(c) Prokino El Clan Kinofilm - Die Familie Puccio im Film
(c) Prokino El Clan Kinofilm – Die Familie Puccio im Film

Die Puccio Familie sorgte in Argentinien für Grauen – das in Deutschland weithin unbekannte Kapitel der argentinischen Geschichte wird nun in einem Kinofilm verarbeitet. In „El Clan“ werden die Verbrechen des Puccio Clanes dargestellt – mit Entführungen, Erpressungen und Morden häuften sie ein Vermögen an. Dies alles unter dem Deckmantel einer bürgerlichen Fassade.

 

In ihrer Nachbarschaft galten Arquímedes Puccio, seine Frau Epifania und ihre fünf Kinder Alejandro, Daniel „Maguila“, Guillermo, Silvia und Adriana als konservative, fromme Familie, die regelmäßig die Sonntagsmesse der nahegelegenen Kirche besuchte. Mehrmals am Tag und sogar tief in der Nacht sah man Familienoberhaupt Arquímedes Puccio vor seinem Haus in einem gehobeneren Stadtviertel von Buenos Aires den Gehweg fegen. Dabei ging es ihm jedoch weniger um Sauberkeit als darum, sicherzustellen, dass die Schreie seiner Opfer nicht auf der Straße zu hören waren.

 

Unter dem Deckmantel der Regierung

In den 1970er Jahren hatte sich Arquímedes Puccio unter dem Militärregime Argentiniens einer geheimen, von der Regierung unterstützten Todesschwadron angeschlossen. Seine Aufgabe bestand zu jener Zeit in der „Hotellerie“, der Unterbringung politisch Entführter. Mit dem Sturz der Diktatur im Jahr 1983 waren seine Dienste nicht länger vonnöten. Doch das Ende des Militärregimes bedeutete keineswegs auch das Ende seiner blutigen Aktivitäten. Anstatt weiterhin Oppositionelle und Kommunisten im Auftrag der Regierung zu entführen, kidnappte er fortan auf eigene Faust Angehörige wohlhabender Argentinier mit dem Ziel, horrende Lösegelder zu erpressen.

 

Verbrechen ist Familiensache

Dabei konnte er sich nicht nur der Unterstützung durch bestehende Verbindungen zu ranghohen Regierungsmitgliedern sicher sein. Auch die Familie half mit, allen voran seine zwei ältesten Söhne Alejandro, Starspieler der Rugby-Nationalmannschaft, und Daniel, genannt „Maguila“. Zusammen mit drei weiteren Helfern machten sie sich der Entführung von vier Opfern schuldig, von denen sie drei kaltblütig ermordeten. Allesamt Menschen aus dem persönlichen Umfeld der Puccios, unter ihnen auch ein Teamkollege aus Alejandros Mannschaft.

  

Das Grauen im Keller des Familienhauses

Nach der Entführung des vierten Opfers, der Geschäftsfrau Nelida Bollini de Prado, kam die Polizei den Machenschaften des Clans auf die Spur. Mit Hilfe von Telefonwanzen konnte die Familie schließlich überführt werden. Bei der Durchsuchung des Familienhauses fanden die Beamten die Vermisste angekettet in einem kleinen, fensterlosen Raum im Keller, in dem auch die anderen Opfer vor ihr untergebracht worden waren. Die Puccios hatten dabei aufs kleinste Detail geachtet: Um zu verschleiern, dass sich der Kerker in Buenos Aires befand, platzierte die Familie Heuballen vor der Kellertür, deren Duft den Opfern vorgaukeln sollte, irgendwo auf dem Land festgehalten zu werden.

 

Mühsame Spurensuche

Da mehrere Familienmitglieder mittlerweile tot und die verbliebenen nicht zu öffentlichen Aussagen bereit waren, hatte Pablo Trapero zunächst große Mühe, die realen Ereignisse dieses außergewöhnlichen Falles zu rekonstruieren. Doch mithilfe alter Zeitungsartikel, Briefe und Fotos sowie zahlreichen Gesprächen mit früheren Nachbarn und Bekannten der Familie Puccio, gelang es dem Regisseur, viele der Puzzleteile zusammenzufügen und in einem intensiven Spielfilm auf die Leinwand zu bringen. Auch 30 Jahre nach dem Aufsehen erregenden Fall läuft es einem ob der Skrupellosigkeit der Puccios noch kalt den Rücken hinunter: EL CLAN – ab 3. März 2016 im Kino (Webseite)