Die mittelalterlichen Wappen – Bedeutung, Aufbau und Verwendung

Die primäre Funktion eines Wappens ist die Kennzeichnung einer Zugehörigkeit. Da im Mittelalter die Fähigkeit des Lesens und Schreibens hauptsächlich Mönchen – und somit nur einem sehr geringen Teil der Bevölkerung – vorbehalten war, bestand die Notwendigkeit einer alternativen Form der Identifikation.


Wappen – wozu überhaupt?

Diese drückte sich in der Verbreitung von Wappen aus. Dabei handelte es sich in der Regel um eine vereinfachte bildhafte Darstellung, die in manchen Fällen aus nicht viel mehr als einem simplen farbigen Muster bestand, andererseits oft aber auch mit Abbildungen von Tieren, Symbolen und Gegenständen daherkam. Der Einsatz der heraldischen Zeichen war vielfältig und fand sowohl Anwendung auf Rüstungen und Schildern bei kriegerischen Auseinandersetzungen als auch bei Feierlichkeiten, Turnieren und Wettbewerben, an Gebäuden, auf Flaggen und Textilien. Trug jemand ein Wappen an sich, so konnte man ihm bei Kenntnis des jeweiligen Zeichens einer bestimmten Gruppe zuordnen. Das war bei Kämpfen nötig, um Freund von Feind zu unterscheiden, und sprach bestimmten Bevölkerungsgruppen wie Adligen oder Geistlichen wiederum Sonderrechte oder -funktionen zu. Die ersten Wappen nach unserem heutigen Verständnis datieren aus dem 12. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzzüge. Die Grundform fast aller Wappen geht auf ritterliche Schutzschilde zurück.

Wappen setzen sich aus verschiedenen Elementen zusammen

Die meisten Wappen, die seit dem Mittelalter in Europa entstanden sind, weisen in ihrer grundlegenden Gestaltung deutliche Ähnlichkeiten auf. Das Grundelement bildet stets ein Schild, der meistens halbrund, manchmal eckig geformt ist. Auf ihm befindet sich häufig eine Farbkombination, die einen starken Kontrast bildet und somit schon von Weitem gut erkennbar ist. Seitlich des Wappenzentrums finden sich gelegentlich Wappenhalter, die zum Beispiel an sich aufbäumende Löwen erinnern. Über dem Wappen können reichliche Verzierungen Platz finden, die wehenden Fahnen gleichen und sich klassischerweise um einen Helm positionieren. Spätere Wappen warten manchmal darüber mit einem Schlachtruf und unter dem Schild mit einem Wahlspruch auf. Aufgrund der geringen Alphabetisierung fanden diese schriftlichen Ergänzungen aber nur selten Berücksichtigung. Bis auf den Schild, der nie fehlte, lagen Verwendung, Gestaltung und Kombination aller genannten Elemente in der Hand der Wappenverantwortlichen.

Welche Wappen gab es?

Was gängige Wappenarten angeht, so sind vor allem Familienwappen zu nennen. Vor allem Adelsgeschlechter wiesen im Mittelalter jeweils individuelle Identifikationszeichen auf, an denen sich Mitglieder zu erkennen gaben und die Häuser schmückten, die sich im Besitz der Familie befanden. Familienwappen kennzeichnen sich häufig durch eine ausladende Ornamentik und Prunk. Oft tauchen Helme oder andere Einzelteile einer Rüstung darin auf. Zunftzeichen stehen stellvertretend für einen Zusammenschluss aus Angehörigen einer bestimmten Berufsgruppe. So haben Schmied, Zimmermann, Schreiner und weitere Gruppen eigene Wappen, auf denen sich in der Regel ihr Arbeitsgerät abgebildet befindet und somit die Art der Zunft verdeutlicht. Derartige Wappen waren viel schlichter gehalten und verzichteten auf jegliche Verzierungen. Weiterhin gab es kirchliche und studentische Wappen, die wiederum ihrerseits mit ständetypischen Merkmalen und Symbolen aufwarteten. Aufgrund des höheren Bildungsgrades kam hier auch häufiger Schriftsprache zum Einsatz.

Territoriale Wappen

Zu den Wappen, die uns heute auch noch besonders oft begegnen, gehören Städte- und Länderwappen. Nahezu jede Gemeinde in Deutschland, die bereits im Mittelalter existierte, weist auch noch heute ein Wappen auf, das eine Jahrhunderte alte Geschichte besitzt. Wappen von Bundesländern und Nationen bildeten sich aufgrund der zahlreichen Kriege und damit verbundenen territorialen Verschiebungen hierzulande erst in der Neuzeit heraus.