Mit Dank an den Autor thanepower

Vergleich Wehrmacht und Rote Armee im Jahr 1941

 

Ich möchte ein analytisches Raster darzustellen, um den Vergleich strukturiert vorzunehmen. Auf Quellen habe ich verzichtet, aber in der jeweiligen Standardliteratur lassen sich die Darstellungen wiederfinden.

Beim Vergleich der beiden Armeen sind für das Jahr 1941 eine Reihe von Randbedingungen zu beachten. Die Divisionen der Wehrmacht waren zu Beginn von Barbarossa am 22.06.1941 nahezu vollständig aufgefüllt und logistisch „kriegsbereit“. Ganz anders die Rote Armee, die eine „halboffizielle“ Mobilisierung durchlief und zum Beginn des Krieges nur unvollständig mobilisiert war.

Ähnliches gilt für die Bereitstellungsräume für die Truppen der Roten Armee zu Beginn von Barbarossa. Die Mehrzahl der Truppe wurde am 22.061941:
1. in den normalen Unterkünften bis zu 100 km entfernt von den Bereitstellungsräumen
2. befanden sich Panzereinheiten nicht selten relativ isoliert, getrennt von den Infantrieeinheiten, in ihren Aufmarschgebieten.
überrascht.

Der Befehl zum Einrücken in die Bereitstellungsräume wurde Abends am 21.06.1941 vom Generalstab angeordnet und traf in den meisten Einheiten erst ca. gegen Mitternacht, also vom 21.06. auf den 22.06.1941 ein.

Betrachtet man zunächst die Unterschiede auf der Ebene der Führung der Armeen. Von Liddel Hardt wurde dem Offizierskorps und insbesondere der Generalität / Generalstab der Wehrmacht zugestanden, dass es das gelungenste Produkt seiner Zeit – unter rein militärischen Gesichtspunkten – darstellen würden. Anders die Rote Armee, die durch die Säuberung von 1937 und andauernd bis in die Jahre 1941/42 verschärft durch eine drastische Einflußnahme der Partei, via Politkommisare“, auf die Truppenführung, nicht in der Lage war, einen „modernen“ Krieg zu führen, wie ihn die Wehrmacht im Jahr 1941 praktizierte.

Vor diesem Hintergrund gingen beide Armeen im Jahr 1941 mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in diesen Krieg. Und vermutlich mit einer deutlich abweichen Siegeszuversicht.

Versucht man eine differenzierte Bewertung der beiden Armeen, dann erscheint folgendes Raster für den Vergleich als angemessen:

1. Operative Konzepte
DR: Die operativen Konzepte gingen von tiefen Panzervorstößen aus, die im Rahmen von kombinierten Streitkräften, auch teilweise als „Kampfgruppen“ bezeichnet, durchgeführt wurden. Die Effizienz dieser Operationen wurde durch das Zusammenwirken mit der Luftwaffe optimiert. Diese Doktrin wurde sehr erfolgreich im Russlandfeldzug eingesetzt.

SU: Die operative Doktrin der Roten Armee aus dem Jahr 1936 verfolgte ähnlich Zielsetzungen wie die der Wehrmacht und ist von den Grundüberlegungen als eine ausgesprochen moderne Auffassung des Krieges zu kennzeichne. Auch sie war auf das Führen von konzentrierten „Schlägen“ gegen die feindliche Front unter Ausnutzung der Tiefe der rückwärtigen Verbindungen des Gegners gekennzeichnet. Es war auch in diesem Fall eine enge Kooperation mit der Luftwaffe der Roten Armee beabsichtigt. Im Jahr 1941 und noch bis weit in das Jahr 1942 versagte die Rote Armee jedoch nahezu vollständig bei der Anwendung ihrer operativen Doktrin.

2. Taktische Konzepte
DR: Entsprechend der einheitlichen Ausbildung der Offiziere und auch der Unteroffiziere der Wehrmacht wurde in der Regel die Ziele durch übergeordnete Dienststellen definiert ( „Auftragstaktik“). Das Erreichen der Ziele, also die taktische Umsetzung, lag im Bereich des ausführenden Offiziers bzw. Unteroffiziers. Mit dieser sehr modernen Form der Menschenführung unterschied sich die Wehrmacht von nahezu allen Armeen der damaligen Zeit.

SU: Im Bereich der Roten Armee war ein derartiges innovatives Konzept nicht vorhanden. Die Ziele und auch die Umsetzung wurden durch die übergeordneten Dienststellen präzise formuliert und die Umsetzung von den übergeordnete Dienststellen überwacht. Die häufig nicht der Situation angepasste, schematische Umsetzung der Befehle durch die Kommandeure, nicht selten durch problematische Intervention durch die Politkommissare noch verschärft, wurde bereits Ende 1941 von Schukow – im Rahmen der Schlacht u Moskau – als nicht angemessen kritisiert und ein Umdenken bei den Offizieren gefordert.

3. Generalität:
DR: hohe Professionalität, brillantes operatives Verständnis, Defizite im Bereich der „Grand Strategie“, also der Einordnung von Strategien in einen globalen Zusammenhang.

SU: geringe Professionalität auch aufgrund der dualen Befehlsstruktur aufgrund der „Kommissare“, sehr einseitige operative Ausbildung auf Angriffsoperationen, zu passiv in der Führung von Verbänden, teilweise noch geprägt durch das operative Verständnis des Bürgerkriegs, durch die Säuberung von 1937 und Folgejahre noch stark betroffen.

4. Offizierskorps
DR: hervorragend ausgebildet und sehr motiviert, hoher praktischer Kenntnisstand durch Polen und Westfeldzug, mit der „Auftragstaktik“ das leistungsfähigste Instrument für eine flexible Truppenführung,
SU: durch Säuberung qualitativ geschwächt, durch den Finnlandkrieg eher verunsichert, unselbständig in seinen taktischen Entscheidungen durch die permanente Gefahr, exekutiert zu werden, neigte zu schematischen und deswegen leicht zu vorhersehenden Verhaltensweisen, die zu extrem hohen Verlusten der RA geführt haben.

5. Unteroffizierkorps
DR: sehr gut bis gut ausgebildet in Technik und Taktik, hoch motiviert.
SU: gering bis durchschnittlich ausgebildet sowohl in Technik und auch Taktik, sehr unterschiedlich motiviert, von sehr hoch bis zu absolut geringer Motivation.

6. Mannschaftsdienstgrade
DR: überdurchschnittlich ausgebildet in Technik und Taktik, wenngleich durch die Mobilisierung auch Unterschiede zwischen den Einheiten vorhanden waren, insgesamt überdurchschnittlich motiviert.
SU: eher unterdurchschnittlich ausgebildet in Technik und Taktik, sehr unterschiedliche Motivation, teilweise offen feindlich gegenüber U-und O-Korps insbesondere in den Einheiten, deren Soldaten aus den neu eroberten Gebieten des ehemaligen Polens oder der baltischen Staaten stammten.

7. Logistik / Struktur
DR: Gemessen an den Standards der Motorisierung, wie sie von anglo-amerikanischen Divisionen bekannt sind, war die Wehrmacht in vielen Bereichen eher eine Armee, die in ihrer Ausrüstung und ihrem Fuhrpark eher an die Armee des ersten Weltkriegs erinnerte.

Trotz der Nutzung von „Beutefahrzeugen“ war ein Großteil des Heeres noch auf Pferde als Zugmittel angewiesen. Insgesamt konnte die Logistik den ungeheuren Anforderungen, die die Größe der Wehrmacht in Russland und die Ausdehnung des Landes mit sich brachten, eigentlich zu keinem Zeitpunkt gerecht werden. Besonders deutlich sieht man diese allgemeine Überforderung an dem punktuellen Versagen bei der Ausrüstung – bzw. Nichtausrüstung – des Heeres mit Winterkleidung im ersten Kriegswinter 1941 illustrieren. In den rückwärtigen Depots lag diese Ausrüstung bereit, aber konnte aufgrund mangelnder Transportkapazitäten nicht zur kämpfenden Truppe gelangen.

SU: Im Prinzip gelten für die RA ähnliche Aussagen. Die sehr starke Konzentration auf den Panzerbau führte auf der anderen Seite zur Vernachlässigung der Produktion von Lokomotiven und Waggons und von LKW und PKW für den militärischen Einsatz. Im Rahmen der Mobilisierung sollten die notwendigen Zugmaschinen für die Artillerie beschafft werden und aus den Beständen der Landwirtschaft entnommen werden. Erst im Rahmen des „Land-Lease-Programms“ wurden die logistischen Voraussetzungen der Roten Armee deutlich verbessert, indem Lokomotiven, Waggons und Lkws in großen Mengen in die UdSSR geliefert wurden.

8. Luftwaffe / Typen und Personal
Auf dem Papier und rein quantitativ gesehen, war die Luftwaffe der Rote Armee ein durchaus beeindruckender Truppenteil. Faktisch stand sie im Jahr 1941 vor einer Reihe von gravierenden Problemen. Am gravierendsten wirkte sich der Mangel an Flughäfen aus und führte zu einer starken Konzentration auf zu wenige ausgebaute Flughäfen. Daneben erfolgte der komplette Austausch der veralteten Jagdflugzeuge. Zusätzlich war ein erheblicher Fehlbestand an „Besatzungen“ zu verzeichnen. Demgegenüber befand sich die Luftwaffe der Wehrmacht auf einem relativen Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit nach der „Luftschlacht um England“.

8.1 Piloten und Einsatzdoktrinen
o DR: Insgesamt war das Personal der Luftwaffe im Jahr 1941 nach den Erfahrung der „Luftschlacht um England“ hervorragend qualifiziert. Das betrifft das individuelle fliegerische Können, aber auch die Einsatzkonzeptionen der Geschwader bzw. der Luftarmeen. Neben der britischen Luftwaffe war sie im Jahr 1941 auf dem Zenit ihrer Möglichkeiten, trotz der bereits gravierenden Einbußen an

o SU: Die russischen Piloten konnten begrenzt Erfahrungen sammeln. In der Mehrzahl fehlten insgesamt ausgebildete Flugstaffeln, zudem waren die Einsatzkonzepte der Luftware der Roten Armee nicht mehr auf einem aktuellen Stand und sie erwies sich der deutschen als deutlich unterlegen. Die mangelnde taktische Ausbildung der Piloten kann als ein zentraler Grund für das Versagen der russischen Luftwaffe begriffen werden.

8.2 strategische Bomber
o DR: Es waren keine Typen für eine strategischen Rolle vorhanden. Sofern ein Bedarf angenommen wurden, mußten die mittelschweren Bomber, die He 111 und /oder die Ju 88, der Luftwaffe im Rahmen von strategischen Bombardierungen (Industrieanlagen etc.) eingesetzt werden.

o SU: War die TB-3 im Jahr 1941 bereits hoffnungslos veraltet so entsprach die DB 3 noch allgemeinen Standards und Bomber dieses Typs führten dann auch den ersten Bombenangriff auf Berlin durch.

8.3 taktische Bomber
o DR: Mit der Ju 88, der He 111 und der Do 17 standen im Jahr 1941 hervorragende taktische Bomber zur Verfügung, sowohl von den technischen Daten als auch von der Menge an einsatzbereiten Flugzeugen.

o SU: Die beiden taktischen Bomber, die Il-4 und die Pe-2 waren im Jahr 1941 relativ moderne Flugzeugmuster. Beide waren in ausreichender Menge in den Fronteinheiten vorhanden.

8.4 Schlachtflugzeuge / Sturzkampfbomber
o DR: Die Ju-87, die als Sturzkampfbomber in enger Zusammenarbeit mit den Heereseinheiten als „fliegende Artillerie“ genutzt wurde, war technisch im Jahr 1941 bereits überholt, wie sich auch in der Luftschlacht um England gezeigt hat. Ein reines „Schlachtflugzeug“ war 1941 nichtvorhanden .

o SU: Die Il-2 war ein hervorragendes Schlachtflugzeug, dass sich 1941 allerdings erst in der Einführung bei den Fronteinheiten befand. Es verband eine ausreichende Geschwindigkeit mit einer beeindruckenden Ausstattung an Waffen und vor allem eine starke Panzerung.

8.5 Jagdflugzeuge
o DR: Die E- und F- Version der Me 109 war technisch – auch im internationalen Vergleich – noch ein hervorragendes Jagdflugzeug Die E- und F- Version der BF-109 bildete das Rückgrat der Jagdverbände. Der Jäger war de entsprechenden Mustern der Roten Armee in den meisten Belangen überlegen, Die BF-110, konzipiert als Langstreckenjäger, war zwar schwer bewaffnet und wurde als „Zerstörer“ eingesetzt, dennoch war sie bereits gegenüber modernen Jagdflugzeugen in einer hoffnungslosen unterlegenen Position.

o SU: Qualität / Technik Die I-15 und die I-16 waren im Jahr 1941 technisch stark veraltet. Sie bildeten jedoch aufgrund ihrer hohen Anzahl das Rückgrat der Jagdverbände der Roten Armee. Die technische Unterlegenheit in Verbindung mit einer durchschnittlich geringen Ausbildung der Piloten führte zu verheerenden Verlusten in de Reihen der Jagdflieger. Die neun Modelle, die MIG-3, dieYak-1 und die LaGG-3 befanden sich 1941 ebenfalls im Zulauf in die Frontverbände. Diese neuen Muster erreichten die technisch Werte der Me 109, war jedoch in bestimmten Flugbereichen – mittleren Höhen – den deutschen Mustern unterlegen und ebenso in der Ausstattung mit einer entsprechenden Kanonenbewaffnung.

9. Verfügbare Panzer und Truppentranporter
Nimmt man einen oberflächlichen Vergleich der beiden Panzerwaffe vor, dann kann man festhalten, dass die technischen Daten der Panzer und ihre theoretisch vorhandene Masse im Jahr 1941 eher für einen Vorteil der Panzerwaffe der Roten Armee sprechen würden. Auf den zweiten Blick stellt sich jedoch ein anderes Bild her.

Entscheidend während der Anfangsphase des Blitzkrieges im Osten waren nicht die Durchschlagfähigkeit der Panzerkanonen oder die Stärke der Frontal- bzw. der Turmpanzerung, sondern die Fähigkeit koordiniert zu agieren. Zentral war in diesem Fall die Ausrüstung der deutschen Panzer mit Funk und die hohe taktische Schulung der Panzerkommandanten. Ein Standard, der bei den russischen Panzern im Jahr nur für die Führungspanzer galt, aber nicht für die restlichen Panzer einer Einheit. Des weiteren war der Grad der Einsatzfähigkeit, bedingt durch Ersatzteile, Ausbildung und allgemeine Wartung der Panzer insbesondere in der Roten Armee ein gravierendes Problem und führte bereits bei Verlegungen der Einheiten an die Front zu Ausfällen im Bereich von ca. 60 Prozent. Im Verlauf der Grenzschlachten waren aus diesem Grund ein Großteil der Panzer der Roten Armee durch technisches Versagen nicht einsatzfähig und weniger durch direkte Feineinwirkung. Es wird dabei von einem Verhältnis von 1 zu 7 ausgegangen. Diese Faktoren erklären, dass viele Mech-Korps bereits Ende Juni 41 lediglich einen Bestand von ca. 20 Prozent des ursprünglichen Bestands aufwiesen.

9.1 schwere Panzer
o DR: Im Jahr 1941 verfügte die Wehrmacht über keine einsatzfähigen schweren Panzer.

o SU: Die Rote Armee verfügte bereits über schwere Durchbruchspanzer mit dem antiquierten T-35, dem neuen KW 1 und KW II. Diese neuen Muster befanden sich allerdings im Zulauf und waren eher punktuell verfügbar. Im direkten Vergleich während des finnischen Winterkriegs hatte der T-35 aber bereits seine Schwächen im direkten Vergleich zu den KW-Typen unter Beweis gestellt, hauptsächlich aufgrund seiner geringen Panzerung.

9.2 mittlere Panzer
o DR: Die Wehrmacht verfügte zu Beginn von Barbarossa über den mittleren Panzer PIII mit einer 5 cm Kanone und dem PIV, der als Unterstützungspanzer mit einer kurzen 7,5 cm Kanone ausgestattet war. Ergänzt wurden diese beide Typen durch den czechischen Beutepanzer 38t, mit dem eine Reihe deutscher Panzerdivisionen ausgerüstet waren. Mitte 41 waren diese drei Typen gegen die älteren russischen Panzer noch erfolgreich, aber mit wachsendem Zulauf der neuen Panzer, dem T34 und dem KW erwiesen sie sich als technisch überholt.

o SU: Die Rote Armee verfügte im Jahr 1941 über eine relativ große Bandbreite BT-5, BT-7, T-26, T-28 und der neue T-34. Die älteren Panzer verfügten über eine ausreichende Feuerkraft, um die deutschen Panzer effektiv zu bekämpfen. Ihr Nachteil bildete die relativ geringe Panzerung, die noch von der deutschen 3,7 cm Pak effektiv bekämpft werden konnte. Der neue T-34 verfügte über eine leistungsfähige Kanone und über eine hervorragende Panzerung und war allen deutschen Panzern im direkten Vergleich überlegen.

9.3 Sturmgeschütze / Jagdpanzer
o DR: Stug-IIIb und Selbstfahrlafetten: Das Sturmgeschütz IIIb wurde als artilleristische Unterstützung der Infantrie eingesetzt. Dieses Modell war relativ stark gepanzert, aber konnte nicht zur Panzerbekämpfung eingesetzt werden. Eine Reihe von leichte Panzern wurde als Selbstfahrlafette mit Beutegeschützen als Panzerjäger eingesetzt.

o SU: Die Rote Armee verfügte Mitte 1941 noch über keine Sturmgeschütze oder über keine Jagdpanzer.

9.4 leichte Panzer
o DR: Der P II wurde im wesentlichen in der Rolle von Aufklärungspanzern Mitte 1941 eingesetzt. Er war schwach gepanzert und mit einer 2 cm Kanone lediglich für die Bekämpfung der älteren Typen der Roten Armee geeignet. .

o SU: I In einer ähnliche Rolle fungierte der T-37 und der T-60 in der Roten Armee, auch sie waren lediglich leicht gepanzert und

9.5 gepanzerte Truppentranporter
o DR: Bereits zu Beginn des Russlandfeldzuges verfügte die Wehrmacht über zwei hervorragende Schützenpanzer-Designs. Den leichten Schützenpanzer SdKFZ 250 (2+4) und die mittlere Version, den SdKFZ 251 (2+10)
o SU: Die Rote Armee verfügte über keine Schützenpanzer.

10. Artillerie / Luftabwehr

10.1 Artillerie
Insgesamt verfügten beide Länder über hervorragende Geschütze in den unterschiedlichen Kalibern. Dennoch war gerade die Artillerie der Roten Armee in besonderem Maße von der starken Untermotorisierung der Roten Armee zu Beginn des Russlandfeldzugs betroffen, was sich verheerend auf ihre Einsatzfähigkeit im Jahr 1941 auswirkte. Erst ca. ab Beginn 1943 wird sie als relevanter Truppenteil wieder einen wichtigen Einfluss auf die Kämpfe an der Ostfront haben.

10.2 Luftabwehr
o Das Fehlen eines effektiven Luftabwehrsystems machte sich insbesondere im Bereich der Roten Armee bemerkbar. Die Gründe liegen in einer Unterschätzung der Bedeutung der Luftabwehr begründet. Die Auswirkungen konnte man auf der Ebene veralteter Geschützmodelle für alle Höhen erkennen, eine nicht ausreichende Kommunikation zum erfassen und bekämpfen von Flugzeugen und eine teilweise sehr geringe Ausstattung mit Munition.
o Für die Wehrmacht stellte sich dieses Problem faktisch nicht, da sie in der Anfangszeit des Russlandfeldzugs nahezu über die vollständige Luftüberlegenheit verfügte.

10.3 Panzerabwehr
o Die Wehrmacht verfügte über eine 3,7 cm Panzerabwehrkanone (Pak), die in der Lage war auf Gefechtsentfernung die älteren russischen Panzer effektiv zu bekämpfen. Ür die neuen Typen erwies sich das Modell nicht als geeignet und es wurde in der Regel, sofern vorhanden, die 8,8 cm Luftabwehr-Kanone herangezogen oder andere schwere Kaliber. Teilweise zeigten sich die älteren russischen Modelle als sehr anfällig für Artilleriebeschuss.

o Die Rote Armee setzte eine 4,5 cm Kanone (Pak) für die Panzerabwehr ein. Diese Kanone war bereits auf ca. 1500 m in der Lage die Panzerungen der meisten deutschen Panzer zu durchschlagen. Theoretisch war durch die Bildung von Panzerabwehr-Brigaden die Panzerawehr hervorragend organisiert. In der Praxis erwiesen sich die Standardprobleme der Roten Armee, keine Zugmittel, mangelnde Kommunikationsmittel und geringe operative und taktische Fähigkeiten jedoch als fatale Ursachen für das Scheitern dieser Truppen.

11. Infanterie
o Die Infanterie verfügte über als Standardgewehr über das K 98, das jedoch eine zu geringe Schussgeschwindigkeit aufwies. Das entsprechende russische Modell „Tokarev SVT 38 & 40“ war überlegen. Mit der „MP 38“ stand eine gute Maschinenpistole zur Verfügung. Mit dem Maschinengewehr „MG 34“ und „MG 42“ verfügte die Wehrmacht über hervorragende Modelle.
Insgesamt war jedoch der Ausbildungsstand der einzelnen Divisionen auf einem hohen Niveau und es lag eine hohe Einsatzbereitschaft vor. Nicht zuletzt verfügten viele der Infantrie-Divisionen bereits über Personal, das bereits in Polen und im Westfeldzug Erfahrungen gesammelt hatte und über einen deutlichen Vorsprung gegenüber den russischen Soldaten verfügte.

o Die Rote Armee verfügte über hervorragende Gewehre für ihre Soldaten und auch die entsprechenden Maschinenpistolen waren sehr gut den Bedingungen in Russland angepasst. Die entsprechenden Maschinengewehre wiesen eine geringere Feuergeschwindigkeit auf, waren aber sehr robust und weniger anfällig gegenüber technischem Versagen (Ladehemmungen etc.).

Der Ausbildungsstand der Roten Armee, insbesondere in den westlichen Bezirken, kann als problematisch angesehen werden. Es war keine Infrastruktur vorhanden und vor allem war die ethnische Zusammensetzung, es wurden auch Polen und Balten rekrutiert und in die Rote Armee integriert, ein massives Problem für den Zusammenhalt der Armee. Verstärkt wurde diese problematische Situation durch das allgegenwärtige System des Mißtrauens, dass durch die politischen Offiziere verstärkt wurde. Die Kampfkraft der Roten Armee kann deshalb als „schlecht“ eingeschätzt werden, obwohl es sicherlich auch viele widersprechende Beispiele gibt.