egyptWas die alten Ägypter unter Medizin verstanden, wissen wir vor allem aus zwei Quellen:

Dem Papyrus Ebers (Teil einer Gruppe von 13 hieratischen Papyri aus der Zeit um 1800v.Chr.). einer Sammlung von Lehrtexten für Ärzte (Untersuchungsregeln, Diagnosen, Therapien, Heilungsaussichten, Rezepte, magische Texte, antomische und physiologische Abhandlungen),

und aus dem

Papyrus Edwin Smith (2500v.chr.), einer Beschreibung von 48 Verletzungen (Knochenbrüche, Verrenkungen, Zerrungen, Geschwüre).

 Auch einige Mumien weisen kraterförmige Öffnungen am Schädel auf, die die Technik der Trepanation hinweisen, bei der durch Schaben und Meisseln das Schädeldach geöffnet wurde.

Seziert wurde nicht (nur Balsamierer gingen mit den Eingeweiden um, und deshalb galten sie auch als unrein…), nur empirisch beobachtet; daher waren die anatomischen Kenntnisse auch äusserst mangelhaft: Eine Unterscheidung von Luft- und Speiseröhre oder Arterien und Venen war den Ägyptern möglich, der Zusammenhang von Puls und Herzschlag war zwar bekannt, aber man dachte, die Atemluft wäre der Auslöser des Pulses.

            Daher konnten auch nur die Symptome behandelt werden, das allerdings sehr erfolgreich:

          Knochenbrüche wurden geschient

        es gab „Gipsverbände“

          Zahnplomben wurden angefertigt aus „Abgeriebenem von Mühlsteinen“, Ocker und Honig

          Einrenken von Schultern und Unterkiefern

          Wundnähte kannten man ebenfalls

          Für ihre Arzneien waren die ägyptischen Ärzte berühmt! Bis zu 37 Ingredienzen gab es für ein Rezept (in Volumeneinheiten dosiert: 1 „ro“ = 14ml), aber oft auch ganz einfache Mittel (z.B. zum „Töten der Schlange im Bauch“ (= Bandwurm) wurde folgendes Rezept erteilt:

5 ro Wurzel des Granatapfelbaums (enthält Pyridin-Alkaloide, die Nervensystem des Bandwurms lähmen) und 10 ro Wasser nachts dem Tau aussetzen, dann

durchpressen und an einem Tag trinken.)

          Ägypter verwendeten

          mind.160 Pflanzenprodukte (30 Pflanzen identifiziert), u.a. Rizinus, Kreuzkümmel, Myrrhe, Datteln, Sellerie; Oliphant erwähnt zusätzlich: Zwiebeln, Koriander, Dill, Feigen

          Tierprodukte, z.B. Honig (Brandwunden, Geschwüre, Magen-Darm-Verstimmung), frisches Fleisch (Erste Hilfe bei Wundbehandlung), Verdünnungsmittel: Wasser, Milch, Wein, Bier

          Mineralien, z.B. Natron (Abschwellen, zieht Eiter aus Wunden), Malachit (gegen Augeninfektionen, auch Augenschminke), Kupfersalze (Antiseptikum, lt.Oliphant)

Es gab im alten Ägypten übrigens drei Kategorien von Ärzten: Chirurgen, Priester-Ärzte (meist Priester der Göttin Sachmet, die Krankheiten schickte, aber auch heilte) und Zauberer. Auch Drogen wurden eingesetzt, z.B. Opium (Betäubung)