Nach dem Tod Kaiser Karls VI. 1740 wurde die Wahl eines neuen Kaisers notwendig – das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, wie das Reich offiziell hieß, war eine Wahlmonarchie. Jedoch konnten sich die Kurfürsten, die den Kaiser zu wählen hatten nicht sofort auf einen neuen Kaiser einigen. Karl VI. war gestorben, ohne einen männlichen Thronfolger zu hinterlassen. Dafür bestimmte er in seiner „Pragmatischen Sanktion“ seine Tochter Maria Theresia zu seiner Nachfolgerin in den habsburgischen Besitzungen. Die Hoffnung der Habsburger, dass ihr Gatte Franz Stephan v. Lothringen den Thron des Reiches besteigen könnte, ging angesichts der ungünstigen Lage im Österreichischen Erbfolgekrieg 1742 noch nicht auf. Die starke anti-habsburgische Koalition, der auch Frankreich angehörte, setzte die Wahl des Kurfürsten von Bayern, Karl Albrecht, als Karl VII. durch. 

Zuvor war Frankreich ins Rheinland einmarschiert und die Kurbistümer Trier und Mainz bedroht, so dass sie ihre Zustimmung zur Wahl des Bayern gaben – aus „besonderer Hochachtung für den König von Frankreich“. Selbst der Kurfürst von Hannover, der als Georg II. auch König von England war, gab seine Zustimmung zu dieser Wahl, während das habsburgische Kronland – das Königreich Böhmen und ebenfalls Kurfürstentum des Reiches – seit Nov./Dez. 1741 militärisch besetzt war. Auch hier hatte sich Karl Albrecht v. Bayern zum König wählen lassen. So stand der Wahl Karl Albrechts v. Bayern zum Kaiser nichts mehr im Wege. Am 24. Januar 1742 wurde er von den Gesandten der 8 Kurfürsten in Frankfurt am Main als Karl VII. zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ gewählt und am 12. Februar 1742 gekrönt. Diese Wahl bedeutete eine Zäsur in der Geschichte des Reiches, denn seit 1438 bis zum Tod Karls VI. 1740 – also 302 Jahre – hatten ununterbrochen Habsburger auf dem Thron gesessen. 1742 wurde diese Reihe unterbrochen.
Die Wahl von 1742 gab bereits damaligen Zeitgenossen Anlass zur Kritik. So wurde vor allem die massive Einflussnahme Frankreichs scharf kritisiert. Im Vorfeld der Wahl wurden Flugschriften verteilt, auf denen der Verfall des Reiches beklagt und die Fürsten wegen ihrer Abhängigkeit von Frankreich scharf angegriffen wurden. Hierbei wurden bereits nationale bzw. reichspatriotische Bekundungen und frankreichfeindliche Töne laut. So gab es auch Forderungen, die Fürsten durch eine Verdreifachung der Reichsarmee zum Frieden untereinander zu zwingen – zur damaligen Zeit jedoch eine Illusion. Letztlich blieb es bei einem Appell, Österreicher, Bayern und Preußen mögen sich einen.
Selbst der Reichsrechtler und Mitglied der Wahlgesandtschaft aus Trier, Johann Jacob Moser (1701-1785) äußerte seine Sorge über „aller unglückseligen Situation, darinnen sich Teutschland jetzo befindet“ und plädierte dafür, das Reich in seiner alten Verfassung zu belassen und die Stände in ihrer Landeshoheit zu belassen. Die Streitereien könnten seiner Ansicht nach nur dem gemeinsamen Feind Frankreich nützen.
Moser plädierte auch in späteren Jahren noch für die Einheit des Reiches, da er in ihr ein Mittel sah, der ständigen Bedrohung durch Frankreich zu entgehen, das seine Macht auf den „Ruinen Teutschlands“ ausbaute.
Schon am 20. Januar 1745 starb Karl VII. und der habsburgische Wunschkandidat, Franz Stephan v. Lothringen wurde am 13. September 1745 als Franz I. Stephan zum Kaiser des Reiches gewählt.

 

(Artikel aus der Magazin-Ausgabe: Friedrich II. der Große von Preußen)