Saxnôte

Gottheit des Stammesverbandes der Sachsen (Schwertgenosse)

In dem späteren Gott Sachsnôth wird eine Entsprechung bzw. ein Beinahme der Gottheit Tîwaz gesehen. Dabei stützt man sich auf das altsächsische Taufgelöbnis (772), wonach den Göttern Thaunar (Donar), Wôden (Wodan) und Saxnôt (Tîwaz?) abzuschwören ist. Diese Formel ist im genauen Wortlaut überliefert:

>Ek forsacho allum Dieboles werkum und wordum, Thuner ende Wôden ende Saxnôte ende allum them unholden, the hira genotas sind.<

Somit war er bei den Sachsen einer von drei Hauptgottheiten. Vermutlich entsprach Tîwaz aber auch der sächsischen Gottheit Irmin. Rudolf von Fulda berichtet folgendes über die Sachsen:

>Quellen und belaubten Bäumen erweisen sie Verehrung. Auch verehrten sie unter freiem Himmel einen Holzblock von ansehlicher Größe, der senkrecht aufgerichtet war; in ihrer heimischen Sprache nannten sie ihn >Irminsûl< Irmensäule (was in der Gelehrtensprache Weltsäule heißt), gleich als ob er das All trüge.<

An der Irminsul befand sich auch der aus Edelmetall bestehende Tempelschatz.

So zerstörte Karl der Große 773 die Irminsûl, einen Baumstamm von ungewöhnlicher Größe, den die Sachsen verehrten und der in einem heiligen Hain stand. Es wird angenommen, daß es noch weitere solcher Irminsäulen gab, was auf Grund von mehreren Ortsnamen westlich der Elbe geschlossen wird.

Die genaue Beziehung der sächsischen Gottheiten Saxnôte und Irmin zu Tîwaz ist noch nicht restlos geklärt und es scheint auf den ersten Blick verwirrend zu sein, sich bei einem und dem selben Stammesverband zwei Gottheiten vorzustellen, die einer einzigen Gottheit entsprechen bzw. aus dieser hervorgegangen sein sollen. Das Schwert als Attribut des Tîwaz deutet jedoch durchaus auf eine enge Beziehung zum Namen >Saxnôte< hin.

Irmin (der Erhabene) wird als ein Beiname des Tîwaz gedeutet. Für die Verehrer des Irmin sind in der Literatur eine ganze Reihe von Namen gebräuchlich, so werden Namen wie Hermionen, Herminonen, Ermionen und Irmionen für ein und den selben Begriff verwendet. Interessant ist hierbei, daß der Name Herminonen bereits in der Überlieferung des Tacitus aus dem 1. Jh. n. Chr. über den (mythologischen) Ursprung der Germanen vorkommt und noch im 7./8. Jh auf einer fränkischen Völkertafel der Name Erminus erwähnt wird, vom dem verschiedene Völker abgeleitet werden und dieser laut der Sage den mythologischen Urahnen der Sachsen darstellt.

Mit dem germanischen Rechtsbrauch und mit Menschenopfern verbindet man die Moorleichen. Sie sind charakteristisch für das nordöstliche Siedlungsgebiet der Sachsen sowie das der Angeln und Jüten. Runenfunde weisen auf zauberische und magische Vorstellungen hin.