Ernst Thälmann auf einem Bild an einem Schreibtisch – es ist eines der letzten Bilder, die von dem Kommunisten vor seiner Verhaftung aufgenommen wurden. Bild: Wikipedia, gemeinfrei

Ernst Thälmann, ehemaliger Vorsitzender der KPD, gilt als Führer der kommunistischen Arbeiterbewegung während der Weimarer Republik und „Stalins Mann in Berlin“. Der 1944 im KZ Buchenwald ermordete Politiker wurde in der DDR als „niemals gefallener“ Märtyrer des Sozialismus idealisiert, während er in der BRD als stalinistischer Lakai galt und bis heute mehr oder weniger in Vergessenheit geriet.

Herkunft Thälmanns und frühe Jahre

Ernst Johannes Fritz Thälmann wird 1886 in Hamburg als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Seinen beruflichen Wunsch, Lehrer zu werden oder ein Handwerk zu erlernen, wollen seine Eltern ihm nicht finanzieren. Aufgrund dieser und weiterer Streitereien verlässt Thälmann im jungen Alter von 16 Jahren sein Elternhaus und lebt zunächst unter ärmlichen Bedingungen als ungelernter Hafenarbeiter, erst in einer Obdachlosenunterkunft, später in einer Kellerwohnung.

Ein Jahr darauf tritt er in die SPD ein und macht sich als Gewerkschafter der Hafenarbeiter Hamburgs einen Namen. Als er 1915 zum Kriegsdienst an die Westfront berufen wird, ist er – anders als später in der DDR-Propaganda dargestellt – noch kein antimilitaristischer Revolutionär und wohl durchaus stolz auf seine während des Krieges verdienten Abzeichen. Unter anderem erhält er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse sowie das Verwundetenabzeichen.

Politischer Aufstieg: Vom Hafenarbeiter zum Parteifunktionär

Als Thälmann im November 1918 die Front verlässt, erheben sich überall im Deutschen Reich revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte. Thälmann läuft von der SPD in die USPD über – eine Abspaltung der Partei, die bereits seit 1914 den Krieg konsequent ablehnt, und wird zum Vorsitzenden der Ortsgruppe Hamburg ernannt. 1920 schließt sich Thälmann, wie viele Mitglieder der USPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands an.

Fünf Jahre später steigt „Teddy“, der mittlerweile als begnadeter „Mann der Massen“ bezeichnet wird, in das Amt des Vorsitzenden der KPD auf. Nach seiner Gefangenahme durch die Nationalsozialisten 1933 bleibt er in der Zeit des Gewahrsams seinen politischen Überzeugungen trotz Misshandlung treu und lehnt jegliche Kooperation mit den Nazis ab.

Haft – und ausbleibende Hilfe

Trotz seiner politischen Bedeutung und Treue zu Stalin versuchte die sowjetische Führung nicht, Thälmann zu befreien. Ebenso setzte sich der im russischen Exil befindliche Parteigenosse und Rivale sowie spätere Machthaber der DDR, Walter Ulbricht, keineswegs für seine Rettung ein. Trotz dessen wurde in der Deutschen Demokratischen Republik ein Personenkult rund um Thälmann geschaffen, mitunter um Walter Ulbrichts Herrschaft als dessen Nachfolger zu legitimieren.

Thälmann entsprach dem Ideal eines Bolschewisten seiner Zeit. Er war kein Intellektueller mit bürgerlichem Hintergrund, sondern ein proletarischer Arbeiterführer und Stalin treu ergeben. In der DDR wurde er als „Sohn und Führer seiner Klasse“ glorifiziert. Zahlreiche Denkmäler entstanden und sogar die Jugendorganisation „Pioniere Ernst Thälmann“ trug seinen Namen. Heute, 37 Jahre nach dem Mauerfall, ist von „Deutschlands unsterblichem Sohn“ weder als antifaschistischem Helden noch als stalinistischem Lakaien die Rede.

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