Bernhard Sauer widmet sich dem Mord an Erich Klausener, einem Spitzenbeamten und Katholiken. Bild (c) Bernhard Sauer
Bernhard Sauer widmet sich dem Mord an Erich Klausener, einem Spitzenbeamten und Katholiken. Bild (c) Bernhard Sauer, Metropol Verlag

Während des „Röhm-Putschs” wurde die Führungsriege der SA um deren Chef Ernst Röhm in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ausgeschaltet – und andere als gefährlich angesehene Personen, wie den früheren Reichskanzler Kurt von Schleicher, Hitlers Vorgänger, und der Katholik Erich Klausener gleich mit. Klausener war vor Hitlers Machtübernahme Leiter der Polizeiabteilung im Preußischen Innenministerium und hatte so einen tiefen Einblick in die innere Parteigeschichte der NSDAP gewonnen.

 

Am 30. Juni 1934, gegen 13:00 Uhr, traf der mit der Tat beauftragte SS-Führer Kurt Gildisch vor dem Reichsverkehrsministerium an der Wilhelmstraße ein. Während die 18 SS‑Männer des Begleitkommandos vor dem Gebäude warteten, begab sich Gildisch zusammen mit einem Gestapo-Beamten in das Dienstzimmer von Klausener und eröffnete ihm, dass er wegen staatsfeindlicher Umtriebe verhaftet sei. Als Klausener seinem Mörder arglos den Rücken zuwandte, nutzte Gildisch den Moment und schoss Klausener eine Kugel in den Hinterkopf. Seinem Auftraggeber, dem Gestapo-Chef Reinhard Heydrich, meldete er den Vollzug des Auftrages und erhielt die Anweisung, die Tatwaffe dem Opfer in die Hand zu drücken, um so einen Selbstmord vorzutäuschen.

 

Sauer betont, dass viele Details des „Röhm-Putsches“ – exakte Anzahl der Ermordeten, Entscheidungsprozesse, Tatabläufe, Personalien der Täter – bis heute nicht aufgeklärt sind. Das liegt daran, dass die NS-Machthaber nach Ablauf der Mordaktion begannen, systematisch alle Spuren zu verwischen. Göring ordnete die Verbrennung aller mit der Röhm-Affäre im Zusammenhang stehenden Unterlagen an. Es sollten alle Dokumente beseitigt werden, die Hinweise auf die Täter geben konnten, um diese vor einer strafrechtlichen Verfolgung bei einem möglichen Umbruch in Deutschland zu schützen. Prozesse gegen die im „Röhm-Putsch“ beteiligten NS-Täter gab es im „Dritten Reich“ so gut wie keine. In den Prozessen gegen den ehemaligen SS-Sturmbannführer Kurt Gildisch vor dem Landgericht Berlin in den Jahren 1951 und 1953 werden aber wesentliche Abläufe und Hintergründe des „Röhm-Putsches“ auf eindrucksvolle Weise beleuchtet.

 

Buchbeschreibung

Der „Röhm-Putsch“ war eine Zäsur in der Entwicklung des „Dritten Reiches“. Zahlreiche SA-Führer wurden unter dem Vorwand, einen gegen Hitler gerichteten Putsch geplant zu haben, hingerichtet. Aber auch allgemein respektierte Politiker aus dem bürgerlich-konservativen Lager gehörten zu den Opfern. Einer von ihnen war der Katholik Erich Klausener, in der Weimarer Republik Leiter der Polizeiabteilung im Preußischen Innenministerium. Der Mordfall Erich Klausener wurde erstmals 1951 vor dem Landgericht Berlin verhandelt. Die Presse sprach damals von einem Sensationsprozess. Angeklagt war der ehemalige SS-Sturmbannführer Kurt Gildisch, der für Reinhard Heydrich spezielle Aufträge ausführte. Anhand der Unterlagen zu diesem Prozess kann Bernhard Sauer den Tathergang detailliert rekonstruieren und die gespenstische Atmosphäre, die während des „Röhm-Putsches“ geherrscht hat, eindrucksvoll einfangen.

 

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