moor„Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff beschreibt die schaurige, geheimnisvolle Atmosphäre eines Moores. DAs Nebeneinander von unberührter Natur und irrlichterndem Wesen ist es, was die Menschen von Anfang an Mooren fasziniert hat.

Schon die frühzeitlichen Menschen verehrten ihre Götter im Moor und versenkten Opfergaben in den unergründlichen Tümpeln. Um jedes der unheimlichen Moore ranken sich Mythen und Legenden. Wenn Sumpfgas, Methan also, das aus verrotteten Pflanzen aus dem Torf aufsteigt und sich entzündet, schaurig-tanzende Flammen produzierte, glaubte man, irrlichternde, verstoßene Seelen zu sehen.

Heute sieht man Moore nüchterner. Sie entstehen, wenn Moose knapp über dem Grundwasserspiegel Schicht über Schicht bilden, die jeweils jüngste Generation direkt auf der vorhergegangenen und abgestorbenen Generation. So wachsen Moore in Jahrtausenden in die Höhe und bilden oft meterdicke Torfschichten, denn die älteren Schichten versinken im Grundwasser und können nicht verfaulen. Die Torfschichten können sogar so hoch wachsen, dass sich das Moor über seine Umgebung erhebt („Hochmoor“). Wegen der starken Kapillarkräfte der Moose hört das Hochmoor erst dann auf, einen Hügel zu bilden, wenn der Wasserdruck so hoch wird, dass die Moose die Feuchtigkeit nicht mehr halten können. Im Gegensatz zum Hochmoor wächst das „Niedermoor“ nicht in die Höhe; meist fehlt hier der nötige Wassernachschub. Das größte bayerische Niedermoor war einmal das Donaumoos südlich der Donau zwischen Ingolstadt und Neuburg a.d.Donau (http://www.haus-im-moos.de/80.0.html)

Viele Moore sind mittlerweile wie das Donaumoos trocken gelegt oder abgebaut. Es gibt aber noch wenige Ausnahmen, zu bestaunen z.B. im Nationalpark Müritz (http://www.mueritz-nationalpark.de/cms2/MNP_prod/MNP/de/Startseite/index.jsp) oder im seit 1927 geschützten Murnauer Moos (http://www.alpenfernblick.de/DasMurnauerMoos.html).

Die großen, für die traditionelle Landwirtschaft früherer Zeiten kaum nutzbaren Moore wurden schon früh zu kultivieren versucht. Zuerst dienten sie nur als Weideflächen (das Donaumoos wurde seit dem Mittelalter von einem in Schrobenhausen sitzenden „Moosrichter“ verwaltet, der sich in erster Linie darum kümmern musste, ob Wiederechte der das Moos umgebenden Gemeinden verletzt wurden). Zu Beginn der Neuzeit – man bekämpfte Aberglauben und kannte neue technische Mittel – wurde begonnen, die Moore trocken zu legen. Vor allem in Norddeutschland legte man Dörfer für arme und landlose Bauern an („Fehnsiedlungen“), um damit auch der Pauperisierung der Landbevölkerung entgegen zu wirken. Diese Bauern erhielten allerlei Vergünstigungen: Steuererleichterungen etwa oder kostenlose Geräte. Als Gegenleistung mussten sie das Moor kultivieren (vgl. http://www.fehnmuseum.de/).

Im 19.Jahrhundert wurde der Torfabbau die wichtigste Nutzungsart vor allem der norddeutschen Moore. Bremen lag z.B. zu dieser Zeit unter einer andauernden Smogglocke, denn die ganze Stadt wurde mit Torf befeuert. Um den Torf aus dem Moor zu bringen, wurden eigens kleine Eisenbahnstrecken gebaut und der Torf tonnenweise gestochen. Dabei tauchten auch immer wieder Leichen auf. Bald schon wurden bei solchen Funden nicht mehr Polizisten gerufen, sondern Archäologen (sofern überhaupt jemand gerufen wurde…)

Denn die sogenannten Moorleichen waren Jahrhunderte, oft sogar Jahrtausende alt. Sie wurden zwar erkennbar mit Gewalt ums Leben gebracht, sehen aber dennoch seltsam friedlich aus, als wenn sie schliefen. Die Haut ist zwar aufgrund der im Moor reichlich vorhandenen Huminsäuren geschwärzt, aber eben diese Huminsäuren und der Sauerstoffabschluss erhielt die Leichen oft in sensationell gutem Zustand: Haare, Kleider, sogar der Darminhalt wurde perfekt erhalten. Trotz der guten Erhaltung weiß man bis heute nicht genau, WARUM diese Menschen getötet und ihre Leichen im Moor versenkt wurden (bei manchen gibt es sogar Anzeichen, dass sie lebendigen Leibes im Moor untergingen!).

Waren es Verbrecher, die für eine Stratat sühnen mussten? Waren es Menschenopfer? Waren es Verbrecher, die als Menschenopfer dienten?

Die wohltätige Seite des Moores wird ebenfalls seit Jahrtausenden genutzt: Torf ist ein uraltes Heilmittel. Die Huminsäure regen Durchblutung und Stoffwechsel an, was ein Moorbad so richtig anregend macht (vorausgesetzt, man ist nicht gefesselt wie eine Moorleiche und geht unter).

Heute bedroht nicht mehr die Kultivierung durch Menschen die noch existierenden Moore – manche Moore werden sogar renaturiert (was z.B. für Teile des Donaumooses geplant und zum Teil auch schon umgesetzt ist), sondern Abwässer und Grundwasserabsenkungen.

In vielen, vor allem kleineren Mooren werden heute Moorwanderungen angeboten. Dabei lässt sich auch für uns moderen Menschen noch viel vom Geheimnis Moor erfahren.

Aller Schulbildung zum Trotz – der Schatten hinter diesem Baum: Was war das? Der Hund von Baskerville? Nein, doch nur ein Kätzchen… 🙂