Norwich bietet in seinem Buch einen umfassenden Überblick über die Insel
Norwich bietet in seinem Buch einen umfassenden Überblick über die Insel

Wer John Julis Norwichs Buch „Sizilien“ gelesen hat, wird Sizilien unweigerlich mit einem Schmelztiegel der Kulturen vergleichen. In der kompakten Schilderung der Geschichte der Insel wechseln sich Griechen mit Römern, Karthagern und Normannen ab. Jede Kultur hinterließ ihre Spuren, die sich in der Architektur der Städte und Dörfer wiederfindet und sich auch im Zusammenleben der Menschen zeigt: Die friedvollsten und erfolgreichsten Jahre erlebten die Sizilianer unter toleranten Herrschern, die die Religionsausübung nicht beschränkten und alle Kulturen gleichermaßen förderten.

Diese kulturelle Besonderheit sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass zahllose Kriege und Verwüstungen über die Insel hinwegzogen: Tyrannen wechselten sich ab und allzu oft wurde Sizilien zum Spielball der damaligen Weltmächte. Auf kurze Episoden des Friedens folgten neue Invasionen und Kämpfe. Grund war die geographische Lage der Insel: Die im Mittelmeer weit im Süden gelegene Insel diente als Stützpunkt, um schnell Afrika, Italien und Griechenland zu erreichen. Auch ökonomisch war Sizilien wertvoll: Den Römern diente die Insel, die größer als das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist, als Kornkammer des Reiches.

 

All dies beschreibt Norwich auf eine faszinierende Weise. Man merkt dem Autor an, dass er in Sizilien selbst eine zweite Heimat gefunden hat. Die Quellenarbeit, die zu seinem Buch führte, war schwierig: Es standen nur wenige sehr umfangreiche historische Werke zur Entwicklung der Insel zur Verfügung – die meisten klammerten wichtige Kapitel der Geschichte – wie beispielsweise die Zeit der Normannen – vollständig aus. Dennoch ist es dem Autor, der im britischen Außenministerium arbeitete, gelungen, in der nötigen Kürze einen umfassenden Abriss der Geschichte der Insel zu erstellen. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass all die Daten und Ereignisse nicht zu einem trockenen und wenig ansprechenden Nachschlagewerk geführt haben – vielmehr gelingt es Norwich seine eigene Leidenschaft für die Insel in sein Buch einfließen zu lassen: An vielen Stellen gibt er wertvolle Reisetipps und teilt Informationen, die in den üblichen Reiseführern kaum zu finden sein dürften. Ein Buch, das nicht nur zur Vorbereitung auf den Sizilien-Urlaub zu empfehlen ist.

 

Offizielle Buchbeschreibung

Sizilien ist nicht nur die größte Insel des Mittelmeers, sie ist auch die Schwelle zwischen Europa und Afrika, Bindeglied zwischen dem lateinischen Westen und dem griechischen Osten. Ihre einzigartige strategische Lage lockte Phönizier, Griechen, Römer, Araber und Normannen, französische Fürsten und spanische Könige. Die Kämpfe um die Insel spielten für den Aufstieg und Fall der mächtigsten Dynastien der Welt eine Schlüsselrolle. Erstmals verknüpft Norwich all die bunten Fäden der sizilianischen Geschichte zu einer umfassenden Darstellung. Er führt die Leser von der Antike bis zum Aufstieg zur multikulturellen Drehscheibe des Handels während der Kreuzzüge, vom Widerstand gegen die Vereinigung mit Italien bis zum Aufkommen der Mafia. Die Insel ist reich an weltgeschichtlichen Ereignissen und dramatischen Persönlichkeiten.

 

Der Autor John Julius Norwich

John Julius Norwich, geboren 1929, studierte Französisch und Russisch am New College in Oxford. Seine berufliche Laufbahn begann im britischen Auswärtigen Amt, doch er gab seine diplomatische Karriere auf und wurde Schriftsteller. Er ist Fellow der „Royal Society of Literature“, der „Royal Geographical Society“ und der „Society of Antiquaries“.

 


 

Bewertung

9 von 10 Punkten

Positiv

  • Sehr anschauliche Schilderung
  • Lesenswertes Sachbuch
  • Für jeden Sizilien-Liebhaber Pflicht

 

Negativ

  • Wer kompakte Informationen sucht, sollte lieber zum klassischen Reiseführer greifen

 


 

Das Buch ist im Handel unter der ISBN 978-3-608-94930-8 für 26,00 € erhältlich. Weitere Informationen beim Klett-Cotta Verlag.