Darstellung der Neandertaler. Quelle

Die Neandertaler faszinieren uns Menschen seit ihrer Entdeckung. Die Forschung hat seitdem erstaunlich viel über die Lebensweise und Geschichte dieser Menschen herausgefunden, wobei immer noch viele Fragen offenbleiben. Rebecca Wragg Sykes widmet sich in ihrem Buch „Der verkannte Mensch“ dem Leben dieses Verwandten des modernen Menschen. Wir möchten uns in diesem Artikel, der im Wesentlichen auf den Ausführungen von Wragg Sykes beruht, mit der Entdeckung der Neandertaler beschäftigen.

Die Entdeckung von „Neandertal 1“

Im Neandertal, einem Tal im heutigen Nordrhein-Westfalen in der Nähe von Düsseldorf wurden 1856 Teile des Skeletts eines Neandertalers gefunden. Das Fossil wird wissenschaftlich als „Neandertal 1“ bezeichnet. Die Entdeckung verdanken wir der Marmor- und Kalksteinindustrie. In einer kleinen Höhle entdeckten die Bergarbeiter unter Tonschlamm einige große Knochen. Glücklicherweise war der Besitzer des Steinbruchs naturhistorisch interessiert und sicherte die Funde.

Wissenschaftler erkannten dann schnell, dass es sich um menschliche Knochen handeln musste, obwohl die Knochen (für Menschen) ungewöhnlich massiv waren und die flache Stirn eher an einen Affen erinnerte. Die Forscher kamen zum Schluss, dass es sich um einen primitiven Urzeitmenschen handelte: Den homo neanderthalensis.

Neandertal 1 war nicht der erste aufgefundene Neandertaler

Allerdings ist Neandertal 1 nicht der erste aufgefundene Neandertaler – die zuvor entdeckten Fossilien wurden schlicht als solche nicht erkannt: Schon 1829 fand ein Arzt und Hobby-Archäologe in Belgien einen Teil eines Schädels, der sonderbar länglich war. Warum dieser Entdeckung keine besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde? Das Fossil stammte von einem Kind – der Schädel war daher noch nicht ausgewachsen. Im Neandertal hingegen wurden Skelettteile eines erwachsenen Mannes entdeckt.

Auch in Gibraltar wurde bereits 1848 ein fast vollständiger Schädel eines Neandertalers entdeckt, wobei der Entdeckung (überraschenderweise) keine besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. Erst 1864 wurden die Auffälligkeiten des Schädels mit seinen großen Nasenöffnungen wissenschaftlich untersucht. Die Ähnlichkeit mit dem Schädel von Neandertal 1 war augenfällig.

Die Neandertaler widersprachen dem damaligen Weltbild

Die Menschen hatten im 19. Jahrhundert ein sehr christliches Weltbild und es braucht keine allzu große Fantasie, um sich die Entrüstung vorzustellen, die mit der Entdeckung des Neandertalers einherging: Es gab vor dem modernen Menschen einen mittlerweile ausgestorbenen Vertreter der Gattung „homo“, der einen anderen Körperbau hatte. Das war mit dem christlichen Bild der Erschaffung der Welt in 7 Tagen nicht vereinbar.

So erfuhren auch die Veröffentlichungen um den Neandertaler erheblichen Widerspruch. Koryphäen wie Rudolf von Virchow (der dem Leser vielleicht aus der Fernsehserie „Charité“ bekannt ist) führten die Abweichungen im Knochenbau auf Erkrankungen und Verletzungen zurück. Virchow nahm an, dass es sich um einen russischen Kosaken mit Arthritis und Rachitis handeln müsse. Die Beine des Menschsen seien durch das lange Reiten deformiert worden. Letztlich setzten sich die korrekten wissenschaftlichen Erkenntnisse aber durch.

Die Entdeckung der ersten vollständigen Skelette

Die ersten vollständigen Skelette von Neandertalern wurden erst 1886 (30 Jahre nach Neandertal 1) wiederum in Belgien entdeckt. Es wurden zwei Skeltte von erwachsenen Menschen mit einem lang gestreckten Schädel, fliehendem Kinn und massivem Knochenbau aufgefunden.

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