Auf Geschichte-Wissen haben wir bereits mehrfach auf Bildbände hingewiesen, die verlassene Orte – sogenannte „Lost Places“ – vorstellen. Diese üben eine eigenartige Faszination auf die Menschen aus: Die Natur holt sich zurück, was ihr sinnbildlich von den Menschen genommen wurde, die verlassenen und verfallenden Gebäude regen die Fantasie an und erzählen in ihrer eigentümlichen Schönheit Geschichten aus weit zurückliegenden Zeiten. Sie sind oftmals auch Zeugnis einer gesellschaftlichen Entwicklung, wie der Bildband „Verlassene Kirchen – Kultstätten im Verfall“ von Francis Meslet, der im Jonglez Verlag erschienen ist, verdeutlicht.

 

Francis Meslet zeigt in seinem Bildband "Verlassene Kirchen" stille und eindrucksvolle Aufnahmen, die eine bedrückende Wirkung entfalten und doch auch überraschende Schönheit zeigen. (c) Jongelez Verlag & Francis Meslet 2020
Francis Meslet zeigt in seinem Bildband „Verlassene Kirchen“ stille und eindrucksvolle Aufnahmen, die eine bedrückende Wirkung entfalten und doch auch überraschende Schönheit zeigen. (c) Jonglez Verlag & Francis Meslet 2020

Man muss kein gläubiger und christlicher Mensch sein, um mit Bedauern die verfallenden Kirchen zu betrachten, die Meslet in Europa besucht und fotografiert hat. Über Jahrhunderte hinweg prägte das Christentum Europa und seine Bewohner. Die Kirche war die mächtigste und reichste Institution der Welt und schuf sakrale Bauten, die uns noch heute in Staunen versetzen. Aber wie der Glaube der Menschen über die letzten Jahrzehnte schwand, so wurden auch viele Kirchen überflüssig: Räume des Gebets in einer Zeit und Gesellschaft, in der kaum mehr gebetet wird.

Anders als andere Werke verzichtet Francis Meslet auf eine genaue Benennung und Beschreibung der verfallenen Kirchen – zum einen, um sie vor Schaulustigen zu schützen, zum anderen um einer anderen Erzählform Raum zu geben: Er hat viele Künstler, Autoren und Gelehrte gebeten, ihre Gedanken zu seinen ausdrucksvollen Bildern niederzuschreiben. Entstanden sind so Verse, Geschichten und Texte, die Stimmungen einfangen und zum Nachdenken anregen.

Es ist zwar schade, dass man über die wahren Hintergründe der aufgegebenen Kirchen nicht mehr Informationen erhält. Allerdings bilden die beigefügten Beschreibungen mit den hervorragenden Aufnahmen eine eigene Kunstform. Den Bildband von Meslet sollte man mithin auch nicht als ein zeithistorisches Dokument verstehen, sondern als ein Einblick in die fortschreitende Bedeutungslosigkeit des Christentums in Europa.

 

Impressionen aus dem Bildband

(c) Jonglez Verlag - Francis Meslet
(c) Jonglez Verlag – Francis Meslet

(c) Jonglez Verlag - Francis Meslet
(c) Jonglez Verlag – Francis Meslet

(c) Jonglez Verlag - Francis Meslet
(c) Jonglez Verlag – Francis Meslet

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