Buchcover (c) 2018 Diplomica Verlag GmbH, Hamburg, 2018, Covermotiv: Pixabay.com
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Daniela Jankowiak ist Autorin des Buchs „Die deutsche Einwanderung in die USA und ihre Auswirkungen“, das im Diplomica Verlag erschienen ist. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags dürfen wir im Folgenden eine Leseprobe des Buchs zu dem Kapitel „Forty-Eighters“ veröffentlichen.

 

Die politischen Geschehnisse in Deutschland gaben immer wieder Anlass zur Flucht in die Neue Welt: die Metternichsche Reaktionspolitik nach 1819, die gescheiterte Revolution 1848/49, das Sozialistengesetz der Bismarckzeit. Die meisten Flüchtlinge wollten wieder in die Heimat zurückkehren, aber viele fügten sich in die neuen Lebensumstände, gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ein und wurden letztendlich Amerikaner.

Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die deutsche Einwanderung ihren Höhepunkt – 1854 war jeder zweite Einwanderer Deutscher. Unter diesen Einwanderern war auch eine kleine sehr einflussreiche Gruppe, die sogenannten Achtundvierziger („Forty- Eighters“). Die Bezeichnung bezieht sich auf Personen, die an der deutschen Revolutionsbewegung teilgenommen haben, die die absolutistische Herrschaft durch eine Demokratie ersetzen wollte und 1848 ihren Höhepunkt fand. Selbst die Bezeichnung Deutsch-Amerikaner („German-American“) ging auf die Achtundvierziger zurück. Berühmt gewordene Persönlichkeiten der Achtundvierziger waren unter anderem Friedrich List, Franz Lieber, Gustav Körner, Friedrich Kapp, Friedrich Hecker, Franz Sigel und Karl Schurz.

Amerika hatte die deutsche Revolution 1848 interessiert verfolgt – dienten doch die Ideale der amerikanischen Revolution den Achtundvierzigern als Vorbild. Nach dem Scheitern der Revolution flohen einige tausend Anführer und Sympathisanten in die Vereinigten Staaten. Den „Forty-Eightern“ gehörten unter anderem Nationalisten, Humanisten, Radikale, Träumer und Utopisten an. Was sie verband, war der Glaube an Freiheit, sozialen Fortschritt und Demokratie. Für diese Freiheit hatten sie ihr Leben riskiert, waren oft nur knapp der Polizei entkommen oder aus Gefängnissen ausgebrochen und kamen nun mit Anfang zwanzig allein und ohne Gepäck in die Vereinigten Staaten. Anfangs hofften die Emigranten auf einen Umsturz in ihrer deutschen Heimat, so dass sie dorthin zurückkehren könnten. Als sich jedoch die politische Lage in Europa in eine andere Richtung entwickelte, nutzten sie ihren Reformwillen und Enthusiasmus, um Änderungen in Amerika voranzutreiben, wie etwa die Abschaffung der Sklaverei. Darüber hinaus unterstützten sie die junge Republikanische Partei und kämpften für die Nordstaaten im Sezessionskrieg.

Unter den hunderttausenden deutscher Einwanderer im 19. Jahrhundert hatte keine Gruppe einen solchen Einfluss wie die Achtundvierziger. Viele frühere Einwanderer waren Bauern, Händler und Handwerker, aber die Achtundvierziger waren gebildet und meist Lehrer, Doktoren, Anwälte, Redakteure, Künstler oder Musiker, die allein, ohne viel Gepäck und über verschiedene Länder nach Amerika geflohen waren. Obwohl sie gut informiert über die politischen und sozialen Verhältnisse der Vereinigten Staaten waren, sprachen sie nur wenig Englisch. Händler und Handwerker kamen meist mit einem geringen Wortschatz aus. Anders sah es dagegen bei Ärzten, Anwälten oder Lehrern aus – sie mussten sich entweder in einer Siedlung niederlassen, in der die deutsche Bevölkerung groß genug war, um sie zu unterstützen, oder sie mussten Sprache und Ortswissen erwerben. Nicht allen Emigranten gelang es, Sprachschwierigkeiten zu überwinden oder einen der Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz zu bekommen. Trotz Eingliederung in die amerikanische Gesellschaft und intensiver Teilnahme am öffentlichen Leben wurden viele von ihnen „Lateinfarmer“ – so bezeichnet aufgrund ihrer überflüssigen klassischen Bildung – wobei ihre landwirtschaftlichen Versuche nicht immer von Erfolg gekrönt waren.

 

Zum Buch

Millionen Deutsche wanderten in die Vereinigten Staaten aus – Daniela Jankowiak untersucht in ihrem Buch die Gründe der Emigration, erläutert den kulturellen Einfluss und stellt die (teils auch bitteren) Erfahrungen und Erlebnisse der Einwanderer dar. Ihre politikgeschichtliche Analyse reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück.

  • Titel: „Die deutsche Einwanderung in die USA und ihre Auswirkungen“
  • Autorin: Daniela Jankowiak
  • Paperback, 139 Seiten, 39,99 EUR
  • ISBN: 978-3-96146-673-3
  • Diplomica Verlag, Imprint der Bedey Media GmbH