Das Alte Testament liefert in den zwei „Büchern des Propheten Samuel“ sowie in den zwei „Büchern der Chronik“ einen recht umfassenden Eindruck vom Leben des legendären ersten jüdischen Königs Davids.

 

Danach ist David achter und jüngster Sohn des Isai aus dem Stamm Juda, Nachfahre der Moabiterin Ruth. Er ist ungewöhnlich gut aussehend. Der Vater ist ein reicher Viehbesitzer, Halbnomade und Anführer des Clans von Bethlehem des Stammes Juda.

Als jüngster Sohn bleibt ihm nur eine untergeordnete Rolle als „Hirte“: Was tatsächlich eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, bedenkt man die Größe der Herden eines Clanführers der beginnenden Eisenzeit.

 

SAMUEL, charismatischer Richter und zusammen mit Saul (der unter dem Titel „Nagid“ mehr die politisch-militärische Macht hat) Führer der Hebräer und moralische Instanz der Stämme, trifft David bei seiner ewigen Rundreise von Richtplatz zu Richtplatz (mit dem germanischen „Thing“ vergleichbar) auf dem Feld und übernachtet bei ihm, was sowohl David als auch Samuel den Gesetzen der Gastfreundschaft unterwirft. Der Prophet erkennt das Potential des Jungen, legt ihm nahe, politische Karriere zu machen. Samuel weiht David symbolisch, um ihn als Konkurrent Sauls aufzubauen, mit dem er um die alleinige Führerschaft kämpft, an dessen Macht (traditionelle Ordnungsmacht, Reichtum, Soldaten) der alte Richter jedoch nicht vorbeikommt.

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David sucht eine Karrieremöglichkeit, geht als Hofmusiker zu Saul, dem Führer der nördlichen Stämme der Hebräer. Die südlichen Stämme, aus denen David entstammt, existieren zu dieser Zeit nur als lockerer Verband. David erweckt Sauls Aufmerksamkeit durch seine musikalische Fähigkeiten, dann, als der Junge beim Exerzieren von Sauls Truppen mitmacht, auch durch seine kämpferische Fähigkeiten. Saul macht ihn prompt zum Waffenträger. David erringt erste Meriten im Kampf gegen die Philister. Saul erkennt wie Samuel (von dessen Kontakt zu David er weiß) das Potential Davids, versucht ihn durch Verheiratung erst mit seiner ältesten Tochter Merav, dann mit seiner zweiten Tochter Michal für sich zu gewinnen. David muss allerdings zuerst seine militärischen Fähigkeiten unter Beweis stellen: Er muss Saul die Vorhaut von 100 Philistern bringen – von Juden kann er keine Vorhaut bringen, denn die sind beschnitten – um sich der Königstochter als würdig zu erweisen. Die Höhe dieses „Brautpreises“ zeigt, dass Saul entweder schon David als Konkurrenten fürchtet oder aber eingedenk der Abkunft Davids aus den südlichen Stämmen diesen vor Eifersüchteleien seitens der Nordhebräer von vorneherein in Schutz nehmen will. Weitere Möglichkeit: Saul will David eine unmögliche Aufgabe stellen. Erfüllt der junge Mann sie nicht, bliebt er Saul als Schwiegersohn erspart und vielleicht trotzdem in der Gefolgschaft Sauls. Bei der Guerillaaktion, mit der David in den Besitz der hundert Philister-Vorhäute kommt, knüpft der ehemalige Hirte Beziehungen zu den Banditen im Gebiet von Juda an, die ihm später noch sehr nützlich werden sollen. In Sauls Armee gewinnt er dank seines Charismas Anhänger und Loyalität unter den Soldaten, die er führt, aber auch unter der Bevölkerung. Bald schon denkt er an Usurpation, was Saul nicht verborgen bleibt.

Beim Kampf gegen den Herrn der Philister aus Gath, der unter dem „Achisch“ = Oberkönig Abimelech steht, werden die Hebräer der Tradition gemäß aufgefordert, sich Goliath, einem Zweimeterhünen der ohnehin den Hebräern an Körpergrösse überlegenen Philister, zum Zweikampf zu stellen, um so einen Kampf der beiden Heere überflüssig zu machen. Normalerweise wird so etwas grundsätzlich abgelehnt, aber David prescht vor und meldet sich. Da die Zusage gemacht ist, kann Saul nicht zurück und legt zähneknirschend die Verantwortung für den Ausgang der Schlacht in Davids Hände. Nachdem ihn Goliath mit Leichtigkeit entwaffnet hat (David verliert seine Zuversicht in seine kämpferischen Talente sehr schnell), wehrt sich David mit den Möglichkeiten eines Hirten und wirft Goliath mit Steinen k.o. Noch während die Philister verblüfft sind, werden sie von Sauls Heer überrannt. 

Wegen seiner Anmassung und sicher auch wegen Sauls Furcht vor Konkurrenz, weil David v.a. beim Heer sehr beliebt ist, wird David von Saul davongejagt: Dies ist der Beginn des tiefen Zerwürfnisses und Hasses zwischen David und Saul. Jo-Nathan, der Sohn Sauls, wird mit der Tötung Davids beauftragt, verschont ihn aber und schleust David aus dem Lager. Die beiden schließen „Freundschaft“, weil Jonathan eine Chance wittert, einen Verbündeten im Kampf um den Thron zu gewinnen. Allerdings will er David nur benutzen. Erst zu spät erkennt er, dass er von David benutzt wird.

 

David flieht zum König von Moab, sammelt eine Bande aus ehemaligen Soldaten seiner Spezialtruppe bei Saul sowie aus Hirten, Räubern und Söldnern um sich und macht mit diesen 600 Männern die Hügel von Juda unsicher. Er erpresst Schutzgelder. Einmal erhält er Hilfe von Ahimelech von Nob, einem Priester, woraufhin Saul im Zuge einer Strafaktion von seinem Offizier Doeg dem Edomiter 85 der Priester von Nob töten lässt. Auf seiner Flucht vor Saul schleicht sich David einmal nachts in Sauls Lager in Ein Gedi und schneidet ihm einen Mantelzipfel ab. Neben einer gewissen Überheblichkeit ist das Motiv für diese Tat sicherlich auch der Versuch, Saul zu zermürben. Gleichzeitig hat David seinen Männern bewiesen, dass er Mut hat. Saul dagegen schwant seitdem, dass er unterliegen wird.

David ermordet später Nabal, den Führer der Kalebiter, desen Hauptstadt Hebron ist, und bringt sich so in den Besitz des Königsschatzes der Kalebiter. Möglicherweise ist Davids erste Frau Abigail die Frau Nabals, womit sich David auch als Anführer der Kalebiter etabliert hätte. Die spätere Rolle Hebrons als erste Hauptstadt Davids weist in diese Richtung.

Laut Altem Testament lernt David Abigail aus Carmel aber erst später kennen. Diese ist die Frau eines reichen Mannes, dessen Name aber auffälligerweise nicht genannt wird. Sie verlässt ihren Mann und nimmt ihr großes Vermögen, das sie in die Ehe eingebracht hat, mit. David kann damit neue Söldner anheuern. Er heiratet neben Agibail noch zweite Frau, Ahinoam aus Jezreel. Abigail nimmt das trotz der wichtigen Rolle, die sie als „Geldgeberin“ Davids spielt, offenbar kritiklos hin – ein Hinweis auf die damals offenbar noch übliche Polygamie unter den Hebräern.

david-gegen-goliathAls David in Gath Söldner sucht, will ihn der Philisterkönig („Achisch“) Abimelech von Gath als Söldnerführer anheuern. Abimelech kennt sicher Davids Taten, vor allem dessen Sieg über Goliath, und ist daran interessiert, diesen Desperado in seinen Diensten zu sehen anstatt als Gefolgsmann Sauls. David will nicht offiziell mit den bei den Hebräern verhassten Philistern in Verbindung gebracht werden, stellt sich deshalb, nachdem er in der Stadt erkannt wurde, wahnsinnig. Abimelech bietet ihm Ziklag bei Gath als Lehen, da gibt er die Schau auf. Ziklag wird zu seiner Basis, von wo aus er Juda unsicher macht und die Straßen kontrolliert. Er überfällt mit Vorliebe Nomaden, unter denen die sesshaften Hebräer zu leiden haben, und verteilt Teile der Beute unter die jüdischen Stammesführer. So gewinnt David immer mehr Unterstützung bei den Juden.

Er kann sich aus Schlacht beim Berg Gilboa zwischen Philistern und Saul heraushalten, indem er einen Streit mit Amalekitern vom Zaun bricht. Dies entbindet ihn von einer Beteiligung an Schlacht. Zusätzlich misstrauen die anderen Philisterkönige ihm und weisen seine Teilnahme ab. Wegen des Amalekiterkampfes kann ihn auch Saul nicht in Anspruch nehmen – selbst wenn er wollte. Beide Parteien werden geschwächt, Saul und Jonathan getötet.

 

Da David Juda sowieso kontrolliert und er sich die Stammesführer mit Geschenken gewogen gemacht hat, lässt sich David daraufhin von den Stammesältesten von Juda in Hebron, dem Hauptort der Kalebiter, zum König (Nagid) ausrufen. Er ist zu diesem Zeitpunkt erst (22 Jahre alt. Die ist der Beginn der Sonderrolle der Südstämme. Hebron wird neue Residenz Davids. Damit besteht auch eine intensive Verbindung der Kalebiter und Judäer sowie anderer Clans, was zur Bildung eines größeren Stammes Juda führt. Die Philister betrachten David aber immer noch als Vasall, da Juda nominell unter philistischer Oberhoheit steht.

 

Nachfolger Sauls als „König über ganz Israel“ – d.h. mit Herrschaftsanspruch über ALLE hebräischen Stämme – wird in Mahanajim Sauls Sohn Ish-boshet/Eschbaal, der unter Kontrolle des Feldherrn Abner, Sohn von Ner, steht. Es kommt zu Kämpfen zwischen Juda und Israel, David gewinnt an Stärke. Abner läuft – von David bestochen – über und trägt ihm in Hebron die Krone Israels an. Joab, Davids Berater und Feldherr, der bei der Eroberung Jerusalems eine entscheidende Rolle spielte, tötet Abner, um Davids Position im Norden zu stärken und einen möglichen Dauer-Gegenspieler auszuschalten. Auch Ish-boshet wird von zwei Söldnerführern getötet, sein Kopf zu David gebracht, der jedoch die Mörder töten lässt, um jede Verantwortung an dem Mord von sich zu weisen und seine Herrschaft nicht unnötig zu belasten.

 

Die nördlichen Stämme erkennen David als König an, da er Schwiegersohn des Saul ist und Merib-Baal/Mefiboschet, Jonathans Sohn, gelähmt ist (Merib-Baal bleibt am Leben, ob wegen der „Freundschaft“ mit Jonathan oder weil er behindert und so ungefährlich für David ist, bleibt im Alten Testament offen).

David, jetzt 30 Jahre alt, regiert Juda und Israel in Personalunion, d.h. es gibt weiterhin ZWEI Reiche, die jetzt in EINER Hand waren. Davids Hauptstadt ist immer noch Hebron.

Doch dann erobert er Urusalim (= Jerusalem), die befestigte Hauptstadt des Stadtstaats der Jebusiter genau zwischen den Gebieten von Benjamin und Juda. David schafft sich so eine Herrschaftsbasis, ohne einen der Stämme zu bevorzugen. Dies ist seine erste Tat als Gesamtkönig, also wohl taktisch begründet. Er tritt in Rolle des Stadtkönigs ein, nimmt Urusalim in persönlichen Besitz! Der älteste Teil von Jerusalem heißt somit zu Recht „Davidsstadt“. Diese Stadt hat den unbezahlbaren Vorteil, neutraler Boden zu sein, der keinem Stamm gehört. Erst jetzt wird Davids Herrschaft durch den Propheten Nathan, wohl Oberpriester der Jebusiter, bestätigt. Damit erkennen die Jebusiter gleichzeitig David als Stadtkönig an.

Stadtgott Jerusalems ist El-Eljon. David macht den Propheten des El, Nathan, zu seinem Berater, und hebt ihn damit in eine Position, die dem einstigen Stadtpriester reichsweite Bedeutung verleiht.

 

El-Eljon hatte nach allem, was wir wissen, viel mit dem ägyptischen Obergott Amun-Re gemeinsam; er war Schöpfergott, Herrscher des Himmels und der Erde sowie Göttervater. Seine Priester vertraten eine hochstehende Ethik, was sich auch daran zeigt, dass Nathan zu Davids schlechtem Gewissen wird, als der König mit Hilfe einer finsteren Intrige sich Bathseba angelt.

 

Jahwe dagegen, der Gott der Hebräer, war ein Sturmgott und Wüstengott eines Nomadenstammes aus der Wüste am Toten Meer. Daher finden wir im Alten Testament auch Aspekte wie Blutrache und Vergeltung. Er hatte kein festes Heiligtum, nur eine Lade in einem Zeltheiligtum; diese Lade war besonders mit dem kriegerischen Aspekt Jahwes (Jahwe-Zebaot) verbunden.

Durch die Übergabe einiger Heiligtümer des El an die Jahwepriester kam es zu Konkurrenz zwischen beiden Priesterschaften, die über die Thronfolger Einfluss zu gewinnen versuchten: So stand etwa Salomo unter dem Einfluss der Jahwepriester, besonders unter dem von Abjathar, der durchsetzte, dass Els Hautpheiligtum, der Tempel an die Jahwepriester übergeben wurde und ausgebaut wurde, da er bis dahin etwa die Größe einer Dorfkirche gehabt haben muss. Dieser erweiterte Tempel entsprach kanaanäischen und syrischen Vorbildern: Er hatte Vorhöfe und ein Allerheiligstes, das nur vom Hohepriester am Versöhnungstag (Yom Kippur) betreten werden durfte.

 

David machte Jerusalem zu seiner neuen Residenz: Er baute einen Palast mit Nebengabäuden sowie einen weiteren Palast für seine Lieblingsfrau, er holte die Lade aus Kirjat Jearim und errichtete ein neues Zeltheiligtum, wobei er nackt auf dem Berg Zion, dem der Davidsstadt gegenüberliegenden Hügel, einen archaischen Tanz aufführte, was seiner Frau Michal, der Tochter Sauls, sehr missfiel… Dass dies eigens in der Bibel erwähnt wird, ist wohl ein Hinweis darauf, dass es sich um einen jebusitischen Brauch handelte.

Erst Salomo übergab den El-Tempel an die Jahwepriester, so dass fortan in diesem einen Tempel El, Jahwe, ferner die Himmelsgöttin Astarte/Aschera (die aus Sidon stammte), die Schlangengöttin und andere Götter verehrt wurden, außerdem noch andere Götter, die in und um Jerusalem verehrt wurden, wie Milkom, der Gott von Ammon, und Kamosch, der Gott von Moab.

Den Bau eines neuen Tempels hielt David nicht für nötig: Die Jahwepriester hatten den El-Tempel übernommen, ausserdem war die Zeit noch nicht reif für einen vorrangigen Jahwekult.

 

Die Philister erkennen jetzt, dass David nicht mehr als ihr Vasall handelt, setzen Heer in Marsch und besetzen Davids Heimatstadt Bethlehem, werden aber in drei Schlachten geschlagen.

Zur Absicherung seines Reiches führt David weitere Kriege gegen Ammon, das annektiert wird und das die dritte Krone wird, die David tgrägt, sowie gegen Moab, das zum Vasallenstaat degradiert wird. Außerdem besiegen Davids Heere Edom, die aramäischen Königreiche Tob, Maacha, Bet-Rehob und Damaskus. Die Aramäer werden wie Ammon annektiert und durch Statthalter regiert. Auch der Aramäerkönig Hada-Eser von Zoba, dessen Herrschaftsgebiet bis zum Euphrat reicht, wird tributpflichtig.

 

David ordnet sein Reich nach dem Muster der anderen altorientalischen Staaten: Er lässt eine Volkszählung vornehmen, es gibt eine zivile und eine militärische Verwaltung sowie eine einheitliche Rechtssprechung, die wohl auf Nathan zurückgeht. David baut kleine bäuerliche Siedlungen auf dem Tafelland von Benjamin und in der Wüste Juda zu städtischen Siedlungen aus und befestigt sie.

 

Irgendwann in dieser Zeit passiert die Geschichte mit Uriah und Bathseba. Uriah ist Hethiter – das heißt aber, dass er nicht nur ein x-bleliebiger Söldner war. Als Hethiter kennt er die neuesten Kampftaktiken, er kann mit Streitwagen und dem Metall Eisen umgehen – alles Kenntnisse, die die damaligen Hebräer nicht hatten. Am ehesten ist Uriah ein Kampfgefährte aus alten Tagen, der vom Söldner zum Offizier aufgestiegen ist. Bathseba dagegen steht offenbar unter dem Schutz von Nathan. Es ist nahe liegend, in ihr eine Vertreterin des alten Jebusiteradels zu sehen. Dass der Fremde aus Anatolien mit ihr verheiratet ist, lässt auf eine Heirat aus Staatsräson schließen: Nicht erst Alexander der Große kannte die Taktik, durch Verheiratung von Offizieren mit einheimischen Adligen eine neue Oberschicht zu schaffen, die dem König verpflichtet ist. Bathseba arrangiert es , dass David sie beim Spaziergang nach dem Mittagessen vom Dach seines Palastes aus beim Baden im Hof des Nachbarhauses sieht. David beginnt eine Affäre mit ihr, sie schafft es, schwanger zu werden. Erst versucht David, das Baby Uriah unterzuschieben. Als aber Uriah, der es ablehnt, mit seiner Frau zu schlafen, sich nicht überlisten lässt, lockt ihn David in eine Falle: Bei der nächsten Schlacht findet sich Uriah plötzlich allein unter Feinden wieder und wird getötet.

Nathan hat es geschafft: Die Jebusiter haben eine „eigene“ Königin! Er macht David ein schlechtes Gewissen, so dass er Bathseba förmlich heiratet und in den Harem aufnimmt. Der Tod des Babys schwächt die Rolle Bathsebas im Harem gegenüber Abigail und Michal, die aufgrund ihrer Vorgeschichte um die Rolle der Hauptfrau konkurrieren, doch als Salomo geboren wird, hat Bathseba wieder Oberwasser und wird zur Lieblingsfrau Davids.

Davids Herrschaft scheint gesichert, da kommt es zu Aufständen der Söhne:

Amnon, Typ „verwöhnter Erstgeborener“, vergewaltigt seine Halbschwester Tamar, woraufhin Absalom, der leibliche Vollbruder Tamars und zweitältester Sohn Davids, Amnon tötet.

Absalom flieht, wird auf Fürsprache von Davids Feldherr Joab begnadigt und kehrt zurück. Als er im Volk immer beliebter wird und gleichzeitig David wegen der ständigen Kriege und hohen Abgaben sowie wegen der Beschlagnahme von Ländereien, z.B. Merib-Baals, immer unbeliebter, wagt Absalom von Hebron aus mit 200 Männern aus den Stämmen Juda – sie waren David gegenüber feindlich eingestellt wegen der Verlegung der Residenz nach Jerusalem und der Verminderung ihres Einflusses – und Benjamin – sie waren wohl aus Rache für Sauls Familie Feinde des Königs – einen Aufstand. David kann sich in Jerusalem nicht halten, dessen Bevölkerung ihm feindlich gesinnt ist, und flieht über den Jordan. Er lässt zehn seiner Konkubinen, die Priester Zadok und Abiathar und – als Spion – seinen Freund Hushai den Architen zurück.

Absalom marschiert kampflos in Jerusalem ein und übernimmt denThron. Als äußeres Zeichen der Herrschaftsübernahme schläft Absalom mit Davids Konkubinen. Hushai kann die Freundschaft Absaloms gewinnen und schickt über die beiden Priester Nachricht an David von Absaloms Plänen. David liefert Absalom mit seinen Söldnern im „Wald von Efraim“ im Ostjordanland eine Schlacht, bei der 20000 Soldaten und Absalom selbst getötet werden.

Der Benjaminit Sheba, Sohn des Bichri nutzt die Gunst der Stunde und unternimmt gleichzeitig einen weiteren Aufstand, der aber von Joab mit dem Heerbann Judas niedergeschlagen wird.

Mit der Niederlage Absaloms und Shebas ist David wieder uneingeschränkt König in seinem Reich. Als David alt geworden ist, erklärt sich Adonijah, sein ältester Sohn, selbst zum König. Er wird dabei unterstützt von Davids Heerbannführer Joab und möglicherweise auch vom Priester Abjatar. Unter Druck von Batsheba und Abjathar sowie von den aus dem Hintergrund wirkenden Zadok und Nathan sowie dem Söldnerführer Benaja ernennt David Salomo zum Mitregenten. Der hat sich mittlerweile als begabter Intrigant erwiesen, ganz nach dem Vorbild des Vaters: Salomo hat nämlich mit erfundenen Befehlen Davids einen Coup gegen Adonijah angestiftet, vielleicht orchestriert von Bathseba. Adonijah gibt auf und flüchtet in den Tempel, beansprucht also religiöses Asyl, woraufhin ihn Salomo verschont. Joab und eventuell auch Abiathar wurden vom Hof entfernt.

 

Nach 40 Jahren Herrschaft stirbt David im Alter von 62 Jahren.

 

Neueste Erkenntnisse legen nahe, dass diese Geschichte so nicht stattgefunden haben kann. Wohl mag es einen südhebräischen Banditen gegeben haben, der sich in Zusammenarbeit mit Philistern zum König von Israel aufgeschwungen hat und sich dann von seinen ehemaligen Schutzherren befreit hat, doch wird sein Reich wohl nie den Umfang gehabt haben, wie ihn die Bibel nahe legt. Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass David in der beginnenden Eisenzeit gelebt haben muss, denn der Nackttanz Davids auf dem Zion, die nie kritisierte Polygamie Davids oder die Rolle von Hethitern im Heer Israels wird den Redakteuren, die die Geschichte Davids im 6.Jh.v.Chr. während des Babylonischen Exils in die heute vorliegende Form brachten, nicht so geläufig gewesen sein, dass sie dies erfinden hätten können. Der Hintergrund der Samuel-Bücher sowie der beiden Chronik-Bücher, die die Geschichte Davids überliefern, war der, dass ein Verschwinden des Volkes Israel im Vielvölker-Schmelztiegel Babylon verhindert werden sollte. Identifikationsfiguren wurdcen gebraucht, und da kam der Banditenkönig David, der wohl zu dieser Zeit schon legendäre Form angenommen hatte, gerade recht. Die Pracht, die das Alte Testament den Palästen und Festungen Davids und Salomos nachsagt, ist jedoch für das Palästina des 10. und 9.Jhs. nirgendwo belegt, ganz im Gegenteil. Die archäologischen Funde legen nahe, dass erst das „Haus Omri“ wohl tatsächlich ein „Reich Israel“ errichen konnte – 200 Jahre NACH David. Dieses Reich Israel lag wohl vor allem auf dem Gebiet des „Nordreiches“, während zu dieser Zeit das „Südreich“ Juda noch eine echte Wildnis war. Erst als die Assyrer dem Nordreich ein Ende setzten, kam es in Juda – und Jerusalem – zu einer kurzen Rennaissance, bevor auch dieses Reich, das nicht viel mehr als die Hügel rund um Jerusalem umfasst haben dürfte, zerstört wurde, dieses Mal von den Babyloniern.