Freyr

Begriffliche Herkunft des Namens des Freyr:

Aus den indogermanischen Vorsilben prõi-, prýi-, prÆ-, pri- (= gern haben, schonen, lieben, friedlich, froh; vgl. idg. *peri- = nahe, bei) entwickelten sich die germanischen Vorsilben frijæ-, frijæn, frija-, *frijan, (= Gatte) und daraus das altnordische frÆ-i, was neuhochdeutsch Geliebter, Gatte bedeutet.

( Quelle: http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/altnordischeswoerterbuch/an-F.pdf)

Freyr ist der nordische Erdgott und ist mit dem aus dem kontinental-germanischen Bereich bekannten Ingwaz gleich zu setzen. Seine enge Beziehung zu Ingwaz wird vor allem in der Ynglinga saga deutlich, in der er auch als Yngvi-Freyr bezeichnet wird:

Freyr hieß mit anderem Namen Yngvi. Der Name Yngvi wurde lange danach als hoher Titel in seinem Geschlecht benutzt und seither wurden seine Verwandten Ynglingar genannt.(…)

Es ist zu vermuten, daß Freyr die Erdgottheit Ingwaz in seiner Funktion direkt ablöste und „Yngvi noch als dessen Beiname erhalten blieb. Im Gegensatz zu Ingwaz gab es für Freyr jedoch kein Runenzeichen.

Laut der Edda herrscht Freyr über Regen und Sonnenschein und das Wachstum der Erde und ihn soll man anrufen um Fruchtbarkeit und Frieden. Er wird in „Skirnisför – Skirnirs Fahrt auch als „Freyr, volkwaltender Gott bezeichnet.

Er ist in der nordischen Mythologie der Sohn des Njördr und somit vom Ursprung dem Geschlecht der Wanen zugehörig, obwohl er in Gylfaginning zu den Asen gerechnet wird:

Niörd in Noatun zeugte seitdem zwei Kinder. Der Sohn hieß Freyr und die Tochter Freyja. Sie waren schön von Antlitz und mächtig. Freyr ist der trefflichste unter den Asen…

Tatsächlich galt Freyr als der mächtigste Wanengott. Ihm oblag es, die Naturgewalten zu ordnen und segensreichen Frieden zu sichern. Seine Symbole waren der Eber, das Pferd und der Stier und diese drei wurden ihm auch als große Opfer dargebracht.

Freyr´s Eber symbolisierte zwei Bereiche: einen irdisch-vegetativen und einen kriegerischen. Der zeugungsstarke Eber und Freyr, der oft mit erigiertem Phallus dargestellt wurde, versinnbildlichten die Fruchtbarkeit.

Zur Wohnstätte Freyr´s heißt es in 2.) Grimnismal – Das Lied von Grimnir:

5)…

Alfheim gaben dem Freyr die Götter im Anfang
Der Zeiten als Zahngebinde.

Freyr besaß auch ein Schiff, das Skidbladnir (Wunderschiff) hieß. In Gylfaginning heißt es dazu:

Skidbladnir ist das beste Schiff und das künstlichste; aber Nagifari, das Muspel besitzt, ist das größte. Gewisse Zwerge, Iwaldis Söhne, schufen Skidbladnir und gaben das Schiff dem Freyr: es ist so groß, daß alle Asen mit ihrem Gewaffen und Heergerät an Bord sein können, und sobald die Segel aufgezogen sind, hat es Fahrwind, wohin es auch steuert. Und will man es nicht gebrauchen, die See damit zu befahren, so ist es aus so vielen Stücken mit so großer Kunst gemacht, daß man es wie ein Tuch zusammenfalten und in seiner Tasche tragen kann…Wenige, glaube ich, wissen davon zu sagen und große Gefahren hat er doch bestanden; aber wenn es sich je begab, daß etwas so stark oder mächtig war, daß es Thor nicht besiegen konnte, so ist es besser, nicht davon zu reden, denn es gibt viele Beispiele dafür und Gründe genug zu glauben, daß Thor der Mächtigste sei.

Es existiert ein gut erhaltenes Eichenboot, das 22,84 m lang und 3,26 m ist und Platz für 45 Männer mit Waffen und Proviant bot.

und aus 2.) Grimnismal – Das Lied von Grimnir:

43) Iwalts Söhne, ging in Urtagen
Skidbladnir zu schaffen,
Das beste der Schiffe, für den schimmernden Freyr,
Niörds nützen Sohn,

44) Die Esche Yggdrasil, ist der Bäume erster,
Skidbladnir der Schiffe,
Odin der Asen, aller Rosse Sleipnir,
Bifröst der Brücken, Bragi der Skalden,
Habrok der Habichte, der Hunde Garm.

Wie Freyr zu diesen Kleinodien kam und welches deren Eigenschaften waren, wird in Lokis Wette mit den Zwergen gesagt.

Freyr hat mehrere Diener: Zum Einen sind es Byggwir und Beyla, die in „Ögisdrecka – Ögirs Trinkgelag namentlich erwähnt werden und die offenbar ein Ehepaar sind und hier in Streit mit Loki geraten:

„Byggwir:
45) Byggwir bin ich, bieder rühmen mich
Die Asen all und Menschen.
Behende helf ich hier, daß Hropts Freunde trinken
Ael in Ögirs Halle.

Loki:
46) Schweig du, Byggwir, übel verstehst du
Der Männer Mahl zu ordnen.
Unterm Bettstroh verbargst du dich feige,
Wenn es zum Kampfe kam.

Beyla:
55) Alle Felsen beben, von der Bergfahrt kehrt
Hlorridi heim.
Zum Schweigen bringt er den, der hier mit Schmach belädt
Die Götter all und Gäste.

Loki:
56) Schweig du, Beyla! du bist Byggwirs Weib
Und aller Untat voll.
Kein ärger Ungeheuer ist unter den Asenkindern,
Ganz bist du mit Schmutz besudelt.

Zum Anderen hat Freyr noch den Jüngling Skirnir, der für ihn Botendienste erledigt und dessen Dienste sich auch andere Götter bedienen können. Außerdem besaß Freyr ein Schwert, das er jedoch Skirnir gab, wovon folgende Erzählung handelt:

Aus Gylfaginning

37. Gymir hieß ein Mann, und seine Frau Örboda; sie war Bergriesengeschlechtes. Deren Tochter ist Gerd, die schönste aller Frauen. Eines Tages war Freyr auf Hlidskialf (Odins Hochsitz von dem er die Welt überblickt – siehe Nordische Mythologie, „Die Götterburg Asgard) gegangen und sah über alle Welten. Als er nach Norden blickte, sah er in einem Gehege ein großes und schönes Haus. Zu diesem Hause ging ein Mädchen, und als sie die Hände erhob, um die Türe zu öffnen, da leuchteten von ihren Händen Luft und Wasser, und alle Welten strahlten von ihr wieder. Und so rächte sich seine Vermessenheit an ihm, sich an diese heilige Stätte zu setzen, daß er harmvoll hinwegging. Und als er heim kam, sprach er nicht, auch mochte er weder schlafen noch trinken und niemand wagte es, das Wort an ihn zu richten. Da ließ Niörd den Skirnir, Freyrs Diener, zu sich rufen und bat ihn, zu Freyr zu gehen, mit ihm zu reden und zu fragen, warum er so zornig sei, daß er mit niemand reden wolle. Skirnir sagte, er wolle gehen, aber ungern, denn er versehe sich übler Antwort von ihm. Und als er zu Freyr kam, fragte er, warum Freyr so finster sei und mit niemand rede. Da antwortete Freyr und sagte, er habe ein schönes Weib gesehen und um ihretwillen sei er so harmvoll, daß er nicht länger leben möge, wenn er sie nicht haben solle: Und nun sollst du fahren und für mich um sie bitten, und sie mit dir heimführen, ob ihr Vater wolle oder nicht, und will ich dir das wohl lohnen. Da antwortete Skirnir und sagte, er wolle die Botschaft werben, wenn ihm Freyr sein Schwert gebe. Das war ein so gutes Schwert, daß es von selbst focht. Und Freyr ließ es ihm daran nicht mangeln und gab ihm das Schwert. Da fuhr Skirnir und warb um das Mädchen für ihn und erhielt die Verheißung, nach neun (drei) Nächten wolle sie an den Ort kommen, der Barrey heiße, und mit Freyr Hochzeit halten. Und als Skirnir dem Freyr sagte, was er ausgerichtet habe, da sang er so:

Lang ist eine Nacht, länger sind zweie,

Wie mag ich dreie dauern?

Oft daucht ein Monat mich minder lang

Als eine halbe Nacht des Harrens.

Es ist die Sage Skirnisför – Skirnirs Fahrt der älteren Edda, die handelt davon, wie Freyr seinem Diener Skirnir Ross und Schwert gab.

So wurde Gerd(a) die Frau von Freyr. Auch in „Hyndluliod – Das Hyndlalied wird diese und weitere Verwandtschaftsbeziehungen erwähnt:

„29) (…)
Freyr nahm Gerd, Gymirs Tochter,
Den Riesen anverwandt und der Aurboda.
So war auch Thiassi verwandt mit ihr,
Der hochmütige Thurse, dessen Tochter Skadi war.

Wie diese Ehe zustande kam wird auch in „Ögisdrecka – Ögirs Trinkgelag durch Loki noch einmal erwähnt und dieser bezichtigte auch Freyr und Freyja einer Liebschaft miteinander, worauf ihr Vater Njördr beide in Schutz nahm, da die Geschwisterehe bei den Wanen eine normale Praktik war:

Loki:
32) Schweig du, Freyja, Gift führst du mit dir,
Bist alles Unheils voll.
Vor den Göttern umarmtest du den eigenen Bruder:
So böser Wind entfuhr dir, Freyja!

Niördr:
33) Die Schöngeschmückten, das schadet nicht,
Wählen Männer wie sie mögen;
Des Verworfnen Weilen bei den Asen wundert nur,
Der Kinder konnte gebären.

Loki:
34) Schweig du, Niörd, von Osten gesendet
Als Geisel bist du den Göttern.
Hymirs Töchter nahmen dich da zum Nachtgeschirre
Und machten dir in den Mund.

Niördr:
35) Des Schadens tröstet mich, seit ich gesendet ward
Fernher als Geisel den Göttern,
Daß mir erwuchs der Sohn, wider den niemand ist,
Der für den Ersten der Asen gilt.

Loki:
36) Laß endlich, Niörd, den Übermut,
Ich hab es länger nicht hehl:
Mit der eignen Schwester den Sohn erzeugtest du,
Der eben so arg ist wie du.

Tyr:
37) Freyr ist der beste von allen, die Bifröst
Trägt zu der hohen Halle:
Keine Maid betrübt er, keines Mannes Weib,
Einen jeden nimmt er aus Nöten.

Freyr:
41) Gefesselt liegt Fenris vor des Flusses Ursprung
Bis die Götter vergehen.
So soll auch dir geschehn, wenn du nicht schweigen wirst
Endlich, Unheilschmied.

Loki:
42) Mit Gold erkauftest du Gymirs Tochter
Und gabst dem Skirnir dein Schwert.
Wenn aber Muspels Söhne durch Myrkwid reiten,
Womit willst du streiten. Unselger?

Freyr:
43) War ich so edeln Stamms als Ingunar Freyr,
Und hätte so erhabnen Sitz,
Morscher als Mark malmt ich dich, freche Krähe,
Und lähmte dir alle Gelenke.

Loki:
44) Was ist Winziges dort, das ich wedeln sehe
Nach Speise schnappend?
Dem Freyr in die Ohren bläst es immerdar,
Und müht sich mit Mägdearbeit.

Zu Ragnarök (Weltuntergang/Götterdämmerung) ereilt Freyr der Tod im Kampf, ohne Ross und Schwert, mit Sutr.

Aus Gylfaginning:

Freyr streitet wider Surtr und kämpfen sie ein hartes Treffen bis Freyr erliegt, und das wird sein Tod, daß er sein gutes Schwert vermißt, das er dem Skirnir gab.

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