Die Jungen bei der Arbeit Fotografin: Camilla Hjelm © Koch Films GmbH

Die Jungen bei der Arbeit Fotografin: Camilla Hjelm © Koch Films GmbH

 

Einer weithin unbekannten Thematik widmet sich der am 07. April 2016 erscheinende Film „Unter dem Sand“: Der Minenräumung nach dem 2. Weltkrieg. Ein knappes Dutzend junger gefangener Wehrmachtssoldaten sollen in Dänemark einen Strandabschnitt von 45.000 Minen säubern. Mitreißend erzählt das Drama die seelische Not der jungen Soldaten, zeigt aber auch, dass es in den dunkelsten Stunden noch Mitmenschlichkeit gibt.

Die Wehrmacht hatte angesichts der bevorstehenden Invasion der Alliierten die Strände Dänemarks und Frankreich besonders gesichert. Insbesondere der Atlantik-Wall sollte Europa zur uneinnehmbaren Festung machen. Teil der Abwehrmaßnahmen war die millionenfache Verlegung von Minen – diese unter der Erde liegenden Sprengsätze waren eine tödliche Gefahr. Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands machten diese Minen ganze Landstriche unbewohnbar und wurden zur Todesfalle für die Zivilbevölkerung – die Sprengsätze mussten deshalb geräumt werden.

 

Die Handlung des Films

 

„Unter dem Sand“ beginnt mit dem Abzug von Wehrmachtssoldaten aus Dänemark – wie verhasst die Deutschen sind, zeigt die Reaktion des Feldwebels Carl Rasmussen (hervorragend gespielt von Roland Moller), der grundlos und mit unbändiger Wut einen Soldaten fast tot prügelt und der gegenüber der einstigen Besatzungsmacht nur Verachtung fühlt.

Diese Verachtung schlägt auch zunächst einem Dutzend junger deutscher Kriegsgefangener entgegen, die zur Räumung der Minen gezwungen werden. Unnachgiebig werden sie dazu getrieben, ihr Leben Tag für Tag, Stunde für Stunde zu riskieren und sind dabei enormen seelischen Qualen ausgesetzt. Kaum nachvollziehbar ist der Schmerz, der die jungen Menschen – fast noch Kinder – ereilt, wenn Freunde wenige Meter entfernt in Stücke zerfetzt werden.

 

Unteroffizier Carl Rasmussen (Roland Møller) Fotografin: Camilla Hjelm © Koch Films GmbH
Unteroffizier Carl Rasmussen (Roland Møller) Fotografin: Camilla Hjelm © Koch Films GmbH

 

Aus dem puren Hass des Feldwebels Rasmussen entwickelt sich jedoch bald Zuneigung gegenüber den jungen Gefangenen, als er erkennt, dass gerade diese jungen Menschen nicht für die Gräuel des Nazi-Reiches verantwortlich sind, sondern ebenso Opfer eines mörderischen Regimes sind.

 

Erste Eindrücke

© Koch Films GmbH
© Koch Films GmbH

Der Film ist von einer durchgehenden Spannung getragen – jede Mine, die die Gefangenen finden, birgt die Gefahr zu explodieren. Die allgegenwärtige Lebensgefahr zeichnet sich deutlich in den Gesichtern der Jugendlichen ab, die in kurzer Zeit 20 Jahre gealtert wirken.

Besonders interessant ist die charakterliche Wandlung des Feldwebels Rasmussen – vom gewalttätigen Deutschen-Hasser entwickelt er sich zu einem verantwortungsvollen Offizier, der mit den Gefangenen hofft und bangt.

Eindrücklich sind auch die Dialoge der jungen Minenräumer – in ihren Gesprächen dreht es sich stets – trotz der jederzeitigen Todesgefahr – um die Zukunft: Welche Berufe sie nach ihrer Rückkehr erlernen möchten, wie es wohl ihren Eltern gehe und dass in Deutschland alle Wege zu einem glücklichen Leben offen stünden. Im krassen Kontrast hierzu stehen die Gefangenen dann der Realität gegenüber, als es – wieder einmal – einen Kameraden in den Tod reißt.

 

Zum Hintergrund des Films

Der historische Hintergrund des Films wurde in Dänemark historisch noch nicht aufgearbeitet. Nach der Genfer Konvention von 1929 durften Kriegsgefangene nicht zur Zwangsarbeit gezwungen werden – die Minenräumer wurden deshalb – unter Umgehung der Kriegsgefangenenkonvention – als Freiwillige bezeichnet.

Verlässliche Zahlen über den Umfang der Minenräumung sind nicht vorhanden. Nach neuerer Forschung wurden wohl in 5 Monaten nach Ende des 2. Weltkrieges ca. 1,4 Millionen Minen von 2.500 Kriegsgefangenen entfernt – dabei verloren mindestens 1.000 Soldaten ihr Leben. Das sind mehr Tote als bei Kampfhandlungen in Dänemark im gesamten 2. Weltkrieg.

 

Weitere Informationen

Offizielle Webseite