Geschichte-Wissen erhielt vom Penguin-Verlag ein Rezensionsexemplar des neu erschienenen Buches „Der Kaiser reist inkognito – Joseph II. und das Europa der Aufklärung“ von Monika Czernin. Wir möchten das zum Anlass nehmen und die Biographie des österreichischen Erzherzogs und deutschen Kaisers vorstellen – verbunden mit einer Besprechung des Buches, wobei wir dies schon vorab verraten können: Die Lektüre lohnt sich ohne Einschränkungen.

 

Die Dynastie der Habsburger

Joseph II. wurde am 13.03.1741 im Wiener Schloss Schönbrunn als Sohn von Maria Theresia und Großherzog Franz Stephan von Lothringen geboren. Als erstgeborener Sohn war er nach drei Mädchen der ersehnte Thronfolger, der in unruhigen Zeiten zur Welt kam. Die österreichische Habsburgermonarchie stand vor existenzbedrohenden Problemen: Vor allem Preußen unter Friedrich dem Großen erwies sich als mächtiger Gegenspieler der Habsburger. Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740 – 1748) herrschte und hatte den Hintergrund, dass nach dem Tod Kaiser Karls VI. (Maria Theresias Vater) kein männlicher Thronfolger vorhanden war und Maria Theresia als Tochter den österreichischen Erzherzogthron bestieg. Mehrere europäischen Fürsten erhoben daraufhin Anspruch auf das römisch-deutsche Kaisertum. In diesem Zuge entfachte Friedrich der Große den ersten Schlesischen Krieg von 1740 – 1742 um die Vorherrschaft in Schlesien. Österreich verlor große Teile des Landes und Preußen stieg zur Weltmacht auf. 1742 wurde mit Kaiser Karl VII. ein Wittelsbacher römisch-deutscher König – zuvor hatten 300 Jahre lang die Habsburger diesen gestellt. Josephs Geburt festigte in dieser Gemengelage Maria Theresias Herrschaft und 1745 konnte sie nach dem Tod Karls VII. erreichen, dass ihr Ehemann Franz Stephan zum römisch-deutschen König wurde.

Joseph II. im Kindesalter mit seinen Eltern

Joseph II. wurde zum Herrscher erzogen. Ein Prinzenerzieher förderte seine Vorliebe für das Militär. Besonders stach seine Begabung für Fremdsprachen hervor. Neben dem höfischen Französisch beherrschte er Latein, Italienisch, Ungarisch und Tschechisch. Ein Jesuit bildete ihn religiös aus, auch naturwissenschaftliches und später historisches Wissen wurden ihm vermittelt. Joseph entwickelte aufgrund seiner Stellung in jungen Jahren ein Überlegenheitsgefühl, das durchaus kritisch gewürdigt wurde. So wurde er als hochmütig, unnachgiebig und faul bezeichnet. Die Denker der Aufklärung, vor allem Voltaire, hatten einen bedeutenden Einfluss auf den Thronfolger und bereits früh nahm er in Denkschriften sein späteres Reformprogramm voraus.

Die Hochzeit von Joseph II. mit Isabella

Wie in Adelshäusern zu dieser Zeit üblich, sollte die Verbindung von Joseph II. mit Isabelle von Bourbon-Parma, einer Enkelin des französischen Königs, das europäische Mächtegleichgewicht festigen. 1760 wurden der Habsburger und die Bourbonin getraut, wobei Joseph seiner Gattin wirkliche Liebe entgegenbrachte, die allerdings nicht lange währen konnte, da Isabella bereits nach dreijähriger Ehe an den Pocken verstarb. Eine zweite Ehe mit Maria Josepha war mehr als unglücklich, wobei er auch diese Frau 1767 an die Pocken verlor. Eine dritte Ehe ging er nicht ein – das ist für eine Person in der Stellung Josephs II. außergewöhnlich.

 

Die Zeit der Mitregentschaft

Die obigen Ausführungen machten deutlich, dass Josephs Leben bis zu einem gewissen Punkt vorbestimmt war. Die Ehen dienten der Machtstabilisierung, seine ganze Ausbildung war auf sein künftiges Amt ausgerichtet und seine Mutter als bewusste Machtpolitikerin festigte seine Stellung mit der Ernennung Josephs zum römisch-deutschen Kaiser im Jahr 1764. Nachdem sein Vater bereits im Folgejahr verstorben war, wurde er zum Kaiser (wobei mit diesem Amt allerdings keine wirkliche Macht verbunden war) und zum Mitregenten neben seiner Mutter in den habsburgischen Ländern, die zu dieser Zeit Österreich, Böhmen (heute Tschechien), Ungarn, Belgien und Luxemburg umfassten.

In einer prunkvollen Zeremonie wurde Joseph II. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Prunk und zeremoniell lehnte der junge Kaiser jedoch ab.

Die Beziehung des jungen Kaisers zu seiner Mutter, der Mitregentin, wurde in den Folgejahren ein ums andere Mal sehr strapaziert. Die Hintergründe und Einstellungen dieser Menschen waren sehr unterschiedlich: Bei Maria Theresia spielte der Glaube eine immense Rolle, Joseph war jung und von den aufklärerischen Idealen beseelt. Beide hatten ein unterschiedliches Staatsverständnis, auch wenn man das aus heutiger Sicht nicht fehldeuten sollte: Joseph war kein Demokrat, er wollte allerdings wirklich Reformen und die Macht des Adels war ihm ein Dorn im Auge. Dennoch stechen seine Herrschaftsvorstellungen hervor: Man muss bedenken, in welcher Zeit Joseph lebte: Der Absolutismus herrschte, in Frankreich waren noch die Bourbonen an der Macht – die Französische Revolution sollte sich erst 1789 ereignen. Die Menschen waren oft Leibeigene ihrer Fürsten und mussten Robote leisten, sodass ihnen kaum etwas für das eigene Leben verblieb. Joseph wollte diese Lebensumstände verändern. Er verzichtete auf einen großen Hofstaat, um zu sparen, verwendete das ererbte Vermögen seines Vaters zur Schuldentilgung und nahm sich dem Los der Armen und Hilflosen an.

Die Mitregentschaft endete 1780 mit Maria Theresias Tod.

 

Josephs Reformen

Oben wurde bereits angedeutet, dass Joseph einen enormen Reformwillen entfaltete. Mit ihm kann der „aufgeklärte Absolutismus“ assoziiert werden. Joseph verstand sein Amt als Dienst am Staat und versuchte den Einfluss des Adels und Klerus zurückzudrängen. Dass er hierbei auf enorme Widerstände stoßen musste, ist offensichtlich. Die angesprochene Leibeigenschaft hob er 1781 als Alleinregent auf. Er förderte das Beamtentum und zentralisierte seinen Staat. Die Sonderrechte der Länder wollte er aufheben.

Diese Reformbestrebungen lösten in den Niederlanden heftige Unruhen aus. Die Österreichische Niederlande hatte stets eine sehr eigenständige Rolle und ein großes Selbstbewusstsein. Die Herrscher aus Österreich waren weit weg und die Reformen Josephs bedrohten die lokalen Machthaber. Auch in Ungarn brach beinahe ein Aufstand aus. Letztlich musste Joseph zahlreiche seiner Reformen zurücknehmen – ein Umstand, der ihn ernüchterte und desillusionierte.

Bleibend waren jedoch seine Bemühungen in der Justizpolitik, die Fortschritte im Gesundheitswesen und – am berühmtesten – die Religionspolitik. Das Glaubensmonopol der Katholischen Kirche wurde gebrochen, Protestanten und Juden wurden in ihrer Religionsausübung geduldet, wiewohl der Katholizismus weiterhin vorrangig war.

Außenpolitisch war Joseph wenig erfolgreich. Kriege waren damals ein normales Mittel der Politik und so kämpfte er im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/1779 gegen Friedrich II., den er eigentlich bewunderte. Im Bündnis mit Russland wurde er in einen Krieg gegen die Osmanen gezwungen. Eine erhebliche Ausweitung des Staatsgebietes war damit allerdings nicht verbunden.

1790 starb Joseph in Wien – ein für seine Zeit aufgeklärter Herrscher, der jedoch mit großen Widerständen kämpfen musste.

 

Die Reisen des Kaisers

„Der Kaiser reist inkognito“ von Monika Czernin (c) 2021 Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH München

Nach diesen zusammenfassenden Worten über das Leben von Joseph II. nun zu dem eingangs angesprochenen Buch „Der Kaiser reist inkognito“. Wie der Titel von Monika Czernins Buch bereits verrät, beschäftigt sie sich mit ausgewählten Reisen von Joseph II. und schildert so dessen Leben und die Umstände, in denen er lebte und regierte.

Joseph II. dürfte derjenige Herrscher gewesen sein, der am meisten reiste. Ihm war wichtig, sein Reich und seine Untertanen kennenzulernen und verfasste aufgrund seiner Eindrücke Denkschriften, die seine Reformbestrebungen zusammenfassten. Hautnah erlebte er die Armut und das Unglück der bäuerlichen Bevölkerung, den Verschwendungsreichtum der Herrschenden und die Probleme der Verwaltung des Riesenreiches.

Monika Czernin schildert die Reisen des Kaisers sehr anschaulich. Geschickt verwebt sie Fakten mit Original-Schilderungen des Kaisers und seiner Begleiter aus Briefen und Denkschriften. Sie erstellt ein Gemälde der Zeit mit der Persönlichkeit von Joseph II. im Mittelpunkt.

 

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