Welthandel und Handelsorganisationen vom Altertum bis in die Gegenwart

Die Sumerer – Welthandel vor 5000 Jahren

Sumerische Kunst (etwa 2.600 - 2.400 v. Chr.) Lizenz des Bildes: Michel wal (travail personnel (own work)) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], Wikimedia
Sumerische Kunst (etwa 2.600 – 2.400 v. Chr.) – Lizenz des Bildes: Michel wal (travail personnel (own work)) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], Wikimedia

Seit wann genau der Mensch Handel betreibt, ist nicht endgültig nachzuweisen. Fest steht, es gab bereits im Altägypten um die Wende vom 4. zum 3. Jahrtausend Karawanenwege, die Ägypten durchquerten und im Süden bis nach Nubien, im Osten durch die Halbinsel Sinai und dann nach Norden und Nordosten führten. Dort trafen sich die ägyptischen Karawanenwege mit den schon lange existierenden Handelswegen der Sumerer, die im Land zwischen Euphrat und Tigris ansässig waren.

 

Der Einblick in die Wirtschaftsgeschichte der Sumerer lässt eine besondere Dynamik erkennen, denn die Erfolge der Sumerer als Begründer der ältesten Hochkultur der Erde sind nicht nur das Ergebnis ihres Fleißes. Das Zweistromland Mesopotamien war ein Sumpfland, es war ein armes Land, es gab weder Rohstoffe, noch eine problemlose Landwirtschaft. Die Hinwendung zu Handel und „Dienstleistung“ entsprang zunächst der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt der Bevölkerung sicherzustellen.

Im Verlaufe der Zeit verfeinerten sich die Handelsbeziehungen mit anderen Gegenden. Nach und nach entstanden an wichtigen Knotenpunkten befestigte Siedlungen, zu denen sogar diplomatische Beziehungen unterhalten wurden. Diese Orte wurden zu Warenumschlagplätzen, in denen dann nicht mehr die Stadtstaaten, sondern internationale Handelsgesellschaften den Geschäftsablauf bestimmten.

Es war zunächst in erster Linie der Rohstoffmangel, der den Ausbau des sumerischen Handels bestimmte, der sich aber schon bald zu einem Welthandel ausweitete. Im großen Umfang machten die Sumerer Geschäfte mit hochwertigen Erzeugnissen ihrer Veredelungsindustrie. Verarbeitet wurde z.B. Kupfer aus Elam und aus Kleinasien, Silber aus dem Taurus, Gold aus Ägypten und aus Indien, wertvoller Stein aus dem Pamir und dem Osten Afghanistans. Aus aller Welt kamen die Bestellungen für Schmuck und Elfenbeinarbeiten, für Schminke und Parfüms. In Sumer entstand auf diese Weise eine raffinierte Luxusindustrie.

Als Voraussetzung für das Funktionieren der sumerischen Wirtschaft war als Fundament ein ausgeklügeltes Bildungssystem eingerichtet. Von Anfang an war es die Aufgabe der Tempelschulen, Wirtschaftsbuchführung zu lehren. Die Schulen waren Berufsausbildungsstätten, es gab weder das Fach Religion, noch die Fächer Geschichte oder Literatur. Das Wissen dieser drei letztgenannten Fächer wurde mündlich überliefert, wenn auch mit der Folge der Legendenbildung.

 

Ein Kaufvertrag über einen männlichen Sklaven und ein Bauwerk auf einer sumerischen Steintafel Lizenz des Bildes: Louvre Museum [CC BY 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], Wikimedia
Ein Kaufvertrag über einen männlichen Sklaven und ein Bauwerk auf einer sumerischen Steintafel – Lizenz des Bildes: Louvre Museum [CC BY 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], Wikimedia
Mit dem Aufstieg Babylons 1894 v.Chr. ging das sumerischen Reich unter; es wurde gewissermaßen „eingegliedert“ und als Herodot um 450 v.Chr. Mesopotamien bereiste, sah er zwar die Ruinen babylonischer Städte, aber er fand keinerlei Hinweise auf eine Existenz der Sumerer. Diese waren im wirklichen Sinne des Wortes „vom Winde verweht“; es blieb der Neuzeit vorbehalten, Teile der Geschichte dieses Volkes sichtbar zu machen.

Im Laufe der letzten hundert Jahre wurden mehrere hunderttausend Tontafeln gefunden, die einen Einblick in die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte dieses Landes geben. Viele der frühesten Texte sind Kaufverträge, Lieferscheine und Rechnungen, die Tontafeln sind überwiegend Merkzettel, weniger Dokumente. Hätten die Sumerer auf Papyrus geschrieben, es wäre nichts von ihnen überliefert; Papyrus wäre im Laufe der Zeit zerfallen.

Anhand der Erkenntnisse dieses Kapitels ist festzustellen, dass die Sumerer wegen fehlender Rohstoffe und schwieriger landwirtschaftlicher Bedingungen nicht autark waren, diese Situation jedoch mit ihren handwerklichen Fähigkeiten und ökonomischen Kenntnissen dahingehend kompensierten, dass sie einen umfangreichen, gut organisierten Handel betrieben.

Wie ein roter Faden durchzieht eine Wirtschaftspolitik dieser Art die Geschichte der Menschheit, bis auf eine Ausnahme und von der soll in einem späteren Beitrag die Rede sein.

 

Dieser Artikel ist der erste Teil der Themenreihe „Welthandel und Handelsorganisationen“ von unserer Autorin Marianne Eule. Die Autorin ist Diplom-Politologin mit den Fachbereichen Politische Wissenschaft und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Frau Eule wurde im Sternzeichen Löwe geboren und ist der Wissenschaft (glücklicherweise) rettungslos verfallen, sodass sie auf Geschichte-Wissen einige ihrer Arbeiten veröffentlicht.

 

Literatur

  • Berg, Helmut (1976): Internationale Wirtschaftspolitik, Göttingen.
  • Fuchs, Konrad / Raab, Heribert (1996): Wörterbuch zur Geschichte, 10. Aufl., München.
  • Putzger, F. W. (1978): Historischer Weltatlas, 99. Aufl., Berlin.
  • Uhlig, Helmut (1976): Die Sumerer. Volk am Anfang der Geschichte, München.

 

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