Njördr

Njördr war der nordische Meeres- Feuer- Wind- und Fruchtbarkeitsgott bzw. Gott der Fischer, der vor allem von den nordischen Stämmen am Meer verehrt wurde.

Interessant hierbei ist, daß sein Name mit der kontinentalgermanischen Nerthus sprachlich übereinstimmt und beide aus der altgermanischen Form Nerþuz hervorgegangen sind.

In Gylfaginning wird er trotz seiner Abstammung von den Wanen jedoch als Ase bezeichnet und erklärend heißt es zu Njördr:

„23.) Der dritte Ase ist Niörd genannt, er bewohnt im Himmel die Stätte, welche Noatun heißt. Er beherrscht den Gang des Windes und stillt Meer und Feuer; ihn ruft man zur See und bei der Fischerei an. Er ist so reich und vermögend, daß er allen, welche ihn darum anrufen, gut liegendes sowohl als fahrendes, gewähren mag. Er wurde in Wanaheim erzogen, und die Wanen gaben ihn (nach dem mythologischen Asen-Wanen-Krieg) den Göttern zum Geisel und nahmen dafür von den Asen zum Geisel den Hönir:

so verglichen sich durch ihn die Götter mit den Wanen. Niörds Frau heißt Skadi und ist die Tochter des Riesen Thiassi.

In Bragaroedur – Bragis Gespräche mit Ögir wird erwähnt, daß Njörds spätere Frau Skadi eigentlich Baldur zum Ehemann wählen wollte, ihr jedoch bei der Wahl ein Irrtum unterlief:

„…die Asen (…) töteten den Riesen Thiassi innerhalb des Gatters; allbekannt ist dieser Totschlag.

Aber Skadi, des Riesen Thiassi Tochter, nahm Helm und Brünne und alles Hausgerät und fuhr gen Asgard, ihren Vater zu rächen. Da boten ihr die Asen Ersatz und Buße. Zum ersten sollte sie sich einen der Asen zum Gemahl wählen, aber ohne mehr als die Füße von denen zu sehen, unter welchen sie wähle. Da sah sie eines Mannes Füße vollkommen schön und rief: Diesen kies ich. Baldur ist ohne Fehl. Aber es war Niördr von Noatun…

Weiter aus Gylfaginning:

Skadi wollte wohnen, wo ihr Vater gewohnt hatte, nämlich auf den Felsen in Thrymheim: aber Niörd wollte sich bei der See aufhalten. Da verglichen sie sich dahin, daß sie neun Nächte in Thrymheim und dann andere neun (drei) in Noatun sein wollten. Aber da Niörd von den Bergen nach Noatun zurück kam, sang er:

Leid sind mir die Berge; nicht lange war ich dort,

Nur neun Nächte.

Der Wölfe Heulen dauchte mich widrig

Gegen der Schwäne Singen.

Aber Skadi sang:

Nicht schlafen könnt ich am Ufer der See

Vor der Vögel Lärm;

Da weckte mich vom Wasser kommend

Jeden Morgen die Möwe.

Da zog Skadi nach den Bergen und wohnte in Thrymheim. Da jagt sie oft auf Schneeschuhen mit ihrem Bogen nach Tieren. Sie heißt Schneeschuhgöttin oder Öndurdis.

Von ihr heißt es:

Thrymheim heißt die sechste, wo Thiassi hauste,

Jener mächtige Jote;

Nun bewohnt Skadi, die scheue Götterbraut,

Des Vaters alte Veste.

Njördr bewohnt seit Ende des Asen-Wanen-Krieges nach der nordischen Mythologie eine Stätte, die Noatun (Gehege der Schiffe) heißt.

aus: 2. Grimnismal – Das Lied von Grimnir (der älteren Edda)

16) Noatun ist die elfte (Halle): da hat Niördr
Sich den Saal erbaut.
Ohne Mein (Fehl) und Makel der Männerfürst
Waltet hohen Hauses.

Gylfaginning:

24.) Niörd in Noatun zeugte seitdem zwei Kinder. Der Sohn hieß Freyr und die Tochter Freyja.

Und aus 3. Vafthrudnismal – Das Lied von Wafthrudnir

Gangrad :
38) Sag mir zum zehnten, wenn der Götter Zeugung
Du weißt, Wafthrudnir,
Wie kam Niörd aus Noatun
Unter die Asensöhne?
Höfen und Heiligtümern hundert gebietet er
Und ist nicht asischen Ursprungs.

Wafthrudnir:
39) In Wanaheim schufen ihn weise Mächte
Und gaben ihn Göttern zum Geisel…

Bei den Wanen gab es die Tradition der Geschwisterliebe. Deswegen hat Njördr in „Ögisdrecka – Ögirs Trinkgelag eine Auseinandersetzung mit Loki:

Niördr:
33 Die Schöngeschmückten, das schadet nicht,
Wählen Männer wie sie mögen;
Des Verworfnen Weilen bei den Asen wundert nur,
Der Kinder konnte gebären.

Loki:
34 Schweig du, Niörd, von Osten gesendet
Als Geisel bist du den Göttern.
Hymirs Töchter nahmen dich da zum Nachtgeschirre
Und machten dir in den Mund.

Niördr:
35 Des Schadens tröstet mich, seit ich gesendet ward
Fernher als Geisel den Göttern,
Daß mir erwuchs der Sohn, wider den niemand ist,
Der für den Ersten der Asen gilt.

Loki:
36 Laß endlich, Niörd, den Übermut,
Ich hab es länger nicht hehl:
Mit der eignen Schwester den Sohn erzeugtest du,
Der eben so arg ist wie du.

(Gemeint ist Freyr.)

Ganz ähnliches berichtet auch die Ynglinga Saga über Njördr:

Njörðr heiratete eine Frau, die Skaði hieß. Sie wollte nicht mit ihm zusammenleben und heiratete dann Óðinn. Sie hatten viele Söhne. Einer von ihnen hieß Sæmingr. Eyvindr skáldspillir dichtete dies über ihn:

Der Nachkomme der Asen
zeugte mit der Trollfrau
diesen von Skalden verehrten
Steuerzahler,
damals als der berühmte
Menschenfreund
und Skaði in Manheima
zusammenlebten.

Stein,
und Schneeschuhgöttin
zeugte mit Óðinn
viele Söhne.

Jarl Hákon inn ríki führt die Herkunft seiner Ahnen väterlicherseits auf Sæmingr zurück. Dieses Svíþjóð nannten sie Mannheima, aber das große Svíþjóð nannten sie Goðheima. Aus Goðheima erzählten sie viele Begebenheiten.

(…)Njörðr von Nóatún wurde damals Herrscher über Schweden und erhielt die Opfer aufrecht. Die Schweden nannten ihn damals ihren König. Er nahm damals Steuern von ihnen. Zu seiner Zeit war sehr guter Friede und in jeder Hinsicht großer Wohlstand, dass die Schweden das glaubten, dass Njörðr über den Wohlstand herrschte und über das Glück in Geldangelegenheiten der Menschen. Zu seiner Zeit starben die meisten Díar und wurden alle verbrannt und ihnen wurde später geopfert. Njörðr starb an einer Krankheit. Er ließ sich auch mit der Speerspitze die Brust für Óðinn ritzen, bevor er starb. Die Schweden verbrannten ihn und weinten überaus über seinem Grab.

An anderer Stelle ist von neun Töchtern die Rede, die Njördr gehabt haben soll.

aus: Solarliod – Das Sonnenlied

Das sind die Runen, die da ritzten
Niörds Töchter neun,
Radwör die älteste und Kreppwör die jüngste,
Mit ihrer Schwestern sieben.

Welche Gewalttaten wirkten nicht
Swafund Swaflogi!
Blut weckten sie, Wunden sogen sie
Tödliche, bitterböse.

Was geschieht mit Njördr zu Ragnarök?

aus 3.) Vafthrudnismal – Das Lied von Wafthrudnir

…Am Ende der Zeiten soll er (Njördr) aber (zurück)kehren
Zu den weisen Wanen.

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