Studentischer Widerstand im 3. Reich

 

Inhalt

 

Einleitung

Nachdem Adolf Hitler und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) am 30. Januar 1933 die Macht im Deutschen Reich übernahmen, bauten sie die Weimarer Republik systematisch zu einem totalitären Führerstaat um. Die Jugend wurde früh in das nationalsozialistische System eingeführt und indoktriniert. Einen großen Anteil daran hatten die nationalsozialistischen Organisationen, wie die Hitler-Jugend oder der Bund Deutscher Mädel, die das Aufwachsen der Jugend begleiteten und prägten.
Die Lebensplanung dieser Jugend war durch den nationalsozialistischen Staat geprägt – als im Jahr 1939 das 3. Reich Polen überfiel, wurden hunderttausende junge Männer zur Wehrmacht herangezogen. Auch das Studium war durch den Krieg geprägt – es war militarisiert und auf einen späteren Kriegseinsatz ausgerichtet.
Die studentische Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ leistete gegen diese Bildungspolitik, gegen die Einschränkung der persönlichen Freiheit und aus einer tiefen religiösen Verankerung heraus Widerstand gegen das totalitäre 3. Reich.

 

Personen

Der engste Kreis der Weißen Rose, einer studentischen Widerstandsgruppe, die hauptsächlich in München aktiv war, bildete sich aus 6 Personen:

Hans Scholl wurde am 22. September 1918 geboren und am 22. Februar 1943 hingerichtet. Zusammen mit seiner Schwester Sophie Scholl leistete er in der „Weißen Rose“ Widerstand gegen das totalitäre Hitler-Deutschland. Er studierte Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wobei er von Ende Juli bis Anfang November 1942 an der Ostfront Sanitätsdienst leisten musste.

Hans Scholl

Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 geboren und am 22. Februar 1943 hingerichtet. Sie beteiligte sich an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern der Weißen Rose und war Studentin der Biologie und Philosophie in München.

Sophie Scholl

Christoph Probst wurde am 6. November 1919 geboren und am 22. Februar 1943 hingerichtet. Er blieb bei den Aktivitäten der Weißen Rose aus Rücksicht auf seine Familie (er hatte 3 Kinder im Alter von drei Jahren, zwei Jahren und vier Wochen) im Hintergrund und verfasste keines der verbreiteten Flugblätter. Hans Scholl trug jedoch bei seiner Verhaftung einen von Probst verfassten Entwurf eines 7. Flugblattes bei sich. Aufgrund dieses Entwurfes wurde Probst angeklagt und hingerichtet. Er studierte Medizin in München, Straßburg und Innsbruck.

Willi Graf wurde am 2. Januar 1918 geboren und am 12. Oktober 1943 hingerichtet. Er begann nach Abitur und Reichsarbeitsdient ein Medizinstudium in Bonn. Ein enger Kontakt zu Hans Scholl und Alexander Schmorell bildete sich im Sanitätseinsatz an der Ostfront. Zurück in München beteiligte sich Graf an den Widerstandsaktionen der Weißen Rose.

Willi Graf

Alexander Schmorell wurde am 16. September 1917 geboren und am 13. Juli 1943 hingerichtet. Er studierte in München Medizin und war mit Hans Scholl und Willi Graf im Sanitätseinsatz an der Ostfront. Seinem Geburtsland sehr verbunden, vermittelte er seinen Freunden ein tieferes Verständnis für Russland und seine Bewohner.

Kurt Huber wurde am 24. Oktober 1893 geboren und am 13. Juli 1943 hingerichtet. Er war Professor für Musikwissenschaften und Psychologie und beteiligte sich aktiv am Widerstand der Weißen Rose, nachdem Hans Scholl und Alexander Schmorell seinen Kontakt suchten.

 

Beweggründe

„Jeder einzelne Mensch hat einen Anspruch auf einen brauchbaren und gerechten Staat, der die Freiheit des Einzelnen als auch das Wohl der Gesamtheit sichert“ aus Flugblätter der Weißen Rose III
Hauptbeweggrund für die Mitglieder der Weißen Rose Widerstand zu leisten war die Einschränkung der persönlichen Freiheit. Zudem sind noch 3 Unterpunkte von hoher Bedeutung für die Entscheidung Widerstand zu leisten:

Jugend

Die Geschwister Scholl wurden durch ihren Vater zu christlich-humanistischen Werten erzogen. Anfangs von der Hitler-Jugend begeistert, wandte sich Hans Scholl jedoch ab, da er bestimmte Lieder nicht mehr singen und bestimmte Texte nicht mehr lesen durfte. Neben Hans Scholl war auch Willi Graf in der Bündischen Jugend aktiv, die nach der Machtergreifung Hitlers verboten wurde.

Glaube

Für die Mitglieder der Weißen Rose hatte der Glauben eine sehr hohe Bedeutung – Christoph Probst beispielsweise lies sich am Tag seiner Hinrichtung von einem katholischen Geistlichen taufen. Die Mitglieder sahen durch ihren Glauben eine innere Verpflichtung zum Widerstand – auch die Predigten Bischof Graf von Galens waren von Bedeutung. Dass der „christliche Mensch Gott mehr als dem Staat verantwortlich sei“ verdeutlicht überdies die immense Bedeutung des eigenen Gewissens.

Sanitätsdienst

Hans Scholl, Willi Graf und Alexander Schmorell waren an der Ostfront zum Sanitätsdienst eingesetzt. Auf dem Weg dorthin erlebten sie die schreckliche Behandlung der Juden im Warschauer Ghetto – an der Ostfront selbst fiel es ihnen schwer in der Uniform des Feindes freundlichen Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung aufzunehmen. Der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung war vor allem dem russischstämmigen Alexander Schmorell sehr wichtig.

 

Weg des Widerstandes

Flugblätter und Parolen

Der Widerstand der Weißen Rose lässt sich in 2 Phasen einteilen. Vor dem Sanitätsdienst an der Ostfront war der Widerstand vor allem gegen die NS-Bildungspolitik gerichtet – von Ende Juni bis Mitte Juli 1942 wurden 4 Flugblätter verbreitet. Nach dem Sanitätsdienst und den dadurch verbundenen Erfahrungen wurde der Widerstand radikaler, bewusster und intensiver. Vom 27. bis 29. Januar 1943 wurden 6000 bis 9000 Kopien des 5. Flugsblattes verbreitet. Am 3., 8. und 15. Februar wurden die Parolen „Nieder mit Hitler“ und „Freiheit“ in München angebracht und vom 14. bis 16. Februar wurde das 6. Flugblatt verteilt. Außerdem wurden Verbindungen zu anderen Widerstandskämpfern und –gruppen gesucht, darunter Dietrich Bonhoeffer. Ein Treffen mit dem lutherischen Theologen fand jedoch nicht statt.

Die ersten Flugblätter richteten sich an das Bürgertum und waren geprägt durch Zitate von Goethe und Schiller. Alle weiteren Flugblätter waren jedoch an die gesamte Bevölkerung gerichtet. In den Flugblättern wurden Fakten genannt, offen Missstände angesprochen und es wurde an die Bevölkerung appelliert den passiven Widerstand zu wagen.

Passiver Widerstand

Die Weiße Rose rief zum passiven Widerstand auf. Dieser Widerstand sollte dem Staat die Unterstützung der Bevölkerung entziehen, ein Handeln in kleinen und kleinsten Schritten und Sabotage beinhalten. Vor allem sollte jedoch gehandelt werden.

Verhaftung und Prozess

Roland Freisler

Quelle: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 183-J03238Wikimedia Commons

Als die Geschwister Scholl am Morgen des 18. Februar 1943 die letzten Kopien des 6. Flugblattes in der Universität München verteilen wollten, wurden sie vom Hausmeister festgehalten. Es folgten stundenlange Verhöre durch die Gestapo. Da Hans Scholl einen Entwurf eines 7. Flugblattes bei sich trug, wurde auch Christoph Probst, der Verfasser des Entwurfes, verhaftet und vernommen. Bereits am 22. Februar kam es zu einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof. Der Präsident des Volksgerichtshof Roland Freisler schrie die Geschwister Scholl und Christoph Probst nieder. Letzterer bat um Gnade, da er Familienvater war und sich nicht aktiv am Widerstand der Weißen Rose beteiligt hatte. Die Geschwister Scholl blieben, wie auch schon während der Verhöre, ihren Überzeugungen treu und imponierten dadurch mehreren Menschen, die am Prozess beteiligt waren – dadurch lässt sich auch erklären, warum sich die Geschwister Scholl und Christoph Probst vor ihrer Hinrichtung noch einmal sehen durften.
Der Volksgerichtshof verurteilte die Angeklagten zum Tode, das Urteil wurde noch am selben Tag vollstreckt.
Im zweiten Prozess am 19. April 1943 wurden Kurt Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf zum Tode verurteilt. Hierbei ist noch die Verteidigungsrede von Professor Kurt Huber bemerkenswert, die mit einem Zitat von Johann Gottlieb Fichte endet:
„Und handeln sollst du so,
Als hinge von dir und deinem Tun allein
Das Schicksal ab der deutschen Dinge,
Und die Verantwortung wärŽ dein!“

 

Bedeutung

Theodor Heuss bezeichnete die Weiße Rose als „Licht in der dunkelsten Stunde“. Das 6. Flugblatt gelangte über Helmuth von Moltke an die Alliierten. Diese warfen hunderttausende Kopien des Flugblattes über deutsche Städte ab. Ein Zweig der Weißen Rose wurde in Hamburg von Studenten und Intellektuellen gegründet – beabsichtigt waren weitere Gruppen in verschiedenen deutschen Städten.
Insbesondere die tiefen Diskussionen, die die Mitglieder führten, zeigten ein tiefes Demokratieverständnis und nahmen das Präambel des Grundgesetzes vorweg. Sie waren sich in der Verantwortung vor Gott einig und sprachen bereits in dieser Zeit von der Notwendigkeit eines geeinten Europas.
Zudem war von Bedeutung, dass sich zeigte, dass Bürger Deutschlands den Widerstand wagten und nicht alle Deutschen Nationalsozialisten waren.

 

Flugblätter

  • Flugblatt: http://www.bpb.de/themen/ZGSY8R,0,0,Flugblatt_I.html
  • Flugblatt: http://www.bpb.de/themen/DTJ9Q1,0,0,Flugblatt_II.html
  • Flugblatt: http://www.bpb.de/themen/QIW5UX,0,0,Flugblatt_III.html
  • Flugblatt: http://www.bpb.de/themen/KQWNOS,0,0,Flugblatt_IV.html
  • Flugblatt: http://www.bpb.de/themen/EGK24S,0,0,Flugblatt_V.html
  • Flugblatt: http://www.bpb.de/themen/EGK24S,0,0,Flugblatt_V.html

 

Quellen

  • Bald, Detlef: „Die Weiße Rose – Von der Front in den Widerstand“, erschienen im Aufbau Verlag, 1. Auflage 2003 ISBN: 3 – 351 – 02546 – 7
  • Scholl, Inge: „Die Weiße Rose“, erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag, Erweiterte Neuausgabe, ISBN: 3-596-20088 – 1
  • Gedenkstätte Deutscher Widerstand – Begleitmaterialien zur Ausstellung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“
  • Wiegrefe, Klaus: „Immer einen Schritt voraus, in: DER SPIEGEL 7/2003 10.02.2003
  • SPIEGEL ONLINE 14.09.2006: „Hören wir endlich auf, das Bild von Halbgöttern zu zeichnen“ http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,1518,436915,00.html
  • Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung: „Sophie Scholl und die „Weiße Rose““ http://www.bpb.de/themen/HKQ6B3,0,0,Sophie_Scholl_und_die_Wei%DFe_Rose.html
  • Internetauftritt der Weiße Rose Stiftung e.V. http://www.weisse-rose-stiftung.de/
  • Wikipedia Eintrag zur Weißen Rose: http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Rose