Ungefähr ein Jahr nach Kriegsende (Mai / September 1945) regte Winston Churchill als Gast der Universität Zürich in einer Rede an die akademische Jugend am 19. September 1946 die Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa an und, dass der erste Schritt einer Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland gelten müsse.

Schon 1948 erklärte Konrad Adenauer auf einer CDU-Veranstaltung in Mönchengladbach, dass die deutsch-französische Frage eine der Hauptfragen Europas bleibe. Adenauer war der Meinung, dass die Spannungen zwischen Sowjetrussland und den Vereinigten Staaten so oder so wieder aus der Welt verschwinden würden, aber Deutschland und Frankreich blieben Nachbarn. Um der Nachbarschaft willen, aber auch und vor allem um der Zukunft Europas willen, muss eine wirkliche und dauernde Verständigung das Ziel sein.

Und der Außenminister Frankreichs, Robert Schumann, stellte in seiner Regierungserklärung am 9. Mai 1950 fest, dass ein Vereinigtes Europa nur durch konkrete Tatsachen, durch eine Solidarität der Taten zu schaffen sei. Vor allem erfordert eine Vereinigung der europäischen Nationen, dass der Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland unumkehrbar überwunden wird.

In einem Satzungsentwurf für die geplante Europäische Politische Gemeinschaft vom 10. März 1953 wird eine Europäische Gemeinschaft mit übernationalem Charakter skizziert und der Forderung nach einer vertraglichen Festlegung dahingehend, dass die Gemeinschaft auf den Zusammenschluss der Völker und Staaten gegründet ist mit Achtung der individuellen Eigenheit und der Gleichheit von Rechten und Pflichten. Die Europäische Politische Gemeinschaft war der erste Versuch, eine umfassende politische Integration europäischer Staaten zu verwirklichen. Teilnehmen sollten die sechs damaligen Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Das waren Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande.

 

Im Jahre 1957 folgte der Aufbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) als Zusammenschluss europäischer Staaten zur Förderung der gemeinsamen Wirtschaftspolitik im Rahmen der europäischen Integration. Diese Gemeinschaft der sechs Gründungsmitglieder Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland behauptete sich mit außerordentlich großem Erfolg, was die aristotelische Theorie von der Freundschaft um des Nutzens Willen eindrucksvoll bestätigte.

 

Staatsbesuch Charles de Gaulle Ankunft auf dem Flugplatz Wahn - Lizenz: Bundesarchiv, B 145 Bild-F010324-0002 / Steiner, Egon / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), Quelle
Staatsbesuch Charles de Gaulle
Ankunft auf dem Flugplatz Wahn – Lizenz: Bundesarchiv, B 145 Bild-F010324-0002 / Steiner, Egon / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), Quelle

Am 14. September 1958 empfing Charles de Gaulle (1890-1970; Staatspräsident 1959-1969) Konrad Adenauer (1876-1967; Bundeskanzler 1949-1963) in Colombey-les-Deux-Eglises, ein Dorf 260 km von Paris entfernt und der Heimatort / Landwohnsitz von de Gaulle. Das Treffen der beiden Staatsmänner verlief so harmonisch, dass sie sich daraufhin noch öfter trafen, insgesamt waren es zwischen 1958 und 1963 fünfzehn Begegnungen. Adenauer und de Gaulle haben konsequent und beharrlich die deutsch-französische Kooperation vorangebracht, die deutsch-französischen Beziehungen wurden dadurch gewissermaßen auf ein freundschaftliches Level gehoben.

Der Elysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 beendete dann ganz offiziell die Epoche der Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, die seitdem ein gutes und enges Freundschaftsverhältnis pflegen und weiter ausbauen. Innerhalb der Europäische Union ist dieser Zustand als stabilisierender Faktor von unschätzbarem Wert. Wegen der Komplexität des Élysée-Vertrages wird hierzu auf eine nachfolgende Abhandlung verwiesen.

Nun könnte ja der Eindruck entstehen, freundschaftliche Bemühungen zwischen Deutschland und Frankreich seien erst nach dem Zweiten Weltkrieg so richtig auf den Weg gebracht worden. Das wäre eine Fehlinterpretation, denn freundschaftliche Beziehungen gab es schon früher, zum Beispiel anlässlich der Aufnahme von verfolgten Hugenotten in Preußen im 18. Jahrhundert.

 

Aber, es geht auch noch früher. Die älteste urkundlich belegte Städtefreundschaft existierte bereits im Jahre 836 zwischen Paderborn und Le Mans, die dann erneut am 3. Juni 1967 „neuzeitlich“ bestätigt wurde. Wie war diese Städtepartnerschaft zu den damaligen Zeiten überhaupt möglich? Die beiden Städte liegen etwa 860 Kilometer auseinander, Le Mans südwestlich von Paris und Paderborn im östlichen Westfalen. Außerdem war Europa in Aufruhr, das Frankenreich Karls des Großen existierte seit seinem Tod im Jahre 814 nicht mehr wie bis dahin, da sein Nachfolger das Reich nicht zusammenhalten konnte. Die Städtepartnerschaft entstand aus der katholischen „Ewigen Liebesbruderschaft“ zwischen den beiden fränkischen Bischofssitzen. Diese religiöse Verbindung verfügte naturgemäß und für damalige Zeiten selbstverständlich über eine große politische Einflussnahme, hielt aber trotz der Kriege über die Jahrhunderte. Als Folge des Élysée-Vertrages konnten in beiden Städten fast alle Gymnasien und Realschulen als Partnerschule eingerichtet werden. Über fünfzig Vereine und Lokalzeitungen sind sich verbunden, außerdem halten die Universitäten enge Verbindungen. Die Städtepartnerschaft zwischen Le Mans und Paderborn wird heute ganz bewusst in einem historischen Zusammenhang gesehen, da diese Partnerschaft als eines der ältesten internationalen Abkommen gilt und gleichzeitig die erste offizielle Verschwisterung zweier europäischer Städte begründete.

Dieser Artikel stammt aus dem Geschichte-Wissen Magazin „Deutschland und Frankreich“. Sie können die Ausgabe hier kostenlos lesen.