Am gestrigen 21. März 2020 feierte der afrikanische Staat Namibia seine 30jährige Unabhängigkeit. In diesem kurzen Artikel möchten wir den langen und hart erkämpften Weg Namibias von der unterdrückten Kolonie zum souveränen Staat nachzeichnen, wobei wir besonders Wert auf die angefügte Bilderstrecke gelegt haben, die die damaligen Ereignisse und Entwicklungen verdeutlicht.

Ein Kind während der Wahlkampagne vor den ersten freien Wahlen, das die SWAPO unterstützt Ernmuhl at Luxembourgish Wikipedia / CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Namibien89.jpg
Ein Kind, das die SWAPO unterstützt, während der Wahlkampagne vor den ersten freien Wahlen
Ernmuhl at Luxembourgish Wikipedia / CC BY-SA

Für weitergehende Informationen zur Geschichte Namibias möchten wir auf die am Ende des Artikels bezeichneten Quellen verweisen. Diese wurden ausgewählt, weil sie besonders anschaulich und lesenswert die namibische Geschichte darlegen.

 

Unter dem Joch der deutschen Kolonialmacht

Ende des 19. Jahrhunderts wollte das Deutsche Reich als europäische Großmacht auch Kolonialmacht werden. Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz hatte 1883 Land im Südwesten von Namibia gekauft, welches durch das Kaiserreich 1884 zum Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika erklärt wurde – die erste deutsche Kolonie war entstanden. Diese Kolonie wurde in den kommenden Jahren erweitert und umfasste bald das Gebiet des heutigen namibischen Staates.

Der Kolonialismus stellte ein Verbrechen der europäischen Völker dar – auch im heutigen Namibia bildeten die deutschen Siedler (bis 1914 kamen etwa 12.000 deutsche Siedler in das Land) die Oberschicht, die die heimischen Afrikaner unterdrückten.

 

Das Massaker an den Herero

Unter diesen für die Afrikaner schlechten und menschenunwürdigen Umständen kam es zu Aufständen, wobei das Massaker an den Herero eine traurige Berühmtheit erlangte. Die Herero waren eine Volksgruppe in Namibia. 1904 wurde ein bewaffneter Widerstand der Herero unter Lothar von Trotha brutal niedergeschlagen. Die in ein Trockengebiet geflohenen Herero wurden dort eingekesselt und mussten verdursten und verhungern – auf Flüchtende wurde geschossen. Auch die Nama – eine weitere Volksgruppe – versuchten sich gegen die Kolonialmacht zu wehren – wie bei den Herero reagierten die Deutschen mit unfassbarer und gnadenloser Brutalität.

Nach schwierigen Schätzungen starben bis zu 65.000 Herero und 10.000 Nama.

 

Die Macht geht an Südafrika über

Der 1. Weltkrieg zeigte auch in Afrika seine Auswirkungen. Der Versailler Vertrag bestimmte, dass Deutschland seine Kolonien verlor. Deutsch-Südwestafrika ging an den Völkerbund, der das Treuhandmandat wiederum an Südafrika übertrug. Auch Südafrika setzte die Unterdrückungspolitik fort (in Südafrika herrschte das rassistische Apartheid-Regime, das die schwarze Bevölkerung systematisch diskriminierte) und bereicherte sich an den Bodenschätzen des Landes, was wiederum zu einer starken Unabhängigkeitsbewegung führte, die sich in der South West African People‘s Organisation (kurz: SWAPO) manifestierte.

1966 erkannten die Vereinten Nationen (als Nachfolger des Völkerbundes) Südafrika das Mandat über Namibia ab, was jedoch durch die Südafrikaner ignoriert wurde und in der Folge zum militärischen Kampf der SWAPO führte.

 

Erst mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die Träume der Unabhängigkeit Wirklichkeit

Die UN-Vollversammlung erkannte die SWAPO 1976 als einzige und legitime Vertretung des namibischen Volkes an. Es dauerte indes noch bis zum Ende des Kalten Krieges, als auch das Apartheid-Regime langsam zusammenbrach und Namibia souverän wurde.

Mehr als zwei Jahrzehnte kämpfte die SWAPO für die Unabhängigkeit Namibias und geriet dabei zum Spielball in den Wirren des Kalten Krieges. Die SWAPO erhielt die Unterstützung der Sowjets, Südafrika konnte sich dagegen auf die USA verlassen.

Mit den ersten freien Wahlen 1989 war der Weg für ein unabhängiges Namibia bereitet. Am 21.03.1990 wurde das Land eigenständig – Namibia wurde und ist bis heute eine parlamentarische Präsidialdemokratie. Erster Präsident wurde Sam Nujoma. Die deutsche Sprache wurde als eine von drei Amtssprachen abgeschafft.

 

Bildergalerie

 

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