…zwei Wölfe; der eine, der sie (die Sonne) verfolgt, heißt Sköll: sie fürchtet, daß er sie greifen möchte; der andere heißt Hati, Hrodwitnirs Sohn, der läuft vor ihr her und will den Mond packen, was auch geschehen wird…

Da geschieht es, was am schrecklichsten dünken wird: daß der Wolf (Sköll) die Sonne verschlingt – den Menschen zu großem Unheil. Der an­dere Wolf (Hati) wird den Mond packen und so auch großen Schaden tun und die Sterne werden vom Himmel fallen (siehe Sonne und Mond – oben). Da wird sich auch ereig­nen, daß die Erde so bebt und alle Berge, daß die Bäume entwurzelt werden, die Berge zusammenstürzen und alle Ketten und Bande brechen und reißen. Da wird der Fenriswolf los und das Meer über­flutet das Land, weil die Midgardschlange wieder Jotenmut an­nimmt und das Land sucht. Da wird auch Naglfar flott, das Schiff, das so heißt und aus Nägeln der Toten gemacht ist, weshalb wohl die Warnung am Ort ist, daß, wenn ein Mensch stirbt, ihm die Nägel nicht unbeschnitten bleiben, womit der Bau des Schiffes Naglfar beschleunigt würde, den doch Götter und Menschen verspätet wün­schen. Bei dieser Überschwemmung aber wird Naglfar flott. Hrym heißt der Riese, der Naglfar steuert. Der Fenriswolf fährt mit klaffen­dem Rachen umher, daß sein Oberkiefer den Himmel, der Unterkie­fer die Erde berührt, und wäre Raum dazu, er würde ihn noch weiter aufsperren. Feuer glüht ihm aus Augen und Nasen. Die Midgard­schlange speit Gift aus, daß Luft und Meer entzündet werden; ent­setzlich ist ihr Anblick, wenn sie dem Wolf zur Seite kämpft. Von diesem Lärmen birst der Himmel: da kommen Muspels Söhne her­vorgeritten. Surtr fährt an ihrer Spitze, vor ihm und hinter ihm glühendes Feuer. Sein Schwert ist wunderscharf und glänzt heller als die Sonne…“

„Surtr ist er geheißen, der an der Grenze des Landes sitzt und es beschützt: er hat ein flammendes Schwert und am Ende der Welt wird er kommen und heeren und alle Götter besiegen und die ganze Welt in Flammen verbrennen. So heißt es in der Völuspa:

Surt fährt von Süden mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen, Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden, der Himmel klafft.“

„Als sie über die Brücke Bifröst reiten, zerbricht sie, wie vorhin gesagt wurde. Da ziehen Muspels Söhne nach der Ebene, die Wigrid heißt; dahin kommt auch der Fenriswolf und die Midgard­schlange, und auch Loki wird dort sein und Hrym und mit ihm alle Hrimthursen. Mit Loki ist Hels ganzes Gefolge und Muspels Söhne haben ihre eigene glänzende Schlachtordnung. Die Ebene Wigrid ist hundert Rasten breit nach allen Seiten.

Und wenn sich diese Dinge begeben, erhebt sich Heimdall und stößt aus aller Kraft ins Giallarhorn und weckt alle Götter, die dann Rat halten. Da reitet Odin zu Mimirs Brunnen und holt Rat von Mimir für sich und sein Gefolge. Die Esche Yggdrasil bebt und alles er­schrickt im Himmel und auf Erden. Die Asen wappnen sich zum Kampf und alle Einherjer eilen zur Walstatt. Zuvorderst reitet Odin mit dem Goldhelm, dem schönen Harnisch und dem Spieß, der Gungnir heißt. So eilt er dem Fenriswolf entgegen, und Thor schrei­tet an seiner Seite, mag ihm aber wenig helfen, denn er hat vollauf zu tun, mit der Midgardschlange zu kämpfen.“

So heißt es auch in „Hyndluliod – Das Hyndlalied“:

„39) Meerwogen heben sich zur Himmelswölbung
Und lassen sich nieder, wenn die Luft sich abkühlt.
Dann kommt der Schnee und stürmische Winde:
Das ist das Ende der ewigen Güsse.

40) Allen überhehr ward einer geboren;
Dem Sohn mehrte die Erde die Macht.
Ihn rühmt man der Herrscher reichsten und größten,
Durch Sippe gesippt den Völkern gesamt.

41) Einst kommt ein andrer mächtiger als er;
Doch noch ihn zu nennen wag ich nicht.
Wenige werden weiter blicken
Als bis Odin den Wolf angreift.“

Und weiter heißt es in Gylfaginning:

„Freyr streitet wider Surtr und kämpfen sie ein hartes Treffen bis Freyr erliegt, und das wird sein Tod, daß er sein gutes Schwert vermißt, das er dem Skirnir gab. Inzwischen ist auch Garm, der Hund, losgeworden, der vor der Gnipahöhle gefesselt lag: das gibt das größte Unheil, da er mit Tyr kämpft und einer den anderen zu Fall bringt. Dem Thor gelingt es, die Midgardschlange zu töten; aber kaum ist er neun Schritte davon­gegangen, so fällt er tot zur Erde von dem Gift, das der Wurm auf ihn gespieen hat. Der Wolf verschlingt Odin und das wird sein Tod. Alsbald kehrt sich Widar gegen den Wolf und setzt ihm den Fuß in den Unterkiefer. An diesem Fuß hat er den Schuh, zu dem man alle Zeiten hindurch sammelt, die Lederstreifen nämlich, welche die Menschen von ihren Schuhen schneiden, wo die Zehen und Fersen sitzen. Darum soll diese Streifen ein jeder wegwerfen, der darauf bedacht ist, den Asen zu Hilfe zu kommen. Mit der Hand greift Widar dem Wolf nach dem Oberkiefer und reißt ihm den Rachen entzwei und das wird des Wolfes Tod. Loki kämpft mit Heimdall und einer erschlägt den anderen. Darauf schleudert Surtr Feuer über die Erde und verbrennt die ganze Welt. So heißt es in der Völuspa:

Ins erhobne Hörn bläst Heimdall laut;
Odin murmelt mit Mimirs Haupt.
Yggdrasil zittert, die ragende Esche;
Es rauscht der alte Baum, da der Riese frei wird.
Was ist mit den Asen, was ist mit den Alfen?
All Jötunheim ächzt, die Asen versammeln sich.
Die Zwerge stöhnen vor steinernen Türen,
Der Bergwege Weiser: wißt ihr, was das bedeutet?
Hrym fährt von Osten, es hebt sich die Flut;
Jörmungand wälzt sich im Jötunmute.
Der Wurm schlägt die Brandung, aufschreit der Adler,
Leichen zerreißt er; Naglfar wird los.
Der Kiel fährt von Osten, Muspels Söhne kommen
Über die See gesegelt, und Loki steuert.
Des Untiers Abkunft ist all mit dem Wolf;
Auch Bileists Bruder ist ihm verbunden.
Surtr fährt von Süden mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen, Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden, der Himmel klafft.
Nun hebt sich Hlins anderer Harm,
Da Odin eilt zum Angriff des Wolfs.
Belis Mörder mißt sich mit Surtr:
Da fällt Friggs einzige Freude.
Nicht säumt Siegvaters erhabner Sohn
Mit dem Leichenwolf, Widar, zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen: so rächt er den Vater.
Da schreitet der schöne Sohn Hiodyns
Der Natter näher, der neidgeschwollnen.
Mutig trifft sie Midgards Weiher;
Doch fährt neun Fuß weit Fiörgyns Sohn.
Alle Wesen müssen die Weltstatt räumen.
Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer,
Vom Himmel fällen die heitern Sterne;
Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum,
Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

Auch heißt es so:

Wigrid heißt das Feld, wo sich finden zum Kampf
Surtr und die steigen Götter.
Hundert Rasten hat es rechts und links:
Solcher Walplatz wartet ihrer.“

Aus: „Vafthrudnismal – Das Lied von Wafthrudnir“

„Gangrad :
50) Viel erfuhr ich, viel versucht ich,
Befrug der Wesen viel.
Wer waltet der Asen des Erbes der Götter,
Wenn Surturs Lohe losch?

Wafthrudnir :
51) Widar und Wali walten des Heiligtums,
Wenn Surturs Lohe losch.
Modi und Magni sollen Miölnir schwingen
Und zu Ende kämpfen den Krieg.

Gangrad :
52) Viel erfuhr ich, viel versucht ich,
Befrug der Wesen viel.
Was wird Odins Ende werden,
Wenn die Götter vergehen?

Wafthrudnir:
53) Der Wolf erwürgt den Vater der Welten:
Das wird Widar rächen.
Die kalten Kiefern wird er klüften
Im letzten Streit dem starken.

Gangrad :
54) Viel erfuhr ich, viel versucht ich,
Befrug der Wesen viel:
Was sagte Odin ins Ohr dem Sohn
Eh er die Scheitern bestieg?

Wafthrudnir:
55) Nicht einer weiß was in der Urzeit du
Sagtest dem Sohn ins Ohr.
Den Tod auf dem Munde meldet ich Schicksalsworte
Von der Asen Ausgang.
Mit Odin kämpft ich in klugen Reden:
Du wirst immer der Weiseste sein.“

Was geschieht sonst noch?

Aus: 3. Vafthrudnismal – Das Lied von Wafthrudnir

„Wafthrudnir:
39) In Wanaheim schufen ihn (Njörd) weise Mächte
Und gaben ihn Göttern zum Geisel.

Am Ende der Zeiten soll er aber kehren
Zu den weisen Wanen.“

Aber es gibt noch ein „danach“:

Aus der Völuspa:

„57) Da seh ich auftauchen zum andernmale
Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen.
Die Fluten fallen, darüber fliegt der Aar,
Der auf dem Felsen nach Fischen weidet.

58) Die Asen einen sich auf dem Idafelde,
Über den Weltumspanner zu sprechen, den großen.
Uralter Sprüche sind sie da eingedenk,
Von Fimbultyr gefundner Runen.

59) Da werden sich wieder die wundersamen
Goldenen Bälle im Grase finden,
Die in Urzeiten die Asen hatten,
Der Fürst der Götter und Fiölnirs Geschlecht.

60) Da werden unbesät die Äcker tragen,
Alles Böse bessert sich, Baldur kehrt wieder.
In Heervaters Himmel wohnen Hödur und Baldur,
Die walweisen Götter. Wißt ihr, was das bedeutet?

61) Da kann Hönir selbst sein Los sich kiesen,
Und beider Brüder Söhne bebauen
Das weite Windheim. Wißt ihr, was das bedeutet?

62) Einen Saal seh´ ich heller als die Sonne,
Mit Gold bedeckt auf Gimils Höhn:,
Da werden bewährte Leute wohnen
Und ohne Ende der Ehren genießen.

63) Da reitet der Mächtige zum Rat der Götter,
Der Starke von oben, der alles steuert.
Den Streit entscheidet er, schlichtet Zwiste,
Und ordnet ewige Satzungen an.

64) Nun kommt der dunkle Drache geflogen,
Die Natter hernieder aus Nidafelsen.
Das Feld überfliegend trägt er auf den Flügeln
Nidhöggurs-Leichen – und nieder senkt er sich.“

Und aus Gylfaginning:

„Es gibt viele gute und viel üble Aufenthalte;

am besten ists, in Gimle zu sein. Sehr gut ist es auch für die, welche einen guten Trunk lieben, in dem Saale, der Brimir heißt und gleich­falls im Himmel steht. Ein guter Saal ist auch jener, der Sindri heißt und auf den Nidabergen steht, ganz aus rotem Gold gebaut. Diese Säle sollen nur gute und rechtschaffene Menschen bewohnen. In Nastrand (Leichenstrand) ist ein großer aber übler Saal, dessen Türen nach Norden sehen. Er ist mit Schlangenrücken gedeckt und die Häupter der Schlangen sind alle in das Haus hineingekehrt und speien Gift, daß Ströme davon durch den Saal rinnen, durch welche Eidbrüchige und Meuchelmörder waten, wie es heißt:

Einen Saal seh ich, der Sonne fern,

In Nastrand; die Türen sind nordwärts gekehrt.

Gifttropfen fallen durch die Fenster nieder;

Aus Schlangenrücken ist der Saal gewunden.

Im starrenden Strome stehn da und waten

Meuchelmörder und Meineidige.

Aber in Hwergelmir ist es am schlimmsten:

Da saugt Nidhöggr  der Entseelten Leichen.“

(Nidhöggr wörtlich: „der schadengierig Hauende“)

„…Die Erde taucht aus der See auf, grün und schön, und Korn wächst darauf ungesäht. Widar und Wali leben noch, weder die See noch Surtrs Lohe hatte ihnen geschadet. Sie wohnen auf dem Idafeld, wo zuvor Asgard war. Auch Thors Söhne, Modi und Magni, stellen sich ein und bringen den Miölnir mit. Danach kommen Baldur und Hödr aus dem Reiche Hels: da sitzen sie alle beisammen und besprechen sich und gedenken ihrer Heimlichkeiten, und sprechen von Dingen, die vordem sich ereignet, von der Midgardschlange und dem Fenriswolf. Da finden sie im Grase die Goldtafeln, welche die Asen beses­sen haben.

(Anmerkung: während in der Völuspa, wie bereits angedeutet, von Bällen die Rede ist, werden hier Goldtafeln genannt, die die Asen im Grase finden.) Weiter aus Gylfaginning:

Wie es heißt:

Widar und Wali walten des Heiligtums,

Wenn Surtrs Lohe losch.

Modi und Magni sollen Miölnir schwingen

Und zu Ende kämpfen den Krieg.

An einem Ort, Hoddmimirs Holz genannt, verbargen sich während Surtrs Lohe zwei Menschen, Lif und Lifthrasir genannt, und nährten sich vom Morgentau. Von diesen beiden stammt ein so großes Ge­schlecht, daß es die ganze Welt bewohnen wird. So heißt es hier:

Lif und Lifthrasir leben verborgen

In Hoddmimirs Holz;

Morgentau ist all ihr Mahl.

Von ihnen stammt ein neu Geschlecht.“

Aus „Vafthrudnismal – Das Lied von Wafthrudnir“

„Gangrad:
38) Sag mir zum zehnten, wenn der Götter Zeugung
Du weißt, Wafthrudnir,
Wie kam Niörd aus Noatun
Unter die Asensöhne?
Höfen und Heiligtümern hundert gebietet er
Und ist nicht asischen Ursprungs.

Wafthrudnir:
39) In Wanaheim schufen ihn weise Mächte
Und gaben ihn Göttern zum Geisel.
Am Ende der Zeiten soll er aber kehren
Zu den weisen Wanen.“

Weiter aus Gylfaginning:

„Und das wird dich wunderbar dünken, daß die Sonne eine Tochter geboren hat, nicht minder schön als sie selber: die wird nun die Bahn der Mutter wandeln. So heißt es hier:

Eine Tochter entstammt der strahlenden Göttin

Eh der Wolf sie würgt.

Glänzend fährt nach der Götter Fall

Die Maid auf den Wegen der Mutter.“

Anmerkung: Mit dieser Beschreibung, wie Sonne und Mond von zwei Wölfen namens Sköll und Hati verfolgt und zum „Ende der Welt und der Götter“ verschlungen werden, die Sonne entsprechen Beobachtungen und daraus folgenden Beschreibungen, die bei einer Sonnenfinsternis (und bei einer Mondfinsternis) gemacht wurden.

Hier noch einmal eine Zusammenfassung – Sonne (und Mond) verdunkeln sich:

„…zwei Wölfe; der eine, der sie (die Sonne) verfolgt, heißt Sköll: sie fürchtet, daß er sie greifen möchte; der andere heißt Hati, Hrodwitnirs Sohn, der läuft vor ihr her und will den Mond packen, was auch geschehen wird…

Da geschieht es, was am schrecklichsten dünken wird: daß der Wolf (Sköll) die Sonne verschlingt – den Menschen zu großem Unheil. Der an­dere Wolf (Hati) wird den Mond packen und so auch großen Schaden tun und die Sterne werden vom Himmel fallen (siehe Sonne und Mond – oben).“

Und die Sonne tritt wieder aus dem Mondschatten:

„Und das wird dich wunderbar dünken, daß die Sonne eine Tochter geboren hat, nicht minder schön als sie selber: die wird nun die Bahn der Mutter wandeln. So heißt es hier:

Eine Tochter entstammt der strahlenden Göttin

Eh der Wolf sie würgt.

Glänzend fährt nach der Götter Fall

Die Maid auf den Wegen der Mutter.“

Was ist sonst noch interessant?

Die nordische Mythologie versucht auch, auf verschiedene naturwissenschaftliche Phänomene eine Antwort zu finden:

Der Tau:

Aus der Völuspa:

„19) Eine Esche weiß ich, heißt Yggdrasil,
Den hohen Baum netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau, der in die Täler fällt.
Immergrün steht er über Urds Brunnen.“

Sommer und Winter:

Aus 3.) Vafthrudnismal – Das Lied von Wafthrudnir

„Gangrad :
26) Sag mir zum vierten, wenn dus erforscht hast
Und du es weißt, Wafthrudnir,
Wannen der Winter kam und der warme Sommer
Zuerst den gütigen Göttern?

Wafthrudnir :
27) Windswalt heißt des Winters Vater,
Und Swasud des Sommers.
Durch alle Zeiten ziehn sie selbander
Bis die Götter vergehen.“

Der Wind:

Aus 3.) Vafthrudnismal – Das Lied von Wafthrudnir

„Gangrad :
36) Sag mir zum neunten, wenn man dich weise nennt
Und du es weißt, Wafthrudnir,
Woher der Wind kommt, der über die Wasser fährt
Unsichtbar den Erdgebornen.

Wafthrudnir:
37) Hräswelgr heißt der an Himmels Ende sitzt
In Adlerskleid ein Jötun (Riese).
Mit seinen Fittichen facht er den Wind
Über alle Völker.“

Ebbe und Flut:

Aus Gylfaginning:

„46) Thor fuhr…mit seinen Gefährten und ging fort bis Mittag: da sah er auf einem Felde eine Burg stehen, und mußte den Nacken zurückbiegen, um über sie hinwegzusehen. Sie gingen hinzu, da war an dem Burgtor ein verschlossenes Gitter. Thor ging an das Gitter und konnte es nicht öffnen, und damit sie in die Burg gelangen mochten, zwängten sie sich zwischen den Stäben hindurch und kamen so hinein. Da sahen sie eine große Halle und gingen hinzu. Die Türe war offen, sie gingen hinein und sahen da viele Männer auf zwei Bänken, die meisten sehr groß. Danach kamen sie vor den König Utgardloki und grüßten ihn…Da fragte Utgardloki den Thor, welche Kunst das sei, worin er sich vor ihnen hervortun wolle, nachdem die Leute von seinen Großtaten so viel Rühmens gemacht hätten. Da antwortete Thor, am liebsten wolle er sich im Trinken messen – mit wem es auch sei. Utgardloki sagte, das möge wohl geschehen. Er ging in die Halle, rief seinen Schenken und befahl ihm, das Hörn zu bringen, woraus seine Hofleute zu trinken pflegten. Bald darauf kam der Mundschenk mit dem Hörn und gab es dem Thor in die Hand. Da sprach Utgardloki: Aus diesem Hörn scheint uns wohl getrun­ken, wenn es auf einen Trunk leer wird; einige trinken es auf den zweiten aus, aber keiner ist ein so schlechter Trinker, der es nicht in dreien leerte. Thor sah sich das Hörn an: es schien ihm nicht zu groß, obwohl ziemlich lang; er war aber auch sehr durstig. Er fing an, zu trinken und schlang gewaltig und glaubte nicht nötig zu haben, öfter abzusetzen und ins Hörn zu sehen. Als ihm aber der Atem ausging, setzte er das Hörn ab und sah zu, wie viel Trank noch übrig sei. Da schien es ihm ein sehr kleiner Betrag, um den das Hörn jetzt leerer sei denn zuvor. Da sprach Utgardloki: Es ist wohl ge­trunken; aber doch nicht gar viel: ich hätte es nicht geglaubt, wenn mir gesagt worden wäre, daß Asathor nicht besser trinken könne. Ich weiß aber, du wirst es beim zweiten Zug austrinken. Thor ant­wortete nichts, sondern setzte das Hörn an den Mund und dachte nun einen größeren Trunk zu tun, und bemühte sich, zu trinken, so lang ihm der Atem vorhielt, sah aber doch, daß das Ende des Horns nicht so hoch hinauf wollte als er gewünscht hätte. Und als er das Hörn vom Munde nahm, schien es ihm, als wenn nun noch weniger abgegangen war als das erste Mal; doch konnte man das Hörn nun tragen ohne zu verschütten. Da sprach Utgardloki: Wie nun, Thor? Willst du dich immer sparen, einen Trunk mehr zu tun als dir gut ist? Nun scheint mir, wenn du mit dem dritten Trunk das Hörn leeren willst, so muß dieser Zug der größte sein. Du wirst aber hier bei uns kein so großer Mann heißen können als wofür du bei den Asen giltst, wenn du in anderen Spielen nicht mehr leistest, als du mir in diesem zu vermögen scheinst. Da wurde Thor zornig, setzte das Hörn an den Mund und trank aus allen Kräften und so lang er trinken mochte und als er ins Hörn sah, war doch nun mehr als zuvor ein Abgang bemerklich. Da gab er das Hörn zurück und wollte nicht mehr trinken. Da sprach Utgardloki: Es ist nun offen­bar, daß deine Macht nicht so groß ist, wie wir dachten. Denn man sieht nun, daß du hierin nichts vermagst. Thor antwortete: Ich will mich noch in anderen Spielen versuchen; aber wunderlich würde es mich dünken, wenn ich daheim bei den Asen wäre und solche Trünke würden für klein geachtet…

47) Am Morgen darauf, als es Tag wurde, stand Thor mit seinen Gefährten auf, sie kleideten sich und waren bereit, fortzuziehen…Da sprach Ut­gardloki : Nun will ich dir die Wahrheit sagen, da du wieder aus der Burg gekommen bist, in die du, so lang ich lebe und zu befehlen habe, nicht noch öfter kommen sollst…Als du aus dem Hörne trankst und es dir langsam abzunehmen schien, da ge­schah fürwahr ein Wunder, das ich nicht für möglich gehalten hätte: das andere Ende des Hornes lag außen im Meere, das sahst du nicht; wenn du aber jetzt zum Meere kommst, so wirst du sehen können, welche große Abnahme du hinein getrunken hast: das nennt man nun Ebbe.“

Erdbeben:

Aus Ögisdrecka – Ögirs Trinkgelag:

(Nach einem Trinkgelage, bei dem Loki alle Asen verspottete), „…nahm Loki die Gestalt eines Lachses an und entsprang in den Wasserfall Franang. Da fingen ihn die Asen und banden ihn mit den Gedärmen seines Sohnes Nari. Sein anderer Sohn Narfi aber wurde in einen Wolf verwandelt. Skadi nahm eine Giftschlange und hing sie auf über Lokis Antlitz. Der Schlange entträufelte Gift. Sigyn, Lokis Weib, setzte sich neben ihn und hielt eine Schale unter die Gifttropfen. Wenn aber die Schale voll war, trug sie das Gift hinweg: unterdessen träufelte das Gift in Lokis Angesicht, wobei er sich so stark wand, daß die ganze Erde zitterte. Das wird nun Erdbeben genannt.“

Das gesalzene Meer:

Aus Menja und Fenja:

„…In dieser Zeit (in der Frodi  König von Dänemark war) gab es in Dänemark zwei so große Mühlsteine, daß niemand stark genug war, sie umzudrehen. Diese Mühlsteine hatten die Eigenschaft, daß sie mahlten, was der Müller wollte. Die Mühle hieß Grotti, der Mann aber, der dem König Frodi die Mühle gab, wurde Hengikiöpt genannt. König Frodi ließ die Mägde in die Mühle führen und gebot ihnen, ihm Gold, Frieden und Frodis Glück zu mahlen. Er gestattete ihnen nicht länger Ruhe, als der Kuckuck schwieg oder ein Lied gesungen werden mochte. Da sollen sie das Lied gesungen haben, das Grottenlied heißt, und ehe sie von dem Gesänge ließen, mahlten sie dem König ein Heer, so daß in der Nacht ein Seekönig kam, Mysing genannt, welcher den Frodi tötete und große Beute machte. Damit war prodis Friede zu Ende. Mysing nahm die Mühle mit sich und so auch Fenja und Menja, und befahl ihnen, Salz zu mahlen. Und um Mitternacht fragten sie Mysing, ob er Salz genug habe? und er gebot ihnen fortzumahlen. Sie mahlten noch eine kurze Frist, da sank das Schiff unter. Im Meer aber ent­stand nun ein Schlund, da wo die See durch das Mühlsteinloch fallt. Auch ist seitdem die See gesalzen.“