Armenian Empire

Die Zeit in Armenien in den Jahren 224 nach Christus bis 305 ist unübersichtlich, was vor allem an der Quellenlage liegt.

Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, dass Armenien in den Wintermonaten 217/18 wieder als Klientelstaat der Römer eingerichtet wurde. Durch die Wiedereinsetzung Tiridates II. konnte Kaiser Macrinus den armenischen Aufstand, ausgelöst durch Caracalla, beenden und Armenien kehrte zurück zu der Rolle als Pufferstaat zwischen dem römischen Reich und dem Partherreich. Römer und Parther befolgten damit wieder den Vertrag von Rhandeia (63 n. Chr.).

Mit Ardashir I. wurde die Herrschaft der Arsakiden im Partherreich beendet, die Sassaniden konnten im Jahr 224 erfolgreich die Macht an sich reißen. Laut Tabari wurde Armenien von den Persern erobert, die römischen Quellen verneinen dies allerdings. Es ist unwahrscheinlich, dass Ardashir in einer so frühen Phase einen Angriff auf Armenien unternahm. Hier herrschte mit Tiridates II. ein König aus arsakidischen Haus und eine breite armenische Mehrheit – vor allem der Adel wird noch pro-arsakidisch gewesen sein. Viel wichtiger ist allerdings der Umstand, dass Ardashir I. zu diesem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mit Widerstand in seinem eigenen Reich zu kämpfen hatte. Eine militärische Kampagne gegen Armenien scheint zu dieser Zeit also unwahrscheinlich.

In den 30er Jahren des 3. Jahrhunderts findet unter dem römischen Kaiser Severus Alexander ein Feldzug gegen die Sassaniden statt, an welchem sich die Armenier nicht beteiligen – nur der Durchzug der römischen Truppen wird geduldet.
Die römischen Quellen erzählen von einem Friedensschluss zwischen dem römischen Kaiser Philippus Arabs und Shapur I. im Jahr 244. Im Jahr 252/53 kam es zu einer weiteren Auseinandersetzung zwischen Römern und Perserreich. Die problematische Quellenlage macht es uns schwer, einen genauen Überblick über die Lage in Armenien zu bekommen. Zoranas berichtet von der Flucht des Königs Teridates im Jahr 251/52. Um welchen Teridates es sich handelt, ist nicht bekannt. Möglich ist, dass es sich hierbei um Tiridates II. handelt, welcher von Cassius Dio erwähnt wird, allerdings wird dieser nicht von den armenischen Quellen erwähnt. Auch ein Tiridates III. kommt in Betracht.

Laut Agathangelos herrschte zu der Zeit, als Ardashir I. den persischen Thron bestieg, König Khosrov in Armenien. Der Überlieferung nach unternahm Khosrov zehn Jahre lang Angriffe gegen das persische Reich. Allerdings kann man davon ausgehen, dass diesen armenischen Attacken eher römische Angriffe auf Medien zugrunde liegen. Dass man der Erzählung Agathangelos‘ nicht vorbehaltlos glauben darf, liegt alleine schon daran, dass dieser auf Basis von Erzählungen Moses Khorenatsi beruhen – diese sind an sich schon sehr übertrieben. Interessant ist jedenfalls, dass Agathangelos nicht von Verteidigung spricht.
Khosrov fällt einer Intrige des persischen Königs zum Opfer und es gelingt dem Heer Ardashirs I. die Römer zu besiegen und Armenien dem Perserreich einzuverleiben. Dabei kann dem Sohn des armenischen Königs, Tiridates, die Flucht in das Staatsgebiet des Imperium Romanums gelingen.

Wenn die Überlieferung von Agathangelos richtig ist, dann müssen diese Ereignisse etwa in den 30ern des 3. Jahrhunderts passiert sein. Dies kann aber nicht der Fall sein. Wir wissen, dass Armenien bis in das Jahr 244 unter römischer Herrschaft stand – eine persische und römische Hoheit ist unmöglich. Laut Cassius Dio könnte nach Tiridates II. noch ein weiterer König in Armenien geherrscht haben – das könnte König Khosrov bei Agathangelos sein. Und auch die Flucht eines Sohnes bzw. einer Person wird überliefert, diese kann aber frühestens im Jahr 251 stattgefunden haben. Demnach konnte Ardashir I. den armenischen König gar nicht umbringen lassen, die Intrige würde wenn überhaupt in die Regierungszeit Shapurs I. fallen. Die Besetzung Armeniens begründete Shapur I. mit einer „Lüge“ bzw. einem „Unrecht“, welches die Römer begangen haben sollen. Hierbei könnte die Asylgewährung für den Flüchtigen gemeint sein. Wäre dies der tatsächlich der Fall, so hätten die Römer den Friedensvertrag mit den Sassaniden gebrochen.

Allerdings sind der Ablauf der Flucht und vor allem die Identität des Flüchtigen umstritten. Laut Agathangelos soll diese Person – bei ihm der Königssohn Tiridates – nach Rom geflüchtet sein und von einem Licinius aufgezogen worden sein, in einem Zweikampf gegen einen Gotenkönig – anstelle des römischen Kaisers – siegreich hervorgegangen sein und zum Dank dafür ein Heer bekommen haben, mit welchem er Armenien zurückerobert haben soll. Das klingt insgesamt wenig glaubwürdig. Hinzu kommt, dass Zonaras von „Söhnen“ des geflohenen Königs spricht, welche zu den Persern fliehen – in der Version der als glaubwürdig geltenden Quelle wird der armenische König also nicht ermordet.
Daher ist es viel wahrscheinlicher, dass der armenische König Tiridates (möglicherweise III., Tiridates II. ergibt wegen zeitlicher Abstände wenig Sinn) aufgrund pro-persischer Tendenzen aus dem Land in das Gebiet des römische Imperiums floh und Shapur I. seinen Sohn in Armenien auf dem Thon installieren konnte. Diese Version der Flucht würde sich dann auch mit Cassius Dio decken, auch wenn das Problem der Identität dadurch nicht gelöst wird.
Auch der Zeitpunkt der Rückkehr und Thronbesteigung Tiridates III. sind umstritten. Diese ist vor dem Friedensvertrag von Nisibis im Jahr 298 oder 299, welcher zwischen den Römern und den Persern geschlossen wurde, nicht möglich. Die Wiedereinsetzung eines Arsakiden in Armenien wird allerdings nur von armenischen Quellen erwähnt, nicht von römischen. Zwar wird in der Inschrift des Narses in Paikuli ein König „Tirdat“ erwähnt, man kann aber nicht von absoluter Sicherheit davon ausgehen, dass es sich um Tiridates III. handelt. Möglich ist auch, dass es sich nicht um den geflohenen Tiridates III. handelte, sondern um seinen Sohn Tiridates IV. Das würde erklären, warum die römischen Quellen nicht von einer Rückkehr Tiridates III. sprechen, würden aber im Widerspruch mit den armenischen Quellen stehen.

Zusammenfassend lässt sich die Geschichte Armeniens in den Jahren 224 und des frühen 4. Jahrhunderts nicht genau überblicken und schon gar nicht chronologisch erfassen. Vor allem die Identität des armenischen Königs, welcher im 4. Jahrhundert für die Christianisierung des Reiches verantwortlich war, ist umstritten. Die Quellenlage lässt eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse nicht zu. Die Überlieferung Agathangelos kann für eine solche Rekonstruktion nicht benutzt werden, dabei sollte man sich aber im Hinterkopf behalten, dass das Werk nicht den Anspruch erhebt, ein historischer Tatsachenbericht zu sein.