Für den mittelalterlichen Ritter spielten die Frauen eine entscheidende Rolle. Die Suche nach der Minne (der höfischen Liebe) einer adligen Dame war eine der Hauptmotivationen für so gut wie jeden Ritter. Diese Suche musste dabei nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt sein. Der Weg war das Ziel. Ein langer Minnedienst, also das beständige Streben nach der Gunst der Angebeteten, ihr Besingen in eigenen Liedern war an sich schon Sinn stiftend.

Umso größer war die Freude, wenn der Ritter dann doch irgendwann mit der Gunst der Dame bedacht wurde. Geschehen konnte dies immer, oft werden Turniere genannt. Fast jeder kennt die Szene in vielen Mittelalterfilmen, in der die Dame ihrem Ritter ein Tuch an die Lanze heftet.

Tatsächlich kommt diese Darstellung der Realität sehr nahe. Allerdings handelte es sich damals nicht um die Taschentücher, die man in den Filmen häufig zu sehen bekommt. Es waren ganzen Kleidungsteile. Besonders beliebt waren die Ärmel. Wichtig war, dass die Dame das jeweilige Stück Stoff zuvor direkt auf ihrer Haut getragen hatte.

Diese Kleidungsstücke wurden auch nicht unbedingt an der Lanze getragen. Häufig befestigte sie der Ritter auf seinem Schild. Es sind auch Fälle überliefert, in denen Ritter ganze Oberteile, die sie zuvor von ihrer Angebeteten erhalten hatten, am eigenen Oberkörper oder an der Rüstung trugen. Diese Praxis wurde auch in realen Schlachten, also außerhalb von Turnieren, angewandt.

Es fällt auf, dass die jeweiligen Kleidungsstücke an Ausrüstungsgegenständen befestigt wurden, die dem Schutz des Ritters dienten. Wahrscheinlich versprachen sich die adligen Krieger eine zusätzliche Schutzwirkung durch Kleidung, die zuvor von ihrer umworbenen Dame getragen wurde.

Literatur:

Bumke, Joachim. Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 12. Auflage 2008. München, 1986.


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