Gutenberg in einer Darstellung aus dem 16. Jahrhundert. Das Bildnis entstammt der Phantasie des Künstlers. Wie Gutenberg tatsächlich aussah, ist nicht bekannt.
Gutenberg in einer Darstellung aus dem 16. Jahrhundert. Das Bildnis entstammt der Phantasie des Künstlers. Wie Gutenberg tatsächlich aussah, ist nicht bekannt.

Johannes Gutenberg wurde etwa im Jahr 1400 als drittes Kind seiner Familie in Mainz geboren. Der elterliche Hof hieß Gutenberg, der eigentliche Familienname war aber Gensfleisch. Solche Namenszuordnungen waren zur damaligen Zeit üblich. Der Vater war Kaufmann und als Patrizier Angehöriger der Oberschicht.

In seiner Jugend besuchte Gutenberg die Lateinschule in Mainz und später wahrscheinlich die Universität in Erfurt. In den Jahren 1434 bis 1444 lebte Gutenberg in Straßburg, wo er das Münz- und Goldschmiedehandwerk erlernte. Straßburg war mit 25.000 Einwohnern damals eine der größten und wichtigsten Städte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (HRR). Dort gründete Gutenberg eine Gesellschaft zur Verwirklichung eines neuen technischen Verfahrens, das mit Blei und dem Bau einer Presse zu tun hatte – vermutlich eine Vorstufe zum Buchdruck. Die Weiterentwicklung erfolgte dann in Mainz.

 

1450 konnte Gutenberg erst Blätter und dann Bücher drucken. Es war die Geburtsstunde des Buchdrucks mit dem Grundgedanken der Zerlegung eines Textes in Einzelelemente. Aus heutiger Sicht sagt es sich leicht dahin, metallene Buchstaben herzustellen und in bestimmter Zuordnung festzuzurren. Aber es erforderte zur Zeit Gutenbergs ein hohes Maß an Genauigkeit und Sicherheit sowie gezielt entwickelter technischer Geräte und Hilfsmittel.

 

Die neue Methode kam einer Revolution gleich, da vor Gutenbergs Erfindung Vervielfältigungen mühevoll handschriftlich erfolgen mussten. Nun konnten diese in quasi unbegrenzter Menge von hoher Qualität vergleichsweise schnell hergestellt werden. Die ersten Produkte waren Wörterbücher, Grammatiken, Ablassbriefe, Kalender und natürlich die Bibel – bekannt als Gutenberg-Bibel (entstanden in den Jahren 1452 bis 1454).

 

Mit Geldgebern und Gerichten hatte Gutenberg Schwierigkeiten wegen des teuren Betriebs seiner Werkstätte. Gutenberg zog sich nach einem verlorenen Rechtsstreit Ende der 1450er Jahre auf den elterlichen Hof zurück und betrieb dort eine Druckerei.

1465 ernannte der Erzbischof von Mainz, der auch Landesherr war, Gutenberg wegen seiner Verdienste um die Verbreitung der Bibel zum Hofedelmann, was mit besonderen Zuwendungen verbunden war. Um diese Zeit zog sich Gutenberg zurück in den Algesheimer Hof in der Nähe, wo er 1468 verstarb. Es ist nicht bekannt, ob er verheiratet war.

 

Kommentar

Zahlreiche Historiker grenzen mit der Erfindung des Buchdrucks das Mittelalter von der Neuzeit ab. Andere werten die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 oder die Reformation im Jahre 1517 als Zäsur.

Mit dem Buchdruck setzte eine Emanzipation ein, die noch heute andauert. Nun konnte jeder Bürger lesen und Sachverhalte selbst beurteilen, wofür früher die Obrigkeit – welcher Art auch immer – zuständig war. Auch die Verbreitung des Hochdeutschen, initiiert von Martin Luther, ist ohne das Buch nicht denkbar.

 

Dank Gutenberg entstand der hochgeachtete Beruf des Setzers. Dieser hatte die Buchstaben aus Metall einzeln auf einer Schiene aufzureihen. Die Buchstaben nannte man Lettern, die wiederverwendbar waren. Der Beruf des Schriftsetzers wurde im Jahr 1998 offiziell aufgehoben, da sich schon lange andere Methoden des Schriftdruckes durchgesetzt hatten.

 

Gutenberg hat Zeit seines Lebens nicht von seiner Erfindung profitieren können und war auf die Zuwendungen seines Gönners Adolf von Nassau, dem Bischof von Mainz, angewiesen. Er bekam als Hofedelmann jährlich ein Hofkleid sowie 2.180 Liter Korn und 2.000 Liter Wein. Er starb unvermögend und erlangte seinen großen Ruhm erst postum. So ist es vielen großen Geistern ergangen.

 

Die Gutenberg-Bibel als sein prägendstes Werk hat je Seite zwei Spalten (Kolumnen) mit je 42 Zeilen und gehört zu den berühmtesten Büchern aller Zeiten.

Viele Institute und Schulen sind nach Johannes Gutenberg benannt. Das amerikanische Magazin Time-Life kürte ihn 1997 zum bedeutendsten Erfinder des zweiten Jahrtausends.

 

 

Cover_100 MenschenDieser Artikel ist dem Buch „100 Menschen von Bedeutung“ entnommen. Durch Geschichte-Wissen wurden geringfügige (stilistische) Änderungen vorgenommen.

Das Buch wurde von Matthis Mertens und Ludger Hecking verfasst. Es ist unter der ISBN 9783746063591 im Buchhandel erhältlich. Die E-Book Version kann auf Amazon erworben werden. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Buches und auf Facebook.