Als Jean de Mandeville wird der unbekannte Verfasser einer zwischen 1357 und 1371 aus verschiedenen Quellen zusammengestellten Schilderung einer Reise ins „Heilige Land“ und den Fernen Osten bezeichnet. Daniel Trüb hat sich in seiner nachfolgend veröffentlichten Seminararbeit mit dem aktuellen Forschungsstand auseinandergesetzt.

Zeitgenössische Darstellung des John de Mandeville

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: John Mandeville aus heutiger Sicht

II. Hauptteil: John Mandevilles fiktiver Reisebericht

1. Mandeville als Vater des modernen Reiseberichts

2. Das Interesse der Forschung

3. Das Schwergewicht der Forschung

4. Die Überlieferungsgeschichte von Mandevilles Reisen

5. Die Wirkung des Textes und seine ersten Leser

6. Ist Mandevilles Reisebericht eine Enzyklopädie?

7. Die Vielfalt in Jean de Mandevilles Reisen

8. Die Rezeptionsgeschichte von Mandevilles Reisen

III. Schlussteil: Womit befasste sich die Mandeville-Forschung?

Literaturverzeichnis

I. Einleitung: John Mandeville aus heutiger Sicht

Das Bild, das heute von Jean de Mandeville und seiner auf einer vermeintlich realen Reise basierenden Orientbeschreibung besteht, resultiert aus den zahlreichen Forschungsarbeiten, die seit etwa 150 Jahren zu diesem Thema publiziert worden sind. Dieses Bild zeigt zunächst einmal ein Buch, das besonders im 14. und im 15. Jahrhundert immense Popularität genossen haben muss, ist es doch in etwa 300 Handschriften und knapp 200 gedruckten Exemplaren in zehn europäischen Sprachen erhalten[1]. In der europäischen Mandeville-Tradition haben ebenso die Holzschnitte des Druckers Anton Sorg – in der jüngeren Literatur hat Anton Sorg die grösste Aufmerksamkeit unter den Augsburger Druckern auf sich gezogen[2] – eine nachhaltige Wirkung erzielt. Wynkyn de Worde entlehnt 1499 die Sorgschen Motive einer französischen Ausgabe von Pierre Boutellier (etwa 1490), und sie werden in der Folge zu einem festen Bestandteil der englischen Mandeville-Ausgaben bis ins 20. Jh. hinein.

Auch in den spanischen Drucken der ersten Hälfte des 16. Jh. von Jorge Costilla in Valencia finden sich Kopien dieser Illustrationen: „So hat Michel Velsers Mandeville-Übersetzung durch die Ausgabe von Anton Sorg eine nicht unbedeutende Rolle in der europäischen Literatur gespielt.“[3] Christiane Deluz schreibt, dass nie ein anderer Text über ein (derart) profanes Thema ein ähnliches Publikum gefunden habe. Doch der unvergleichliche Erfolg dürfe kein Hindernis zu weiterer Forschung sein[4]. Aus heutiger Sicht zeigt sich die grosse Popularität vor allem an den zahlreich überlieferten Handschriften, die sich nach jüngsten Recherchen auf weit über 300 Exemplare belaufen. Ein Vergleich dieser Zahl mit der Überlieferungslage einiger literarisch verwandter Werke des späten Mittelalters scheint den immensen Erfolg des „livre“ zu unterstreichen: Der uns viel bekanntere Bericht von Marco Polo ist in etwa 130 Handschriften in sieben Sprachen überliefert[5].

Ebenso sind Ernst Bremer und Klaus Ridder der Meinung, dass der Reisebericht Mandevilles zu den meistgelesenen Büchern des späten Mittelalters gezählt werden kann[6]. Mandeville unterscheidet sich von anderen Reiseschriftstellern nicht nur dadurch, dass er selbst gar nicht die von ihm beschriebenen Reisen unternommen hat, sondern auch dadurch, dass er durch den ausgiebigen Gebrauch verschiedenster Quellen und Vorlagen die Rollen des Pilgers, des Kreuzritters, des Kaufmanns, des diplomatischen Gesandten und des Missionars auf einmal hat spielen und damit die je zweckspezifischen Arten des Reisens literarisch zum Motiv des Reisens schlechthin hat vereinigen können. Außer Reiseberichten aber liegen auch viele andere Texte dem Bericht Mandevilles zugrunde[7]. Als Hauptquellen sollen Mandeville die Reiseberichte des deutschen Palästinapilgers Wilhelm von Boldensele (1332-1333) und des italienischen Franziskaners Oderich von Podernone (1330) gedient haben[8]. Mandevilles Leistung bestand in erster Linie in der gekonnten Selbstdarstellung als glaubwürdiger Reiseberichterstatter. Zu Beginn und zum Schluss, aber auch unterwegs ist Mandeville stets bemüht, sich selbst als Erzähler eigener Erfahrungen und Erlebnisse zu inszenieren[9]. Noch der Historiker Joseph Görres war zu Beginn des 19. Jh. von Mandevilles Glaubwürdigkeit überzeugt: „Was er selbst sah, beschreibt er genau und treu, und seine Autorität ist durchaus gültig und sein Zeugnis wahrhaft.“

Das Bild zeigt ausserdem einen Autor, der am Michaelistag des Jahres 1322 seine Heimat St. Albans in England verlassen und eine 35-jährige Reise durch Nordafrika, das Heilige Land und den Mittleren Osten bis nach China und ins Reich des legendären Priesters Johannes angetreten habe, dessen Identität aber bislang nicht historisch belegt werden konnte, sondern vielmehr seit der Aufdeckung des fast ausschliesslich kompilativen Charakters seines Buches infrage gestellt wird. Mandevilles Reisen entlarvten sich als eine Kompilation auf der Grundlage verschiedener Reisebeschreibungen, historischer sowie enzyklopädischer Werke[10]. Im Titel seines 1534 in Tübingen erschienenen „Weltbuches“ setzt sich Sebastian Franck deutlich von Werken wie den „Reisen“ des Jean de Mandeville oder der „Navigatio Sancti Brandani“ ab. Francks historiographische Schriften einschliesslich seiner Kosmographie entsprechen keineswegs neuzeitlichen wissenschaftlichen Kriterien; doch nach Klaus Ridders Schluss zeigt seine Distanzierung von den im Spätmittelalter so populären Texten, dass man diese Reiseschilderungen zumindest in historiographisch-topographischen Kompilationen nicht mehr fraglos akzeptierte[11].

Die hier angesprochene Methode der compilatio spielt dennoch eine nicht unerhebliche Rolle, wenn sie auch durch die angebliche Augenzeugenschaft Mandevilles in den Hintergrund tritt und der modernen Rezeption erst seit der Identifizierung des benutzten Quellenmaterials bekannt ist[12]. Es ging Mandeville freilich nicht vorrangig um die Mehrung wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern um die Gunst des Publikums; er wollte nicht so sehr belehren als vielmehr Erstaunen wecken[13]. Mandeville machte bewusst und ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch, andere Welten so zu schildern, dass dadurch auch die eigene in einem anderen Licht erscheint. Anstatt wie die meisten seiner Vorgänger andere Welten nur von aussen zu beschreiben, erlaubt Mandeville es seinen Lesern hin und wieder, sich in diese anderen Welten auch hineinzuversetzen[14]. Die vielen Perspektivenwechsel, die Mandeville im zweiten Teil seiner Reise bergabwärts bis vor die Tore des irdischen Paradieses, bis zum anderen Ende der Welt reisen lassen, widersprechen in Vielem der im ersten Teil seiner Reise beschriebenen Wallfahrt. Sein Buch wird als Plagiat abgetan, das keiner literarischen Struktur unterliege, sondern eine zufällige und spontane Zusammenwürfelung seiner Quellentexte sei, oder ganz im Gegenteil als „bemerkenswertes literarisches Konstrukt“ und erster Reiseroman gelobt, der weit über seine Zeit hinaus gewirkt habe[15].

II. Hauptteil: John Mandevilles fiktiver Reisebericht

1. Mandeville als Vater des modernen Reiseberichts

Die Sekundärliteratur datiert das Werk zwischen 1356 und 1371, dem Jahr, aus dem die älteste datierte (französische) Handschrift stammt[16]. Die These von Mandeville als dem Vater des modernen Reiseberichts geht davon aus, dass es ihm geglückt sei, die Rollen sowohl des Pilgers als auch des Missionars, des Gesandten und des Kaufmanns literarisch auf sich zu vereinen. Wenn diese These aufrechterhalten werden soll, müssten diese Widersprüche auf die eine oder andere Weise überbrückt oder erklärt werden[17]. Donald Howard hat dies mit der plausiblen Hypothese versucht, dass sich der erste Teil von Mandevilles Text zum zweiten Teil wie die Lebens- und Leidensgeschichte des Neuen Testaments zur Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments verhalte. Ebenso wie die Wallfahrt des ersten Teils rückwärts in die Vergangenheit, in die Zeit der Gnade und der Erlösung und weiter in die der Gesetze des Moses führe, verliefen auch die Reisen des zweiten Teils zeitlich gesehen rückwärts. Dieses Schema ist allerdings von eher begrenzter Reichweite. Die vielen wunderlichen Völker und Länder lassen sich kaum aus dieser Logik erklären[18].

Mary Campbell leitet ihre These, Mandeville sei als Vater der modernen Reisebeschreibung anzusehen, zunächst daraus ab, dass er erstmals die verschiedenen Arten des Reisens in seiner Darstellung vereinigt habe. Sie bezieht sich zur Begründung ihrer These an dieser Stelle nur auf den zweiten, fernöstlichen Teil von Mandevilles Reisen und umgeht damit das prekäre Verhältnis dieses Teils zur Wallfahrt nach Jerusalem im ersten Teil[19]. Welche Rolle auch immer der zweite Teil von Mandevilles Reisen für die Entwicklung des Realismus gespielt haben mag: Entscheidend bleibt, dass nur seine Verklammerung mit der Wallfahrt des ersten Teils Mandevilles Text zu einem Reisebericht im eigentlichen Sinn hat machen können[20]. Im Kontext erklärt sich das Interesse Mandevilles und seiner vielen damaligen Leser genauer also aus dem Bedürfnis, andere Welten einerseits als ideale, vorbildliche und nachahmenswerte Welten, andererseits aber auch zugleich als verabscheuungswürdige, abweichende, heidnische Bedrohungen darzustellen. Mandeville hat eben darum einen dem modernen Reisebericht so nahe kommenden Text verfassen können, weil er in hohem Masse diese Spannung aufrechtzuerhalten vermochte[21].

2. Das Interesse der Forschung

Heute bereitet das Werk der Forschung Kopfzerbrechen, denn aufgrund der seinem Autor eigenen Art der Quellenverarbeitung und Textstrukturierung ist es nicht problemlos in eine der bestehenden literarischen Gattungen einzuordnen und bietet daher Anlass zu kontroversen Diskussionen. Hinzu kommt der in der Forschung immer wieder beklagte Verlust des Autortextes, der umso schwerer wiegt, da bereits die ältesten Handschriften drei Textversionen überliefern, deren Abhängigkeiten vom Urtext umstritten sind. [Bislang geht die Forschung davon aus, dass eine Autorfassung des Textes existiert hat, die dann autorfremde Veränderungen erfahren hat, durch welche die drei überlieferten Textversionen entstanden sind.[22]] Mandeville sammelte, was ihm an Nachrichten aus fernen Ländern zuging, besaß offenbar Zugang zu einer reichen Bibliothek und verstand es, mit einigem schriftstellerischem Geschick die bunte und disparate Fülle der Informationen fast nahtlos zu verarbeiten[23]. Das nahtlose Ineinanderübergehen der dokumentarisch-historischen Berichte und Chroniken einerseits und des eher mythisch legendarischen, dem Brief des Priesterkönigs Johannes, den Alexanderlegenden und anderen orientalischen Texten entnommenen Materials andererseits hat zur traumhaft realistischen Wirkung von Mandevilles Reisebericht beigetragen. Besonderes Interesse brachte Mandeville der Figur des Priesters Johannes entgegen, den portugiesische Missionare später in Äthiopien vermuten sollten und von dem manche meinten, dass er seine Residenz in Indien aufgeschlagen habe[24].

Der Erfolg von Mandevilles Reisebeschreibung erklärt sich also durch die Geschmeidigkeit, mit der er die verschiedensten Gattungen zu einer Erzählung vorgeblich eigener Erlebnisse umzuformen vermochte, und durch die Geschicklichkeit, mit der er die Person des Erzählers zu inszenieren verstand. Von mindestens ebenso grosser Bedeutung aber war die im wahrsten Sinne des Wortes kritische Rolle, die Mandeville den von ihm beschriebenen fremden Welten hat zukommen lassen[25]. Ausserhalb der Wissenschaft ist Jean de Mandeville im Unterschied zu seinem Vorgänger Marco Polo heute weitgehend unbekannt, nur in England scheint sich ein gewisser Bekanntheitsgrad erhalten zu haben. In Frankreich konnte das Werk in seiner Frühphase die grössten Erfolge verzeichnen, in Deutschland hat vor allem der fabelhafte Teil des Buches Berücksichtigung gefunden, so dass Mandeville hier weiterhin der alte Vorwurf eines Lügners und Märchenerzählers anhaftet. Der Vorwurf der Lügenhaftigkeit, mit dem die „Reisen“ wahrscheinlich schon kurz nach ihrer Entstehung belegt wurden, lässt sich als ein erstes rezeptionsgeschichtliches Indiz nicht nur für den fiktiven, sondern auch für den fiktionalen Charakter des Textes werten[26]. Vielleicht war es die Vielfalt, die zusammen mit der populären Präsentation seines Wissens in Form eines Reiseverlaufs zum Erfolg des Buches führte, und möglicherweise war genau dies der Grund, warum sich der „livre de Mandeville“ im Umfeld der Universitäten nicht durchsetzen konnte. Andererseits stehen die belegbaren Einflüsse auf Kolumbus, Behaim oder Mercator dafür, dass auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem „livre“ erfolgt sein muss[27].

3. Das Schwergewicht der Forschung

Die Frage, wer John Mandeville überhaupt war, beschäftigt seit Jahrzehnten die Gelehrten. Eine wirklich befriedigende Antwort gibt es jedoch bis heute nicht. Nur zwei Theorien seien stellvertretend für viele andere genannt: Mandeville war ein englischer Ritter, der dem Earl von Essex, Humphrey IX. de Bohun diente – und der leider nirgendwo nachgewiesen ist. Oder es handelt sich beim Namen Mandeville um nichts weiter als das Pseudonym eines Anonymus, der sich den Namen – inspiriert durch den französischen „Roman de Mandevie“ – zugelegt hat. Nur der Prolog und der Epilog seiner Reisebeschreibung bieten wenige Informationen zu Mandevilles Leben[28]. In diesem Punkt schließt sich Klaus Ridder Michael Seymours These an, der Verfasser der „Reisen“ sei ein Anonymus, der einen Ich-Erzähler erfand, den er Jean de Mandeville nannte und mit einigen biographischen Details ausstattete[29]. Schriftliche Zeugnisse, von denen hier Aufschluß zu erwarten wäre, sind widersprüchlich, verloren oder nur in Abschriften erhalten. So wird Mandeville in der Literaturgeschichte als „purely literary fiction“, als „voyageur imaginaire“, als „grober literarischer Fälscher“ ebenso wie als „father of english prose“, als „autorité géographique“ oder als „satiric persona“ behandelt[30].

Auch Miguel Quesada schreibt, dass die kritische Untersuchung des Werkes und weiterer zeitgenössischer Zeugnisse aus Lüttich und England die Behauptung zulassen, dass Sir John Mandeville niemals existiert hat und sein Name sich auf eine fiktive Person bezieht, hinter der sich der echte Verfasser der Geschichte versteckt; er verwendete also das literarische Stilmittel des „fiktiven Erzählers“, das man in der europäischen Literatur dieser Zeit bereits kannte[31]. Die Anmerkungen, die sich heute in den Lexika und den Werken über mittelalterliche Literatur mit John Mandeville beschäftigen, sind bestimmt von zweifelnder Vorsicht. Diese Zweifel sind jedoch erst im letzten Jahrhundert entstanden. Die Zeitgenossen von Mandeville vertrauten dem Text auf seiner Grabplatte: Der edle Herr Jean de Mandeville, Ritter, geboren in England, reiste um die Welt, bevor er seine Tage im Gebet, in der Pflege und in der Armenfürsorge in Lüttich beendete, wo er am 7. Februar 1372 verschied[32].

Trotz des grossen Erfolgs ist über Jean de Mandeville und die genauen Entstehungsumstände des Buches wenig bekannt, so dass die tatsächliche Autorschaft in der Forschung nach wie vor umstritten ist. Die gegenüber der primären französischen Textfassung erweiterten Ausführungen der Lütticher Version zu den Entstehungsgründen des Werkes wurden seither zu einem heftig umstrittenen Gegenstand innerhalb der Diskussion um die Autorschaft der „Reisen“[33]. Auch Klaus Ridder und Ernst Bremer schreiben, dass die Identität des Verfassers und der Ort der Niederschrift der Reisen Jean de Mandevilles ebenso mysteriös wie ungeklärt sind. Im Prolog der autornächsten – der kontinentalfranzösischen – Version berichtet der Erzähler, dass er, der Ritter Jean de Mandeville, in St. Albans in England geboren und am St. Michaelstag des Jahres 1322 ausgefahren sei, um die in der Folge aufgezählten Länder und Orte zu besuchen[34]. Die Suche nach der Identität des Autors hat das Interesse der Forschung vermutlich allzu sehr auf den ‚Lütticher Epilog’ als ein Zeichen dieser Stufe der Textgeschichte fixiert, so dass weitere, die Lütticher Version weitaus mehr prägende Modifikationen des Textes nicht hinreichend in die Reflexion einbezogen wurden. Dass die Lütticher Version noch vom Verfasser der „Reisen“ konzipiert oder im Nachhinein autorisiert worden sei, ist zweifelhaft, da sich gerade in Lüttich als dem wahrscheinlichsten Entstehungsort dieser Version signifikantere Bezüge zwischen Textstruktur und überlieferungsgeschichtlichem Umfeld herstellen lassen[35].

Obwohl auch Susanne Röhl in ihrer Dissertation keine Lösung der Autorfrage geben konnte, so hat die Aufarbeitung der frühen Rezeptionsgeschichte des Werkes doch verdeutlicht, dass die (französischen) Leser des späten Mittelalters jenes Bild von Autor und Buch vor Augen hatten, das im Prolog des „livre“ entworfen wird – der Autor als englischer Ritter, der um die Welt gefahren ist, und sein Buch als Informationsquelle über die von ihm durchreisten Länder dieser Welt[36]. Nach bisherigem Kenntnisstand der sehr unterschiedlichen Rezeptionsformen des Textes in den europäischen Versionen weist die Mandeville-Prosa nicht die Stabilität und Geschlossenheit gegenüber bestimmten Rezeptionsinteressen wie etwa ein Autoritätstext auf; sie ist als eine zeitlich, räumlich und funktional differierenden Gebrauchskontexten offen stehende unfeste Überlieferungsform zu betrachten, die sich am deutlichsten in den Mutationen des Textes bei der Übertragung in eine andere Sprache dokumentiert. Allerdings ist die Textvarianz keinesfalls so groß, dass auf irgendeiner textgeschichtlichen Entwicklungsstufe die Werkidentität jemals in Frage gestellt wäre[37].

Die Forschung zur Identität des Autors diskutierte in der Vergangenheit in vielfältiger Weise die Angaben in der Lütticher Version und die anders lautende Darstellung der historiographischen Quellen. Als gesichert kann gelten, dass Mandeville von Geburt Engländer war; er verlässt aus nicht näher bestimmbaren Anlass die Insel, um in Lüttich unter anderem Namen zu leben. In einem literarischen Werk sieht er 1356 die Möglichkeit, Herkunft und Namen preiszugeben, verschweigt aber den Ort der Niederschrift. Ernst Bremer und Klaus Ridder halten alle weitergehenden Annahmen für Spekulation: Lütticher Freunde hätten den Autor veranlasst, eine ‚Lokalversion’ anzufertigen und den angesehenen Mitbürger Jean de Bourgogne einzubeziehen, der sich mit dem Autor in einem Hotel der Stadt Lüttich trifft. Der Autor hätte somit seine Person mit vermutetem Wissen und Amüsement einer kleinen literarischen Gesellschaft Lüttichs verdoppelt; ohne Zweifel ermöglicht diese Hypothese, die sich widersprechenden Traditionen zusammenzufügen, doch die Quellennachweise stehen bisher aus[38]. Doch Christiane Deluz kommt zum Schluss, dass die Nachforschungen sowohl in den englischen als auch in den belgischen Archiven keine Gewissheiten zulassen, was die Herkunft Mandevilles betrifft. Unter den in englischen Dokumenten gefundenen Mandeville findet Christiane Deluz keine endgültige Antwort[39].

4. Die Überlieferungsgeschichte von Mandevilles Reisen

Die nachdrückliche Unterscheidung zwischen Jean de Mandeville, dem Autor der „Reisen“, und Jean de Bourgogne, dem Arzt, die sich in ausgeweiteter Form ebenfalls in der lateinischen Vulgata findet, wurde jedoch sehr kontrovers diskutiert, da in einer Reihe von Lütticher Quellen konstant die Auffassung vertreten wird, der Autor der Reisen sei der Engländer Jean de Mandeville, der in Lüttich unter dem Namen Jean de Bourgogne gelebt habe[40]. Während sich die frühen wissenschaftlichen Arbeiten überwiegend mit der Identifizierung des Autors, mit der Erforschung des von ihm benutzten Quellenmaterials und mit der Frage nach der Textgestalt des verlorenen Originals beschäftigt haben, ist die jüngere Forschung dazu übergegangen, ihr Augenmerk auf die Rezeptions- und Überlieferungsgeschichte des Werkes zu richten[41]. Auch Klaus Ridder bestätigt, dass lange Zeit das Hauptaugenmerk der Forschung den Quellen der „Reisen“ galt; erst sehr viel später interessierte man sich auch für die literarischen Qualitäten des Textes, von denen inzwischen zahlreiche Einzelbeobachtungen ein durchaus konturiertes Bild vermitteln.

Zu einer Gesamtdeutung, die den verschiedenen Bedeutungsebenen des Werkes gerecht wird, fehlen aber noch immer die interpretatorischen Voraussetzungen, die das Zusammentreten der verschiedensten Informationen und Wissensbestände an den Stationen eines fiktiven Reiseweges als ein Moment subjektiver individueller Erfahrung und damit als literarische Kategorie begreifen können[42]. In den „Reisen“ wird der Beginn einer Entwicklung greifbar, in der die narrative Anordnung und – zunächst in Einzelaspekten – auch literarische Ausdeutung des Quellenmaterials sich als Kategorien der Individualität und Fiktionalität ausbilden[43]. Ein frühes Indiz für die bis ins 19. Jh. bezweifelte Fiktivität der Reisen findet sich darin, dass der Autor im ersten Teil des Werkes nicht die von ihm zurückgelegten, sondern von verschiedenen Ausgangspunkten mehrere mögliche Reiserouten beschreibt[44]. Dass es sich um eine fiktive Reise handelt, erhellt bereits das Faktum, dass das Erzähler-Ich im ersten Teil nicht die von ihm zurückgelegte Reiseroute beschreibt, sondern mehrere mögliche Wege ins Heilige Land darstellt und gegeneinander abwägt[45].

Doch im gleichen Jahrhundert wurde Mandeville endgültig enttarnt. In akribischer Quellenarbeit wies man nach, dass er nur eine Reise immer wieder angetreten ist: Von seinem Schreibpult zur Bibliothek, wo ihm Reisewerke anderer Autoren als Grundlage für die Schilderung seiner vermeintlich eigenen Erlebnisse dienten. Der Aufschrei der Empörung selbst beim sonst doch eher als besonnen geltenden Berufsstand der Philologen war groß: Geistiger Diebstahl, Plagiat und Skandal[46]. Die Vorwürfe der Lüge und des Plagiats gelten heute jedoch als nicht mehr aktuell, und zwar dank einer besseren Kenntnis der Arbeitsmethoden mittelalterlicher Autoren. Christiane Deluz anerkennt die Wissenschaftlichkeit, mit der Mandeville die bestmögliche Verbindung zwischen den neuen Erkenntnissen über die Welt und dem Wissen früherer Autoritäten herstellen konnte[47].

Nach der Aufdeckung seiner Quellen gegen Ende des 19. Jh. wurde dem Autor der „Reisen“ vor allem verübelt, dass er das kompilierte Material konsequent auf ein Erzähler-Ich ausgerichtet hatte, obwohl er doch nachweislich gar nicht gereist war[48]. Doch bereits ab 1830 begann die Entdeckung der von Mandeville verwendeten Quellen, und die Realität seiner Reisen wurde zunehmend bezweifelt. 1866 veröffentlichte Stanislas Bormans einen bislang verlorenen Ausschnitt, gemäss dessen Jean de Bourgogne, dit à la Barbe, auf seinem Totenbett nach Jean d’Outremeuse verlangt hätte, um ihm seinen wahren Namen zu enthüllen, nämlich Jean de Mandeville, dass er sein Land infolge eines Mordes an einem Graf hätte verlassen müssen und sich seit 1343 in Lüttich unter falschem Namen versteckte, nachdem er die ganze Welt durchreist hätte[49].

Diese Debatte sorgte bis zu Beginn des 20. Jh. für Aufruhr. Einflüsse des Mandeville-Textes auf Werke aus dem Bereich der französischen Pilgerliteratur sind von der Forschung bislang nicht untersucht worden, dabei belegen die angeführten deutschen, niederländischen und englischen Beispiele, dass der „livre“ für die Autoren dieser Textgattung eine beliebte Quelle gewesen sein muss. Wenngleich auch unmittelbare Auswirkungen auf den einen oder anderen Text nur schwer nachzuweisen sind, gibt es in den französischen Pilgerberichten Stellen, die Verbindungen zum „livre“ möglich erscheinen lassen[50]. Aufgrund einer verbleibenden Unsicherheit haben die Versuche, in englischen Urkunden die Daten eines John Mandeville zu finden, der für die Verfasserschaft in Frage käme, einen tentativen Charakter[51]. Ernst Bremer und Susanne Röhl schreiben gemeinsam, dass es in den frühen Forschungsarbeiten vorrangig um die Identifizierung des Autors, die fragliche Authentizität seiner Reise und die Textfassung des verlorenen Originals ging und dass sich jüngere Studien auf die Überlieferung der verschiedenen Textversionen, auf ihre geographischen und sozialen Verbreitungszentren und auf ihre Rezeption konzentrieren[52].

Die Kritiker betonen hierbei vielfach die relative Irrelevanz der wohl nicht lösbaren Verfasserschaftsfrage. Übereinstimmung besteht hinsichtlich der Entstehung des Werks in französischer Sprache. Ob jedoch die anglofranzösische oder die kontinentalfranzösische Version früher anzusetzen ist, bleibt umstritten[53]. Aufgrund der Fülle vor allem des handschriftlichen Materials ist es bislang aber nur ansatzweise gelungen, Leserschaft und Gebrauchsfunktion des Mandeville-Textes zu ermitteln sowie dessen immensen Erfolg im Europa des ausgehenden Mittelalters zu erklären. Die Entstehungshintergründe und die primären Rezipienten des Werkes sind noch wenig bekannt. Nach wie vor fehlen kritische Editionen von zwei der insgesamt drei französischen Versionen sowie eine ausführliche Aufarbeitung der Überlieferungsgeschichte der Handschriften dieser Textfassungen[54]. Im Bereich der Text- und Überlieferungskritik der französischsprachigen Textzeugen bestehen derzeit ohne Zweifel die grössten Desiderate in der Mandeville-Forschung[55].

5. Die Wirkung des Textes und seine ersten Leser

Eine detaillierte Untersuchung der französischen Überlieferungslage fehlt bisher. Auch die Wirkung des Mandeville-Textes auf spätere Werke innerhalb der französischen Literatur ist bislang kaum untersucht worden[56]. Da bislang keine ausführlichen Beschreibungen der französischen Mandeville-Handschriften vorliegen, war Susanne Röhl bemüht, für jeden kontinentalfranzösischen Kodex möglichst alle von der Deutschen Forschungsgemeinschaft genannten Kriterien zu berücksichtigen[57]. Mit den Indizien der Kolophonen, Besitzereinträgen und ausstattungstypischen Merkmalen sowie bei Papierhandschriften auch mit der Analyse von Wasserzeichen kann nachgewiesen werden, dass die kontinentalfranzösische Version des „livre de Mandeville“ weit verbreitet war[58]. Bis auf die Unterscheidung der drei Versionen und ihrer ansatzweise dargelegten Verbreitung sind weder die überlieferten Kodizes ausreichend beschrieben, noch ihre Entstehungsumstände und frühen Rezipienten – also die ersten Leser überhaupt – oder deren Gebrauchsinteressen hinlänglich erforscht.

Dies ist umso überraschender, da spätestens seit dem 19. Jh. bekannt ist, dass der „livre“ ursprünglich in französischer Sprache vorgelegen hat; trotzdem hat er in der Romanistik keine Beachtung gefunden und dies, obwohl die dichte Überlieferung seine Popularität im Frankreich des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit belegt ist[59]. Doch die Forschungsergebnisse von Ernst Bremer, Klaus Ridder und Christiane Deluz belegen, dass sich in der Gesamtüberlieferung von Mandeville kein homogenes Rezipienteninteresse erkennen lässt, ebenso wenig konnte Susanne Röhl ein solches mit der Untersuchung der kontinentalfranzösischen Tradition nachweisen, denn auch in der französischen Gesellschaft scheint der Text nicht überall gleich gelesen worden zu sein[60]. Die Forschung zur Überlieferung des Werkes erfuhr von der 1954 erschienenen Monographie von Josephine Waters Bennett und der im folgenden Jahr darauf Bezug nehmenden Studie von Guy De Poerck entscheidende Impulse. Mit Guy De Poerck muss heute davon ausgegangen werden, dass von den drei französischsprachigen Ausgangsversionen des Textes die Kontinentale die älteste und dem Autortext am nächsten stehende ist[61].

Susanne Röhl kommt dabei zum vorläufigen Ergebnis, dass der „livre de Mandeville“ ein volkssprachliches Buch ist, das über fremde Länder, Menschen und Gebräuche berichtet und das aufgrund seiner Themenvielfalt in der Lage ist, unterschiedliche Leserinteressen zu befriedigen. Damit scheint es auch in der französischen Gesellschaft dem Bedürfnis nach Präsentation von Informationen aus den verschiedenen Wissens- und Lebensbereichen zu entsprechen, auf das in besonderer Weise die enzyklopädisch strukturierte Literatur zu antworten sucht. Für Susanne Röhl wird deutlich, dass der „livre“ offensichtlich in der Lage war, ganz unterschiedliche Lesebedürfnisse zu befriedigen. Daher wird man dem Werk zweifellos am besten gerecht, wenn man es aufgrund seiner unfesten Überlieferungsform auch als solche behandelt und eben nicht in eine feste Gattungsform zwängt[62]. Iain Higgins ist dabei ebenfalls zum Schluss gekommen, dass der „livre“ verschiedene Leseerwartungen erfüllen konnte; so sei er als Kreuzzugspropaganda oder als Abhandlung über die christlichen und heidnischen Kulturen und deren Religionen ebenso wie als wissenschaftliches Traktat, oder als Legenden- und Fabelsammlung sowie als Bericht eines fahrenden Ritters zu verstehen gewesen[63].

Ernst Bremer und Klaus Ridder gehen davon aus, dass sich in der ersten Frühdruckphase die Publikumsschichten gedruckter Texte im Vergleich zu denen der Handschriften kaum gravierend verschoben haben. Auch der Drucker visiert zunächst den regionalen Markt an. Allerdings vermitteln die einzelnen Exemplare der verschiedenen Auflagen nur ein sehr lückenhaftes Bild von den Trägerschichten der Frühdruck-Überlieferung: Klosterbesitz – vorwiegend aus dem 17./18. Jh. – manifestiert sich erwartungsgemäss am häufigsten, nur ein einzelnes Exemplar lässt sich im 15./16. Jh. dagegen in adligem Besitz (Manderscheid-Blankenheim) belegen. Trotz fehlender Nachweise wird das Druckpublikum des Mandeville-Textes im Gegensatz zu dem der Handschriften wohl vorrangig in patrizischen Kreisen zu vermuten sein. Nicht das neue Medium allein verändert den Text, sondern das Ineinandergreifen zeitgenössischer literarischer wie schriftsprachlicher Bedürfnisse und jener Möglichkeiten, die mit der Erfindung des Buchdrucks entwickelt werden[64].

6. Ist Mandevilles Reisebericht eine Enzyklopädie?

Dieser wissensvermittelnde Charakter des „livre de Mandeville“ ist bereits mehrfach in der Forschungsliteratur angesprochen, aber nicht hinlänglich diskutiert worden[65]. Mandeville präsentiert sein Buch nicht als Reisebericht. Er verfasst sein Werk wie einen systematischen Überblick über die Länder der Welt und nicht wie eine Beschreibung der bereisten Länder, wie es Marco Polo getan hat. Mandevilles Ausführungen sind objektiviert, er vermeidet Zitate in der ersten Person, er will ein Wissen vermitteln, und es handelt sich nicht um Ausführungen, die erzählen wollen. Das bedeutet aber nicht, dass sich Mandeville nicht als Reisender bezeichnet[66]. Dieses Buch ist jedoch kein typischer Reise- oder Pilgerbericht, auch wenn es einige charakteristische Eigenschaften dieser Literaturgattung aufweist. Es handelt sich vielmehr um einen systematischen Traktat über die Länder der Erde, eine Art Beschreibung oder „Imago mundi“, insgesamt ein erstes Buch über Geographie in einer Epoche, in der selbst dieser Begriff in Vergessenheit geraten war[67]. Für Christiane Deluz manifestiert sich der wissensvermittelnde Charakter des „livre“ in den dort überwiegend benutzten unpersönlichen Formulierungen. Bei Vergleichen mit seinen beiden Hauptquellen, den Berichten von Wilhelm von Boldensele und Odorico da Pordenone, falle auf, dass der Autor die erste Person Singular seiner Vorlagen in zahlreichen Passagen zugunsten einer objektiveren Darstellung aufgegeben und sich damit offenbar bewusst von einem Erlebnisbericht abgegrenzt habe[68].

Ebenso bestätigen Ernst Bremer und Klaus Ridder, dass der ‚Itinerarius’ des Wilhelm von Boldensele Mandevilles Hauptquelle ist, der er im ersten Teil der Reisen in den topographischen Beschreibungen im Wesentlichen folgt[69]. Auch Christian Buggisch ist der Meinung, dass man heute die Reisebeschreibung Mandevilles in einem anderen Licht sieht. Zwar ist es richtig, dass er selbst Europa nie verlassen hat – oder bestenfalls bis nach Kairo kam. Sein Journal ist aber eine einzigartige Darstellung des Weltwissens seiner Zeit, eine Summe der Reiseberichte des späten 13. und frühen 14. Jahrhunderts und damit geradezu eine Enzyklopädie des Reisens im Mittelalter[70]. Dass das Werk auch häufiger als Quelle für Informationen über die damals bekannte Welt herangezogen worden ist, findet auch in Christiane Deluz’ Analyse zeitgenössischer Randnotizen Bestätigung, wonach die Glossen sich nämlich genau an den Stellen häufen, wo Mandeville über fremde Völker, Sitten und Religionen berichtet[71].

Klaus Ridder hält diesem Punkt jedoch folgendes Argument entgegen: Die Überlieferungslücke zwischen 1507 und 1580 in der deutschsprachigen Rezeption der „Reisen“ Mandevilles verdeutlicht, dass infolge der Reformation, der geographischen Entdeckungen und der tief greifenden sozialen Veränderungen seit dem ausgehenden 15. Jh. den eigenen Wahrnehmungsmöglichkeiten zunehmend mehr vertraut wurde als der durch die einschlägigen Quellen vorgegebenen, immer wieder in dieser Literatur tradierten Weltsicht[72]. Miguel Quesada vertritt die Ansicht, dass dem Buch Mandevilles eine religiöse These zugrunde liegt: Es gibt nur eine einzige Welt, und die ist auf dem Weg zur Erkenntnis der Erlösung. Diese ist schon geschehen, wenn auch viele Völker dies noch nicht wissen und wenn auch deren religiöse Praktiken gegenüber dem Christentum fremd oder gar entgegengesetzt erscheinen. Jedoch ist keine so irregeleitet, falsch oder widernatürlich, dass sich darin die Wahrheit nicht in irgendeiner Form widerspiegelt[73].

Das Werk stützt sich auf Schriften von tatsächlich gereisten Menschen und weitere Traktate, aus denen der Autor Hinweise und Angaben übernimmt und sie mit seiner Erzählung auf literarisch sehr anspruchsvolle und gut erläuternde Weise verknüpft: Dieses Werk wurde über Jahrhunderte als Klassiker der frühen englischen Literatur angesehen. Es ist durchaus möglich, dass der Autor selbst nach Konstantinopel, Ägypten und ins Heilige Land gereist ist, aber mit Sicherheit ausschließen lassen sich Reisen nach Persien, Indien, China und in den Fernen Osten. Für diese Reiseziele verwendete er Angaben und Ideen anderer Autoren, die inzwischen alle von Historikern identifiziert wurden[74]. Christiane Deluz verweist auf die Uneinigkeit, die über die Realität der Reisen bestehen bleibt. Nach ihrer Auslegung kann man annehmen, dass Mandeville weder Persien noch Indien oder China besucht hat, jedoch kann man nicht bestätigen, dass er nicht in Konstantinopel, in Ägypten oder im Heiligen Land gewesen ist[75].

7. Die Vielfalt in Jean de Mandevilles Reisen

Unter Hinweis auf die Themenvielfalt des „livre“ hat auch Michael Seymour die Möglichkeit in Betracht gezogen, der Mandeville-Text sei als eine „popular encyclopedia“ konzipiert worden, um einem breiten Publikum bekanntes Wissen über die Länder der Welt in einem leicht verständlichen Buch näher zu bringen. Miguel Quesada kann Mandeville einen bestimmten Grad an Glaubwürdigkeit nicht absprechen: „Er ist ein Erzähler, der es versteht, die Aufmerksamkeit zu fesseln und aufrecht zu erhalten, mit einem knappen und klaren Stil, mit kurzen und malerischen Sätzen. Er versteht es, das Phantastische mit dem konkreten und alltäglichen Detail zu vermengen, und gewinnt so an Glaubwürdigkeit, alle ausserordentlichen Dinge zu erzählen, die mehr oder weniger real sind, entweder als Informationen mittelalterlicher Reisender überliefert oder aus der Phantasie heraus als Ausschmückung hinzugefügt, und so bilden sie einen Teil der Überlieferung dessen, woran das späte Mittelalter geglaubt hat. So erklärt sich die Popularität seines Textes, während viele der Quellen, die er verwendet hat, kaum Verbreitung gefunden hatten und heute von niemandem mehr gelesen werden.“[76]

Allein die Vielfalt der Quellen, aus denen der Autor seine fiktive Reiseerzählung kompilierte, scheint die These zu bestätigen, dass Jean de Mandeville aus enzyklopädisch-gelehrten Intentionen eine Art Summe der bisherigen Reiseliteratur schreiben wollte[77]. Fast nie nimmt der Autor eine apologetische oder herabsetzende Haltung ein. Er hält sich an einen beschreibenden Tonfall, der sehr sparsam mit Urteilen ist[78]. Diese Unvoreingenommenheit des Autors, die durch den Begriff der Toleranz nicht überzeichnet wird, kennzeichnet insgesamt seine Ausführungen zu den zahlreichen exotischen Glaubensformen, religiösen Riten und Gebräuchen. Weniger Zeitkritik als der Nachweis des Verbindenden zwischen den Religionen steht hier im Vordergrund; dies wird durch die Vorstellung eines ‚Gottes der Natur’, einer natürlichen Vernunft, die auch den – aus westlicher Sicht – fremdartigsten und abstossendsten Glaubensformen eigen ist, symbolisiert[79]. Zudem ergänzt und vertieft er die geographische Beschreibung mit historischen Erklärungen[80].

Ähnlich interpretiert auch Christiane Deluz das Werk, die allerdings von einem „livre de géographique“ im Sinne einer „image du monde“ spricht. Klaus Ridder behauptet dagegen, Mandeville gehe es nicht darum, eine volkssprachliche Enzyklopädie geographischen Wissens zu verfassen, die Wissenssegmente würden vielmehr in eine imaginäre Ordnung, in einen gedachten Reiseverlauf, eingefügt[81]. Daran, wie der Autor seine Quellentexte übersetzt habe, zeige sich, dass dieser einer bewussten Erzählstruktur gefolgt sei, deren kompositorische Mitte – die Beschreibung Jerusalems und der Heiligen Stätten nämlich – sein geographisches Weltbild mit Jerusalem als Mittelpunkt der Erde widerspiegele. Zwar folgt Mandeville in der Tat – und in diesem Punkt stimmt Susanne Röhl Klaus Ridder zu – einer ordinatio, die seinen Text von den mittelalterlichen Enzyklopädien abhebt, ebenso bestehen aber auffällige Parallelen zu dieser Art Literatur, die auch Christiane Deluz’ und Michael Seymours Interpretationsansätze zu rechtfertigen vermögen. Die beiden Ansätze schliessen sich keinesfalls aus, sondern finden sogar in der frühen Rezeption des Mandeville-Textes Bestätigung[82].

Ursprünglich hat für den Mandeville-Text wohl kein genauer Werktitel existiert. In der Forschung wird er gemeinhin Reisen, travels oder voyages genannt; dabei handelt es sich allerdings um Bezeichnungen, die auf jüngere Quellen zurückgehen. Mangels zuverlässiger Textgrundlagen des „livre de Mandeville“ hat sich die jüngere Forschung weniger mit weiteren Spekulationen über die Autorversion auseinandergesetzt, sondern ist vielmehr dazu übergegangen, ihren Nutzen aus den Abweichungen in Versionen, Redaktionen und Übersetzungen innerhalb der gesamten Mandeville-Überlieferung zu ziehen[83]. Aber auch hier ergibt sich kein homogenes Bild: Die von Klaus Ridder vorgeführte literarische Komposition des Werkes oder die von Ernst Bremer (für die deutschen Mandeville-Handschriften) herausgearbeiteten Überlieferungssymbiosen sowie die erwähnten Einschübe über den legendären Dänen Ogier in der Lütticher Version scheinen auf eine enge Verwandtschaft des „livre“ mit narrativer Literatur hinzudeuten. Die redaktionelle Umarbeitung des Textes wird zwischen 1356 und 1396 in Lütticher Kreisen erfolgt sein, die ein besonderes Interesse an Ogier dem Dänen hatten. Hier scheint in älterer wie jüngerer Forschung der Lütticher Chronist Jean d’Outremeuse in Frage zu kommen, zumal zwischen den „Reisen“ und seinen eigenen Werken vielfältige Beziehungen bestehen[84].

8. Die Rezeptionsgeschichte von Mandevilles Reisen

Dagegen zeigen sich in einigen Bearbeitungen und Übersetzungen des „livre“ deutliche Tendenzen, das Werk zugunsten einer Systematisierung neu zu strukturieren, womit es auch in den Kontext von Gebrauchsprosa gerückt werden kann. Dieses Bestreben hat Klaus Ridder in Texten der Lütticher Tradition nachweisen können, obwohl gerade diese aufgrund des interpolierten Oger-Stoffs auf den ersten Blick einen Nachweis für eine literarische Rezeption des Werkes zu liefern scheint[85]. Wenngleich Klaus Ridder den autorintendierten Text von Mandeville auch aufgrund der Literarisierung des Wissens und des Bestrebens zu erzählen deutlich von den traditionellen Enzyklopädien abgerückt sehen möchte, belegen nach Susanne Röhl die angeführten Beispiele doch nicht minder deutlich, dass die zeitgenössische Rezeption den „livre“ sehr wohl in den Kontext enzyklopädischer Literatur gestellt hat. Daran, dass Redaktor (Chantilly) und Übersetzer (Otto von Diemeringen und lateinische Vulgata) den Text in Themenabschnitte bzw. Bücher und Kapitel unterteilt haben, sind auffällige Parallelen zu dieser Literaturform zu erkennen, die solcher Art organisiert sind, dass gezieltes Nachschlagen bestimmter Textstellen möglich ist[86].

Das Interesse der Forschung für die lateinische Vulgata beschränkte sich bisher fast nur auf die Textvarianten, mit denen die Diskussion um den Autor stets aufs Neue geführt wurde; in ihrer Übereinstimmung mit den Angaben in der Lütticher Version bieten sie eine weitere Möglichkeit der Verbindung zwischen Jean de Mandeville und Jean de Bourgogne; zu den Aussagen in der chronikalischen Lütticher Tradition, die Mandeville mit dem Arzt identifiziert, stehen sie jedoch in Widerspruch[87]. In der Gesamtüberlieferung, wo die einzelnen Handschriften in ihren Unterteilungen ähnlich stark variieren, finden solche Strukturierungstendenzen Bestätigung. Susanne Röhl sieht bestätigt, dass der „livre“ von Struktur und Inhalt her dafür geeignet war, sich unterschiedlichen Literaturgattungen anzupassen und damit unterschiedliche Funktionen zu erfüllen[88].

Die daraus abzuleitende Schlussfolgerung, dass Mandevilles Zeitgenossen den „livre“ nach Themen und damit zum Nachschlagen übersichtlicher gestalten wollten, um dem Leser die gezielte Lektüre einzelner Textabschnitte zu ermöglichen, findet ebenso bei Otto von Diemeringen Bestätigung: In seiner Übersetzung des Lütticher Textes hebt dieser nämlich ausdrücklich hervor, dass er seinem Buch ein Inhaltsverzeichnis angefügt habe, damit jeder leichter finden könne, was ihn interessiere[89]. Die gleichfalls bisher nicht edierte Lütticher Version erreicht trotz ihres Lokalkolorits eine erstaunliche Rezeption auf dem Kontient. Unter anderem ist sie die Quelle der Diemeringen-Übersetzung, die nach bisherigem Überlieferungsbefund im deutschen Sprachraum die grösste Verbreitung fand. Ihre inhaltlichen Modifikationen bestehen vorrangig in den so genannten Ogier-Einschüben, der Vermehrung der Alphabete und jenen Angaben, die Lüttich und die Umgebung des Verfassers der Reisen betreffen[90]. Eine von Guy de Poerck begonnene Edition der Lütticher Version wurde trotz entsprechender, zum Teil auch publizierter Vorarbeiten nicht abgeschlossen, so dass weder auf eine kritische Edition noch auf den diplomatischen Abdruck einer Handschrift als Textgrundlage zurückgegriffen werden kann[91]. Mandeville war ein Mann von hoher Bildung und Kultur. In seiner Erzählung lässt er immer wieder Merkmale seiner persönlichen Ansichten durchscheinen, bleibt dabei aber immer seinem obersten Ziel verpflichtet, nämlich „Erquickung, Zerstreuung, Freude und Vergnügen demjenigen zu verschaffen, der diese Geschichte hört“[92].

Bis zum 19. Jh. nahm man an, dass Mandeville drei Sprachen beherrschte und dass er den ursprünglichen Text auf Latein schrieb, ihn dann ins Französische und ins Englische übersetzte. Offensichtliche Irrtümer in der Verständlichkeit widerlegten aber diese These. Es bleibt zu erwähnen, dass der lateinische Text der am meisten verbreitete war, dass der Ritter Mandeville sein Werk in englischer Sprache verfasst hatte und dass dieses kurz danach ins Lateinische übersetzt wurde[93]. Dass die Rezeption so unterschiedlich ausfallen konnte, mögen die verschiedenen „genres“ erklären, aus denen der Autor des „livre“ Texte für seine Kompilation ausgewählt hat. Die Quellenkompilation wird schliesslich durch die literarische Vermittlung des Übernommenen zum Medium historischer Erfahrung, die der Erzähler/Autor stellvertretend bereitstellt, indem er das Verhältnis von Erfahrungswirklichkeit und mentaler Wirklichkeit kritisch beleuchtet oder zumindest zur Reflexion darüber anregt. Entscheidend ist, dass das heterogene Quellenmaterial auf ein Ich zentriert und ein autobiographischer Darstellungsmodus gewählt wird, der als ‚Filter’ gegenüber dem ‚Quellenwissen’ genutzt wird und der Fiktion – gerade durch das Vortäuschen authentischer Reiseerfahrung – den nötigen Handlungsspielraum verschafft[94].

Möglicherweise sollte der „livre“ genau diese Funktion erfüllen, sowohl Wissen als auch Unterhaltung bieten. Und damit ist der „livre de Mandeville“ auf halbem Weg zwischen Gebrauchs- und Unterhaltungs- bzw. Kunstprosa, zwischen Enzyklopädie und Reiseroman zu verorten[95]. Es erwies sich bisher als sehr schwierig, Strukturen und Funktionen einer Gattung „Reiseliteratur“ zu beschreiben, also einer Gruppe von Texten aus sehr heterogenen literatur-, sozial- und funktionsgeschichtlichen Kontexten; erst recht bereitet es Probleme, einen bestimmten Werktyp aus einem Ensemble verwandter Formen auszugrenzen. Dieses kann auch hier nicht geleistet werden. Vielmehr soll die Reflexionsrichtung der neueren Forschung zur Gattungsbestimmung spätmittelalterlicher Reiseliteratur umrissen werden, um die Problematik einer Strukturierung dieser Texte aufzuzeigen. Mandevilles „Reisen“ nehmen innerhalb dieses Textspektrums eine Sonderstellung ein, sie sind andererseits nur im Kontext der verschiedenen Typen von Reiseliteratur interpretierbar[96]. Das Spektrum der wissenschaftlichen Disziplinen, in denen das Thema erörtert wird, ist dabei seit Beginn der Mandeville-Forschung sehr breit: Historische, philologische, geographische, theologische oder kunstwissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welche Forschungsfelder sich bei der Beschäftigung mit mittelalterlicher Reiseliteratur im Allgemeinen, im Besonderen aber mit Mandeville eröffnen. Gerade der kompilative Charakter des Werkes, für das der Autor auf verschiedene Quellen der Reise-, Legenden- und historiographischen Literatur zurückgriff, antwortet auf interdisziplinäre Fragestellungen[97].

Dank zahlreicher Forschungsarbeiten sind wir über Mandevilles Quellen inzwischen bestens informiert. Die Fülle des verarbeiteten Materials lässt vermuten, dass ihm eine grosse, wahrscheinlich monastische Bibliothek zur Verfügung stand. Nur dort hatte er Zugriff auf Werke wie die Enzyklopädien „Speculum historiale“ und „Speculum naturale“ des Vincent von Beauvais und durch sie auf Auszüge aus der „Historia Mongalorum“ des Franziskaners Giovanni de Piano Carpini und aus den geographisch-ethnographischen Schriften von Solinus und Plinius[98]. Susanne Röhl ist ebenfalls dieser Ansicht: Die Quellenforschung hat ergeben, dass Mandeville von den genannten Werken die von Honorius Augustodunensis (Images du monde) und vor allem von Vincent von Beauvais und Brunetto Latini (Trésor) gekannt und verwertet haben muss, so dass inhaltliche Ähnlichkeiten auch aus diesem Grund nahe liegen[99]. Ebenso verweist Christiane Deluz auf Michael Charles Seymour, der davon ausgeht, dass sich bestimmte, von Mandeville verwendete Werke in französischen Bibliotheken befanden und dass sich hinter der Leichtigkeit, mit der Mandeville die verschiedenen Quellen, insbesondere die Heilige Schrift, gebraucht hatte, ein Geistlicher aus einem der grossen Klöster im Norden Frankreichs verbirgt[100].

III. Schlussteil: Womit befasste sich die Mandeville-Forschung?

Das Bild, das heute von Jean de Mandeville und seiner auf einer vermeintlich realen Reise basierenden Orientbeschreibung besteht, resultiert aus den zahlreichen Forschungsarbeiten, die seit etwa 150 Jahren zu diesem Thema publiziert worden sind. Dieses Bild zeigt zunächst einmal ein Buch, das besonders im 14. und im 15. Jahrhundert immense Popularität genossen haben muss, ist es doch in etwa 300 Handschriften und knapp 200 gedruckten Exemplaren in zehn europäischen Sprachen erhalten. Mandevilles Leistung bestand in erster Linie in der gekonnten Selbstdarstellung als glaubwürdiger Reiseberichterstatter. Heute bereitet das Werk der Forschung Kopfzerbrechen, denn aufgrund der seinem Autor eigenen Art der Quellenverarbeitung und Textstrukturierung ist es nicht problemlos in eine der bestehenden literarischen Gattungen einzuordnen und bietet daher Anlass zu kontroversen Diskussionen. Hinzu kommt der in der Forschung immer wieder beklagte Verlust des Autortextes, der umso schwerer wiegt, da bereits die ältesten Handschriften drei Textversionen überliefern, deren Abhängigkeiten vom Urtext umstritten sind.

Außerhalb der Wissenschaft ist Jean de Mandeville im Unterschied zu seinem Vorgänger Marco Polo heute weitgehend unbekannt, nur in England scheint sich ein gewisser Bekanntheitsgrad erhalten zu haben. In Frankreich konnte das Werk in seiner Frühphase die größten Erfolge verzeichnen, in Deutschland hat vor allem der fabelhafte Teil des Buches Berücksichtigung gefunden, so dass Mandeville hier weiterhin der alte Vorwurf eines Lügners und Märchenerzählers anhaftet. Vielleicht war es die Vielfalt, die zusammen mit der populären Präsentation seines Wissens in Form eines Reiseverlaufs zum Erfolg des Buches führte, und möglicherweise war genau dies der Grund, warum sich der „livre de Mandeville“ im Umfeld der Universitäten nicht durchsetzen konnte. Die Frage, wer John Mandeville überhaupt war, beschäftigt seit Jahrzehnten die Gelehrten. Eine wirklich befriedigende Antwort gibt es jedoch bis heute nicht. Trotz des grossen Erfolgs ist über Jean de Mandeville und die genauen Entstehungsumstände des Buches wenig bekannt, so dass die tatsächliche Autorschaft in der Forschung nach wie vor umstritten ist.

Während sich die frühen wissenschaftlichen Arbeiten überwiegend mit der Identifizierung des Autors, mit der Erforschung des von ihm benutzten Quellenmaterials und mit der Frage nach der Textgestalt des verlorenen Originals beschäftigt haben, ist die jüngere Forschung dazu übergegangen, ihr Augenmerk auf die Rezeptions- und Überlieferungsgeschichte des Werkes zu richten. Aufgrund der Fülle vor allem des handschriftlichen Materials ist es bislang aber nur ansatzweise gelungen, Leserschaft und Gebrauchsfunktion des Mandeville-Textes zu ermitteln sowie dessen immensen Erfolg im Europa des ausgehenden Mittelalters zu erklären. Susanne Röhl kommt dabei zum vorläufigen Ergebnis, dass der „livre de Mandeville“ ein volkssprachliches Buch ist, das über fremde Länder, Menschen und Gebräuche berichtet und das aufgrund seiner Themenvielfalt in der Lage ist, unterschiedliche Leserinteressen zu befriedigen. Damit scheint es auch in der französischen Gesellschaft dem Bedürfnis nach Präsentation von Informationen aus den verschiedenen Wissens- und Lebensbereichen zu entsprechen, auf das in besonderer Weise die enzyklopädisch strukturierte Literatur zu antworten sucht.

Daniel Trüb hat diese Seminararbeit zur Lehrveranstaltung „Forschungskolloquium zur Geschichte der Vormoderne“ bei Prof. Dr. phil. Valentin Groebner an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern im Frühlingssemester 2009 verfasst. Er hat an dieser Universität einen Master in Geschichte und Philosophie (Nebenfach) absolviert.

Literaturverzeichnis

Bitterli, Urs: Die „Wilden“ und die „Zivilisierten“: Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europäisch-überseeischen Begegnung; Reihe Beck’sche Sonderausgaben; München 1976. =[BITTERLI].

Bremer, Ernst und Röhl, Susanne (Herausgeber): Jean de Mandeville in Europa: neue Perspektiven in der Reiseliteraturforschung; Reihe Mittelalterstudien des Instituts zur interdisziplinären Erforschung des Mittelalters, Band 12; Paderborn 2007. =[BREMER/RÖHL].

Bremer, Ernst und Ridder, Klaus (Herausgeber): Reisen/Jean de Mandeville; herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Ernst Bremer und Klaus Ridder; Reihe Deutsche Volksbücher in Faksimiledrucken. Reihe A, Band 21; Hildesheim und Zürich 1991. =[BREMER/RIDDER].

Buggisch, Christian: Reisen des Ritters John Mandeville vom Heiligen Land ins ferne Asien 1322-1356; aus dem Mittelhochdeutschen übersetzt und herausgegeben von Christian Buggisch; Reihe Alte abenteuerliche Reiseberichte; Lenningen 2004. =[BUGGISCH].

Coleman, Ernest C.: The travels of Sir John Mandeville; Stroud 2006. =[COLEMAN].

Deluz, Christiane: Le livre des merveilles du monde/Jean de Mandeville; édition critique par Christiane Deluz; Reihe Sources d’histoire médiévale, Band 31; Paris 2000. =[DELUZ].

Von Diemeringen, Otto: Reisebeschreibung; Jean de Mandeville. Der Antichrist und die 15 Zeichen vor dem Jüngsten Gericht; übertragen aus dem Französischen von Otto von Diemeringen; mit einer Einführung und Beschreibung von Klaus Ridder; Reihe Codices illuminati medii aevi, Band 24; München 1992. =[VON DIEMERINGEN].

Francis, Matthew: Mandeville; London 2008. =[FRANCIS].

Harbsmeier, Michael: Wilde Völkerkunde: andere Welten in deutschen Reiseberichten der Frühen Neuzeit; Reihe Historische Studien, Band 12; Frankfurt am Main und New York 1994. =[HARBSMEIER].

Higgins, Iain Macleod: Writing East: the „travels“ of Sir John Mandeville; Reihe Middle Ages series; Philadelphia 1997. =[HIGGINS].

Jochum, Adelheid: Die Beschreibung Palästinas in der englischen Cotton Version von Mandeville’s travels (um 1356); zugleich Dissertation, Technische Hochschule Aachen, 1989; Reihe Europäische Hochschulschriften. Reihe 14, Angelsächsische Sprache und Literatur, Band 209; Frankfurt am Main und Bern 1990. =[JOCHUM].

Kohanski, Tamarah und Benson, C. David (Herausgeber): The book of John Mandeville; edited by Tamarah Kohanski and C. David Benson; Reihe Middle English texts series; Kalamagoo, Michigan, 2007. =[KOHANSKI/BENSON].

Kohanski, Tamarah: The book of John Mandeville: an edition of the Pynson text; with commentary on the defective version by Tamarah Kohanski; Reihe Medieval and Renaissance texts and studies, volume 231; Tempe, Arizona, 2001. =[KOHANSKI].

Krása, Josef: The travels of Sir John Mandeville: a manuscript of the British library; introduction and commentaries  on the plates by Josef Krása; New York 1983. =[KRASA].

Lafond, Jean: L’homme et son image: morales et littérature de Montaigne à Mandeville; Reihe Lumière classique, Band 13; Paris und Genf 1996. =[LAFOND].

Letts, Malcolm: Sir John Mandeville: the man and his book; London 1949. =[LETTS].

Novoa Portela, Feliciano und Villalba Ruiz de Toledo, Francisco Javier (Herausgeber): Legendäre Reisen im Mittelalter; Stuttgart 2008. =[NOVOA/VILLALBA].

Ridder, Klaus: Jean de Mandevilles „Reisen“: Studien zur Überlieferungsgeschichte der deutschen Übersetzung des Otto von Diemeringen; zugleich Dissertation, Universität Marburg, 1990; Reihe Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters, Band 99; München und Zürich 1991. =[RIDDER].

Rommel, Thomas: Das Selbstinteresse von Mandeville bis Smith: ökonomisches Denken in ausgewählten Schriften des 18. Jahrhunderts; zugleich Habilitationsschrift, Universität Tübingen, 2000; Reihe Anglistische Forschungen, Band 367; Heidelberg 2006. =[ROMMEL].

Röhl, Susanne: Der livre de Mandeville im 14. und 15. Jahrhundert: Untersuchungen zur handschriftlichen Überlieferung der kontinentalfranzösischen Version; zugleich Dissertation, Universität Paderborn, 2001; Reihe Mittelalterstudien des Instituts zur interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens, Band 6; München 2004. =[RÖHL].

Seymour, Michael Charles: Sir John Mandeville; Reihe Authors of the Middle Ages; first English writers of the Late Middle Ages; Aldershot und Hants (UK) 1993. =[SEYMOUR].

Tzanaki, Rosemary: Mandeville’s medieval audiences: a study on the reception of the Book of Sir John Mandeville (1371-1550); Aldershot 2003. =[TZANAKI].

Wunderli, Peter (Herausgeber): Reisen in reale und mythische Ferne: Reiseliteratur in Mittelalter und Renaissance; Reihe Studia humaniora, Band 22; Düsseldorf 1993. =[WUNDERLI].


[1] RÖHL, S. 11

[2] BREMER/RIDDER, S. XX

[3] BREMER/RIDDER, S. XVIII

[4] DELUZ, zitiert aus BREMER/RÖHL, S. 11.

[5] RÖHL, S. 206

[6] BREMER/RIDDER, S. III

[7] HARBSMEIER, S. 45

[8] JOCHUM, S. 3

[9] HARBSMEIER, S. 46

[10] JOCHUM, S. 3

[11] RIDDER, S. 1

[12] RÖHL, S. 215

[13] BITTERLI, S. 57

[14] HARBSMEIER, S. 50

[15] RÖHL, S. 12

[16] JOCHUM, S. 15

[17] HARBSMEIER, S. 52

[18] Howard, Donald R., Writers and Pilgrims. Medieval Pilgrimage Narratives and Their Posterity; Berkeley, 1980. Zitiert aus HARBSMEIER, S. 52.

[19] Campbell, Mary B., The Witness and the Other World. Exotic European Travel Writing, 400-1600; Ithaca und London, 1988. Zitiert aus HARBSMEIER, S. 52 f.

[20] HARBSMEIER, S. 53

[21] HARBSMEIER, S. 55

[22] RÖHL, S. 11

[23] BITTERLI, S. 57

[24] BITTERLI, S. 57

[25] HARBSMEIER, S. 47

[26] RIDDER, S. 16

[27] RÖHL, S. 232

[28] BUGGISCH, S. 12

[29] RIDDER, S. 15

[30] RÖHL, S. 11

[31] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 60.

[32] DELUZ, S. 7

[33] RIDDER, S. 148

[34] BREMER/RIDDER, S. I

[35] RIDDER, S. 153 f.

[36] RÖHL, S. 233

[37] RIDDER, S. 144 f.

[38] BREMER/RIDDER, S. II

[39] DELUZ, S. 9

[40] RIDDER, S. 152

[41] RÖHL, S. 12

[42] RIDDER, S. 18

[43] RIDDER, S. 19

[44] BREMER/RIDDER, S. II

[45] RIDDER, S. 17

[46] BUGGISCH, S. 16

[47] DELUZ, S. 16

[48] RIDDER, S. 15

[49] DELUZ, S. 8

[50] RÖHL, S. 226

[51] JOCHUM, S. 16

[52] BREMER/RÖHL, S. 8

[53] JOCHUM, S. 16

[54] RÖHL, S. 13

[55] RIDDER, S. 20

[56] RÖHL, S. 224

[57] RÖHL, S. 24

[58] RÖHL, S. 163

[59] RÖHL, S. 21

[60] RÖHL, S. 235

[61] Bennett, Josephine Waters, The Rediscovery of Sir John Mandeville. New York 1954 (The Modern Language Association of America. Monograph Series 19; Nachdruck: New York 1971.); De Poerck, Guy, La tradition manuscrite des „Voyages“ de Jean de Mandeville. A propos d’un livre récent. In: études de philologie romane. 2. Par R. Vivier, R. Guiette, Guy de Poerck, J. Evrard, L. Mourin, M. Piron et A. Henry. Gand 1955, S. 125-S.158 (Romanica Gadensia 4). Zitiert aus BREMER/RIDDER, S. V.

[62] RÖHL, S. 221

[63] RÖHL, S. 20

[64] BREMER/RIDDER, S. XXVII f.

[65] RÖHL, S. 213

[66] DELUZ, S. 16

[67] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 59.

[68] RÖHL, S. 215

[69] BREMER/RIDDER, S. III

[70] BUGGISCH, S. 18

[71] RÖHL, S. 236

[72] RIDDER, S. 1

[73] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 70 f.

[74] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 60.

[75] DELUZ, S. 11

[76] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 64.

[77] RIDDER, S. 12 f.

[78] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 67.

[79] RIDDER, S. 19

[80] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 70.

[81] RÖHL, S. 213

[82] RÖHL, S. 214

[83] RÖHL, S. 19

[84] BREMER/RIDDER, S. V

[85] RÖHL, S. 20

[86] RÖHL, S. 217

[87] RIDDER, S. 168

[88] RÖHL, S. 236

[89] RÖHL, S. 219

[90] BREMER/RIDDER, S. V

[91] RIDDER, S. 147

[92] QUESADA, zitiert aus NOVOA/VILLALBA, S. 60 f.

[93] DELUZ, S. 29

[94] RIDDER, S. 16

[95] RÖHL, S. 237

[96] RIDDER, S. 2 f.

[97] BREMER/RÖHL, S. 8

[98] BUGGISCH, S. 19

[99] RÖHL, S. 214

[100] DELUZ, S. 10