Jennifer Lawrence in Red Sparrow. Bild (c) 20th Century Fox
Jennifer Lawrence in Red Sparrow. Bild (c) 20th Century Fox

Schön, manipulativ, gefährlich – Die Faszination für weibliche Spioninnen ist ungebrochen und bietet immer wieder Stoff für große Kinofilme. Auch Francis Lawrences packender Thriller RED SPARROW (Kinostart: 1. März) widmet sich diesem Thema und lässt Oscar®-Preisträgerin Jennifer Lawrence in die Rolle einer unerbittlichen Geheimagentin schlüpfen, die ihre Gegner durch Verführung, manipulativen Kampf und körperliche Stärke in die Knie zwingt.

Dabei sind weibliche Spione durchaus keine Erfindung von Hollywood. Es hat sie tatsächlich gegeben: Frauen, die in einem männlich dominierten Wirkungskreis als Agentinnen und Spioninnen Geschichte geschrieben haben. Hier einige prominente Beispiele:

 

Margaretha Geertruida Zelle alias Mata Hari

Mata Hari
Mata Hari

Noch heute gilt sie als die berühmteste Spionin aller Zeiten: Margaretha Geertruida Zelle alias Mata Hari. 1905 feierte die Niederländerin, die ihre Herkunft gern verschleierte, ihren Durchbruch als exotische Nackttänzerin in Paris und legte sich ihren zur Legende gewordenen Künstlernamen zu. Schnell verkehrte sie in den höchsten Kreisen der Gesellschaft und wickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ranghöchsten Männer um den Finger. Das machte sich auch der deutsche Geheimdienst zunutze und ließ sie unter dem Decknamen „Agentin H21“ während des 1. Weltkrieges britische und französische Staatsmänner ausspionieren.
1917 wurde Mata Hari in Frankreich wegen Hochverrats angeklagt, schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Im Urteil hieß es, sie hätte als Doppelagentin auch im Auftrag des französischen Geheimdienstes spioniert.
Bei der Urteilsvollstreckung verweigerte sie die Augenbinde und blickte den Soldaten des Erschießungskommandos direkt in die Augen. Noch heute lässt sich nicht rekonstruieren, ob die Anklage der Doppelspionage tatsächlich gerechtfertigt oder Mata Hari lediglich ein willkommenes Bauernopfer des französischen Militärs war. Dem Mythos der tanzenden Spionin tut dies jedoch keinen Abbruch.

 

Elisabeth Schragmüller alias „Mademoiselle Docteur“

Als eine der ersten Frauen in Deutschland absolvierte Schragmüller ein Universitätsstudium und promovierte 1913 mit Auszeichnung in Staatswissenschaften, was ihr den Spitznamen „Mademoiselle Docteur“ einbrachte.
Aus eigenem Antrieb schlug sie sich nach Belgien an die Westfront durch und trat einen Posten in der Kriegsnachrichtenstelle Brüssel ein. Dort spionierte sie unter anderem die belgischen Truppen aus und lieferte der Armeeführung umfassende Berichte – stets unterzeichnet mit „Leutnant Schragmüller“. Obwohl die Überraschung zunächst groß war, dass es sich bei der Urheberin der Berichte um eine Frau handelte, wurde Schragmüller 1915 die Leitung der Abteilung für Spionage gegen Frankreich im Nachrichtendienst der Obersten Heeresleitung übertragen. Eine beispiellose Karriere, die allein ihrem Ehrgeiz und ihrer unbestechlichen Intelligenz geschuldet war. Zunächst von Antwerpen, später von Freiburg aus, baute sie ein Agentennetz aus französischen Deserteuren auf. Zu ihren bekanntesten Agentinnen gehörte keine Geringere als Mata Hari.
Bis heute ranken sich allerlei Mythen und Legenden um die ehrgeizige Strippenzieherin. So soll sie beispielsweise als Putzfrau getarnt in die höchsten Ränge ihres Gegners vorgedrungen und nach Kriegsende morphiumabhängig in einer Irrenanstalt verstorben sein. Dabei war ihr tatsächlicher Tod weit weniger mythisch: Schragmüller verstarb 1940 mit nur 52 Jahren an Knochentuberkulose.

 

Hilde Krüger

ADN/ZB/Archiv Im faschistischen Deutschland 1938 Kameradschaftsabend anläßlich der Tagung der Reichsfilmkammer in der Kameradschaft der Deutschen Künstler in Berlin am 4. März 1938; v.l. Fita Benkhoff, der Reichsfilmdramaturg von Demandowsky und Hilde Krüger. 3006-38 [Scherl Bilderdienst] Bundesarchiv, Bild 183-H02865 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
ADN/ZB/Archiv
Im faschistischen Deutschland 1938
Kameradschaftsabend anläßlich der Tagung der Reichsfilmkammer in der Kameradschaft der Deutschen Künstler in Berlin am 4. März 1938; v.l. Fita Benkhoff, der Reichsfilmdramaturg von Demandowsky und Hilde Krüger.
3006-38
[Scherl Bilderdienst] Bundesarchiv, Bild 183-H02865 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
Sie war vielleicht Hitlers wichtigste Geheimwaffe in Übersee: Hilde Krüger. Mit ihrem Charme verführte sie die höchsten Regierungskreise Mexikos und Amerikas und mauserte sich so zur Top-Spionin des dritten Reiches.
Ihre Karriere begann sie als Schauspielerin in der antisemitischen UFA-Produktion „Nur nicht weich werden, Susanne“. Ihre sinnliche Darbietung fiel auch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels auf, der ihr zum raschen Karriereaufstieg verhalf. Überzeugt von ihrem Talent zog Krüger nach Hollywood, doch der erhoffte Erfolg bleib aus. Allerdings blieb ihre Schönheit auch dort nicht unbemerkt. Eine Romanze mit dem Ölmagnaten Jean Paul Getty, einem der reichsten Männer der Welt und Hitler-Sympathisant, ermöglichte ihr schließlich die Einreise nach Mexiko.
Auf Krügers Beziehungen im Ausland aufmerksam geworden, warb der militärische Nachrichtendienst Deutschlands 1940 die damals 28-jährige als Spionin an. Ihr Auftrag: Der Aufbau von Beziehungen zu Mitgliedern des mexikanischen Kabinetts, um diese für deutsche Zwecke nutzen zu können. Ein Kinderspiel für die schöne Hilde. Eine Liaison mit Mexikos damaligem Innenminister Miguél Alemán erwies sich als besonders nützlich:  Er besorgte die erforderlichen Visa, mit denen Deutschland rund 300 Spione nach Mexiko einschleusen konnte. Zusätzlich schmuggelte er kriegswichtige Rohstoffe nach Deutschland.
1942 flog Krüger auf und wurde verhaftet. Doch ihr Aufenthalt im mexikanischen Gefängnis währte nicht lange. Der Einfluss ihres Liebhabers Alemán reichte bis ins Justizsystem.

 

Virginia Hall

Auch die Karriere der Virginia Hall liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch: Sie war zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges für den britischen Nachrichtendienst im Einsatz und eine der ersten Agentinnen in der Geschichte der CIA.
Als junge Amerikanerin kam sie zum Studium nach Europa und erlebte den Kriegsbeginn in Paris. Obwohl sie aufgrund eines Unfalls auf eine Beinprothese angewiesen war, meldete sie sich freiwillig als Krankenwagenfahrerin bei der französischen Armee, flüchtete jedoch nach dem Einmarsch der Deutschen nach England, um dort in der amerikanischen Botschaft zu arbeiten. Dort wurde sie vom britischen Geheimdienst SOE angeheuert. Getarnt als amerikanische Journalistin kehrte sie ins besetzte Frankreich zurück. Ihre Aufgabe vor Ort bestand darin, französische Widerstandgruppen aufzubauen und im Umgang mit Sprengstoff zu schulen, abgeschossene britische Piloten zu retten und Waffenlager anzulegen.
Doch ihre Aktivitäten blieben der deutschen Wehrmacht nicht lange verborgen. Per Plakat wurde nach der „hinkenden Lady der OSS“ gefahndet, die sich jedoch rechtzeitig nach Spanien absetzen konnte. Zurück in London schloss sie sich der OSS, dem Vorgänger der CIA an. Mit einer neuen Tarnung ging es für sie zurück ins besetzte Frankreich, wo sie die Widerstandstruppen unterstützte, Brücken in die Luft sprengte und Fernmeldeverbindungen kappte. Nach Kriegsende mied Virginia Hall die Öffentlichkeit und tauchte ab. 2006 wurde sie posthum für Ihre Verdienste geehrt.

Das Bild von der ebenso schönen wie gefährlichen Agentin – Es ließ auch den ehemaligen CIA-Agenten Jason Matthews nicht los. In seinem 2013 veröffentlichten Bestseller „Operation Red Sparrow“ erweckt er die Primaballerina Dominika Egorova zum Leben, die an der „Sparrow“-Schule zur gefährlichsten Waffe des russischen Geheimdienstes ausgebildet wird.

 

Am 1. März startet die fesselnde Leinwandadaption RED SPARROW in den deutschen Kinos: