Um kaum einen Ort ranken sich so viele Mythen und Geschichten wie um die Besiedelung Island. Die Insel im Norden Europas war, wenn auch zum Teil unabsichtlich, Unterkunft und Wohnort anderer skandinavischer, irischer und sogar römischer Reisender.

Impressionen der wunderschönen Landschaft Islands. Mit Dank an die Jeep-Brothers, die uns diese Bilder aus einem Island-Urlaub zur Verfügung gestellt haben

In „The Northman“, dem neuen Film des preisgekrönten Ausnahmeegisseurs Robert Eggers begibt sich der Wikinger Amleth, gespielt von Golden-Globe-Preisträger Alexander Skarsgård, auf einen Rachefeldzug: Jahre sind vergangen, seit Wikingerkönig Aurvandil (Ethan Hawke) bei einem Anschlag hinterrücks ermordet wurde. Sein Sohn Amleth, der als Kind Zeuge der blutigen Tat war, kehrt körperlich gestählt nach Island zurück, fest entschlossen, unbarmherzig Vergeltung zu üben, seine Mutter Gudrun (Nicole Kidman) zu retten und den Mörder Fjölnir (Claes Bang) zur Rechenschaft zu ziehen. Regisseur Robert Eggers inszenierte und drehte sein düsteres und bildgewaltiges Wikingerepos authentisch in Island, wie schon im Trailer eindrücklich deutlich wird.

Aber welche Siedler und Siedlerinnen und auch Wikinger waren wirklich für die Geschichte Islands von Bedeutung? Und waren sie tatsächlich so kampfagil wie der fiktive Wikingerprinz Amleth?

 

Die unbekannten Anfänge Islands

Wie bereits erwähnt, gibt es Hinweise, dass Island schon vor der offiziellen Besiedelung von anderen Nationen entdeckt wurde. Bei Ausgrabungen in der Nähe von Bragðavellir wurden römische Kupfermünzen entdeckt. Sie können auf die Zeit von 270 – 305 n. Chr. datiert werden. Es wird ebenfalls vermutet, dass auch irische Mönche auf ihren Missionarsreisen zu Beginn des 8. Jahrhunderts die Färöern und danach wohl auch Island erreicht haben. Bis heute konnte diese Besiedelung nicht nachgewiesen werden, weshalb es auch verschiedene Vermutungen zur Abreise der Mönche gibt.

Impressionen der wunderschönen Landschaft Islands. Mit Dank an die Jeep-Brothers, die uns diese Bilder aus einem Island-Urlaub zur Verfügung gestellt haben

Erste Wikinger Islands

Islands raue Natur und kalte Temperaturen waren auch für die ersten skandinavischen Wikinger eine wahre Herausforderung. Drei Mal wurde Islands Küste „entdeckt“. So war es ca. 860 n. Chr. ein norwegisches Wikingerschiff mit dem Siedler Naddoddur an Bord, das dort strandete. Eigentlich war er in See gestochen, um die Färöern zu besiedeln, kam jedoch vom Kurs ab und landete auf Ostisland. Nach ihm folgte eine Überwinterung des Schweden Garðar Svavarsson, der die Insel nach sich selbst benannte. Der wohl bekannteste Wikinger, der Island einen Besuch abstattete, war der Norweger Flóki Vilgerðarson, auch bekannt als „Raben-Flóki“. Inspiriert durch das Treibeis im Winter, nannte er die Insel in Ísland, Eisland, um. Da die Bedingungen zum Leben in Island zu hart waren, kehrte er samt Geleit nach Norwegen zurück. Viele Jahre später soll er erneut nach Island aufgebrochen sein und dort sein restliches Leben verbracht haben.

Impressionen der wunderschönen Landschaft Islands. Mit Dank an die Jeep-Brothers, die uns diese Bilder aus einem Island-Urlaub zur Verfügung gestellt haben

Ein Norweger kam jedoch nach Island, um zu bleiben: Ingólfur Arnarson. Durch diesen Wikinger begann die Besiedelung des nördlichen Inselstaates. Zuerst trieb es Arnarson auf eine Vorinsel Islands, die bis heute den Namen Ingólfshöfði trägt. Nach seinem Überfall auf die Nachbarinsel, bei dem Arnarson den Mord an seinem Halbbruder gerächt hatte, verließ er diese Vorinsel und begab sich nach Island. Er landete im Gebiet des heutigen Reykjavíks und gilt somit als Gründungsvater der heutigen Hauptstadt.

 

Weibliche Verstärkung und blutige Hände

Impressionen der wunderschönen Landschaft Islands. Mit Dank an die Jeep-Brothers, die uns diese Bilder aus einem Island-Urlaub zur Verfügung gestellt haben

Ebenso gab es unter den Wikingern starke, unerschrockene Frauen. Eine davon war Auður Djúpúðga Ketilsdóttir. Sie war mit Olaf dem Weißen verheiratet und ihr gemeinsamer Sohn war König von Schottland. Als er jedoch vom Thron gestürzt und ermordet wurde und Olaf der Weiße verstorben war, musste auch sie fliehen. Sie ließ den geheimen Bau eines Schiffes im Wald beauftragen und begab sich samt ihrer Gefolgschaft nach Island. Nach der berühmten isländischen Sage Laxdæla war sie die einzige Wikingerfrau in Westisland. Und noch mehr: Es heißt, dass sie ihrer treuen Gefolgschaft und Familie Teile ihres Landes abgegeben hätte.

Ein etwas weniger freundlicher Zeitgenosse war Erik der Rote. Der geborene Norweger segelte in jungen Jahren nach Island, da sein Vater aufgrund eines Mordes aus dem Land fliehen musste. Auch Erik stand seinem Vater in dieser Hinsicht in nichts nach: Erik wurde aufgrund eines Mordes ebenfalls für drei Jahre aus Island verbannt. Seine brutale Art verschaffte ihm auch den Beinamen der Rote: Er steht für das Blut an seinen Händen. In der Zeit seiner Verbannung soll er gen Grönland gezogen sein, um dort zu siedeln, und damit die Insel entdeckt haben. Seine Heimatstadt, Eriksstadir, kann heute noch besucht werden.

Das Filmplakat zum bildgewaltigen Blockbuster „The Northman“. (c) 2022 Universal Pictures

Genau wie in „The Northman“ zieht sich der rote Faden der unnachgiebigen Natur, der Verschachtelung aus Sagen und Wirklichkeit und des Durchhaltevermögens der ersten Wikinger durch die Besiedlungsgeschichte Islands.
Wie sich nun aber der fiktive Wikingerprinz Amleth in seinem Rachefeldzug gegen den eigenen Onkel schlägt und welche Parallelen es zu den wahren Vorbildern gibt, kann man ab dem 21.04.2022 in den deutschen Kinos erleben.