Weltberühmte schwäbische Produkte, (c) Landesmuseum Württemberg
Weltberühmte schwäbische Produkte, (c) Landesmuseum Württemberg

Das Landesmuseum Württemberg präsentiert in Stuttgart vom 22.10.2016 bis 23.04.2017 unter dem Titel „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ die bundesweit erste Sonderausstellung zu den SCHWABEN. Hierzu ein kurzer Abriss über die Geschichte der Schwaben, die für ihre Sparsamkeit wie auch ihren Erfindungsreichtum und ihre Findigkeit weltbekannt sind.

 

Als 1953 das Parlament über einen Namen für den per Volksabstimmung ins Leben gerufenen Südweststaat abstimmte, bevorzugte ein gutes Drittel der Abgeordneten den Namen „Schwaben“. Dieser Vorschlag lag damit deutlich hinter dem siegreichen „Baden-Württemberg“. Trotzdem ist die Relevanz des Begriffs „Schwaben“ für die moderne Staatlichkeit bemerkenswert. Denn auch im benachbarten bayerischen Regierungsbezirk Schwaben mit der Hauptstadt Augsburg besteht bis heute eine Tradition fort, die im Frühmittelalter ihren Anfang nahm. Im 9. Jahrhundert stellte der Abt der Klosterinsel Reichenau im Bodensee, Walahfrid Strabo, fest, dass es für das Volk, dem er angehörte, zwei Bezeichnungen gebe, die dasselbe bedeuteten: Alemannen und Schwaben.

Die Karolinger hatten damals das Herzogtum Alemannien bereits beseitigt und fest in das Frankenreich integriert. 911 wurde dann ein neues Herzogtum Schwaben ins Leben gerufen. Es bestand bis zum Ende der Stauferzeit 1268. Im Mittelalter war die kirchliche Gliederung des Landes besonders wichtig. Das Herzogtum Schwaben umfasste drei Bistümer: Chur in Graubünden, Augsburg und Konstanz. Der Bodensee bildete das Zentrum der riesigen Diözese Konstanz, die auch das „Schwabenbistum“ genannt wurde. Sie erstreckte sich von Ludwigsburg im Norden bis zum schweizerischen Gotthard-Massiv im Süden, vom Breisgau im Westen bis zur Iller im Osten. Die Bischofsstadt Konstanz hatte eine zentrale Funktion, auch als Ort der Herzöge von Schwaben, die den Bischofspalast regelmäßig für Aufenthalte nutzten. Auch Ulm war ein wichtiger Ort für die Schwabenherzöge. Es stieg während der Stauferzeit zu einer Reichsstadt auf. Von den deutschen Reichsstädten, die nur dem Kaiser als Stadtherrn unterstellt waren, lagen über die Hälfte in Schwaben. Ulm führte im Spätmittelalter den Schwäbischen Städtebund an und wurde zum wirtschaftlichen und künstlerischen Zentrum Schwabens. Dies hing auch mit dem ehrgeizigen Münsterbau zusammen, zu dem viele Generationen von Handwerkern und Künstlern beitrugen.

Um 1500 verlor Ulm seine vorherrschende Stellung an die benachbarte Bischofs- und Reichsstadt Augsburg, die durch den Textilexport zu einer Handelsmetropole wurde; ihre Großkaufleute bauten europaweit agierende Konzerne auf und gelangten zu sagenhaftem Reichtum, was in der Stadt zu sozialen Spannungen führte. Die Kontakte der Fugger und Welser zu den Habsburger Kaisern waren eng. Aus Südeuropa holten sie die neue Kunstrichtung der Renaissance nach Augsburg, was nördlich der Alpen revolutionär war.

Der politische Flickenteppich im Südwesten wurde unterdessen bis zum Ende des Alten Reiches 1806 nur lose durch die Klammer des „Schwäbischen Reichskreises“ geeint. Die napoleonischen Kriege führten dann Anfang des 19. Jahrhunderts zur Schaffung großer Flächenstaaten: Baden, Württemberg und Bayern teilten sich Schwaben auf. Die Könige von Württemberg, die in Stuttgart residierten, machten sich im Folgenden den gemeinsamen Nenner „Schwaben“ zu Eigen, um ihre neuen Untertanen zu integrieren. „Schwaben“ lebt seitdem vielfach bis heute in Württemberg als mythischer Bezugspunkt vor allem in der Literatur und in zahlreichen Namen fort, etwa von Zeitungen und Vereinen – aber auch in der Außensicht wird Baden-Württemberg heute oft mit „Schwaben“ gleichgesetzt.

 

Auf einen Blick

  • Ausstellungstitel: Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke
  • Laufzeit: 22. Oktober 2016 bis 23. April 2017
  • Ausstellungsort: Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss, Schillerplatz 6, 70173 Stuttgart
  • www.schwaben-stuttgart.de