Der Tyrolia Verlag hat das Buch „Codename Brooklyn. Jüdische Agenten im Feindesland. Die Operation Greenup 1945.“ von Peter Pirker veröffentlicht. Die unglaubliche aber wahre Geschichte zweier jüdischer Agenten, die im nationalsozialistischen Österreich im Verborgenen agierten, stellt der Historiker und Politikwissenschaftlicher Pirker anschaulich und lesenswert dar.

 

Der historische Hintergrund: Die Operation Greenup

(c) 2019 Verlagsanstalt Tyriolia, Innsbruck
(c) 2019 Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck. Umschlaggestaltung: Matthias Breit unter Verwendung eines Fotos aus Innsbruck vom 03. Mai 1945 (Quelle: National Archives and Records Administration)

Fred Mayer wurde 1921 in Freiburg in eine jüdische Familie geboren, die 1938 – als die jüdische Bevölkerung durch die Nationalsozialisten immer stärker diskriminiert wurde – in die USA flüchtete und sich dort ein neues Leben aufbaute. Mayer meldete sich nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten freiwillig und wurde bald beim Office of Strategic Services (OSS), dem Militärnachrichtendienst der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg, angeworben. Beseelt von dem Wunsch, die Nationalsozialisten zu besiegen, wurde er als Agent ausgebildet.

Mayer wurde Teil der Operation Greenup, von der das Buch „Codename Brookyln.“ handelt, die bezweckte, den kriegswichtigen Eisenbahnverkehr über den Brenner zu stören und Informationen über die angebliche Alpenfestung zu sammeln, in deren Zentrum sich Tirol befand.

Ein weiteres Mitglied der Operation Greenup war Hans Wijnberg, der als niederländischer Jude ebenfalls sein Heimatland wegen den Nazis verlassen musste. Zudem hatte sich Franz Weber, der aus der Wehrmacht desertiert war, entschlossen, die Nationalsozialisten zu bekämpfen. Weber war für die Operation wichtig, da er ortskundig war und über Bekanntschaften in der Region verfügte.

Die drei jungen Männer sprangen mit Fallschirmen am 26. Februar 1945 bei widrigsten Wetterverhältnissen ab. Unterschlupf fanden sie in der Ortschaft Oberperfuss, aus der Franz Weber stammte. Die Familie Webers unterstützte die Agenten, sodass Mayer Zugang zu geheimen Informationen der Wehrmacht über die Aktivitäten an der italienischen Grenze erhielt. Zudem konnte Mayer, der als Anführer des Trios agierte, sich Zugang zu einer Fabrik für Düsenjets verschaffen und entscheidende Informationen an die amerikanischen Truppen weiterleiten.

Allerdings blieben die Aktivitäten von Mayer, Wijnberg und Weber nicht unerkannt. Die Gestapo konnte einen eigenen Agenten in den Widerstandszirkel der Agenten einschleusen und so wichtige Informationen sammeln, die schließlich zur Festnahme von Mayer am 20. April 1945 führten.

Als die Nationalsozialisten die Identität von Mayer geklärt hatten, wurde er dem Gauleiter von Tirol-Vorarlberg Franz Hofer vorgeführt, der angesichts der Kriegssituation nach einem Weg suchte, um in Verhandlungen mit den Amerikanern zu treten. Mayer bot Hofer an, sich zu ergeben, was dieser annahm, wodurch Innsbruck jeglicher Zerstörung entging.

 

Eine umfassende Schilderung der damaligen Geschehnisse

So kurz und unvollständig dieser Abriss der Geschichte um Fred Mayer ist, so detailreich geht Peter Pirker auf die Geschehnisse ein. Das Buch ist zudem sehr ansprechend illustriert. Am Ende des Buches sind Fotografien von Markus Jenewein abgedruckt, die Orte der Operation Greenup zeigen.

Es ist überraschend, dass in Deutschland die Geschichte der jüdischen Agenten im Feindesland weitestgehend unbekannt ist – diente sie doch Quentin Tarantino als Vorbild für seinen weltberühmten Spielfilm „Inglourious Basterds“. Durch Pirkers Buch, das ohne weiteres als Standardwerk bezeichnet werden kann, könnte sich das ändern.

 

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