Einfache Herkunft

Gemälde von Madame du Barry
Öl-Gemälde der Comtesse du Barry von Jean-Baptiste Greuze aus dem 18. Jahrhundert

Am 19. August 1743 erblickte im lothringischen Vaucouleurs ein Mädchen namens Marie-Jeanne Bécu, die spätere Madame du Barry, das Licht der Welt. Den Nachnahmen hatte sie von ihrer Mutter, der Näherin Anne Bécu, denn sie war ein uneheliches Kind. Ihr Vater war unbekannt, wahrscheinlich handelte es sich um einen Franziskanermönch namens Jean-Baptiste Gomard de Vaubernier, der es mit seinem Gelübde der Enthaltsamkeit nicht allzu genau nahm.

Als Jeanne vier Jahre alt war, zog sie mit ihrer Mutter nach Paris, wo Anne eine Anstellung alsKöchin bekam. Der großzügige Hausherr sorgte dafür, dass die entzückende Jeanne in einem Kloster erzogen wurde. Spätere Darstellungen Jeannes als überaus vulgäre Person dürften daher als unglaubwürdig betrachtet werden.

Neun Jahre blieb Jeanne im Kloster. Als sie es verließ, war sie eine bildhübsche Fünfzehnjährige, der die Männer scharenweise zu Füßen lagen. Dies zahlte sich auch für ihren Arbeitgeber Monsieur Labille aus, der Jeanne 1762 in seinem Pariser Modehaus als Verkäuferin einstellte.  

Nachdem sie sich eine Weile Mademoiselle Lange genannt hatte, führte Jeanne schließlich den Namen ihres mutmaßlichen Vaters, Gomard de Vaubernier, der so viel besser zu ihrem atemberaubenden Äußeren passte, als das schlichte Bécu. 1763 zog sie die Aufmerksamkeit des berüchtigten Lebemannes Graf Jean du Barry auf sich, der sie in sein Haus holte. Dort spielte Jeanne die Gastgeberin, während der Hausherr seine Gäste beim Kartenspiel betrog. Doch schwebte dem Grafen du Barry noch viel mehr vor. Mit Jeanne hatte er den Joker in der Hand und er würde ihn beizeiten einzusetzen wissen, um seine stets viel zu leeren Taschen zu füllen.

Geliebte des Königs

Gemälde der Madame du Barry

Frankreich war damals eine Monarchie, in der Ludwig XV. als absoluter König vom Schloss von Versailles aus regierte. Eine zeitlang hatten die Fäden der Macht jedoch in den Händen seiner Mätresse Madame de Pompadour gelegen. Die „Maîtresse en titre“ war eine offizielle Position am französischen Hof, die mit viel Macht und Einfluss verbunden war. Seit dem Tod der Pompadour im Jahr 1764 war Ludwig jedoch sehr einsam. Wie ein Wunder erschien es ihm, als ihm 1768 in Versailles ein wahrer Engel mit blonden Haaren und blauen Augen begegnete: Jeanne de Vaubernier, die vom Grafen du Barry nach Versailles geschickt worden war.

Mit seinen 58 Jahren war Ludwig plötzlich verliebt wie ein junger Mann und wollte Jeanne zu seiner neuen Mätresse machen. Jeannes einfache Herkunft erschwerte dieses Vorhaben jedoch, woraufhin der findige Graf du Barry Jeanne mit seinem jüngeren Bruder verheiratete und Jeanne damit zur hoffähigen Gräfin du Barry wurde.

Die Französische Revolution

Lesen Sie unsere Zusammenfassung der wesentlichen Ereignisse der Französischen Revolution – verständlich und übersichtlich.

Kampf mit Marie Antoinette

Der Adel in Versailles, für den eine königliche Mätresse im Grunde nichts Ungewöhnliches war, nahm Jeanne vor allem ihre einfache Herkunft übel und verbreitete viele Gerüchte über sie. Einer ihrer größten Widersacher war der Herzog von Choiseul, der erste Minister, der auch die Hochzeit des Thronfolgers mit der österreichischen Erzherzogin Marie Antoinette arrangiert hatte. Angestachelt von der Hofpartei Choiseuls und den Töchtern des Königs, lehnte Marie Antoinetten Jeanne du Barry ab. Jeanne bewirkte schließlich die Entlassung des Ministers und ging auch im Kampf mit Marie Antoinette als Siegerin hervor: Hatte diese sich bisher geweigert, mit der Mätresse zu sprechen, richtete sie beim Neujahrsempfang 1772 schließlich doch einige Worte an sie.

Ludwig XV. verwöhnte seine Jeanne und machte ihr viele Geschenke, darunter auch das Schloss Louveciennes bei Paris. Auch überlegte er, seiner Mätresse ein überaus kostbares Diamantcollier zu schenken, für das zwei Pariser Juweliere einen Käufer suchten. Doch der Tod Ludwig XV. im Jahr 1774 verhinderte das Geschäft. Jeanne wurde nun zunächst für ein Jahr in ein Kloster verbannt, dann durfte sie in die Freiheit und in ihr Schloss in Louveciennes zurückkehren, wo all die Schätze, die sie während ihrer Jahre als Mätresse angehäuft hatte, auf sie warteten.

Schlossherrin von Louveciennes

Weiteres Gemälde von du Barry
Dieses Gemälde stammt von Elisabeth Luise Vigée Le Brun.

Jeanne wurde zu einer bezaubernden Schlossherrin, die bei der Bevölkerung der Umgebung sehr beliebt war. Sie verfügte noch immer über die Einkünfte, die Ludwig XV. ihr bewilligt hatte und war allseits für ihre Großzügigkeit bekannt.  

Noch immer eine außergewöhnliche Schönheit, gewann sie im Alter von 40 Jahren schließlich das Herz des wohlhabenden und einflussreichen Herzogs von Brissac und wurde dessen Mätresse.

Gleich dreimal ließ der Herzog seine schöne Jeanne von der besten Porträtistin der damaligen Zeit, Élisabeth Vigée-Lebrun, der Lieblingsmalerin Marie Antoinettes, malen. Zuletzt im Jahr 1789, also jenem Jahr, in dem die Französische Revolution ausbrach.

In Zeiten der Revolution

Von den revolutionären Ereignissen bekam Jeanne zunächst nicht viel mit. Sie blieb im Herzen Royalistin, war aber gleichzeitig davon überzeugt, dass sie als einfaches Mädchen aus dem Volk ohnehin nichts zu befürchten hatte, auch wenn sie den Titel einer Gräfin du Barry führte und die Märtresse eines Königs gewesen war, der mittlerweile als Tyrann bezeichnet wurde.

Während viele Aristokraten aus Frankreich flüchteten, blieb sie in Louveciennes oder besuchte den Herzog von Brissac in dessen Haus in Paris. Doch dann wurde im Januar 1791 während ihrer Abwesenheit in ihrem Schloss eingebrochen und viele Juwelen gestohlen. Der Schmuck konnte schließlich in London sichergestellt werden, musste von seiner Besitzerin jedoch vor Ort identifiziert werden. In der Folge reiste Jeanne wiederholt nach England, wo viele französische Exilanten lebten. Ob sie dabei tatsächlich als Informantin für die Royalisten agierte, lässt sich nicht klar belegen.

Auch wenn Jeanne selbst weiterhin einen luxuriösen Lebensstil pflegte, machte das Schicksal vor ihrer Tür nicht Halt. Ein schwerer Schlag war die Ermordung ihres Liebhabers, des Herzogs von Brissac, der 1792 den Septembermassakern zum Opfer fiel. Jeanne begann mit Hilfe ihres ihr noch immer treu ergebenen Verwalters, einige ihrer zahllosen Schätze im Park ihres Schlosses zu vergraben.

Im Herbst 1793 wurde schließlich auch Jeanne verhaftet und in ein Pariser Gefängnis gebracht. Dort erfuhr sie von der Hinrichtung ihrer einstigen Rivalin in Versailles, Marie Antoinette, am 16. Oktober. Keine zwei Monate später musste sie sich selbst vor dem Revolutionstribunal verantworten, angeklagt als Sympathisantin und Spionin der Royalisten. Wie nicht anders zu erwarten, wurde Jeanne, die ihre Unschuld beteuerte, zum Tode verurteilt. Voller Verzweiflung gab sie all die Verstecke bekannt, in denen sie ihre Schätze in Louveciennes vergraben hatte. Sie hoffte, sich freikaufen zu können – doch vergebens. Am 8. Dezember 1793 fiel der schöne Kopf der letzten großen Mätresse des Ancien Régime unter der Guillotine.

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