Soldaten

Immer wieder wird behauptet dass, wenn auch nicht in ländlichen Gegenden, doch in den Städten eine allgemeine Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung vorherrschte, wobei sich die Historiker darüber streiten, wie die „Berliner Morgenpost“  feststellt. Die Zeitung betont jedoch, dass auch in Berlin das Interesse der Bevölkerung an Politik eher gering gewesen sein dürfte. Der Juli des Jahres 1914 war sehr heiß und die Berliner planten Ferienfahrten zu den Strandbädern an Ost- und Nordsee. Auch Zahlen werden genannt:
Insgesamt wurden 168.000 Gepäckstücke aufgegeben.
Am Stettiner Bahnhof wurden die meisten Fahrkarten Richtung Ostsee verkauft: Es waren 123.500.
Aber auch Nordseestrände waren begehrte Ziele der damaligen Berliner:
59.200 Fahrkarten wurden am Lehrter Bahnhof verkauft, 52.800 am Anhalter Bahnhof und 43.000 am Schlesischen Bahnhof.
Somit stellt die Morgenpost fest, bereiteten sich die Berliner auf einen Sommer in Badesachen vor und nicht in Uniform.

Zudem wurde auch in der „Berliner Morgenpost“ in jenen Tagen über Soldatenmisshandlungen in der kaiserlichen Armee berichtet. Zwar sollte nach einem Erlass des Kriegsministers härter gegen „Missetäter“ vorgegangen werden, allerdings verpuffte das ganze sehr schnell, als der Krieg ausbrach. Wörtlich hieß es in der Zeitung dazu:
„Niemals haben die Soldatenmißhandlungen in der deutschen Armee gänzlich aufgehört. Vielleicht können sie auch niemals aufhören, weil nach den Gesetzen menschlicher Unvollkommenheit unter den 35.000 Vorgesetzten, die es im Heere gibt, immer eine Anzahl übler Elemente vom brutalen Rohling bis zum verbrecherischen Sadisten sich befinden wird.“

Doch das Bild änderte sich mit der österreich-ungarischen Kriegserklärung an Serbien. So wusste die „Berliner Morgenpost“ von damals zu berichten, dass die Strandkörbe an der Ostsee mit Kriegsflaggen bewimpelt wurden. Und weiter heißt es:
“Die Küste hallt vom Kriegslärm wider“. „Jeder Bankier wird zum Strategen und jeder Oberlehrer zum Feldmarschall.“
Ob aus Kriegsbegeisterung oder aus Pflichtbewusstsein – fest steht, dass sich in den ersten Augustwochen des Jahres 1914 viele junge Männer freiwillig zur Armee meldeten – mehr als erwartet. „Vor vielen Kasernen bildeten sich rasch Schlangen“,  schrieb Felix Kellerhoff in seinem Buch „Heimatfront“. Sehr bald prägten Uniformen das Stadtbild Berlins. Auf den großen Berliner Bahnhöfen fuhren ständig Züge mit Soldaten ab.
Doch die zur Armee eingezogenen Männer hinterließen beruflich Lücken – so z. B. bei der Berliner Straßenbahngesellschaft. Sie wurden durch Frauen ersetzt, die nun Schaffnerinnen wurden, damit der Fahrplan wenigstens einigermaßen eingehalten werden konnte.
Andererseits: Das schöne Wetter hielt bis Ende August und viele Berliner zog es noch immer auch ans Strandbad Wannsee, als SPD-Politiker Eduard David notierte, dort herrsche „großer Trubel und fröhliches Treiben“ und stellte erstaunt fest, dass er von „Männermangel“ nichts merke.

Bemerkenswert ist, dass sich alle Nationen als Angegriffene bzw. Bedrohte betrachteten, so auch Deutschland, dessen Kaiser Wilhelm II. zu den Waffen rief mit den Worten:
„Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Drum auf, zu den Waffen…“  [Tondokument]

 

Weitere Informationen: Dieser Text ist ein Auszug aus der Magazin-Ausgabe „Beginn des ersten Weltkriegs“. Auf 30 Seiten erfahren Sie alles Wissenswerte für die Schule, die Universität und die Allgemeinbildung. Mehr erfahren Sie hier.