Welthandel und Handelsorganisationen vom Altertum bis in die Gegenwart

Handel im antiken Attika – Seehandel mit Athen als Stapelplatz

Darstellung einer griechischen Galeere
Darstellung einer griechischen Galeere

Wie bei den Sumerern gilt grundsätzlich auch für das antike Attika (Attika war das zur Polis Athen gehörende Land), dass sich das Wissen über die wirtschaftlichen Verhältnisse aus einer Vielzahl von Informationen zusammensetzt, die aus archäologischen Quellen stammen und zunehmend seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. auch aus schriftstellerischen Daten und Aufzeichnungen.

Nach der gängigen Geschichtsschreibung wird das „Antike Attika“ etwa dem Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zum 2. Jahrhundert v.Chr. zugeordnet.

Von einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung kann allerdings zu keinem Zeitpunkt die Rede sein, da Attika ursprünglich ein landwirtschaftlich reiches Land war und außerdem über beträchtliche Bodenschätze, wie Silberminen und ergiebige Marmorbrüche verfügte. Darüber hinaus fußte ein gewisser Reichtum auf Steuereinnahmen aus verpachtetem Staatsgrund und „verwalteten“ Gebieten. So hatte z.B. der gesamte Küstenstreifen Chalkidikes regelmäßige und der Höhe und dem Grunde nach feststehende Steuern an Athen zu entrichten.

 

Die Notwendigkeit, einen umfangreichen Handel zu beginnen, ergab sich nicht, denn noch im 8. und 7. Jahrhundert konnte die Bevölkerung ausreichend ernährt werden. Allerdings wurde im 6. Jahrhundert bereits die Ausfuhr von Getreide verboten und im 5. Jahrhundert genügte die einheimische Produktion überhaupt nicht mehr zur Versorgung; Getreide musste seitdem von weither herangebracht werden.

Ohne jede systematische Ordnung entwickelte sich der Handel hin zum Seehandel und Athen zum Stapelplatz mit einem umfangreichen Warenangebot aus den Ländern am Schwarzen Meer, Ägypten und Sizilien. Da das wirtschaftliche Denken der Athener aber ausgesprochen unterentwickelt, das Gewicht der Tradition mit der Fixierung auf den bäuerlichen Betrieb hingegen stark ausgeprägt war, blieb die Entstehung wirtschaftlicher Interessenverbände aus.

Nun fehlten nicht nur wirtschaftliche Organisationen, es war zudem so, dass nicht einmal der Überseehandel von Schifffahrtsgesellschaften abgewickelt wurde, sondern jeder einzelne Schiffsbesitzer auf eigene Rechnung tauschte, kaufte und verkaufte. Diese mangelnde Handelskonzentration hatte viele Ursachen: die Schiffe waren klein und somit den Unbilden der Natur ausgesetzt; die Schifffahrt war extrem gefährdet durch Seeräuber und kriegerische Verwicklungen; der Warenabsatz war unsicher, da es keine Börse gab, die Angebot und Nachfrage geregelt hätte.

Eine weitere Beschwernis war die Rechtsunsicherheit im Ausland und außerdem das allgemeine Hemmnis des Seehandels, dass in der Zeit von Oktober bis April die Handelsschifffahrt wegen des schlechten Wetters ruhte. Auf diese Weise konnten sich Seehandelssocietäten, wie sie z B. für die römischen Verhältnisse typisch waren, erst gar nicht bilden.

Hierzu bemerkt Bleicken, dass das athenische Wirtschaftsleben des 5. und 4. Jahrhunderts den Eindruck von archaischer Schwerfälligkeit und Unbeweglichkeit macht und die Stadt nur dort eingreift, wo lebenswichtige Interessen der gesamten Bürgerschaft bedroht sind.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht bemerkenswert, dass die Sumerer die soziale Gleichheit ihrer Bürger kannten, die Athener hingegen der politischen Gleichheit der Bürger den Vorrang einräumten.

 

Dieser historische Rückblick auf den Handel der Sumerer und Athener soll als Abrundung und Information dienen, um die Entwicklungen der Frühen Neuzeit und der Gegenwart einzuordnen. Die Frühe Neuzeit wird mit einem Beitrag über die Hanse und die Gegenwart mit einem Kapitel über die Zentralkommission der Rheinschifffahrt fortgesetzt.

 

Dieser Artikel ist der zweite Teil der Themenreihe „Welthandel und Handelsorganisationen“ von unserer Autorin Marianne Eule. Die Autorin ist Diplom-Politologin mit den Fachbereichen Politische Wissenschaft und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Frau Eule wurde im Sternzeichen Löwe geboren und ist der Wissenschaft (glücklicherweise) rettungslos verfallen, sodass sie auf Geschichte-Wissen einige ihrer Arbeiten veröffentlicht.

Literaturauswahl

  • Bleicken, Jochen (1995): Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Paderborn; München; Wien; Zürich.
  • Putzger, F. W. (1978): Historischer Weltatlas, 99. Aufl., Berlin.
  • Uhlig, Helmut (1976): Die Sumerer. Volk am Anfang der Geschichte, München.