Wir haben vor einigen Monaten bereits einmal ein sehenswertes Video von Matias Luge vorgestellt. Luge verarbeitete die Erzählungen seines Großvaters über dessen Kindheit während des II. Weltkriegs zu einer interessanten Dokumentation. In Luges neuem Video berichtet sein Großvater über den Bundeswehr-Einsatz bei der Flutkatastrophe 1962, die er als Kompanietruppführer bei Cuxhaven miterlebte.

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Matias Luge über die Hintergründe der Dokumentation

„Ich wusste schon seit meiner Kindheit, dass mein Großvater bei der Bundeswehr gewesen ist. Als ich aber während meiner Schulzeit mal die Schubladen meines Opas durchstöberte, fiel mir in einer kleinen Schatulle ein Orden auf. Als ich ihn danach fragte, erklärte er, dass das ein Flutorden sei, den er und seine Kameraden für den Einsatz bei der Sturmflut 1962 erhalten hatten. Er meinte, dass sei der einzige Orden gewesen, den er jemals in der Öffentlichkeit getragen hätte. Ich fragte ihn dann aber nicht nach weiteren Details.

Viele Jahre vergingen, bis ich letztes Jahr wieder bei meinen Großeltern zu Besuch war: Im Fernsehen wurde von den Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz berichtet und ich erinnerte mich sofort an den Orden und somit die Erlebnisse meines Großvaters. Da ich bereits eine Dokumentation über seine Kindheit im Zweiten Weltkrieg gedreht hatte, entschied ich mich, auch dieses Ereignis filmisch festzuhalten – zumal er nicht in Hamburg, sondern an der Elbemündung eingesetzt wurde, was im allgemeinen Bewusstsein weniger präsent ist.

Bei der Hintergrundrecherche und Bildersuche war ich erneut überrascht, wie offen die zahlreichen Archive und Gemeinden meinem Vorhaben gegenüber waren: Das Stadtarchiv Cuxhaven, die Wasser- und Bodenverbände Otterndorf, die Redaktion der Bundeswehr, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und viele andere versorgten mich unentgeltlich mit zahlreichen historischen Fotos, Broschüren und Literaturhinweisen.

Als ich dem Archiv in Zeven, wo mein Opa zur Zeit der Flut wohnte, seinen Namen nannte, konnten sie mir nicht nur seine damalige Straße und Hausnummer nennen, sondern auch Fotos von genau dieser Straße und Zeit schicken. Selbstverständlich baute ich sie in meinem Film ein, was meinem Großvater eine große Freude bereitete.“