So scheint es zumindest, wenn man sich im deutschen Fernsehen umschaut. Dabei wird abwechselnd der Ritter und der Samurai und das europäische Langschwert und das japanische Katana miteinander verglichen, meistens die Typen aus der Zeit des 15. Jahrhunderts. Wer hätte in einem Kampf die Oberhand behalten?

 

Um es kurz zu machen: Ein solcher Vergleich ist wenig sinnvoll. Auch wenn beide Typen des adligen Kriegers zur gleichen Zeit existierten, so kam es nie zu einem Aufeinandertreffen beider. Es gab nur einen Gegner, gegen den beide zunächst den Kürzeren zogen, die Mongolen. Dies war aber einige Zeit vor dem 15. Jahrhundert der Fall. Es stimmt, das beide Kriegerklassen gewisse Parallelen aufwiesen. Bei beiden handelte es sich um eine höhergestellte Kriegerklasse, deren Leben meistens mit Herrschaft, Kampf und einer gewissen Philosophie verknüpft war. Japan kannte ebenfalls das Feudalsystem. Die Samurai übten Herrschaft aus, zogen in den Krieg und trafen sich auch zu Zweikämpfen, die nach genauen Regeln ablaufen sollten. Wie aber auch bei den europäischen Rittern, hielten sich nicht alle daran. Der berühmteste Samurai, Myamoto Musashi, ist der bekannteste von ihnen. Er gewann über 60 Zweikämpfe und vertrat die Philosophie, dass nicht die Waffe, sondern der Kämpfer den Kampf gewann. Er hielt sich nicht an die üblichen Richtlinien und überraschte seinen Gegner auf diese Art häufig. Über die nötige Philosophie und Techniken hat er ein Buch geschrieben, welches sich auch heute noch verkauft: Das Buch der Fünf Ringe.

 

An diesem Punkt möchte ich schon auf den ersten Punkt eingehen, den ich bei den Vergleichen in den Medien kritisch sehe. Den Vergleich zwischen dem europäischen Langschwert und dem Katana. Beides sind hochqualitative Schwerter, jedoch für unterschiedliche Fechtstile gefertigt. Beim Langschwert wird häufig bemängelt, dass es in der Mitte etwas zu stumpf sei. Dies erklärt sich aber schnell dadurch, dass die Kampftechnik vorsah, dass der Ritter das Schwert in der Mitte greifen können sollte, um den Gegner mit der Parierstange zu attackieren. Insgesamt war der europäische Ritter eher für eine Mischung aus Schwert- und Ringkampf ausgebildet, in den das Fechten häufig überging. Das Katana dagegen ist eine Waffe, die den Kampf mit einem Schlag beenden sollte. Hier ist auch der Unterschied zwischen den europäischen Rüstungen aus Stahl und den japanischen aus Metall und Textilien zu beachten. Mit einer Vorgängerform von Ju-Jutsu waren aber auch die Samurai für den waffenlosen Nahkampf ausgebildet. Das Buch der Fünf Ringe ist eindeutig: Musashi vertritt hier die These, dass man sich bei der Waffenwahl auf den Gegner einstellen sollte, um zu siegen. Als beispielsweise einer seiner Gegner mit einem 1,20 m langen Schwert antrat, erschlug er ihn einfach mit einem Bootsruder, welches lang genug war.

 

Es lässt sich nicht pauschal sagen, welcher Kämpfer der bessere war. Dafür gab es sicherlich auch viel zu viele individuelle Unterschiede. Ritter und Samurai gab es viele. Ein Myamoto Musashi hätte sicherlich auch einen Ritter aus Europa besiegen können, während ein unerfahrener Samurai vielleicht Schwierigkeiten bekommen hätte. Dies gilt ebenfalls für einen unerfahreren europäischen Ritter. Auf jeden Fall wären die Kampfstile dem Gegner zunächst gewöhnungsbedürftig vorgekommen.

 

Letzen Endes ist diese Frage, wie ich anfangs geschrieben habe, relativ sinnlos. Wäre es zu einem Krieg zwischen Japan und dem mittelalterlichen Europa gekommen, was alleine wegen der Geographie nahezu ausgeschlossen war, wären noch andere Aspekte kriegsentscheidend gewesen, beispielsweise die Frage der Logistik. Sicherlich macht diese Tatsache den Vergleich auch so interessant, eine wirkliche Antwort wird sich hier aber nicht finden lassen. Deutlich wird dies auch immer wieder bei den verschiedenen Medienberichten: Mal gewinnt der Ritter, mal der Samurai.

 

Blog: http://dasmittelalter.wordpress.com/2012/12/16/samurai-gegen-europaischen-ritter-ein-sinnvoller-vergleich/