moskau an einer wichtigen Handelsroute zwischen Wolga und Don.
Vor Beginn der Angriffe lebten in der Stadt etwa 500.000 Menschen, wobei im Laufe des Sommers 1942 zahlreiche Flüchtlinge hinzukamen.
Für die Sowjetunion war Stalingrad von großer strategischer Bedeutung. So stellte die Wolga eine kriegsbedeutende Wasserstraße dar, die als Nachschubweg für Rüstungsgüter aus den USA diente. Für Stalin, den russischen Diktator, hatte die Stadt auch großen symbolischen Charakter. Er hatte sie während des russischen Bürgerkrieges verteidigt – sie wurde 1925 zu Stalins Ehren von Zarizyn in Stalingrad umbenannt.

 

 

 

2. Operation Barbarossa und Fall Blau

 

 

 

 

 

 

Ein deutscher Soldat deutet auf ein Schild

Stalingrad ist noch 13 Kilometer entfernt…

Es weiß noch keiner, welche Hölle auf Deutsche und Russen wartet.

 

Am 22. Juni 1941 begann die Wehrmacht mit dem Angriff auf die Sowjetunion – die Planungen des Feldzuges wurden unter dem Namen „Operation Barbarossa“ geführt. Im Russlandfeldzug waren mehr als 3 Millionen deutsche Soldaten beteiligt.
panzer-fall-blauDer Fall Blau bezeichnet hierbei den ersten Teil der Sommeroffensive im Jahr 1942. Hitler wollte sich die kriegswichtigen Ölfelder im Kaukasus (Baku) sichern. Ein Teil dieser Offensive bildete der Angriff auf Stalingrad, an dem die 6. Armee, die 4. Panzerarmee sowie die 4. rumänische Armee beteiligt waren.
Mit der Eroberung Stalingrads sollte die Nachschublinie für Rüstungsgüter der Sowjetunion abgeschnitten werden, sowie ein weiteres Vorstoßen in den Kaukasus sichern. Für Hitler spielte zudem der symbolträchtige Name Stalingrad eine gewichtige Rolle.

 

3. Die Schlacht von Stalingrad

 

Deutsche Soldaten warten in der Steppe vor Stalingrad

Insgesamt sind an der Schlacht um Stalingrad 800.000 deutsche Soldaten beteiligt.

Am Ende wird eine gesamte Armee ausgelöscht sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schlacht von Stalingrad war eine der größten Schlachten des II. Weltkriegs. Die Kampfhandlungen können in 3 Abschnitte unterteilt werden: Der Vorstoß der 6. Armee, der zur Eroberung von ca. 90 % der Stadt führte, die Einkesselung durch die Sowjetunion und die endgültige Niederlage mit der Folge, dass über 100.000 deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft gezwungen wurden.

3.1. Deutsche Offensive und Eroberung

Luftangriff auf StalingradDie 6. Armee unter Friedrich Paulus eröffnete am 23. August 1942 den Angriff auf Stalingrad. Die Luftwaffe flog massive Einsätze, wobei an einem Tag bis zu 1.600 Einsätze geflogen und 1.000 Tonnen Bomben abgeworfen wurden. Insgesamt warf die deutsche Luftwaffe ca. 1 Million Bomben auf die Stadt mit einem Gesamtgewicht von 100.000 Tonnen ab.
Die Luftangriffe trafen die Zivilbevölkerung stark, etwa 40.000 Bürger starben bei den ersten Luftschlägen. Eine Evakuierung der Bevölkerung wurde von Stalin abgelehnt. Er wollte durch die Anwesenheit der Zivilbevölkerung die sowjetischen Soldaten in ihrem Kampfeswillen motivieren.
Frauen und Kinder mussten deshalb Panzergräben ausheben, die Verteidigungsstellungen ausbauen und teilweise selbst in Kampfhandlungen eingreifen. Viele Zivilisten traf der deutsche Angriff völlig unerwartet.
Erst Ende August wurde mit der Evakuierung begonnen, wobei eine solche vollständig überhaupt nicht möglich war – etwa 75.000 Menschen mussten in der umkämpften Stadt zurückbleiben.
Der Kampf um Stalingrad selbst war erbittert: Sowjetische Panzer wurden eingegraben, jede Kreuzung und Anhöhe war stark umkämpft. Der deutsche Vormarsch konnte nur mit hohen Verlusten (auf beiden Seiten) erreicht werden.

 

3.2. Operation Uranus und Einkesselung

 

Die Soldaten im Kessel von Stalingrad litten nicht nur an an den vernichtenden Kämpfen, sondern auch an Hunger, Hoffnungslosigkeit und Kälte.

 

 

 

 

Allein Kessel starben 110.000 deutsche Soldaten

 

 

Die deutsche Front war stark überdehnt, wobei die Flanken nur von unzureichend ausgerüsteten italienischen und rumänischen Verbänden gedeckt wurden. Zwar stand hinter der 3. rumänischen Armee, ein Panzerkorps – dessen Einsatzfähigkeit war jedoch stark beeinträchtigt, da Mäuse die Käbel der Panzer zernagt hatten.
Kesselschlacht 2Deshalb konnte auch die Panzeroffensive der Sowjetarmee nicht aufgehalten werden, als diese bei der Operation Uranus in einer Zangenbewegung die 6. Armee einkesselte. Der Ring um Stalingrad war geschlossen.
Ein Ausbrechen der 6. Armee war nicht möglich – die Versprechen von Hermann Göring, den Kessel aus der Luft versorgen zu können, waren Hirngespinste. Der Mindestbedarf von 550 Tonnen täglich konnte nie erreicht werden. Im Kessel selbst waren die deutschen Soldaten auch der zermürbenden Propaganda der Sowjetunion ausgesetzt („Alle sieben Sekunden stirbt ein deutscher Soldat – Stalingrad Massengrab; unterlegt mit dem Ticken einer Uhr).
Im Unternehmen Wintergewitter sollte die Panzerarmee von Erich von Manstein einen Entlastungsangriff zur Befreiung der 6. Armee durchführen. Dieser wurde jedoch gestoppt. Die aufkeimende Hoffnung der eingeschlossenen Soldaten auf Rettung, die bereits den Geschützdonner hören konnten, wurde so abrupt zerstört.
Die Deutschen igelten sich ein und litten neben den Kampfhandlungen noch unter Unterversorgung und Kälte – nur wenig der Soldaten waren mit ausreichender Winterausrüstung versorgt: Unterwäsche, Uniform und Wintermantel reichten im russischen Winter bei – 30 Grad nicht aus.

 

 

3.3. Einstellung der Kämpfe und Kriegsgefangenschaft

 

 

 

 

Die deutschen Truppen hatten der sowjetischen armee nichts mehr entgegen zu setzen, als diese den Ring enger zog. 

Das Bild zeigt eine sowjetische Einheit beim Angriff.

 

 

Die Rote Armee begann nach der gescheiterten Befreiungsaktion durch Manstein den Ring enger zu ziehen. Die deutschen Soldaten hatten den Russen nichts mehr entgegenzusetzen. Am 31. Januar 1943 gingen Paulus und sein Stab in Gefangenschaft – dieser war kurz zuvor von Hitler noch zum Generalfeldmarschall befördert worden. Die Beförderung muss wohl als Aufforderung zum Suizid verstanden werden, denn noch nie war ein deutscher Feldmarschall in Gefangenschaft geraten.
Am 02. Februar wurden im Nordkessel die Kampfhandlungen eingestellt, die deutsche Armee kapitulierte.
Deutsche KriegsgefangeneIn Deutschland wurde die Nachricht, dass die Schlacht um Stalingrad verloren gegangen war, am 03. Februar verlautet. Die deutsche Propaganda behauptete dabei wahrheitswidrig, dass alle deutschen Soldaten gefallen seien.
110.000 deutsche Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft, wovon nur 5.000 zurückkehrten.

4. Friedrich Paulus

Friedrich Paulus wurde am 23. September 1890 in Nordhessen geboren und starb am 01. Februar 1957 in Dresden (DDR). Er war während der Schlacht um Stalingrad der Oberbefehlshaber der 6. Armee und wurde am Ende der verlorenen Schlacht von Hitler zum Generalfeldmarschall ernannt.
Bis 1953 war er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Er sagte als Zeuge (nicht als Angeklagter) während der Nürnberger Prozesse aus.
Friedrich PaulusPaulus war sehr umstritten – als General setzte er bedingungs- und vorbehaltslos die Befehle Adolf Hitlers um. In russischer Kriegsgefangenschaft schwenkte er dann auf die Linie der Sowjets um und rief deutsche Truppen zur Niederlegung der Waffen auf. Sein Ersuchen eine deutsche Freiwilligenarmee gegen Hitler aufzustellen, blieben erfolglos. Seine Familie wurde in Deutschland derweil in Sippenhaft genommen – seine Frau wurde zudem aufgefordert, den Namen Paulus abzulegen, wogegen sie sich jedoch widersetzte.
In der DDR wurde Paulus ein luxuriöses Leben ermöglicht – durch den Westkurs Adenauers war für die DDR-Führung die Fürsprache bekannter Deutscher nötig.
Paulus erkrankte an einer unheilbaren Nervenkrankheit und verstarb am 01. Februar in seiner Villa in Dresden.

5. Auswirkungen

Die Auswirkungen der Schlacht von Stalingrad sind umstritten. Der Aussage, dass Stalingrad ein Wendepunkt im II. Weltkrieg sei, kann wohl nicht vorbehaltlos zugestimmt werden. Bereits mit der verlorenen Schlacht vor Moskau war die deutsche Ostoffensive gestoppt und musste auf russische Gegenangriffe geantwortet werden.
Wohl hat jedoch der (so von der Propaganda bezeichnete) „Opfergang der 6. Armee“ die Front gestärkt, da erhebliche Truppen der Roten Armee gebunden waren.
Der symbolische Charakter der verlorenen Schlacht ist als sehr hoch einzustufen. Für Russland spiegelt der Sieg den Wendepunkt im „Großen Vaterländischen Krieg“ wieder. Die deutsche Bevölkerung nahm ab diesem Zeitpunkt verstärkt wahr, dass der Krieg verloren gehen könnte.
Der Widerstand der Wehrmacht gegen Hitler bildete sich zudem nach der Niederlage. Die Alliierten um England und Amerika nahmen die Sowjetunion nach deren Sieg in Stalingrad als künftige Siegermacht wahr.

6. Zahlen und Fakten

  • Auf deutscher Seite kämpften neben den deutschen Soldaten auch rumänische, kroatische, italienische und ungarische Soldaten.
  • Die Truppenstärke der deutschen Armee betrug etwa 850.000 Mann, die der Sowjetunion 1,7 Millionen Mann.
  • Im Kessel starben 150.000 deutsche Soldaten.
  • Rund 108.000 deutsche Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft.

 

Lizenzen

Bild 1: Bundesarchiv, Bild 183-B29906 / CC-BY-SA
Bild 2: Bundesarchiv, Bild 101I-218-0506-31 / Sautter / CC-BY-SA
Bild 3: Bundesarchiv, Bild 169-0283 / CC-BY-SA
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Bild 6: Bundesarchiv, Bild 183-E0406-0022-001 / CC-BY-SA
Bild 7: Bundesarchiv, Bild 183-R74190 / CC-BY-SA
Bild 8: Bundesarchiv, Bild 183-B24575 / Mittelstadt, Heinz / CC-BY-SA