Nachdem die Historiker-Kommission die Arbeit zur nationalsozialistischen Vergangenheit des Auswärtigen Amtes abgeschloßen hatte, erregte eine Reisekostenabrechnung große Aufmerksamkeit. Eine Dienstreise notierte Franz Rademacher (Jurist) mit „Liquidation von Juden in Belgrad“. Als Referatsleiter arbeitete er unter anderem am Madagaskar-Plan (Deportierung von 4 Millionen Juden nach Madagaskar). Bei der Judenvernichtung arbeitete er mit Adolf Eichmann zusammen, der nach dem Niedergang des 3. Reiches vom Mossad in Argentinien ergriffen und zum Tode verurteilt wurde.

Interessant ist, dass Rademacher (der sich nach Syrien absetzte) auf der Lohnliste des Bundesnachrichtendienstes (BND) stand. Die CIA hatte Mitarbeiter des BND abgehört und kam 1962 auf die Spur des Kriegsverbrechers.

Der BND baute sein Agentennetz im arabischen Raum stark aus und setzte zahlreiche Spione mit nationalsozialistischer Vergangenheit ein. Rademacher selbst überzeugten die Geheimdienstler sich in Deutschland nicht zu stelle. Angeblich hatte Rademacher auch Kontakt zu Hans Globke, der Berater Adenauers und Bundskanzleramtschef war.

Bereits 1963 wurde Rademacher von Syrien wegen Spionageverdachts verhaftet. Nach mehreren Jahren im Gefängnis kehrte er in die Bundesrepublik zurück und wurde sofort festgenommen. Zu einer Verurteilung des Juristen kam es jedoch nicht. Rademacher starb 1973.

 

Quelle: DER SPIEGEL Heft 41/2011: „Auf Pullachs Gehaltsliste“ von Axel Frohn & Klaus Wingrefe