Mykene

Das mykenische Zeitalter, das im späten 17. vorchristlichen Jahrhundert Gestalt annahm, war eine grobschlächtige Kopie der minoischen Palastkultur. Ähnlich dem kretischen Vorbild bestand es in adligen Herrensitzen, mächtige Burganlagen, die sich quer über die Peloponnes erstreckten. Zu deren wichtigsten Zentren zählt man Mykene, Tyrins sowie Pylos, aber auch Theben, Orchomenos und Midea. Gewaltige „Kyklopenmauern“, bis 15 Meter hoch und 8 Meter dick, umschlossen die Burganlage samt dem Gräberrund mit den Königsgräbern.
Bemerkenswert an den Bauprinzipien der mykenischen Welt, auch Späte Bronzezeit oder Späthelladikum genannt, ist die Vorrangstellung der Grabmäler vor profanen Herrschaftsbauten. Das berühmte Löwentor der mykenischen Burg wurde dagegen erst im 13. Jahrhundert errichtet, als sich die mykenische Periode schon ihrem Untergang näherte. Die Paläste entstanden erst in im 14. Jahrhundert, ein Bauboom wie nie zuvor auf dem griechischen Festland brach an. Dabei unterschieden sich die entstehenden Burgen durchaus von den minoischen Palästen: keine verschlungenen, wabenähnlichen Räumlichkeiten, sondern ein klarer Machtkern, das Megaron, ein langgezogener Hauptraum mit Säulenvorhalle und oftmals einer rückwärtigen Vorratskammer, bestimmten die Anlage des Bauwerks. Damit ähnelt der mykenische Palast stark einer mittelalterlichen Burg.
Im übrigen darf der Name „Mykenisches Zeitalter“ nicht dazu verleiten, dieser Burganlage eine überragende Bedeutung zuzuordnen. Der Name hat seinen Ursprung im homerischen Epos, wo Agamemnon, seines Zeichens König von Mykene, als Oberbefehlshaber der griechischen Heeres auftritt; nach diesem Hergang hatte Schliemann das Zeitalter getauft. Nach den Zeugnissen der Ausgrabungen erhält Mykene allerdings keinerlei Auszeichnung vor anderen Machtzentren. Einem „Reich“ stand also dieses Mykene daher nicht vor: zu viele lokale Machtzentren durchzog das Festland, verschiedene regionale Dynastien kämpften um die Herrschaft; allerdings scheint es im Laufe der Jahrhunderte zu einer Konzentration der wirtschaftlichen Macht an bestimmten Punkten gegeben zu haben. Diese Machtfülle wurde anscheinend durch die Besitznahme von Kreta begünstigt: Um das Jahr 1375 übernahmen Herrscher des griechischen Festlandes die Macht in Knossos, dem Regierungssitz der Insel, und erst seit dieser Expansion entstand die eigentliche Blüte der Palastkultur.
Allzu lange hatte sie jedoch nicht Bestand.