1515 erschütterte ein Mord Württemberg: Herzog Ulrich von Württemberg tötete seinen Stallmeister Hans von Hutten. Der Grund: Die Liebe des Herzogs zur Frau seines Stallmeisters und die Bloßstellung seiner Gefühle. In der nachfolgenden wissenschaftlichen Ausarbeitung werden die Hintergründe der Tat, die Folgen und insbesondere die publizistische Aufarbeitung dargestellt. Die Arbeit entstand in einem Proseminar an der Universität Luzern

Wie konnte dieses Ereignis zur Verbreitung von Flugschriften und Schmähbriefen beitragen?

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: Das erste Ausschreiben Ulrich von Huttens

II. Hauptteil: Der Mord an Hans von Hutten

1. Der Tathergang

2. Welche Umstände haben zum Mord an Hans von Hutten geführt?

3. Die am Mordfall beteiligten Personen

4. Die zur Verfügung stehende Literatur zum Mordfall an Hans von Hutten

5. Wie konnte dieser Mordfall zur Verbreitung von Flugschriften beitragen?

6. Wie ging die Familie von Hutten gegen Herzog Ulrich vor?

7. Die Rolle Ulrich von Huttens als Publizist

8. Die Entstehung des „Phalarismus“

III. Schlussteil: Epilog und der Fall des Herzogs

Literaturverzeichnis

I. Einleitung: Das erste Ausschreiben Ulrich von Huttens

Ulrich von Hutten war zusammen mit seiner Familie bemüht, den Mord an seinem Vetter Hans von Hutten durch die Bestrafung des Mörders zu sühnen. Sie betrieben ihre Sache unter anderem mit mehreren Ausschreiben, an deren Ausarbeitung Ulrich von Hutten zweifellos mitgewirkt hatte[1]. Ludwig von Hutten hatte alle Fürsten, Prälaten, Grafen, Freiherren, Ritter, Städte und Gemeinden aufgefordert, den Herzog zu meiden und ihm keinen Beistand zu leisten, wozu ihm das neue Mittel der Druckkunst eine rasche und weiträumige Verbreitung von Nachrichten und Meinungen erlaubte. Was Wunder: Der Mord an Hans von Hutten fand lauten Widerhall und ist auf einem zweiten Druckwerk außerdem durch einen kolorierten Holzschnitt bildlich dargestellt[2]. Ulrich von Hutten hat die Ehre seiner Familie zudem in fünf lateinischen Reden verfochten, deren Vorbilder Ciceros Anklagen gegen Verres und Catilina waren. Er wandte sich an den Kaiser und an alle Deutschen, das Schwert der Gerechtigkeit nicht ruhen zu lassen[3].

Unter dem Datum des 13. Juli 1516 lässt Ludwig von Hutten sein längst gedrucktes erstes Ausschreiben über den Tod seines Sohnes nach längerem Abwarten an die Öffentlichkeit gelangen, und zwar ist es als Begleitschreiben an die württembergische Landschaft beigefügt. Seiner Meinung nach gab es ein bestehendes, deutlich sichtbares Interesse und ein Recht zur Wahrung der Ehre im Sinne der sittlichen Achtung und des guten Rufes oder des Namens, das er sich zur Pflicht machen konnte. Auch war er überzeugt, dass nicht nur seine Familie selbst, sondern der ganze Adel in seiner Ehre betroffen war. Dieser Ausgangspunkt konnte also bereits zur Verbreitung von Flugschriften beitragen. Dies wird in der Tat dadurch belegt, dass nicht wenige adelige Herren, die bisher in den Diensten des Herzogs von Württemberg standen, sich vom Fürsten losgesagt hatten, sobald sie von diesem Ereignis in Kenntnis gesetzt worden waren. Ludwig von Hutten hatte sein erstes Ausschreiben mit dem Datum vom 10. November 1515 in Anbetracht der bisherigen Einigungsbemühungen zurückgehalten. Am 13. Juli 1516 erschien es gesiegelt und wurde an zahlreiche Stellen versandt[4].

Ulrich von Württemberg ermordet Hans von Hutten, aus: Ulrich von Hutten: „Super interfectione…“, Mainz 1519 (Prädikantenbiblothek Isny) – Quelle

Diesem Ausschreiben ist ein kolorierter Holzschnitt beigefügt. Die Darstellung der grauenhaften Szene in dicht mit grossen Bäumen bewachsenem Wald ist in diesem Druck besonders einprägsam. Der ermordete Hans von Hutten ist in ergreifender Weise wirklichkeitsgetreu wiedergegeben. Seine Todesnot wird noch im verkrampften linken Fuß anschaulich zum Ausdruck gebracht. An seinem linken Oberarm ist eine größere Wunde sichtbar, aus der sich ein breiter Blutstrom zur Erde ergießt. Wird das Antlitz des jungen toten Edelmanns auf der kleineren Ansicht wie das eines Entschlafenden und deshalb nicht wahrheitsgetreu gezeigt, so hat Hans Weiditz in diesem Teil seines Holzschnittes Außergewöhnliches geleistet. Das zurückgeworfene Haupt des jungen Hutten, das Ringen mit dem so unvorbereitet hereingebrochenen Schicksal und das Aufstemmen gegen das Verhängnis werden augenscheinlich. Aufgelöst fällt das wallende Haar nach hinten[5].

Das literarische Werk Ulrichs von Hutten ist seit langem fast vollständig hinter dem Bild verschwunden, das sich die Nachwelt von seinem Leben, vor allem aber von seinem politischen Handeln gemacht hat. Dementsprechend spärlich sind Untersuchungen zu seinem Oeuvre. Da dieses fast ausnahmslos aus Gelegenheitsschriften besteht, wurde die Präsentation von Huttens Leben mit der Vorstellung seiner Werke verknüpft. Herausgehoben werden dabei die im 16. Jahrhundert besonders „erfolgreichen“ Schriften. Ulrich von Hutten wird am 21. April 1488 auf Burg Steckelberg bei Schlüchtern geboren. Die elterliche Familie ist Teil eines großen und gut situierten reichsritterschaftlichen Familienverbandes; die adelige Abstammung beeinflusst Ulrich von Hutten zeitlebens[6].

II. Hauptteil: Der Mord an Hans von Hutten

1. Der Tathergang

Am 7. Mai 1515 stach Herzog Ulrich seinen Stallmeister Hans von Hutten nieder, weil dieser nicht für sich behielt, dass sein besonderes Augenmerk dessen Frau Ursula galt und er ihn um die Duldung einer Liebesbeziehung gebeten hatte. Überliefert ist, dass hier eine vorsätzliche Absicht den Hintergrund bildete, es sich also um Mord oder um einen Totschlag handelte, der einer näheren Untersuchung bedarf. Auf alle Fälle war die Erregung über diese Tat im Lande und weit darüber hinaus gewaltig. Dafür sorgte der Familienverband derer von Hutten in einem alle Erwartungen übersteigenden Maße[7]. Der Ablauf der Ereignisse, durch welche es zum Tod des Hans von Hutten kam, ist durch den Briefwechsel der Beteiligten überliefert. Darin werden die vorausschauende Erkenntnis des Vaters Ludwig von Hutten und die nachfolgende Tragik in der ganzen Schwere offenkundig. Wie sich diese Zusammenhänge ereigneten, hat die Familie von Hutten in ihrem gedruckten Ausschreiben vom 22. September 1516 als Rechtfertigung zu des Herzogs Behauptungen ebenfalls öffentlich gemacht. Der Standpunkt einer Gegendarstellung bzw. Rechtfertigung trug auch zur Verbreitung von  Flugschriften bei. Man muss zudem beachten, dass nicht Hans von Hutten, sondern sein Bruder Ludwig den Vater von den Vorgängen in Stuttgart verständigte, die alsbald das Ausmaß eines Skandals annahmen und sich nicht mehr verschwiegen ließen[8].

Des Herzogs Stallmeister Hans von Hutten hatte am 6. Mai 1515 um Entlassung gebeten. Doch der Fürst wollte, ohne eine bindende Antwort zu geben, seine Entscheidung hinauszögern. Es war sein Ziel, Hans im Auge zu behalten. Dieser sollte nicht sein Geheimnis publik machen und über ihn herziehen. Hans wurden diese sich anbahnenden Machenschaften hinterbracht. Er ahnte, was auf ihn zukam, und verließ unter Hinterlegung eines Urlaubsgesuches den fürstlichen Hof. Der Herzog ignorierte sowohl das Urlaubsersuchen als auch die Versuche der gemeinsamen Freunde um eine gütliche Annäherung. Auch billigte er nicht dessen Rückkehr. Am nächsten Tag wollte Herzog Ulrich aus Stuttgart wegreiten. Hans von Hutten war als Stallmeister noch mit einer gewissen Arglosigkeit dabei, er gehörte bis jetzt zum Hofe und wollte nicht ohne förmlichen Abschied und im Streit seine Stellung aufgeben. Deshalb war er an den Hof zurückgekehrt und hoffte, die Einwilligung des Urlaubs zu erhalten. Der Herzog dagegen beharrte in seiner feindseligen Distanziertheit[9]. Eine bedrohliche Lage, in die sich Hans von Hutten zurückgewagt hatte. Wohl im Bedürfnis einer letzten Aussprache schloss er sich am 7. Mai 1515 unbewehrt der Jagdgesellschaft an. Und das, weil er sein Rüstzeug damals in Stuttgart gehabt hatte. Schließlich kam er doch in gewöhnlichem Gewand und Degen, auf einem leichten Pferd, ungerüstet, wie zur Jagd. Der Herzog dagegen trug einen Harnisch und war schwer bewaffnet. Er hatte offensichtlich den Vorsatz, bei dieser Gelegenheit mit seinem Stallmeister abzurechnen[10].

Zu diesem Zweck schickte er auf dem Weg nach Böblingen, wohin der Ritt ging, in einem Waldstück alle Begleiter voraus, selbst den Leibknecht, der immer um seine Person war. Nachdem dieser ihm noch Gurt und Sporen hatte fester schnallen müssen, musste er sich ebenfalls entfernen. Als Hutten und er allein waren, wechselten schnell rohe Worte über zur mitleidlosen Tat. Der Herzog kam unversehens und im Vorteil der Bewaffnung über den Ritter[11]. Den vergeblich um Gnade Flehenden jagte er wiederholt um ein Gebüsch, bis dieser unter sieben Stichverletzungen tot niedersank. Einige der Wunden waren schwerer Natur, andere leichter, fünf waren von hinten erfolgt. Rachsüchtig schleifte der Totschläger den Leichnam seines Opfers vom Kampfplatz fort zur Inszenierung einer Hinrichtung. Denn dort, ein gehöriges Stück vom Tatort entfernt, lag noch der Hut des Ritters. Dem Entseelten legte der Herzog dann einen Gürtel um den Hals und knüpfte ihn damit an seinen Degen, den er in einen Baum gestossen hatte. Durch die Verwendung des eigenen Rittergürtels vom Getöteten war wohl gleichfalls eine Degradierung aus dem Ritterstand beabsichtigt[12].

Zu diesem Zeitpunkt schreibt Eckhard Bernstein, dass er den Toten auch noch symbolisch erhängte, um anzudeuten, dass Hans von Hutten angeblich ein Verbrecher sei, der den Tod durch den Galgen verdiente. Den Huttens verweigerte er die Auslieferung des Leichnams[13]. Günter Scholz hält den Tathergang zwar für unklar: Entweder griff der Herzog, nachdem er sein Gefolge vorausgeschickt hatte, seinen missliebigen Diener ungewarnt an, oder forderte er ihn zu einem ungleichen Zweikampf heraus. Doch die Tatsache, dass das Opfer fünf der sieben tödlichen Wunden in den Rücken erhielt, lässt vermuten, dass Hans von Hutten dem Zorn des Herzogs noch zu entfliehen suchte. Hingegen bestätigt Günter Scholz den Anschein eines Femeurteils: Der Tat fügte der Mörder eine symbolische Schmach zu. Er schlang um den Hals des Getöteten einen Gürtel und befestigte ihn an einem Degen. Der später erhobene Anspruch, als Freischöffe des heimlichen Gerichts gehandelt zu haben, war jedoch unzutreffend. Überdies wäre der Herzog dabei Kläger, Richter und Henker in einer Person gewesen[14].

Nach dem Tatablauf hatte es sich um eine heimtückische, zielgerichtete und planmäßige Tötung gehandelt, der man jegliche Spontaneität absprechen konnte. Das flüchtig gewordene Pferd des Ritters zog die Begleitung herbei. Ulrichs Schwager, Herzog Heinrich von Braunschweig, und sein Jagdgefolge fanden den Ermordeten, hoben den Leichnam auf und sorgten für eine vorübergehende Aufbewahrung in der Kirche zu Holzgerlingen. Der Tod eines Menschen zur beginnenden Neuzeit, wie die Ermordung des jungen fränkischen Hans von Hutten, fand einen seltenen Niederschlag in den Quellen. Betrachtet man den Stammbaum der Vorfahren des Hans von Hutten, so ergibt sich das Bild einer durch Heirat geschickten Familienpolitik. Denn durch solche Eheschließungen verstärkten sie ihre Hausmacht und stellten verwandtschaftliche Bande mit anderen einflussreichen fränkischen Adelsfamilien her[15]. Hatte Ludwig ursprünglich den Auftrag, seinen Bruder zum Vater nach Hause zu bringen, so war es ihm nun nicht einmal mehr möglich, den Leichnam des Getöteten zur letzten Ruhe in heimischer Erde überführen zu dürfen[16]. Der Ort des Geschehens liegt im Böblinger Forst, der sich im Norden des Tübinger Oberforstes befindet. Der Tatort selbst lässt sich jedoch nicht genau lokalisieren. Die in einer Beschreibung eines Markungsumgangs von 1541 enthaltene Erwähnung „des hutten kreutz“ deutet auf den Rohrer Wald, der 1562 von Sindelfingen an Rohr abgetreten wurde. Bei Rohr und im benachbarten Sindelfinger Stadtwald erinnern heute Hutteneichen bzw. –wege an die Mordtat. Unklarheit herrscht auch über den ersten Begräbnisort Hans von Huttens. Dass er bis zu seiner Überführung in die Familiengruft in Franken im Jahr 1519 in Holzgerlingen beigesetzt gewesen sei – wie verschiedentlich behauptet – , ist unwahrscheinlich[17].

Es blieb nun dem leidgeprüften Vater Ludwig von Hutten überlassen, an seinen Gegenschwieger Konrad Thumb und an die Witwe seines Sohnes Hans, seine Schwiegertochter, zu schreiben und den Versuch zu unternehmen, sie zu trösten in dem großen Leid, das Herzog Ulrich über sie gebracht hatte. Weitere Beileids- und Sympathiebekundungen sind überliefert. So wandte sich Sigmund Ritter von Thüngen an Ludwig von Hutten wegen der Ermordung von dessen Sohn, versuchte ihn zu trösten und versprach ihm Rat und Hilfe. Auch Erbtruchsess Dietrich Speth folgte dem gleichen Beispiel, brachte sein Mitgefühl über die Tötung seines Vetters Hans von Hutten zum Ausdruck und bot seine Unterstützung an[18].

2. Welche Umstände haben zum Mord an Hans von Hutten geführt?

Hauptursache des Streites war die Liebe Herzog Ulrichs von Württemberg zu Hans von Huttens Frau Ursula. Herzog Ulrich, der mit der Herzogin wie von Anfang an entzweit und von Leidenschaft zur Frau seines Stallmeisters gepackt war, gesteht in einem Augenblick heftigster Anwandlung dem jungen Hans von Hutten diese Liebe. Er wollte sie haben, der junge Ehemann stellte den Herzog zur Rede, der Herzog fiel ihm zu Füßen und flehte ihn an, ihm seine Leidenschaft zu erlauben. Hans versprach Stillschweigen, aber er plauderte diese Szene aus, die den Herzog demütigen musste. Die Familie von Hutten mischte sich ein, der Vater ließ den Herzog bitten, dem Sohn Urlaub zu geben: Die Absicht war, zuerst ihn und dann seine Frau Ursula vom Hof fortzubringen[19]. Im gleichen Zusammenhang bot Ulrich von Württemberg ihm das Vogtamt in Urach an. Dieser hatte zwar auf eine Veränderung seiner Dienststellung geliebäugelt, doch versprach er sich keine Besserung der ungestümen Wesensart des Herzogs und lehnte dieses Angebot ab. Recht bald sollte er die Zweideutigkeit seiner Stellung zu büsen haben. Gerade eine so innige Freundschaft, wie sie zwischen ihm und dem Herzog bestanden hatte, konnte eine Kontroverse in einem so empfindlichen Punkt nicht aushalten. Zu allem Überfluß mag Hans von Hutten seinerseits weder männlich reif noch lebenserfahren genug gewesen sein, dieses – wenn auch in der Form an die Grenze des Ritterlichen reichende – Geständnis seines „Freundes“ für sich zu behalten[20].

Herzog Ulrich von Württemberg hatte den jungen Hans von Hutten als engen Vertrauten und Stallmeister an seinen Hof gezogen. Nachdem sich aber der mit Sabine von Bayern unglücklich verheiratete Herrscher in die junge und attraktive Frau des Hans von Hutten verliebt hatte, schlug die Freundschaft schnell in Feindschaft und schließlich blinden Hass um[21]. Auch Günter Scholz bestätigt, dass die Liebe zu Hans von Huttens Gattin Ursula, Tochter des württembergischen Erbmarschalls Konrad Thumb von Neuburg, den jähzornigen, mit Sabine von Bayern unglücklich verheirateten Herzog zu dieser Freveltat veranlasst hatte. Durch freimütige Äußerungen Huttens über das Liebesverlangen des Herzogs zu Ursula Thumb sah sich dieser bloßgestellt[22]. Herzog Ulrich verband damit auch das Empfinden einer persönlichen Niederlage. Solchen Vertrauensbruch hatte er von seinem Freund Hans von Hutten freilich nicht erwartet, denn der plauderte im Kreis seiner Gefährten von dessen Gefühlsregung zu seiner Frau. Er fühlte sich in seiner fürstlichen Ehre und als Mann angeschlagen, besonders da er selbst in große eheliche Zwistigkeiten verwickelt war. Wegen seines aufbrausenden Wesens war es nicht verwunderlich, wenn er, wie Ulrich von Hutten es als erwiesen ansah, sein Verbrechen sowohl „nüchternen Geistes“ als auch „vorsätzlich und mit Überlegung“ beging[23].

Zudem wird im heftigen und groben Wesen der herzoglichen Gattin Sabine ein gewisser Anteil für das schuldhafte Handeln des Herzogs Ulrich gesehen. Hinzu kommt, dass Sabine als stets aufbrausend, reizbar und äußerlich nicht sehr anziehend beschrieben wird, was einer Apologie dafür gleichkommen könnte, weshalb sich Herzog Ulrich schon bald nach der Hochzeit attraktiveren Frauen seiner Umgebung zuwandte. Vor allem Ursula Thumb, Hans von Huttens Frau, wurden all diejenigen Vorzüge nachgesagt, die Sabine nicht hatte[24]. Andererseits mag ihm dessen leidenschaftliche Erklärung auch so beängstigend vorgekommen sein, dass er seine Gönner, Freunde und Sippenverwandte aus innerer Unruhe und Erklärungsbedarf mit in eine solche Offenbarung einbezog. Nun war das intime Ansinnen des Herzogs zu seiner Frau publik. Dem unaufhörlich argwöhnischen und hellhörigen Herzog Ulrich kamen spöttische Reden aus dem Freundeskreis zu Ohren. Aus allen Mienen las er nun sein Misstrauen, den Spott über seine Selbstdemütigung und über seine verliebte Kopflosigkeit. Er leugnete und verschwor sich, doch konnte er der Verbreitung dieses Geredes nicht Herr werden und sah letztlich in Hans von Hutten den Veranlasser[25].

Was wie grobe Männerscherze anmutete, war möglicherweise von den fürstlichen Freunden geschickt lanciert, um den cholerischen, harten, grausamen und nachtragenden Herzog in seinem Jähzorn zur Weißglut zu bringen. Seine brutalen Handlungsweisen waren bekannt. Und so ist es nicht auszuschließen, dass die Herzöge von Bayern wohl mit Hilfe Herzog Heinrichs von Braunschweig (1489-1542) das vom Kaiser verliehene Land Württemberg an sich bringen wollten. Diese Absicht der Bayern zieht sich wie ein roter Faden durch die weiteren politischen Abläufe allen Geschehens in Württemberg. Herzog Ulrich wäre nicht er selbst gewesen, wenn er da nicht in der Leidenschaft seines betonten Fürstenbewusstseins die unmäßigsten Konsequenzen gezogen hätte. Nach Ansicht von Georg-Wilhelm Hanna hatte dies Friedrich Heyd richtig erkannt: „Die Liebe zu Huttens Gattin war die Veranlassung, aber nicht der Grund dieser schrecklichen Tat. Sie ist vielmehr ein Werk der Rache aus beleidigter Ehre, nach des Herzogs Naturell und nach seinen Begriffen von Fürsten- und Menschenrechten ausgeführt.“[26]

Die hinterlistige Ermordung seines Stallmeisters hatte der Herzog in Leidenschaft und gekränktem Stolz verübt, doch ganz bestimmt nicht im Affekt. Für die Tat gab es keine Entschuldigung. Die Annahme eines vorbedachten Mordes verdichtete sich und war für den abnorm entwickelten Dünkel des Herzogs symptomatisch. Er bekannte sich nicht zu seiner radikalen Handlungsweise und auch nicht zu einer bloßen Tat momentaner Aufwallung[27]. Nach unserem Rechtsverständnis ist vergleichsweise vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein ein Totschlag im allgemeinen nachsichtig geahndet worden. Vorzugsweise dann, wenn es sich beim Täter um einen Angehörigen des Adels handelte. Der Fall des Grafen von Werdenberg belegt eindeutig, dass ein adeliger Totschläger bei passender Gelegenheit von einer Bestrafung verschont werden konnte. Die breite Masse hat die unsittliche Tat Herzog Ulrichs allerdings schärfer verurteilt: Immerhin hatte gewissermassen ein Herrscher einen seiner Hofleute, in dessen rechten christlichen Bund der Ehe einzudringen er versucht hatte, ermordet[28]. Ulrich als Mörder Huttens, das war eine Kunde, die weit hinaus ins Reich drang. Man wusste früh genug, was dahinter steckte. Der Herzog hatte in seinen Verteidigungen Hans von Hutten nichts Konkretes zur Last legen können. Er redete dagegen viel von Untreue und Verrat, den Hans an ihm begangen haben soll. Ein Vorwurf, für den ein Beweis fehlt. Hinzu kamen besonders die Klagen der Herzogin, in denen viel von körperlichen Bedrohungen und Lebensgefahr die Rede war, die sie bei Ulrich ausgestanden hatte, sowie die Verunglimpfung ihrer Ehre. Genau das war der Rechtfertigungsgrund der Missetat an Hans von Hutten. Hatten doch zwei herzogliche Diener die Frauenehre der Herzogin beschmutzt und einen Ehebruch angedeutet[29].

Auch die Inschrift auf seinem Grabmal verdeutlicht, dass Hans von Hutten durch Herzog Ulrich von Württemberg unverschuldet getötet wurde. Dies war ein schlimmer „Schimpf“. Dahinter steckt ein Skandal am Fürstenhof von Württemberg, der damals das ganze Reich bewegte und nicht unwesentlich zum späteren Sturz des Herzogs beitrug[30]. Nachdem ein Erschrecken als unmittelbare Reaktion nach dem Zornesausbruch überstanden und er zur Vernunft gekommen war, zeigte er alsbald Reuegefühle über sein sträfliches Handeln. So äußerte er sich am Tag der Geburt seines Sohnes, dem 12. Mai, gegenüber dem Pfalzgrafen Ludwig und schrieb, dass ihm die Tat gegen seinen treuen Gefährten leid sei[31].

3. Die am Mordfall beteiligten Personen

Der Tod eines Menschen zur beginnenden Neuzeit, wie die Ermordung des jungen fränkischen Hans von Hutten, fand einen seltenen Niederschlag in den Quellen. Betrachtet man den Stammbaum der Vorfahren des Hans von Hutten, so ergibt sich das Bild einer durch Heirat geschickten Familienpolitik. Denn durch solche Eheschliessungen verstärkten sie ihre Hausmacht und stellten verwandtschaftliche Bande mit anderen einflussreichen fränkischen Adelsfamilien her[32]. Das engere Beziehungsgeflecht stellt sich freilich als ein Vieleck dar, in dem vor weiteren spezifischen Untersuchungen die potentiellen und die aktuellen Beziehungen transparent gemacht werden können. Es darf nicht verkannt werden, dass es auch im Familienverband des Herzogs Ulrich von Württemberg mehrfach Beziehungen gab, die zu einer Festigkeit und Beständigkeit dieser oligarchischen Vernetzung und Verzweigung grundlegend beitrugen. Denn die Konsanguinität durch Eheschließungen diente in Fürstenfamilien des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit der Absicherung von Herrschaft und der dynastischen Stabilisierung[33].

Die Regierung unter dem zweiten württembergischen Herzog Eberhard (1447-1504) war von Unfähigkeit und Misswirtschaft gekennzeichnet. Als Konsequenz daraus verweigerte ihm am 10. April 1498 die Landschaft wegen seiner Verschwendungssucht den Gehorsam. Diese in der württembergischen Geschichte einmalige Entsetzung bestätigte Kaiser Maximilian sieben Wochen später. Der Herzog musste zu Gunsten seines Neffen Heinrich, der seit seiner Firmung Ulrich hieß, abdanken und Württemberg verlassen. Maximilian entschied sich zum Vorteil der Stände, die für den unmündigen Herzog Ulrich die Regentschaft übernahmen. Der Gedanke an diesen Regimentsrat, der keine Scheu vor Willkürhandlungen zeigte, um seine eigene Macht zu sichern, mag zum nachteiligen Verhaltensmuster Ulrichs in den kommenden Jahren beigetragen haben. Ulrich war zwar 1498 nach der Vertreibung seines kinderlosen Onkels Eberhard zur Herrschaft gelangt, doch konnte er die Regierungsgeschäfte erst mit sechzehn Jahren und vier Monaten auf Anordnung des Kaisers selbständig übernehmen[34]. Der Kaiser war vom draufgängerischen Wesen des jungen Mannes sehr angetan und brachte dies durch besondere Gunst in den kommenden Jahren zum Ausdruck. Am 4. Juli 1503 übernahm der junge Herzog die Regierung und Verwaltung seines Fürstentums in Eigenverantwortung. Zunehmend zeigte sich der Herzog als ein durchaus bis hin zur Monomanie neigender pathologischer Charakter, der argwöhnisch und misstrauisch gegen alle und ein launischer und jähzorniger junger Mann von überspanntem Selbstgefühl war. Alles in allem war er einer der unruhigsten Köpfe unter den deutschen Fürsten und setzte sich in zügelloser Lebenslust und rücksichtslosem Herrschaftsbedürfnis über Sitte und Moral hinweg[35].

Kaum ein Jahr nach Ulrichs Regierungsantritt wurde Georg Ritter von Ehningen (1428-1508) als Brautwerber nach München gesandt, um für diesen um die Hand der bayerischen Prinzessin Sabine aus dem Hause Wittelsbach anzuhalten. Eine solche fürstliche Heirat sollte zur Festigung und engeren Bindung des Herzogs nicht nur an Bayern, sondern auch an das Haus Habsburg beitragen. Das geschah ganz im Sinne Kaiser Maximilians, entsprach es doch ganz seiner europäischen Heiratspolitik. So wurde seine Nichte Sabine bereits sechsjährig mit Herzog Ulrich verlobt[36]. Die Trauung wurde am 2. März 1511 in der württembergischen Landeshauptstadt gefeiert. Trotz der hohen Geburt war der Bayerin das Glück nicht hold. So prunkvoll die Ehe vollzogen wurde und begann, so unglücklich endete sie, denn die beiden Ehegatten passten überhaupt nicht zueinander. Nur vier Jahre währte ihr Beisammensein, doch lange genug, um die gegenseitige Antipathie zu unauslöschlichen Hassgefühlen zu steigern. Sabine schenkte am 13. Januar 1513 ihrem Gemahl eine Tochter Anna (1513-1530) und gebar ihm am 12. Mai 1515 – also fünf Tage nach dem denkwürdigen Ereignis – den Sohn und Erben Christoph (1515-1568), den dieser in späteren Jahren immer mit einem gewissen Misstrauen behandelte[37].

Ursula von Hutten wurde um das Jahr 1491 vermutlich auf dem Neuffen als fünftes Kind des gräflichen Rats Konrad Thumb und dessen Gattin Margarethe, geborene Megenzer von Felldorf, einer Vertrauten der Herzogin Barbara Gonzaga (1455-1503), geboren. Das Mädchen erhielt ihren Namen nach der Urgroßmutter Ursula von Wartenberg. Mag auch die Hochzeit des Herzogs im März 1511 für Konrad Thumb und seine Familie ein besonderes Ereignis und Höhepunkt seiner Laufbahn gewesen sein, so waren sie alsbald Augenzeugen einer zum Scheitern verurteilten Ehe. Den Herzog zog es nicht in die eigenen Gemächer, vielmehr suchte er wie früher den gesellschaftlichen Kontakt im Haus seines Marschalls und besonders zu dessen Tochter Ursula. Seinen gutaussehenden und als großgewachsen beschriebenen Stallmeister Hans von Hutten hatte Herzog Ulrich auf diesem Wege mit der Familie und besonders mit Ursula bekanntgemacht. Dass Hans und Ursula aneinander Sympathie fanden, ist nicht anzuzweifeln. Es gibt kaum Zweifel, dass die Verbindung Ursulas mit dem Stallmeister aus Neigung erfolgte, obwohl die materielle Ausstattung und die hohe Stellung Konrads auch eine andere Deutung zulassen[38].

Für den Vater Ludwig von Hutten war es eine besondere Auszeichnung, dass er seinen Sohn Hans an den Stuttgarter Hof geben konnte. Als Kammerjunker begann dieser seinen Dienst beim Fürsten, der sich zu jener Zeit eine große Zahl von Hofjunkern und adeligen Dienern hielt. Am keineswegs sittenreinen Hof wurde Hans von Hutten zum Günstling, dem der Herzog besonderes Vertrauen schenkte. Nichts stand im Weg, als Hans von Hutten im Jahr 1514 mit Ursula den Bund fürs Leben einging[39]. Das junge Paar wohnte im Haus des Marschalls. Ulrich von Hutten hatte die Angeheiratete ob ihrer Schönheit gerühmt und sie als eine unvergleichlich begehrenswerte und galante Dame geschildert. Es war freilich nicht verwunderlich, dass das Freundschaftsverhältnis zwischen Herzog Ulrich und dem jungen Edelmann durch die Heirat einen durchaus nicht reparablen Riss erhielt, denn Hans von Hutten war sich wohl der Zuneigung des Herzogs zu seiner Ehefrau bewusst[40]. Hans von Hutten war der 1486 letztgeborene Sohn Ludwigs von Hutten. Bereits in jungen Jahren hatte ihn der Vater an den Hof des Herzogs von Württemberg gegeben. Im Fürstendienst erzogen, bahnte sich zum fast gleichaltrigen Herzog Ulrich eine Freundschaft an, die zu seiner Ermordung führte[41].

4. Die zur Verfügung stehende Literatur zum Mordfall an Hans von Hutten

Zum Mordfall an Hans von Hutten konnte mir vor allem das Werk von Georg-Wilhelm Hanna eine grosse Hilfestellung geben. Es beschreibt sehr umfangreich und detailliert die politischen Entwicklungen in Württemberg an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, führt die familiären Verbindungen an und schildert den Mordfall mit all seinen Konsequenzen. Das Buch gibt auch Antworten auf relevante Fragen: Wie konnte die Familie von Hutten überhaupt gegen Herzog Ulrich vorgehen? Wie konnte der Herzog zu Fall gebracht werden? Georg-Wilhelm Hanna liefert Details zu den Ausschreiben, welche die Familie von Hutten gegen den Herzog ins Feld führen konnte. Die relevanten Ausschreiben der Familie von Hutten aus den Jahren 1515 und 1516 sowie das gedruckte Ausschreiben Herzog Ulrichs vom 6. September 1516 sind im Quellenanhang bei Georg-Wilhelm Hanna beigefügt. Ausserdem geht Georg-Wilhelm Hanna auf die weitere Publizistik Ulrich von Huttens ein. Er behandelt dabei nicht nur die „Ulrichs-Reden“, sondern vor allem auch den „Phalarismus“. Dieser in der Unterwelt geführte Dialog ist in einer Ausgabe von Martin Treu verfügbar (Ulrich von Hutten: Die Schule des Tyrannen). Nicht zuletzt sind bei Georg-Wilhelm Hanna lohnende Abbildungen vorhanden.

Weitere Literatur erläutert vor allem den Autor Ulrich von Hutten und legt nur Teilaspekte des Mordfalles des Herzog Ulrichs an Hans von Hutten dar. Hilfreich waren mir hierzu die Ausgaben von Eckhard Bernstein, Stephan Füssel, Günter Scholz und Ralf-Rüdiger Targiel. Gerade weil sich ein großer Teil der Geschichtsliteratur aus dem 19. Jahrhundert eher nur am Rande mit dem Mordfall an Hans von Hutten beschäftigt hat, war dieser Akt von jeher mit seiner von Neugier verstärkten Anziehungskraft besonders häufig Gegenstand für Politiker, Poeten und Dramaturgen und gab lange Zeit Stoff für Romane, Dramen, Essays und Gedichte. So schaffte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) den Durchbruch, das Rittertum in seinem Götz von Berlichingen wieder aufleben zu lassen. Wie bereits erwähnt, wurde eine Beschreibung des Mordes an Hans von Hutten in den landesgeschichtlichen Standardwerken und anderen Darstellungen meist nur kurz umrissen. So ist es nicht verwunderlich, dass über die Mordtat bisher nur wenige Teil- oder Einzelstudien vorliegen[42].

5. Wie konnte dieser Mordfall zur Verbreitung von Flugschriften beitragen?

Geschehen in einer Zeit, in der man einen Mord gelegentlich für eine Ruhmestat hielt und in der man von Seiten der Fürsten keine eigenständige rechtsrelevante Bewusstseinsbildung erwartete, könnte der Eindruck entstehen, als wäre die Tat nur ein Zwischenfall zwischen einer niederadeligen Familie und dem Herzog von Württemberg gewesen. Doch gelang es der verzweigten Sippe des Ermordeten in Gemeinschaft mit weiten Teilen der deutschen Ritterschaft, ja sogar mit dem Beistand der mächtigen bayerischen Herzöge, eine kriegerische Unternehmung gegen Herzog Ulrich von Württemberg zu führen. Nach der Bluttat gab es zunächst Persönlichkeiten, die, wie der Würzburger Domherr Peter von Aufsess sowie der Tübinger Vogt Konrad Breuning, sich für den Herzog einsetzten. In den höheren gebildeten Kreisen wandte sich aber geraume Zeit später die Strömung gegen Herzog Ulrich[43].

Natürlich waren die Angehörigen des Toten schwer gekränkt und beleidigt worden, und so standen zum Austragen des Streitfalles den Parteien zwei Wege offen: das ständig in Speyer tagende Reichskammergericht und die Selbsthilfe. Der erste Weg war langsam, und wenn es sich um hochstehende Personen handelte, auch nicht unbefangen. Der zweite, schnellere entsprach dem alten ritterlichen Brauch, doch war er zwischenzeitlich durch neue Rechtsordnungen gleichfalls nicht ohne Risiko. Besonders die Übernahme des römisch-kanonischen Rechts hatte endgültig den Gedanken der Gleichbehandlung in das geschriebene Recht einfließen lassen. Mit dem Erstarken der Staatsgewalt in den einzelnen Territorien am Ende des Mittelalters verschwand allmählich das Sühneverfahren und an seine Seite trat langsam das ordentliche Gerichtsverfahren wie zum Beispiel die Halsgerichtsordnung Maximilians I. für Tirol (1499)[44].

Der Wunsch nach Sühne, Rechtsdurchsetzung, Vergeltung und Rache mag auch zur Verbreitung von Flugschriften beigetragen haben. Eine grosse Ritterfamilie sah sich durch diesen Mord von einem Landesfürsten geschändet. Die Familie erhob sich, um den Toten zu rächen – und Ulrich von Hutten hatte wieder die Gelegenheit, zur Feder zu greifen und die Öffentlichkeit zu agitieren. Der schriftstellerische Kampf Ulrich von Huttens dauerte mehrere Jahre, aus dem die fünf Ulrich-Reden hervorgingen, und der Pamphletist ruhte erst, als es ihm an der Seite des mächtigen Franz von Sickingen gelungen war, den Herzog aus dem Land zu vertreiben[45]. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, dass der Vater des ums Leben Gekommenen sich zudem der Druckerpresse bediente und diese in den Kampf gegen den Herzog stellte. Nach seinem Gerechtigkeitsempfinden und im Sinne der Rechtsordnung des Reiches war er sich als der „Beschedigte“ darüber im klaren, dass seine eigenen Kräfte und seine Selbsthilfe nicht ausreichten. Folglich machte er von seinem legitimen Anspruch Gebrauch und ließ sich durch „Gebotbriefe“ an alle Stände die nötige Unterstützung dieses offenkundig auf der Hand liegenden Friedbruchs zusichern[46].

Gemeinsam mit weiten Teilen der Ritterschaft, nach der Flucht der Herzogin Sabine aus Württemberg im November 1515 auch mit Unterstützung des bayerischen Herzoghauses, führte die Familie von Hutten eine publizistische Kampagne gegen Herzog Ulrich. Wortführer war dabei Ulrich von Hutten, ein Vetter des Ermordeten. In mehreren Schriften, fünf Reden (1515-1519) und im Dialog „Phalarismus“ (1517) – in der sogenannten Steckelberger Sammlung von 1519 zusammengefasst – richtete er maßlose Angriffe gegen den württembergischen Regenten[47]. Der wortgewandte Literat weitete seine Angriffe zu einer umfassenden Anklage gegen die im Aufstieg befindlichen Landesherrscher aus und untermauerte so die Notwendigkeit einer grundlegenden Reichsreform. Damit gelang es Ulrich von Hutten, sich im Kampf gegen das Fürstentum in der Agitationsliteratur jener aufrührerischen Epoche einen herausragenden Platz zu sichern[48].

6. Wie ging die Familie von Hutten gegen Herzog Ulrich vor?

Ulrich von Huttens erste Reaktion auf die Schreckensbotschaft vom Mord an seinem Verwandten war Schock und Trauer. Aus Bad Ems schrieb er, indem er auf die mit seiner Kur verbundenen Strapazen anspielte: „Inzwischen werde ich mich hier weiterquälen und mehr in Tränen als in Wasser schwimmen.“ Freilich war er nicht der Mann, es auf die Dauer beim Tränenvergießen bleiben zu lassen. Innerhalb der nächsten vier Jahre tat er alles, was in seiner schriftstellerischen Macht stand, den Mörder seines Verwandten durch seine Schriften moralisch zu vernichten, wobei er mit verschiedenen literarischen Formen experimentierte. Einem kurzen Trauergedicht und einem Trostschreiben an den Vater des Ermordeten folgten im Laufe der Jahre der Dialog „Phalarismus“ und fünf lateinische Reden gegen den Herzog[49]. Welchen Eindruck die Nachricht bei Ulrich von Hutten hinterließ, widerspiegeln die Verse, in denen er die Klage über den Mord mit dem Verweis auf die Tradition der Familie und der Erinnerung an die fränkische Heimat verknüpfte. Die Stimmung, in der sich Ulrich von Hutten befand, dokumentiert der am 13. Juni 1515 an dem Bamberger Domherrn Jakob Fuchs gerichtete Brief, in dem er beklagt, er finde jetzt in Deutschland nichts, was ihn erfreuen könne[50].

Einige Monate später trat etwas ein, was die Nervosität im Land steigerte und letztendlich zu einem ungeahnten Spannungsverhältnis mit Bayern und dem Kaiser führte. Herzogin Sabine von Württemberg wollte nicht die Frau eines Mörders sein. In der Nacht des 24. Novembers 1515 entfloh sie ihrem Gatten, ließ ihre beiden Kinder zurück und stellte sich unter den Schutz ihrer Brüder. Die Bayernherzöge Ludwig und Wilhelm gehörten zu den Urhebern der Flucht, denn Ulrichs geflohene Gattin Sabine war ihre Schwester. Diese Flucht war nach zwei Seiten hin ein Glücksfall für die von Hutten. Sie konnten nun hoffen, dass sich die Herzöge von Bayern mit ihnen gegen den Herzog von Württemberg verbinden würden, und dass außerdem der Kaiser durch seine Nichte gegen diesen missgestimmt werden würde. Als Begründung ihrer Flucht gab Herzogin Sabine an, dass Ulrich nach ihrem Leben getrachtet habe und sie sich gewiss war, er wolle sie ihrer Freiheit berauben. Ganz zu schweigen von ihren im Juli auf dem Landtag vorgebrachten Klagen über ihn, die bestimmt Rachegefühle ihres Gemahles ausgelöst hätten[51].

In einem Ausschreiben verlangten die Huttens vom Kaiser und von den Fürsten Bestrafung der Freveltat. Maximilian zeigte jedoch zunächst keine Neigung, den Mörder, mit dessen Frau er verwandt war, zur Rechenschaft zu ziehen. Erst als die temperamentvolle Herzogin zu ihren bayerischen Brüdern geflohen war, änderte er nämlich seine Meinung. Was zunächst wie ein melodramatisches Rührstück ausgesehen hatte, wurde damit also zu einer hochbrisanten politischen Angelegenheit. Denn jetzt hatten die Huttens in den Bayern potente Verbündete gefunden[52]. Um die Jahreswende 1515/1516 spitzte sich der Streit mit Bayern wegen der Flucht der Herzogin und der Auseinandersetzungen mit den von Hutten zu. Sowohl die bayerischen Herzöge als auch ihre Schwester Herzogin Sabine wandten sich mit gedruckten Ausschreiben an die württembergische Landschaft und versuchten, diese gegen den Herzog Ulrich aufzubringen. Darüber informierten sie andere fürstliche Höfe, die dem Brauch der Zeit nach die gleichen Druckwerke erhielten. Ulrich ließ das nicht auf sich sitzen und beschwerte sich seinerseits beim bayerischen Landtag in Ingolstadt über die geringschätzige Verhaltensweise. Der Konflikt Ulrichs mit seinen Widersachern erhielt eine neue Dimension, als sich die bayerischen Herzöge und die von Hutten am 1. Februar 1516 über ein gemeinsames Vorgehen gegen den Württemberger verständigten[53].

Zum Mord an Hans von Hutten hatte Ulrich von Hutten nebst mehreren lateinischen Texten insgesamt fünf Anklagereden im Stil antiker Invektiven verfasst. Die Reden wurden von der Familie, die nun die literarische Begabung Ulrichs von Hutten verwenden konnte, in Umlauf gebracht; 1519 erschienen sie, mit allem, was dazu gehörte, im Druck, angeblich auf der Steckelburg, in Wirklichkeit bei Schöffer in Mainz hergestellt. Der Drucker verschwieg nur seinen Namen, da er Verfolgungen zu erwarten hatte. Die Reden gegen den fürstlichen Missetäter sind ein grosser forensischer Feldzug, in dem vor allem Cicero zu Ehren kommt[54].

Auch Volker Honemann schreibt, dass sich Ulrich von Hutten an Cicero angelehnt hatte: Die fünf fiktiven Gerichtsreden gegen Herzog Ulrich sind stark an Cicero orientiert und weisen sogar wörtliche Übereinstimmungen auf. Vor einem imaginären kaiserlichen Gericht klagt Ulrich von Hutten den Verbrecher an, von dessen Person er ein sehr detailreiches, hassverzerrtes Bild entwirft – eine literarische Hinrichtung, die Ulrich von Huttens Neigung zu schrankenloser Polemik erkennen lässt; so wie hier war über einen Fürsten noch nie gesprochen worden. Der literarische Kampf gegen den Herzog, mit dem Ulrich von Hutten die von seiner Familie geführte Fehde begleitet, zieht sich bis zur Vertreibung des Herzogs im Jahre 1519 hin[55].

Im November 1515 und im Juli 1516 schrieb die Familie von Hutten zwei öffentliche Briefe gegen den Herzog und ließ sie drucken. Im ersten, adressiert an die Stände des Reichs von den Kurfürsten bis zu den Gemeinden, wird der Mord geschildert und mit dem besonders schimpflichen Detail ausgemalt, wie der Herzog die Leiche symbolisch erhängte. Im zweiten, adressiert an den württembergischen Landtag, wird der Herzog in Acht und Bann erklärt und der Landtag aufgefordert, sich vom Herzog loszusagen. Im September 1516 antwortete der Herzog mit einer ebenfalls gedruckten Gegendarstellung, nach welcher der Mord eine Art Hinrichtung wegen Treulosigkeit gewesen sei. Alle diese Texte sind im umständlichen Stil der offiziellen Briefe gehalten[56]. Dieses zweite Ausschreiben war deshalb an den württembergischen Landtag gerichtet, weil die Verhandlung des Falls bisher verzögert worden war. Der Herzog sei, so wurde argumentiert, der Reichsacht verfallen und habe seinen fürstlichen Stand verwirkt, so dass es zu seiner Entsetzung als Landesherr keiner rechtlichen Klage bedürfe. Die Aufforderung der Familie, den Mörder zu strafen und mit dem Tyrannen keine Gemeinschaft zu halten, fand zwar die Unterstützung vieler Angehöriger der Ritterschaft, aber manche Fürsten unterstützten den Herzog, weil sie meinten, ihren Stand gegen den Kaiser verteidigen zu müssen[57].

Die ganze Familie von Hutten, deren Empörung von weiten Teilen der fränkischen Ritterschaft geteilt wurde, sann auf Genugtuung und Rache. Dieses Motiv hat sicher dazu beigetragen, den Mordfall literarisch zu verwerten. Doch zeigte es sich, dass der ritterliche Adel allein zu schwach war, um gegen einen Landesfürsten vorzugehen. Da kam die Wende, als sich das bayerische Herzoghaus, in dessen Schutz sich die Frau des Württembergers geflüchtet hatte, in die Front einreihte. Ab diesem Zeitpunkt konnten die von Hutten mehr als ein vom Kaiser vorgeschlagenes, ziemlich unbefriedigendes Sühneangebot erwarten[58].

Bis zum September 1519 war die Mehrzahl der im Zusammenhang mit der Ermordung Hans von Huttens entstandenen Texte nur handschriftlich verbreitet. Nachdem der vom Schwäbischen Bund vertriebene Herzog Ulrich am 12. August 1519 in Württemberg eingefallen war, um sein Land zurückzuerobern, und der Bund erneut zum Feldzug rüstete, ließ Hutten die in den Jahren 1515 bis 1519 verfassten Schriften in der Offizin Johann Schöffers in Mainz drucken. Der „Phalarismus“ ist Huttens früheste vom Lateinischen ins Deutsche übertragene Schrift[59].

Diese Texte wurden erst nach Beendigung der Fehde gedruckt. Konzipiert sind sie als leidenschaftliche Appelle an die versammelten Fürsten, endlich dem Unrecht ein Ende zu setzen. Als Inbegriff alles Bösen wird der Schwabenherzog in den schwärzesten Farben geschildert: „Er ist kein Fürst, kein Edler mehr, kein Deutscher und kein Christ. Ja, kein Mensch ist er mehr, denn nach Sitte und Lebensart, nicht nach ihrer Körpergestalt beurteilt man die Menschen. Seine Menschlichkeit hat er abgelegt und dafür Trotz, Wut, Grausamkeit und Unmenschlichkeit angezogen. Vom Menschen hat er nur das Gesicht, aber auch das ist so grimmig und entsetzlich, dass es nicht als menschlich gelten kann. Den Rest hat er mit der wildesten Bestie gemein.“ Wird der Herzog als Ausbund allen Übels verteufelt, so werden die Opfer seiner Tyrannei, Hans von Hutten und Sabine von Bayern aufs Sympathischste gezeichnet: „Nichts ist ausgezeichneter als ihre Gestalt, nichts sanfter als ihre Sitten, nichts angenehmer als ihr Umgang“, sagt er von Sabine[60].

7. Die Rolle Ulrich von Huttens als Publizist

Im publizistischen Kampf der Familie von Hutten gegen Herzog Ulrich von Württemberg wurde zum ersten Mal eine politische Kontroverse mittels aufeinander Bezug nehmender Flugschriften eingeübt[61]. Der Buchdruck überschwemmte das Land mit Flugblättern und anderen Vorläufern der Zeitung. Wie jede mechanische Erfindung hatte auch der Buchdruck eine Popularisierung und Demokratisierung zur Folge. Das Bedürfnis von oben nach unten hin und das von unten nach oben wuchsen einander entgegen. Wenn man überlegt, gehört die ciceronianische Verkleidung eines deutschen Ritters, der gegen einen schwäbischen Fürsten wegen der Ermordung seines Stallmeisters Klage führt, zu den seltsamsten Dingen[62]. Ulrich von Hutten entwickelte sich durch die Spannungen mit dem Kaiser und den Landesherren immer stärker zum Vorkämpfer reichsritterschaftlicher Standesinteressen und Rechtspositionen. Auch versuchte er sich als wichtigster Propagandist der Ritter und humanistischer Ratgeber, den fränkischen Adel von allen untergeordneten Beziehungen zu den Fürsten loszureissen und mehr an den Kaiser zu ziehen[63]. Auch die Durchsetzung und die Wahrnehmung von Standesinteressen durch die publizistische Tätigkeit Ulrich von Huttens, wozu ihm der Mord an seinem Vetter Hans von Hutten Anlass bot, konnten zur Verbreitung von Flugschriften beitragen.

Herzog Ulrich ist die Hauptperson in diesem Streit um den Mordfall an Hans von Hutten. Der schlimmste Schlag, der den Regenten treffen sollte, ging von diesem entfernten Vetter des Ermordeten, nämlich Ulrich von Hutten aus der Steckelberger Linie, aus. Dieser impulsive und kompromisslose Ritter, ein unbestrittener Meister im Gebiet der Bearbeitung öffentlicher Meinung, gab in einer verhältnismäßig kurzen Spanne von Jahren sieben Schriften in Sachen seines ermordeten Verwandten heraus[64]. In den Reden gegen Herzog Ulrich von Württemberg konnte der Humanist Ulrich von Hutten zeigen, was er gelernt hatte. Mit den Reden ging er von der gebundenen Form zur Prosa über. Von 1517 an benützte er die noch dramatischere Dialogisierung, dann vollzog sich der Übergang zur deutschen Sprache[65]. Die stark rhetorisch bestimmte Form seiner Prosa hatte humanistischen Stilmitteln alles zu verdanken: Briefe, Reden und Dialoge waren seine hauptsächlichen Prosaschriften, und ihnen war ein rednerischer Stil durchaus angemessen. Keine breite Gelehrsamkeit sollte seine Schriften auszeichnen, eine starke Fixierung auf spezielle Situationen dominierte, verbunden zumeist mit einem ausgesprochen kämpferischen Pathos. All dies sollte ihn besonders zum politischen Publizisten qualifizieren[66].

Auch Günter Scholz hält Ulrich von Hutten für einen der aktivsten Publizisten der damaligen Zeit. Mit der Waffe des gedruckten Wortes kämpfte er in zahlreichen Flugschriften besonders für die Sache der Ritter. 1521 begann er zudem nach Raubritterart Privatfehden gegen Geistliche, den sog. „Pfaffenkrieg“[67]. In all den Veröffentlichungen hat er zur Sühne aufgerufen und bei jedermann um Hilfe nachgesucht. Besonders Bayern sollte helfen, die Absichten des Herzogs zu durchkreuzen. Auch in seinem rhetorisch so ungemein wirksam ausgearbeiteten „Phalarismus“ rückt er dem Herzog zu Leibe. Hutten müsste aber kein Humanist der frühesten Reformationszeit gewesen sein, wenn er nicht, dem Brauche seiner damaligen Gesinnungsgenossen folgend, auch einen regen Schriftwechsel mit verschiedenen Personen der gehobenen, ja höchsten Stände geführt hätte. Solche Schreiben waren nicht selten eine Abart von Propagandaschriften oder gelehrter Abhandlungen[68].

Kaum hatte er durch seinen Verwandten, den Mainzer Domherrn Marquard von Hattstein, Kunde vom Mord an Hans von Hutten erhalten, als er von Ems aus dem dortigen Vetter seine Ansicht zu dieser betrüblichen Angelegenheit übermittelte. Bereits in diesem Schriftstück sind alle Grundzüge jener Gedanken enthalten, die er in den Reden gegen Herzog Ulrich enthüllte. Ein Fürst hatte einen vom Adel attackiert und ermordet. Die Tat belastete das Verhältnis zwischen Landesherrn und Landständen in folgenschwerer Weise. Zunächst beschleunigte sie die seit langem wachsenden Bestrebungen der Ritterschaft zur Emanzipation vom Land Württemberg. Der ganze Hader, der seit dem drohenden Anwachsen der Fürstenmacht in der Ritterschaft kriselte, entzündete sich daran. Von solchem Schlage fühlte sich die Familie von Hutten als Angehörige eines mächtigen Standes tief betroffen[69].

Vor allem Ulrich von Hutten gefiel neben den Familien- und Standesinteressen zugleich die Gelegenheit, sich mit dem lateinischen und frühneuzeitlichen Sprachgebrauch hervorzutun. Der Mord an Hans von Hutten bot Ulrich von Hutten also nicht nur die Gelegenheit, Familieninteressen zu vertreten, sondern sich grundsätzlich literarisch zu betätigen. Unverzüglich stellte der Humanist seine literarische Agitation in den Dienst des Kampfes gegen den Mörder seines Verwandten. Erst sandte er dem Vater des Ermordeten ein Trostschreiben und ließ alsbald, vom Bewusstsein seiner ihm angeborenen schriftstellerischen Begabung erfüllt, fünf Reden gegen den ihm verhassten Herrscher Herzog Ulrich von Württemberg erscheinen, die er in den Jahren 1515 bis 1519 abfasste. Diese fünf Arbeiten werden die „Ulrichs-Reden“ genannt, weil sie gegen den gleichnamigen Herzog gerichtet sind. Seine wichtigste ist die vierte Rede aus dem Jahre 1517, da er in ihr viele Einzelheiten über die Huttenschen Händel wiedergibt[70]. In diesem Fall kam Ulrichs von Hutten publizistische Begabung der Familie zugute, und in ihrem Auftrag hatte er auch die „Ulrichs-Reden“ verfasst, in denen er ihn des Mordes und der Tyrannei bezichtigte und ein Gericht des Kaisers über den Herzog forderte[71].

Hutten beginnt als humanistischer Dichter, dessen glänzende Begabung von der Umwelt rasch erkannt wird. Was Hutten als lateinischer Poet leistet, macht ihn zu einem der bedeutendsten deutschen Dichter seiner Zeit. Mit dem Kampf gegen Herzog Ulrich von Württemberg tritt an die Stelle des Poeten mehr und mehr der Publizist, an die des Panegyricus die bissige Satire und die Streitschrift. Ende 1520 beginnt Hutten, wohl unter dem Einfluss des Erfolges von Luthers grossen Reformationsschriften, Deutsch zu schreiben, um ein größeres Publikum zu erreichen. Ulrich von Hutten hat die eigene Person in erstaunlichem Maße zum Gegenstand seiner literarisch-publizistischen Tätigkeit gemacht[72]. Von Anfang an verfügt er über ein enormes Talent, durch Umsetzung in „Literatur“ aus einer ganz persönlichen Angelegenheit eine öffentliche, ja eine „Staatsaffäre“ zu machen. Das Wort ist dem Publizisten Hutten vor allem Waffe. Nur selten dient es der Überzeugung des Andersdenkenden, meist dessen literarischer Vernichtung. Auch in einer Zeit, die für die Schärfe ihrer Satiren und Pamphlete berüchtigt ist, fallen Huttens Streitschriften durch die Maßlosigkeit seiner Angriffe aus dem Rahmen. Die Nachwirkung Huttens war beträchtlich. 1538 gab Eobanus Hessus eine Auswahl aus den lateinischen Versdichtungen Huttens heraus. Viele Schriften blieben bis ins 17. Jahrhundert lebendig[73].

Ulrich von Hutten ist unter den deutschen Humanisten der einzige, der „Politik“ zusehends zu seinem „Beruf“ macht. Für die Rekonstruktion seiner politischen Anschauungen sind wir fast ausschließlich auf seine Schriften angewiesen, von denen viele einer ganz bestimmten, oft nicht mehr klar erkennbaren tagespolitischen Situation entsprangen. Gründliche Analysen, die auch das jeweilige literarische Genus berücksichtigen, fehlen fast ganz. Seine Schriften zeigen Ulrich von Hutten als rückwärtsgewandten Reformer, ja Revolutionär, dessen Pläne an der Widersprüchlichkeit seiner Vorstellungen scheitern. Obwohl Huttens literarisches Werk nicht vollständig auf uns gekommen ist, überrascht es durch Umfang und Vielfalt. In wenig mehr als eineinhalb Jahrzehnten (1507-1523) verfasst er weit über ein halbes Hundert teils umfangreicher Schriften von großer formaler Vielfalt[74]. Der adeligen Abstammung, die Ulrich von Hutten von den meist „bürgerlichen“ Humanisten unterscheidet, ist er zeitlebens verpflichtet. Er begreift sie als Ansporn zum „Tugendadel“, den er durch besondere Leistungen rechtfertigen muss. Das Nach- und oft Nebeneinander von „Student, Soldat, Dichter, Hofmann, Pamphletist und Konspirateur“, das ihn als Abenteurer erscheinen lässt, dürfte Huttens Wesen entsprochen haben[75].

Huttens Schriften entsprachen formal der öffentlichen Meinung und dem spätmittelalterlichen Bekanntheitsbild, das sich als Charakteristikum weniger an Ideen und Programmen als an Personen orientierte. Ehrenschelte, Lobrede und Schmähgedicht sind die gebräuchlichsten Mittel der damaligen Veröffentlichungsformen. Sie reflektieren das Für und Wider in der öffentlichen Meinung. Hutten übernimmt Althergebrachtes und lässt seine Ulrich-Reden gegen den Meuchelmörder des Verwandten Hans von Hutten in vergleichbar spätmittelalterlichen Schand- und Schmähbriefen zu Wort kommen. Damit stellt er unter Beweis, wie man sich gegen Willkür zur Wehr setzte[76]. In der Literaturgeschichte Deutschlands nimmt Ulrich von Hutten einen wichtigen Platz ein. Er verfasste unzählige lateinische Briefe und Gedichte, aber auch viele deutsche Werke. Seine witzig-polemischen Dialoge wurden konstitutiv für die neue Gattung des Reformationsdialogs. Ulrich von Hutten war tief in seiner Epoche verwurzelt. Anders als die meisten Humanisten des 16. Jahrhunderts verschloß er sich nicht in den elfenbeinernen Turm der antiken Studien, sondern engagierte sich in den tages- und bildungspolitischen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Solch ein Engagement bringt immer Enttäuschungen, Risiken und Gefahren mit sich, und auch Ulrich von Hutten blieben diese nicht erspart[77].

Wenn man das Leben Ulrichs von Hutten nüchtern betrachtet, so hat er in den Jahren seines öffentlichen Wirkens ein großes Aufsehen erregt. Durch den Mordfall an seinem Vetter Hans von Hutten gab Ulrich von Hutten zwischen 1515 und 1519 der Polemik gegen den autokratischen Herzog ein publizistisches Gewand und erreichte eine beachtliche öffentliche Wirkung. Die Auseinandersetzung ist auch als Beispiel für das Zusammengehörigkeitsgefühl eines agnatischen Verbandes interessant. Seine Herkunft aus der Ritterschaft hat Hutten nie verleugnen können. Seine Biographie macht die Verankerung im ritterschaftlichen Verband ganz deutlich. Die Probleme des späteren Reichsrittertums durchziehen wie ein roter Faden sein Werk[78]. Auch Georg-Wilhelm Hanna bestätigt, dass die von Ulrich von Hutten geführte Polemik ein treffendes Beispiel für das Zusammengehörigkeitsgefühl eines blutsverwandten Verbandes ist. Dieser Umstand trug ebenso zur Rezeption des Mordfalles an Hans von Hutten bei. Gleichzeitig ist der Streit ein hervorragendes Musterbeispiel dafür, wie die Ritterschaft auf das deutsche Landesfürstentum in seiner Gesamtheit zielte. Der Regent war sich der Tragweite seiner persönlichen Schuld nicht bewusst und verkannte sie völlig. Gleichermaßen übersah er, dass aus einer privaten leicht eine öffentliche Angelegenheit werden konnte, zumal er die Macht und Solidarität des Adels unterschätzte, der diesen Fall als typisch auffasste und ihn zu seiner eigenen Angelegenheit machte[79].

Ulrich von Hutten hat insgesamt 22 lateinische und 15 deutsche Flugschriften veröffentlicht (mit mehr als 75 Druckausgaben). 1517 gab er zum Beispiel die Untersuchung Lorenzo Vallas heraus, nach der die Konstantinische Schenkung eine Fälschung war. 1521 ist das Jahr mit der wohl größten literarischen Wirkung einer Flugschrift Huttens, der deutschen Übersetzung der „Dialogi“ im „Gesprächsbüchlein“ mit vier satirischen Dialogen gegen die römischen „Kurtisanen“ (Höflinge) kurz vor dem Wormser Reichstag, auf dem die Causa Lutheri anstand. Die beiden „Fieber-Dialoge“ gehören zum Witzigsten, was in der deutschen Literatur geschrieben wurde. Hutten und Luther sind die ersten großen Publizisten in der deutschen Geschichte. Solche publizistischen Auseinandersetzungen, die zwar nur einzelne Herrschaftsgebiete betreffen, zeigen dennoch, dass sie von der allgemeinen Meinung ihrer Gesellschaftsschicht abhängig sind. Auch hier wandelt sich der Begriff ‚öffentlich’ zu einer durch Druckschriften hergestellten Öffentlichkeit[80].

8. Die Entstehung des „Phalarismus“

Ergänzt und künstlerisch überhöht werden um die Jahreswende 1516/1517 die zwei ersten Reden durch den „Phalarismus“, jenen in die klassische Unterwelt verlegten, von Merkur und Charon eingeleiteten sarkastischen Dialog zwischen dem deutschen Tyrannen und seinem antiken Vorbild und Lehrmeister Phalaris. Dabei muss man die Form des „Phalarismus“ hervorheben. Erstmals verwendet hier Ulrich von Hutten in der Nachfolge des Satirikers Lukian den fiktiven Dialog, dessen Ausdrucksmöglichkeiten seinem polemischen Temperament entgegenkommen. Gerade in seinen späteren Gesprächen sollte er es noch zu Meisterleistungen auf diesem Gebiet bringen[81]. Mit der Dialogform findet Ulrich von Hutten zu der Gattung, der seine bedeutendsten Werke angehören. Angeregt von den Totengesprächen des Lukian holt Ulrich von Hutten zu einem neuen Schlag gegen Herzog Ulrich von Württemberg aus. In seinem „Phalarismus“ diskutiert ein namenloser, aber leicht als Herzog Ulrich zu erkennender Tyrann in der Unterwelt mit dem antiken Tyrannen Phalaris darüber, wie man seine Untertanen noch besser quälen könne. Am Ende der Unterredung muss Phalaris staunend einsehen, dass der Schüler den Meister längst übertroffen hat! An den Schluss des Textes setzt Ulrich von Hutten erstmals seinen Wahlspruch „Iacta est alea“ (Der Würfel ist gefallen.)[82].

Mit dem Stichwort „Lukian“ sind bereits erste Charakteristika der Huttenschen Schriften zu fassen. Der Hellen Lukian war ein Meister des Kurzgesprächs, des Dialogs, den Hutten von ihm übernimmt und damit eine kurze Blütezeit dieser Literaturform in Deutschland einleitet. Verwandt sind beide Autoren – Lukian und Hutten – in der Art der Behandlung ihrer Stoffe: Mit Satire, Witz und bissigem Spott wird der Gegner überschüttet[83]. Ulrich von Hutten hatte sich in der polemischen Rede geübt, in seiner Familie Ansehen gewonnen und die Öffentlichkeit zu mobilisieren gesucht. Es ging ihm indes nicht allein um die Person des Mörders, sondern er verteidigte zugleich die Ritterschaft gegen das Territorialfürstentum. Insofern signalisierten die Schriften zum Fall des Württembergers die erste gründliche Beschäftigung Huttens mit den inneren Zuständen der Nation und seines Vaterlandes. Das zeigt noch deutlicher der „Phalarismus“. Mit ihm wurde die Auseinandersetzung mit dem Herzog ins Allgemeingültige transponiert, indem der Typ eines Tyrannen vorgeführt wird[84]. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass Ulrich von Hutten in einigen seiner Dialoge Konzeptionen, Schauplätze und Motive Lukian’scher Gespräche übernimmt. So lehnt sich der „Phalarismus“ stark an Lukians „Cataplus“ (‚Die Überfahrt oder der Tyrann’) und an dessen „Menippus sive Necyomantia“ (‚Das Totenorakel’) an. Wie bei Lukian steigt auch bei Ulrich von Hutten ein Lebender in die Unterwelt hinab, dem auch dort herrschen wollenden Tyrann Megapenthes entspricht bei Ulrich von Hutten der namenlose, vom Leser aber leicht mit Herzog Ulrich zu identifizierende Tyrann[85].

Zu diesen Übereinstimmungen im Großen fügen sich solche im Kleinen, in einzelnen Erzählmotiven. Aus Lukians „Cataplus“ und seiner „Necyomantia“ hat Ulrich von Hutten für den „Phalarismus“ das „fliessend Wasser, Acheron genannt“ übernommen, dazu den Kahn, mit dem die Seelen übergesetzt werden. Wie bei Lukian zieht er auch bei Ulrich von Hutten ständig Wasser und droht unter seiner Last umzuschlagen, denn die Seelen der Toten sind durchaus nicht ohne Gewicht[86]. Während seines Aufenthaltes in Bologna hatte Ulrich von Hutten zusammen mit drei deutschen Studenten unter der Leitung eines Griechischlehrers den christlich-hellenischen Satiriker Lukian gelesen. Die neue Kunstform, die er dabei kennen lernt, den Dialog, ergreift er sofort und probiert ihn aus. Das politische Temperament Huttens, der politisch-praktische Drang in ihm sowie der Rhetoriker und die dichterische Fantasie sammeln und konzentrieren sich von nun an in der Form des Dialogs, der Dialog scheint seine Begabungen am besten vereinigt zur Geltung zu bringen. Noch schreibt Hutten die Dialoge lateinisch, bald aber treibt ihn sein Sendungswille an die Nation dazu, die Gespräche ins Deutsche zu übertragen, was ihn umso gefährlicher macht[87]. Dieser Sendungswille könnte auch eine Ursache dafür gewesen sein, warum Ulrich von Hutten den Mord an seinem Vetter literarisch aufgenommen hatte.

Hier ist anzumerken, dass viele Autoren – sowohl Verfechter als auch Gegner der Reformation – durch die Verschärfung des politischen Kampfes in den Jahren 1520 bis 1525 zur Einsicht kommen, dass es notwendig sei, deutsch zu schreiben, um breite Kreise der städtischen und ländlichen Bevölkerung zu erreichen und in die Auseinandersetzung einzubeziehen. Die Mehrzahl von Huttens deutschen Schriften ist der Flugschriftenliteratur zuzuordnen. Auch damit entspricht er einer Zeittendenz, denn in den Jahren nach der Jahrhundertwende kristallisiert sich die Flugschrift – eine frühe Form der Publizistik – als geeignetes Medium im Kampf um aktuelle Tagesprobleme und im Meinungsstreit über politische und religiöse Fragen heraus[88].

Doch Hutten war sich bewusst, dass die lateinischen Dialoge den deutschen überlegen sind. Was über die Wirkung der ins Deutsche übersetzten Dialoge zu ermitteln ist, scheint diese Ansicht zu unterstützen. Die Auflagenzahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während beispielsweise der „Phalarismus“ zwischen 1517 und 1519 achtmal im lateinischen Original gedruckt wird, darunter auch in Antwerpen und Paris, bringt es die deutsche Fassung lediglich auf einen einzigen, um 1521 anzusetzenden Druck[89]. Mit der Gestalt des Tyrannen ist Herzog Ulrich gemeint. Im „Phalarismus“ werden seine Grausamkeiten gegenüber seinen Untertanen und sein Mord an Hans von Hutten zur Sprache gebracht, die den Herzog identifizieren[90]. Der „Phalarismus“ ist zugleich Huttens erster Dialog und wird in der Finsternis der Unterwelt geführt. Ulrich von Württemberg wird dabei als Bauernschinder, Ausbeuter, Räuber und Feldherr zweifelhaften Ruhmes dargestellt. Der Württemberger Monarch wird mit Phalaris gleichgesetzt, ein wegen seiner Grausamkeiten verhasster Tyrann auf Sizilien im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. In der Höhle der versammelten Tyrannen wird die Tyrannei verherrlicht und der Tyrann gefeiert, der so viele Verbrechen und Morde auf dem Gewissen hat, dass sie niemand zählen kann[91].

Der Humanist Ulrich von Hutten hatte in einer Zeit des radikalen Umbruchs des literarischen Geschehens in Deutschland über das Hinscheiden seines Vetters noch Lateinisch geschrieben und in der frühesten Ausgabe des „Phalarismus“ einen Holzschnitt beigefügt. Er ermöglichte dem nicht der lateinischen Sprache Kundigen oder des Lesens Unfähigen, sich anhand dieses Bildes besser erläutern zu lassen, was sich am 7. Mai 1515 ereignet hatte. Diesen besonders eindrucksvollen Holzschnitt lässt er in der 1519 angeblich auf Burg Steckelberg herausgegebenen Sammlung seiner zahlreichen meist lateinischen Schriften nochmals als Illustration beifügen[92]. Der Titelholzschnitt stammt von Hans Weiditz. Auf diesem Holzschnitt hängt Herzog Ulrich den ermordeten Hans von Hutten an seinem Gürtel auf. Hans Weiditz hat die kaltblütige Tat meisterhaft dargestellt. Dies ist eine der ersten Abbildungen eines aktuellen politischen Ereignisses überhaupt im Medium des Drucks. Die deutsche Übersetzung erschien erst 1521[93].

Das Buch erschien März 1517 in Mainz. Hutten lässt die Handlung im Hades spielen – nach dem Vorbild der „Totengespräche“ des Lukian. Er zeigt einen lebenden Menschen, dem der Tyrann Phalaris im Traum erschienen ist, um ihn in die Unterwelt zu sich einzuladen. Von Phalaris möchte der Besucher lernen, wie er sich auf dem Gebiet der tyrannischen Menschenschändung vervollkommnen könne, und erhält viele detaillierte Hinweise. Diese Schrift ist nochmals eine moralische Ohrfeige für den Herzog von Württemberg. Ulrich von Hutten legt damit seinen zahmen humanistischen Wahlspruch „Sinceriter citra pompam“ („Redlich ohne Prunk“) beiseite und setzt zum ersten Mal auf das Titelblatt des neuen Werkes das Wort Gajus Julius Cäsars „jacta est alea.“, das in seiner Übersetzung „Ich habs gewagt.“ von nun an zum stehenden Attribut des Dichters wird[94].

Auch der 1515 einsetzende Kampf gegen Herzog Ulrich von Württemberg sowie dann die Eindrücke des zweiten Italienaufenthaltes begannen ihn der lateinischen Poesie zu entfremden und führten ihn zu neuen literarischen Formen, zu parodistischer Satire, Anklagerede und Dialog, also zur lateinischen Prosa, nicht zuletzt unter dem Einfluss des Nicht-Poeten Erasmus von Rotterdam[95]. In Bologna verfasst, erschien der Dialog „Phalarismus“ im März 1517 bei Schöffer in Mainz, dann 1521 in Huttens deutscher Übersetzung bei Schmidt in Speyer. Mit den „Dunkelmännerbriefen“ hat Hutten sich viele Kleriker zu Feinden gemacht, mit dem „Phalarismus“ nun auch weltliche Gewalten herausgefordert. Denn es ging ihm nicht mehr um Familieninteressen allein, sondern auch darum, Schaden vom „Vaterland“ abzuwenden, indem er die Untat des Württembergers als abschreckendes Beispiel vorführte und damit bekundete, dass er zumindest diese Art tyrannischer Herrschaft ablehnte[96].

III. Schlussteil: Epilog und der Fall des Herzogs

Flugblatt und Flugschrift ist gemeinsam, dass ihre unregelmäßige Erscheinungsweise eine gezielte Auswahl solcher Nachrichten und Inhalte ermöglichte, die einen erfolgreichen Absatz versprachen. Die Publikationsform als Einzeldruck förderte die Berichterstattung über Ereignisse, die sich bündig darstellen liessen und zu einem wenigstens vorläufigen Abschluss gekommen waren. Beide Medien wurden überwiegend im Einzelverkauf vertrieben, wobei auch Flugschriften zu einem beachtlichen Teil durch Kolportage feilgeboten wurden. Die diskontinuierliche Erscheinungsweise und der ambulante Verkauf erschwerten ferner die Kontrolle durch die lokalen und überregionalen Zensurorgane, so dass in beiden Medien wertende Text- und Schreibformen wie Satire, Polemik, Invektive oder Parodie eine wichtige Rolle spielen konnten. Der wenigstens für Broschüren von vier bis acht Blättern niedrige Verkaufspreis lässt vermuten, dass Flugblatt und Flugschrift ein zumindest ähnliches Publikum erreichten[97].

Die Flugschrift konnte durch Erweiterung ihrer Seitenzahl ihre Informationsmenge geradezu beliebig ausdehnen, so dass viele zeitgenössische Broschüren durch detaillierte Ausführlichkeit gekennzeichnet sind. Mit ihrem Äußeren und ihrer Tendenz zur Ausführlichkeit näherte sich die Flugschrift bereits dem Buch. Es ist zu vermuten, dass Flugblätter, die in eine längere, vornehmlich in Flugschriften ausgetragene Kontroverse einzuordnen sind, die Aufgabe hatten, ein breiteres Publikum für die öffentliche Diskussion bestimmter Fragen zu gewinnen, ein Publikum, das über den Kreis der politisch Interessierten oder gar nur Handlungsfähigen hinausreichte. Das gesellschaftlich höher einzustufende Publikum verschaffte den Flugschriften wohl auch eine bessere soziale Reputation, die durch den vielfach amtlichen oder offiziösen Charakter der Publikationen noch verstärkt wurde[98].

Die Flugblätter dürften mit ihren Illustrationen ein vielschichtigeres Publikum interessiert haben als die bildlosen Flugschriften. Das Medium für eine etwas nüchternere Publizistik, in der auch längerfristige Abläufe und Entwicklungen zu ihrem Recht kommen konnten, bildeten die Flugschriften[99]. Während die Flugschrift aufgrund ihres potentiell unbegrenzten Umfangs breiter argumentieren, dokumentieren und detailliert informieren konnte, herrschte auf dem Flugblatt im allgemeinen prägnante Kürze vor; die Themen wurden von ihrer Bildfähigkeit bestimmt. Beide Medien bevorzugten abgeschlossene Informationen und tendierten – das Flugblatt mehr als die Flugschrift – zur Eigenwerbung, die Einfluss auf die Nachrichtenauswahl nahm, indem Sensationsmeldungen eine hohe Priorität erhielten[100].

Im September 1516 erschien nun der dritte offene Brief der Familie von Hutten an alle Stände des Reichs mit einer publizistisch wirksamen Schreibweise: Der Text ist durch Zwischenüberschriften gegliedert; Briefe des Hans von Hutten werden als dokumentarische Belege für ihre Anklagen abgedruckt und eine für den Herzog beschämende Szene wird geschildert: „ist solher thirann für gedachten unnsern lieben Sune (Sohn), Brueder, und vettern, nyderknyer, unnd (hat) jne umb gotzwillen mit aussgespannten Armen gepeten zugestatten, das Er seine Eeliche haussfraw lieb haben möge, wann Er kenn (könne) wol und (ver)mögs nit lassenn.“ Das war ein Angriff auf das Ansehen eines Adligen und vielleicht schimpflicher als die Anklage des Mordes. Wie in späteren Kontroversen wurden Einzelheiten aus dem privaten Bereich ans öffentliche Licht gebracht, die Sensationswert haben und Flugschriften als Ware verkaufbar machen. Die Flugschrift hatte Erfolg: Nur Wochen später wurde der Herzog vom Kaiser in die Acht erklärt und zu einem Sühnevertrag mit der Familie von Hutten gezwungen[101]. Auch Günter Vogler schreibt, dass die Hutten im Ausschreiben vom 22. September 1516 den Fall noch einmal im Detail nachzeichneten, und zwar gestützt auf schriftliche Zeugnisse und auch unter Einbeziehung der bisher noch ausgesparten Ehebruchsgeschichte[102].

Ulrich von Hutten hatte in den weiteren Ulrich-Reden den Kaiser und die Fürsten aufgefordert, gegen Herzog Ulrich einzugreifen. Der Kaiser forderte den Herzog auf, sich in Augsburg vor Gericht zu stellen. Dieser aber verstand es, die Verhandlung zu umgehen, und antwortete mit einer Rechtfertigungsschrift, die wiederum eine Huttensche Antwort zur Folge hatte. Erst jetzt setzte der Kaiser den Herzog in Acht. Aber bereits zehn Tage später schloß der Kaiser wieder einen Kompromiss, der den Herzog halbwegs rehabilitierte. Auch daraufhin erhob Ulrich von Hutten seine Stimme: „Ihr aber, deutsche Fürsten und Männer, reisset endlich aus der Scheide eurer Zögerung das Schwert der Gerechtigkeit. Lasset in der Bestrafung dieses Räubers die Schneide eurer Strenge nicht stumpf werden. Unwürdig ist es, schändlich, frevelhaft und verderblich, einen solchen Verbrecher entrinnen zu lassen. Schämen werden sich eure Nachkommen an den Voreltern, die so von der Tugend ihrer Ahnen entartet waren. Darum wohlan, entweder möge (was unmöglich) die Nachwelt nicht wissen, welche Untaten hier begangen wurden, oder (was an eurer Rechtlichkeit liegt) möge sie zugleich wissen, dass sie bestraft worden sind.“[103] Auch Eckhard Bernstein bestätigt, dass der Kaiser die Acht über den Herzog aussprach, nachdem ein Vergleich zwischen den streitenden Parteien gescheitert war. Erst unter dem Druck dieser Maßnahme erklärte sich der Herzog zu einem Kompromiss bereit: Die Feindseligkeiten wurden eingestellt, Ulrich gab für fünf Jahre die Regierung an ein Regiment ab, die Acht wurde aufgehoben und die Huttens erhielten eine beträchtliche finanzielle Entschädigung[104].

Welche Rolle die fingierten und nie gehaltenen Reden bei dem Kampf um die Vertreibung Ulrichs von Württemberg gespielt haben, ist ungewiss. Letztlich wird sich der Herzog mehr von den 30.000 Fußsoldaten und den 4.000 Reitern des gegen ihn aufziehenden Heeres des Schwäbischen Bundes beeindruckt haben lassen als von den auf lateinisch geschriebenen und in nur wenigen Abschriften kursierenden Huttenschen Plädoyers. Ihre Bedeutung liegt deshalb auch nicht in der objektiven Wirkung, die diese Reden möglicherweise gehabt haben, als vielmehr in dem subjektiven Zuwachs an persönlicher und politischer Erfahrung für Ulrich von Hutten. Persönlich erhielt er innerhalb seiner Familie eine klare Aufwertung[105].

An dieser Stelle möchte ich noch einmal meiner Leitfrage nachgehen, wie dieser Mordfall zur Verbreitung von Flugschriften beitragen konnte. Nach der Meinung Ludwig von Huttens gab es ein bestehendes, deutlich sichtbares Interesse und ein Recht zur Wahrung der Ehre im Sinne der sittlichen Achtung und des guten Rufes oder des Namens, das er sich zur Pflicht machen konnte. Auch war er überzeugt, dass nicht nur seine Familie selbst, sondern der ganze Adel in seiner Ehre betroffen war. Dieser Ausgangspunkt konnte also bereits zur Verbreitung von Flugschriften beitragen. Dies wird in der Tat dadurch belegt, dass nicht wenige adelige Herren, die bisher in den Diensten des Herzogs von Württemberg standen, sich vom Fürsten losgesagt hatten, sobald sie von diesem Ereignis in Kenntnis gesetzt worden waren. Der Ablauf der Ereignisse, durch welche es zum Tod des Hans von Hutten kam, ist durch den Briefwechsel der Beteiligten überliefert. Wie sich diese Zusammenhänge ereigneten, hat die Familie von Hutten in ihrem gedruckten Ausschreiben vom 22. September 1516 als Rechtfertigung zu des Herzogs Behauptungen ebenfalls öffentlich gemacht.

Der Standpunkt einer Gegendarstellung bzw. Rechtfertigung trug auch zur Verbreitung von Flugschriften bei. Der Wunsch nach Sühne, Rechtsdurchsetzung, Vergeltung und Rache mag ebenfalls zur Verbreitung von Flugschriften beigetragen haben. Eine große Ritterfamilie sah sich durch diesen Mord von einem Landesfürsten geschändet und erhob sich, um den Toten zu rächen. Das Motiv der Rache hat sicher dazu beigetragen, den Mordfall literarisch zu verwerten. Ebenso konnten die Durchsetzung und die Wahrnehmung von Standesinteressen durch die publizistische Tätigkeit Ulrich von Huttens, wozu ihm der Mord an seinem Vetter Hans von Hutten Anlass bot, zur Verbreitung von Flugschriften beitragen. Nach der Ansicht von Georg-Wilhelm Hanna ist die von Ulrich von Hutten geführte Polemik ein treffendes Beispiel für das Zusammengehörigkeitsgefühl eines blutsverwandten Verbandes. Dieser Umstand trug ebenso zur Rezeption des Mordfalles an Hans von Hutten bei.

Literaturverzeichnis

1. Gedruckte Quellen und Literatur zum Mord an Hans von Hutten:

Bernstein, Eckhard: Ulrich von Hutten; mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Eckhard Bernstein; Reinbek bei Hamburg 1988. =[BERNSTEIN].

Flake, Otto: Ulrich von Hutten; Berlin 1929. =[FLAKE].

Füssel, Stephan (Herausgeber): Ulrich von Hutten. 1488-1988; Pirckheimer-Jahrbuch 1988, herausgegeben vom Vorstand der Willibald-Pirckheimer-Gesellschaft; Band 4: Akten des Internationalen Ulrich-von-Hutten-Symposions vom 15. bis zum 17. Juli 1988 in Schlüchtern; herausgegeben von Stephan Füssel; München 1989. =[FÜSSEL I].

Füssel, Stephan (Herausgeber): Deutsche Dichter der frühen Neuzeit (1450-1600). Ihr Leben und Werk; herausgegeben von Stephan Füssel; Berlin 1993. =[FÜSSEL II].

Hanna, Georg-Wilhelm: Mänade, Malefiz und Machtverlust; Herzog Ulrich von Württemberg und Hans von Hutten: politische Folgen eines Mordfalles; herausgegeben vom Geschichts- und Kulturverein Köngen e.V.; Köngen 2003. =[HANNA].

Laub, Peter und Steinfeld, Ludwig (Herausgeber): Ulrich von Hutten, Ritter – Humanist – Publizist, 1488-1523; Ausstellung in Schlüchtern vom 3. Juli bis zum 11. September 1988; Katalog zur Ausstellung des Landes Hessen anlässlich des 500. Geburtstages; bearbeitet von Peter Laub und Ludwig Steinfeld (bis Oktober 1987); herausgegeben vom Land Hessen in Zusammenarbeit mit dem Germanischen Nationalmuseum; Kassel 1988. =[LAUB].

Rueb, Franz: Der hinkende Schmiedegott Vulkan. Ulrich von Hutten, 1488-1523; 1. Auflage; Zürich 1988. =[RUEB I].

Rueb, Franz: Ulrich von Hutten. Ein radikaler Intellektueller im 16. Jahrhundert; Berlin 1981. =[RUEB II].

Schilling, Johannes und Giese, Ernst (Herausgeber): Ulrich von Hutten in seiner Zeit; Schlüchterner Vorträge zu seinem 500. Geburtstag; herausgegeben von Johannes Schilling und Ernst Giese; Reihe Monographia Hassiae, Schriftenreihe der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Band 12; herausgegeben von Johannes Beisheim und Günther Schulze-Wegener; Kassel 1988. =[SCHILLING/GIESE].

Scholz, Günter (Herausgeber): Ulrich von Hutten, 1488-1523, glanzvoller Humanist – gescheiterter Reichsreformer; Böblinger Museumsschriften I; herausgegeben von Dr. Günter Scholz unter Mitarbeit von Sabine Ferlein M.A.; Böblingen 1989. =[SCHOLZ].

Streller, Siegfried und Christa: Hutten – Müntzer – Luther; Werke in zwei Bänden; Erster Band: Hutten – Müntzer; ausgewählt und eingeleitet von Siegfried Streller; Textrevision von Christa Streller; Bibliothek Deutscher Klassiker; herausgegeben von den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der Klassischen Deutschen Literatur in Weimar; 5. Auflage; Berlin und Weimar 1989. =[STRELLER, Band 1].

Streller, Siegfried und Christa: Hutten – Müntzer – Luther; Werke in zwei Bänden; Zweiter Band: Luther; ausgewählt und eingeleitet von Siegfried Streller; Textrevision von Christa Streller; Bibliothek Deutscher Klassiker; herausgegeben von den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der Klassischen Deutschen Literatur in Weimar; 5. Auflage; Berlin und Weimar 1989. =[STRELLER, Band 2].

Targiel, Ralf-Rüdiger (Herausgeber): Ulrich von Hutten. Mit Feder und Schwert; Katalog zur Ausstellung anlässlich seines 500. Geburtstages 1988; Schriftenreihe des Stadtarchivs Frankfurt an der Oder, Heft 1, herausgegeben von Ralf-Rüdiger Targiel; Frankfurt an der Oder 1988. =[TARGIEL].

Treu, Martin (Herausgeber): Ulrich von Hutten: Die Schule des Tyrannen; Lateinische Schriften, herausgegeben von Martin Treu; 1. Auflage; Leipzig 1991. =[TREU].

2. Weiterführende Literatur zu den illustrierten Flugschriften und Flugblättern:

Faulstich, Werner: Medien zwischen Herrschaft und Revolte: die Medienkultur der frühen Neuzeit (1400-1700); Die Geschichte der Medien, Band 3; Göttingen 1998. =[FAULSTICH].

Giesecke, Michael: Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien; 1. Auflage; Frankfurt am Main 1991. =[GIESECKE].

Harms, Wolfgang und Messerli, Alfred (Herausgeber): Wahrnehmungsgeschichte und Wissensdiskurs im illustrierten Flugblatt der Frühen Neuzeit (1450-1700); herausgegeben in Verbindung mit Frieder von Ammon und Nikola von Merveldt; Basel 2002. =[HARMS/MESSERLI].

Köhler, Hans-Joachim (Herausgeber): Flugschriften als Massenmedium der Reformationszeit; Beiträge zum Tübinger Symposion 1980; Reihe Spätmittelalter und Frühe Neuzeit; Tübinger Beiträge zur Geschichtsforschung, Band 13; herausgegeben von Volker Press und Ernst Walter Zeeden; Stuttgart 1981. =[KÖHLER].

Oelke, Harry: Die Konfessionsbildung des 16. Jahrhunderts im Spiegel illustrierter Flugblätter; Arbeiten zur Kirchengeschichte, Band 57; herausgegeben von Kurt Aland, Joachim Mehlhausen und Gerhard Müller; zugleich Dissertation, Universität Kiel 1991; Berlin und New York 1992. =[OELKE].

Schilling, Michael: Bildpublizistik der frühen Neuzeit; Aufgaben und Leistungen des illustrierten Flugblatts in Deutschland bis um 1700; Reihe Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, Band 29; herausgegeben von Wolfgang Frühwald, Georg Jäger, Dieter Langewiesche, Alberto Martino und Rainer Wohlfeil; Tübingen 1990. Zugleich Habilitationsschrift genehmigt auf Empfehlung der Philosophischen Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft II der Universität München. =[SCHILLING].

Schuster, Britt-Marie: Die Verständlichkeit von frühreformatorischen Flugschriften: eine Studie zu kommunikationswirksamen Faktoren der Textgestaltung; Studienreihe Documenta Linguistica, Band 4; herausgegeben von Monika Rössing-Hager; zugleich Dissertation, Universität Marburg 1999; Hildesheim, Zürich und New York 2001. =[SCHUSTER].

Schwitalla, Johannes: Flugschrift; Grundlagen der Medienkommunikation, Band 7; herausgegeben von Erich Strassner; Tübingen 1999. =[SCHWITALLA].

Scribner, Robert W. (Herausgeber): Bilder und Bildersturm im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit; Reihe Wolfenbütteler Forschungen, Band 46; herausgegeben von der Herzog August Bibliothek; Wiesbaden 1990. =[SCRIBNER I].

Scribner, Robert W.: Religion und Kultur in Deutschland 1400-1800; herausgegeben von Lyndal Roper; aus dem Amerikanischen von Wolfgang Kaiser; Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 175; Göttingen 2002. =[SCRIBNER II].

Weiss, Ulman (Herausgeber): Flugschriften der Reformationszeit; Colloquium im Erfurter Augustinerkloster 1999; Tübingen 2001. =[WEISS].


[1] VOGLER, zitiert aus TARGIEL, S. 16.

[2] HANNA, S. 97

[3] VOGLER, zitiert aus TARGIEL, S. 17.

[4] HANNA, S. 94 ff.

[5] HANNA, S. 139 und S. 141

[6] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL II, S. 359.

[7] HANNA, S. 48

[8] HANNA, S. 49

[9] HANNA, S. 54

[10] HANNA, S. 55

[11] HANNA, S. 55

[12] HANNA, S. 56

[13] BERNSTEIN, S. 50

[14] SCHOLZ, S. 9

[15] HANNA, S. 45 und S. 47

[16] HANNA, S. 58

[17] SCHOLZ, S. 9 f.

[18] HANNA, S. 60

[19] FLAKE, S. 138

[20] HANNA, S. 52

[21] BERNSTEIN, S. 49

[22] SCHOLZ, S. 9

[23] HANNA, S. 2

[24] HANNA, S. 1

[25] HANNA, S. 53

[26] HANNA, S. 53 f.

[27] HANNA, S. 60

[28] HANNA, S. 61 f.

[29] HANNA, S. 62

[30] HANNA, S. 1

[31] HANNA, S. 63

[32] HANNA, S. 45 und S. 47

[33] HANNA, S. 48

[34] HANNA, S. 17

[35] HANNA, S. 18 f.

[36] HANNA, S. 20 f.

[37] HANNA, S. 22

[38] HANNA, S. 26 und S. 28

[39] HANNA, S. 40

[40] HANNA, S. 42

[41] HANNA, S. 47

[42] HANNA, S. 9 und S. 11

[43] HANNA, S. 5 f.

[44] HANNA, S. 71

[45] RUEB II, S. 66

[46] HANNA, S. 93

[47] SCHOLZ, S. 10

[48] HANNA, S. 4

[49] BERNSTEIN, S. 52

[50] VOGLER, zitiert aus TARGIEL, S. 14 f.

[51] HANNA, S. 90

[52] BERNSTEIN, S. 50 f.

[53] HANNA, S. 92

[54] FLAKE, S. 140

[55] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL II, S. 362.

[56] SCHWITALLA, S. 52

[57] VOGLER, zitiert aus TARGIEL, S. 16 f.

[58] HANNA, S. 102

[59] HANNA, S. 135

[60] BERNSTEIN, S. 52

[61] SCHWITALLA, S. 52

[62] FLAKE, S. 141

[63] HANNA, S. 125

[64] HANNA, S. 127

[65] FLAKE, S. 141

[66] PRESS, zitiert aus LAUB, S. 27.

[67] SCHOLZ, S. 7

[68] HANNA, S. 127

[69] HANNA, S. 128

[70] HANNA, S. 128

[71] RIEDEL, zitiert aus TARGIEL, S. 41.

[72] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL II, S. 370 f.

[73] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL II, S. 372.

[74] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL II, S. 371.

[75] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL II, S. 370.

[76] HANNA, S. 136

[77] BERNSTEIN, S. 10

[78] PRESS, zitiert aus LAUB, S. 28 und S. 43 f.

[79] HANNA, S. 5

[80] SCHWITALLA, S. 54

[81] HANNA, S. 131

[82] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL II, S. 363.

[83] RIEDEL, zitiert aus TARGIEL, S. 39.

[84] VOGLER, zitiert aus TARGIEL, S. 17.

[85] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL I, S. 44 f.

[86] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL I, S. 45.

[87] RUEB I, S. 184

[88] RIEDEL, zitiert aus TARGIEL, S. 40.

[89] HONEMANN, zitiert aus FÜSSEL I, S. 53.

[90] HANNA, S. 131

[91] RUEB I, S. 186

[92] HANNA, S. 138

[93] SCHWITALLA, S. 53

[94] HANNA, S. 132

[95] SCHÄFER, zitiert aus FÜSSEL I, S. 75.

[96] VOGLER, zitiert aus TARGIEL, S. 17.

[97] SCHILLING, S. 105

[98] SCHILLING, S. 106 ff.

[99] SCHILLING, S. 109 f.

[100] SCHILLING, S. 114

[101] SCHWITALLA, S. 52

[102] VOGLER, zitiert aus TARGIEL, S. 17.

[103] RUEB II, S. 67 f.

[104] BERNSTEIN, S. 51 f.

[105] BERNSTEIN, S. 52 f.

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