680px-Gesellschaft_für_Sport_und_Technik_Symbol.svgDie GST (Gesellschaft für Sport und Technik) wurde in der DDR 1952 gegründet und unterstand zunächst dem Ministerium des Innern. In dieser Gesellschaft wurden vor allem technische Sportarten wie etwa Sportschießen, Motorsport, Marine- und Seesport, Tauchsport, Segelfliegen und Funksport betrieben.

Bereits 1968 wurde die GST dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt. Im Jahr darauf wurde die „Vormilitärische Ausbildung“ für Lehrlinge einer Berufsausbildung und Abiturienten der 11. Und 12. Klassen im Rahmen des jeweiligen Lehrplans eingeführt. 1978 erfolgte dann eine Ausweitung der „Vormilitärischen Ausbildung“ auf die Schüler der 9. Und 10. Klassen der POS. Träger dieser Form der Schulausbildung war die GST. Die GST überlebte die Wendezeit nicht und wurde im Frühjahr 1990 aufgelöst (am 28. Januar 1990 endete die Amtszeit des letzten Vorsitzenden ihres Zentralvorstandes, Günter Kutzschebauch)

Sowohl bei Wikipedia wie auch z. B in der Sendung „Wie die DDR wirklich war“ auf ZDF Info am 7. Dezember 2014 wurde die „Gesellschaft für Sport und Technik“ (GST) als „paramilitärische Organisation“ bezeichnet. Für mich als ehemaligen Sportschützen der GST besteht da durchaus Diskussionsbedarf, da ich mir da nicht ganz sicher bin, ob das tatsächlich korrekt ist. Ich war von 1980 bis 1988 in der GST – der „Gesellschaft für Sport und Technik“ und kann daher einiges recht detailliert aus eigenem Erleben über die GST schildern.

Die GST hatte zwar eigene Uniformen, eigene Gelände auch mit Schießplätzen und Waffenkammern und war Träger der sogenannten „Vormilitärischen Ausbildung“ innerhalb des Lehrplanes der Schulen, aber die als Mitglieder dort betriebenen Aktivitäten waren vor allem Sportarten – in unserer Baracke im Stahlwerk Hennigsdorf waren die Sektionen Sportschießen, Funken und Tauchen untergebracht. Daher muss man meines Erachtens bei der GST zwischen zwei Funktionen für den Staat differenzieren:

 

GST-Mitgliedschaft

Als Mitglieder trugen wir beim Training, das einmal pro Woche für eine Stunde stattfand, keine Uniformen – noch nicht einmal einen Trainingsanzug – wir absolvierten es in Zivil. Um die Muskulatur beim Training warm zu halten, wurden uns noch Wattejacken zur Verfügung gestellt. Auch die Übungsleiter trugen bei uns meist Zivilkleidung. Und übrigens marschierten wir GST-Mitglieder zum 1. Mai zwar mit unseren (natürlich ungeladenen) Luftgewehren durch die Straßen, hier aber auch nicht in Uniform, sondern im privaten Trainingsanzug.

Das heißt, unsere GST-Tätigkeit hatte einen betont sportlichen und unmilitärischen Charakter.

Wir hatten beim normalen Training zwei verschiedene Typen von Luftgewehren.

Für die Anfänger gab es die einfachen Luftgewehre mit Magazin – Modell 310 (siehe Link: https://www.co2air.de/thema/19136-haenel-310-bericht/). Damit wurde auf 4 m Distanz geschossen.

Wir als Fortgeschrittene hatten ein Seitenspannerluftgewehr – (Einzellader für Diabolo) mit Diopter-Zielvorrichtung – Haenel 312 (Siehe Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/05/Haenel_312_22.JPG/800px-Haenel_312_22.JPG). Damit schossen wir auf 10 m Distanz. Jeder hatte sein persönliches Gewehr, das wir auch zu den Meisterschaften und „Spartakiaden“ mitnahmen und benutzten. Bei den Wettkämpfen nahm ich neben Kreismeisterschaften auch an sogenannten Kreis-Kinder-und Jugendspartakiaden, Kreiswehrspartakiaden und an einer Qualifikation zur Bezirksmeisterschaft teil.

Bei den Wettkämpfen schossen wir außer mit Luftgewehren hin und wieder auch mit Kleinkaliberwaffen vom Typ Modell 110 (siehe Link: https://de.m.wikipedia.org/wiki/KK-Gewehr_Modell_K110#/media/Datei%3ABundesarchiv_Bild_183-F0804-0023-001%2C_M%C3%A4dchen_im_GST-Trainingslager.jpg).

Training wie auch Wettkämpfe hatten aus meiner Sicht nichts Militärisches an sich – die dort gebräuchlichen Waffen waren ausschließlich Sportwaffen.

 

Die „Wehrerziehung“ der Schule/Lehre

Ab der 9. Klasse der POS (Polytechnische Oberschule) gab es jedes Jahr die sogenannte „Wehrerziehung“. Diese lief auch in der Lehre weiter. Sie beinhaltete einerseits einen theoretischen Teil, der nach den regulären Unterrichtsstunden in der Schule gegeben wurde und an dem sowohl wir Jungen, als auch die Mädchen teilnehmen mussten. Hier wurde theoretisch alles durchgenommen, was die NVA betraf: Waffengattungen, Dienstgrade usw.

Und dann gab es den praktischen Teil, die sogenannte „Vormilitärische Ausbildung“. Fast jedes Jahr wurden wir dazu in ein „Wehrlager“ gefahren. Dort bekamen wir Uniformen und wir hatten täglich eine Ausbildung, die der Grundausbildung der NVA entsprach. Auch zu jeder Mahlzeit wurde marschiert.

Die Mädchen hatten statt dessen „Zivilverteidigung“ – auch Jungs mit einem ärztlichen Attest nahmen an der Zivilverteidigung teil.

Die „Vormilitärische Ausbildung“ war Teil des Schullehrplanes. Träger dieser „Ausbildung“ war zwar die GST, die auch die Uniformen stellte und die Waffen unter Verschluss hatte, der Lagerkommandant hingegen war in der 9. Klasse jedoch ein NVA-Hauptmann der Reserve und die Ausbilder waren Offiziersschüler der NVA. In späteren Jahren waren auch Lehrer die Ausbilder. Für spezielle Ausbildungsbereiche fanden auch ältere GST-Mitglieder als Ausbilder Verwendung.

Diese „Vormilitärische Ausbildung“ hatte mit einer Mitgliedschaft der GST nichts zu tun – es gab auch keine wie auch immer geartete Bevorzugung von GST-Mitgliedern – danach wurde auch nicht gefragt.

Zu den Übungen dieser Ausbildung gehörte auch eine Schießausbildung mit der KK-MPi 69 – einem Miniatur-Nachbau der Kalaschnikow (AK-47). Sie kam nur hier zum Einsatz. (siehe Link: https://de.m.wikipedia.org/wiki/KK-MPi_69).

Hierbei war der militärische Charakter der Ausbildung sehr eindeutig.