Die Frage klingt banal: Wie lebten und wohnten die Neandertaler? Die Beantwortung ist jedoch schwierig und ist auch in der Forschung umstritten. Sicher ist: Die Neandertaler hatten Räume zum Schlafen, Essen und „Arbeiten“, wobei eine Feuerstelle den Mittelpunkt bildete. Die aktuellen Forschungen zeigen ein faszinierendes Bild einer urzeitlichen Lebensweise.

Die Feuerstelle als zentrale Erkenntnisquelle

Unser Wissen über die Neandertaler basiert auf Funden, Auswertungen und Forschungen. Anhand vorgefundener Artefakte, der Struktur der Überreste und deren Anordnung können wir auf die Lebensweise der Neandertaler schließen, ohne jedoch eine 100 %ige Sicherheit zu erreichen.

Eine Darstellung, wie sich die Menschen im Jahr 1888 den Neandertaler vorstellten. Quelle

In vielen Stätten der Neandertaler wurden verkohlte Holzstücke und andere Artefakte gefunden, die den sicheren Schluss zulassen, dass diese frühen Menschen über Feuer verfügten. Die fast schon zwingend daran anschließende Frage, ob die Neandertaler das Feuer beherrschten, lässt sich nicht mit Sicherheit, aber doch einer hohen Wahrscheinlichkeit mit „Ja“ beantworten: Da Überreste von Feuerstellen auch in Gegenden gefunden wurden, wo Blitzeinschläge äußerst selten vorgekommen sein dürften, ist es naheliegend, dass die Neandertaler Feuer entzünden konnten. Dies dürfte mit Feuersteinen, die aneinandergeschlagen wurden, geschehen sein. Forscher haben auch Überreste von Mangandioxid entdeckt, was auf einen urzeitlichen „Grillanzünder“ (so Rebecca Wragg Sykes in ihrem Buch „Der verkannte Mensch“) schließen lässt – sicher ist dies aber nicht.

Bemerkenswert ist, in welcher Detailltiefe die Forscher das Leben der Neandertaler nachvollziehen konnten: Das verbrannte Holz war zumeist Totholz. Dies lässt darauf schließen, dass Neandertaler sich nicht lange an einem Ort aufhielten, sondern ihre Aufenthalte so kurz waren, dass sie auf das Fällen von Bäumen verzichten konnten.

Neandertaler nutzten das Feuer

Feuer wurde von den Neandertalern für verschiedene Zwecke verwendet:

  • Es diente für Essen, was erklärt, warum viele Knochenfragmente um Feuerstellen gefunden wurden. Dabei ist bemerkenswert, dass diese Menschen in der Lage waren, eine Art Herd mit einer kontrollierten Luftzuführ zu errichten – darauf lassen jedenfalls Kuhlen und die Lage einer Feuerstelle in einer Höhle schließen.
  • Feuer hatte auch die Aufgabe, zu wärmen. Dabei dürften die Neandertaler ihre Feuerstellen bewusst angeordnet haben, um ihre Schlafstätten trotz des Rauches nutzen zu können.
  • Feuer bedeutete auch Schutz vor Tieren, denn die Neandertaler waren in ihrer Umgebung ständigen Gefahren und Angriffen ausgesetzt.

Neandertaler hatten Räume

Forscher haben an Stätten von Neandertalern Überreste von Pfählen entdeckt, die darauf schließen lassen, dass sie im Freien Räume schufen, die sie mit Tierhäuten abtrennten und ihnen Schutz boten. Angesichts der Größe dieser Räume erscheint es allerdings äußerst unwahrscheinlich, dass diese überdacht waren. Neben diesen primitiven „Wohnungen“ nutzten Neandertaler Höhlen, waren aber wohl auch in der Lage sich Unterstände mit Ästen und Tierhäuten zu bauen.

In den Stätten der Neandertaler kam der Feuerstelle die zentrale Bedeutung zu, wobei sich das Leben dieser Menschen darum ansiedelte: Dort wurde geschlafen, gegessen und „gearbeitet“ – wobei man unter Arbeit beispielsweise das Bearbeiten von Steinen verstehen kann.

Aufgefundene Pflanzenreste lassen auch den Rückschluss darauf zu, dass Neandertaler nicht nur auf dem rohen Boden beziehungsweise Stein schlufen: Sie hatten sich wohl ein Polster aus Pflanzen oder Tierhäuten geschaffen.

Urgeschichtliche „Möbel“

Es mag etwas übertrieben klingen im Zusammenhang mit Neandertalern von Möbeln zu sprechen. Allerdings verfügten sie in gewissem Sinne über solche: In Fundstellen konnten größere Sandsteinblöcke entdeckt werden, die wohl als Ablage, Tisch oder Stuhl dienten. Bearbeitungsspuren weisen darauf hin, dass Neandertaler diese Blöcke auch als Ambosse zur Bearbeitung von Steinen oder Tierknochen verwendeten.

An dieser Stelle können wir gerne das Buch „Der verkannte Mensch“ von Rebecca Wragg Sykes empfehlen, auf dem dieser Artikel maßgeblich basiert.

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