Baldur

Baldur war die nordische Gottheit des Lichtes, und der Schönheit und wurde als „Balder“ auch auf dem Festland verehrt. In Britannien hingegen führen Stammtafeln von Bernicia und Wessex lediglich einen „Bældæg“ (= „heller Tag“) als Wodans Sohn auf.

Aus der ursprünglich indogermanischen Vorsilbe  bhel-  (= glänzend, weiß, glänzen) bzw. der Vorsilbe bhõ- (= glänzen, leuchten, scheinen) entstanden über die germanischen Vorsilben bala-, balla, balaz, bzw. ballaz; sowohl verschiedene altgermanische Vornamen, wie z. B. Balas, Balan, Balamber als auch der Name des Balder/Baldur.

(Quelle: http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/germanischeswoerterbuch/germ-B.doc)

Baldur ist nach der nordischen Edda der Sohn Odins und der Frigg und wird in Gylfaginning folgendermaßen beschrieben:

„22)…Odins anderer Sohn ist Baldur. Von ihm ist nur Gutes zu sagen: es ist der beste und wird von allen gelobt. Er ist so schön von Antlitz und so glänzend, daß ein Schein von ihm ausgeht. Ein Kraut ist so licht, daß es mit Baldurs Augenbrauen verglichen wird, es ist das lichteste aller Kräuter: davon magst du auf die Schönheit seines Haars sowohl als seines Leibes schließen. Er ist der weiseste, beredteste und mildeste von allen Asen. Er hat die Eigenschaft, daß niemand seine Urteile schelten kann. Er bewohnt im Himmel die Stätte, welche Breidablick (Breitglanz) heißt. Da wird nichts Unreines geduldet, wie hier gesagt wird:

Die siebente ist Breidablick, da hat Baldur sich

Die Halle erhöht

In jener Gegend, wo ich der Greuel (oder Frevel)

Die wenigsten läuschen weiß.

In Gylfaginning wird auch beschrieben, daß Breidablick in der Nähe von Alfheim liegt, wo die Lichtalfen wohnen:

„17.)…Da sind noch manche merkwür­dige Stätten. So ist eine Wohnung, die Alfheim heißt. Da haust das Volk, das man Lichtalfen nennt: (…) Die Lichtalfen sind schöner als die Sonne von Angesicht; (…)

Da ist auch eine Wohnung, die Breidablick heißt, und das ist die schönste von allen.“

„50) …Hringhorni hieß Baldurs Schiff, es war das größte aller Schiffe… und sein Weib (war) Nanna, Neps Tochter.“

Der Sohn Baldurs und der Nanna ist Forseti.

In „Bragaroedur – Bragis Gespräche mit Ögir“ wird erwähnt, dass Njörds spätere Frau Skadi eigentlich Baldur zum Ehemann wählen wollte, jedoch unterlief ihr bei der Wahl ein Irrtum:

„…die Asen (…) töteten den Riesen Thiassi innerhalb des Gatters; allbekannt ist dieser Totschlag.

Aber Skadi, des Riesen Thiassi Tochter, nahm Helm und Brünne und alles Hausgerät und fuhr gen Asgard, ihren Vater zu rächen. Da boten ihr die Asen Ersatz und Buße. Zum ersten sollte sie sich einen der Asen zum Gemahl wählen, aber ohne mehr als die Füße von denen zu sehen, unter welchen sie wähle. Da sah sie eines Mannes Füße vollkommen schön und rief: Diesen kies ich (wähle ich). Baldur ist ohne Fehl.

Aber es war Niördr von Noatun…“

Sehr ausführlich wird in „Gylfaginning“ und in mehreren Liedern und Erzählungen beschrieben, wie Baldur sein Leben verlor und zu Hel gehen musste:

Aus „Gyfaginning“

„49) …Es mag noch von Abenteuern berichtet werden, die den Asen bedeutender scheinen. Und das ist der Anfang dieser Sage, daß Baldur, der gute, schwere Träume träumte, die seinem Leben Gefahr dräuten. Und als er den Asen seine Träume sagte, pflogen sie Rat zusammen und beschlossen, dem Baldur Si­cherheit vor allen Gefahren auszuwirken. Da nahm Frigg Eide von Feuer und Wasser, Eisen und allen Erzen, Steinen und Erden, von Bäumen, Krankheiten und Giften, dazu von allen vierfüßigen Tie­ren, Vögeln und Würmern, daß sie Baldurs schonen wollten. Als das geschehen und allen bekannt war, da kurzweilten die Asen mit Bal­dur, daß er sich mitten in den Kreis stellte und einige nach ihm schössen, andere nach ihm hieben und noch andere mit Steinen warfen. Und was sie auch taten, es schadete ihm nicht; das dauchte sie alle ein großer Vorteil. Aber als Loki, Laufeyjas Sohn, das sah, da gefiel es ihm übel, daß den Baldur nichts verletzen sollte. Da ging er zu Frigg nach Fensal in Gestalt eines alten Weibes. Da fragte Frigg die Frau, ob sie wüßte, was die Asen in ihrer Versammlung vornäh­men. Die Frau antwortete: sie schössen alle nach Baldur; ihm aber schadete nichts. Da sprach Frigg: Weder Waffen noch Bäume mögen Baldur schaden: ich habe von allen Eide genommen. Da fragte das Weib: Haben alle Dinge Eide geschworen, Baldurs zu schonen? Frigg antwortete: östlich von Walhall wächst eine Staude, Mistel-teinn genannt, die schien mir zu jung, sie in Eid zu nehmen. Darauf ging die Frau fort; Loki nahm den Mistel-teinn, riß ihn aus und ging zur Versammlung. Höd stand zu äußerst im Kreise der Männer, denn er war blind. Da sprach Loki zu ihm, warum schießt du nicht nach Baldur? Er antwortete: Weil ich nicht sehe, wo Baldur steht; zum anderen hab ich auch keine Waffe. Da sprach Loki: Tu doch wie andere Männer und biete Baldur Ehre wie alle tun. Ich will dich dahin weisen wo er steht: so schieße nach ihm mit diesem Reis. Höd nahm den Mistelzweig und schoß nach Baldur nach Lokis Anwei­sung. Der Schuß flog und durchbohrte ihn, daß er tot zur Erde fiel, und das war das größte Unglück, das Menschen und Götter betraf. Als Baldur gefallen war, standen die Asen alle wie sprachlos und gedachten nicht einmal, ihn aufzuheben. Einer sah den anderen an; ihr aller Gedanke war wider den gerichtet, der diese Tat vollbracht hätte; aber sie durften es nicht rächen: es war an einer heiligen Freistätte. Als aber die Asen die Sprache wieder erlangten, da war das erste, daß sie so heftig zu weinen anfingen, daß keiner mit Worten dem anderen seinen Gram sagen mochte. Und Odin nahm sich den Schaden um so mehr zu Herzen als niemand so gut wußte als er, zu wie großem Verlust und Verfall den Asen Baldurs Ende gereichte.“

Aus der Völuspa – Der Seherin Weissagung:

„36) Ich sah dem Baldur dem blühenden Opfer,
Odins Sohne, Unheil drohen.
Gewachsen war über die Wiesen hoch
Der zarte, zierliche Zweig der Mistel.

37) Von der Mistel kam, so dauchte mich
Häßlicher Harm, da Hödur schoß.
(Baldurs Bruder, war kaum geboren,
Als einsichtig Odins Erbe zum Kampf ging.

Die Hände nicht wusch er, das Haar nicht kämmt er,
Eh er zum Bühle trug Baldurs Töter.)
Doch Frigg beklagte in Fensal dort
Walhalls Verlust: wißt ihr, was das bedeutet?“

aus Hyndluliod – Das Hyndlalied:

„28) Elfe wurden der Asen gezählt,
Als Baldur beschritt die tödlichen Scheite.
Wall bewährte sich wert ihn zu rächen,
Da er den Mörder des Bruders bemeisterte.
Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

29) Baldurn erzeugte Buris Erbe.
Freyr nahm Gerd, Gymirs Tochter,
Den Riesen anverwandt und der Aurboda.
So war auch Thiassi verwandt mit ihr,
Der hochmütige Thurse, dessen Tochter Skadi war.“

Bereits in der zw. 980/990 n. Chr. entstandenen „Husdrapa“ wird Baldurs Leichenbrand beschrieben, wobei Freyr auf seinem Eber und Heimdall auf seinem Hengst heranritt. Auch Odin kam angeritten, von seinen Raben und Walküren begleitet.

So mußte also Baldur zu Hel. Aber die Asen versuchten, Baldur von dort wieder zurück zu holen. So heißt es zusammenfassend in Gylfaginning:

„Als nun die Asen sich erholt hatten, da sprach Frigg und fragte, wer unter den Asen ihre Gunst und Huld gewinnen und den Helweg reiten wolle, um zu versuchen ob er da Baldur fände, und der Hel Lösegeld zu bieten, daß sie Baldur heimfahren ließe gen Asgard. Und er hieß Hermod, der schnelle, Odins Sohn, der diese Fahrt übernahm. Da ward Sleipnir, Odins Hengst, genommen und vorgeführt, Hermod bestieg ihn und stob davon.

Da nahmen die Asen Baldurs Leiche und brachten sie zur See. Hringhorni hieß Baldurs Schiff, es war aller Schiffe größtes. Das wollten die Götter vom Strande stoßen und Baldurs Leiche darauf verbrennen; aber das Schiff ging nicht von der Stelle. Da wurde gen Jötunheim nach dem Riesenweib gesendet, die Hyrrockin hieß, und als sie kam, ritt sie einen Wolf, der mit einer Schlange gezäumt war. Als sie vom Rosse gesprungen war, rief Odin vier Berserker herbei, es zu halten; aber sie vermochten es nicht anders als indem sie es niederwarfen. Da trat (die Riesin) Hyrrockin an das Vorderteil des Schiffes und hieß es im ersten Anfassen vor, daß Feuer aus den Walzen fuhr und alle Lande zitterten. Da ward Thor zornig und griff nach dem Ham­mer und würde ihr das Haupt zerschmettert haben, wenn ihr nicht alle Götter Frieden erbeten hätten. Da wurde Baldurs Leiche hinaus auf das Schiff getragen und als sein Weib Nanna (…) das sah, da zersprang sie vor Jammer und starb. Da wurde sie auf den Scheiterhaufen gebracht und Feuer darunter gezündet, und Thor trat hinzu und weihte den Scheiterhaufen mit Miölnir, und vor seinen Füßen lief der Zwerg, der Lit hieß, und Thor stieß mit dem Fuß nach ihm und warf ihn ins Feuer, daß er verbrannte. Und diesem Leichen­brand wohnten vielerlei Gäste bei: zuerst ist Odin zu nennen, und mit ihm fuhr Frigg und die Walküren und Odins Raben, und Freyr fuhr im Wagen und hatte den Eber vorgespannt, der Gullinbursti hieß oder Slidrugtanni. Heimdall ritt den Hengst Gulltopp und Freyja fuhr mit ihren Katzen. Auch kam eine große Menge Hrim-thursen und Bergriesen. Odin legte auf den Scheiterhaufen den Ring, der Draupnir hieß, der seitdem die Eigenschaft gewann, daß jede neunte Nacht acht gleich schöne Goldringe von ihm tropften. Baldurs Hengst wurde mit allem Geschirr zum Scheiterhaufen geführt. Von Hermod aber ist zu sagen, daß er neun Nächte tiefe dunkle Taler ritt, so daß er nichts sah, bis er zum Giöllflusse kam und über die Giöllbrücke ritt, die mit glänzendem Gold belegt ist. Modgud heißt die Jungfrau, welche die Brücke bewacht: die fragte ihn nach Namen und Geschlecht und sagte, gestern seien fünf Haufen toter Männer über die Brücke geritten, und nicht donnert sie jetzt minder unter dir allein, und nicht hast du die Farbe toter Männer:

warum reitest du den Helweg? Er antwortete: Ich soll zu Hel reiten, Baldur zu suchen. Hast du vielleicht Baldur auf dem Helweg gesehen? Da sagte sie: Baldur sei über die Giöllbrücke geritten; aber nördlich geht der Weg hinab zu Hel. Da ritt Hermod dahin, bis er an das Helgitter kam: da sprang er vom Pferd und gürtete es fester, stieg wieder auf und gab ihm die Sporen: da setzte der Hengst so mächtig über das Gitter, daß er es nirgends berührte. Da ritt Hermod auf die Halle zu, stieg vom Pferd und trat in die Halle. Da sah er seinen Bruder Baldur auf dem Ehrenplatze sitzen. Hermod blieb dort die Nacht über. Aber am Morgen verlangte Hermod von Hel, daß Bal­dur mit ihm heim reiten solle, und sagte, welche Trauer um ihn bei den Asen sei. Aber Hel sagte, das solle sich nun erproben, ob Baldur so allgemein geliebt werde als man sage. Und wenn alle Dinge in der Welt, lebendige sowohl als tote, ihn beweinen, so soll er zurück zu den Asen fahren; aber bei Hel bleiben, wenn eins widerspricht und nicht weinen will. Da stand Hermod auf und Baldur geleitete ihn aus der Halle und nahm den Ring Draupnir und sandte ihn Odin zum Andenken, und Nanna sandte der Frigg einen Überwurf und noch andere Gaben, und der Fulla einen Goldring. Da ritt Hermod seines Weges zurück und kam nach Asgard und sagte alle Dinge, die er da gehört und gesehen hatte.

Danach sandten die Asen Boten in alle Welt und geboten. Baldur aus Hels Gewalt zu weinen. Alle taten das, Menschen und Tiere, Erde, Steine, Bäume und alle Erze; wie du schon gesehen haben wirst, daß diese Dinge weinen, wenn sie aus dem Frost in die Wärme kommen. Als die Gesandten heimfuhren und ihr Gewerbe wohl vollbracht hatten, fanden sie in einer Höhle ein Riesenweib sitzen, das Thöck (Dock, Dunkel) genannt wurde. Die baten sie auch, den Baldur aus Hels Gewalt zu weinen. Sie antwortete:

Thöck muß weinen mit trocknen Augen

Über Baldurs Ende.

Nicht im Leben noch im Tod hatt ich Nutzen von ihm:

Behalte Hel was sie hat.

Man meint, daß dies Loki, Laufeyjas Sohn, gewesen sei, der den Asen so viel Leid zugefügt hatte.

50) …Es ward ihm so vergolten, daß er lange daran denken wird. Als die Götter so wider ihn aufgebracht waren, wie man erwarten mag, lief er fort und barg sich in einem Berge. Da machte er sich ein Haus mit vier Türen, daß er aus dem Hause nach allen Seiten sehen könnte. Oft am Tag verwandelte er sich in Lachsgestalt und barg sich in dem Wasserfall, der Franang hieß, und bedachte bei sich, welches Kunststück die Asen wohl erfinden könnten, ihn in dem Wasserfall zu fangen. Und einst, als er daheim saß, nahm er Flachsgarn und verflocht es zu Maschen, wie man seitdem Netze macht. Dabei brannte Feuer vor ihm. Da sah er, daß die Asen nicht weit von ihm waren, denn Odin hatte von Hlidskialfs Höhe seinen Aufenthalt erspäht. Da sprang er schnell auf und hinaus ins Wasser, nachdem er das Netz ins Feuer geworfen hatte. Und als die Asen zu dem Haus kamen, da ging er zuerst hinein, der von allen der Weiseste war und Kwasir hieß, und als er im Feuer die Asche sah, wo das Netz gebrannt hatte, da merkte er, daß dies ein Mittel sein sollte, Fische zu fangen, und sagte das den Asen. Da fingen sie an und machten ein Netz jenem nach, das Loki gemacht hatte, wie sie in der Asche sahen. Und als das Netz fertig war, gingen sie zu dem Fluß und warfen das Netz in den Wasserfall. Thor hielt das eine Ende, das andere die übrigen Asen, und nun zogen sie das Netz. Aber Loki schwamm voran und legte sich am Boden zwischen zwei Steine, so daß das Netz über ihn hinweggezo­gen wurde, doch merkten sie wohl, daß etwas Lebendiges vorhan­den sei. Da gingen sie abermals an den Wasserfall und warfen das Netz aus, nachdem sie etwas so Schweres daran gebunden hatten, daß nichts unten durchschlüpfen mochte. Loki fuhr vor dem Netze her und als er sah, daß es nicht weit von der See sei, da sprang er über das ausgespannte Netz und lief zurück in den Fall. Nun sahen die Asen, wo er geblieben war: da gingen sie wieder an den Wasser­fall und teilten sich in zwei Haufen nach den beiden Ufern des Flusses. Thor aber mitten im Fluß watend folgte ihnen bis an die See. Loki hatte nun die Wahl, entweder mit Lebensgefahr nach der See zu ziehen oder abermals über das Netz zu springen. Er tat das letzte und sprang schnell über das ausgespannte Netz. Thor griff nach ihm und kriegte ihn in der Mitte zu fassen; aber er glitt ihm in der Hand, so daß er ihn erst am Schwanz wieder festhalten konnte. Darum ist der Lachs hinten spitz. Nun war Loki friedlos gefangen. Sie brachten ihn in eine Höhle und nahmen drei lange Felsenstücke, stellten sie auf die schmale Kante und schlugen ein Loch in jedes. Dann wurden Lokis Söhne, Wali und Nari oder Narwi, gefangen. Den Wali verwandelten die Asen in Wolfsgestalt: da zerriß er seinen Bruder Narwi. Da nahmen die Asen seine Därme und banden den Loki damit über die drei Felsen: der eine stand ihm unter den Schultern, der andere unter den Lenden, der dritte unter den Knie­gelenken; die Bänder aber wurden zu Eisen. Da nahm Skadi einen Giftwurm und befestigte ihn über ihm, damit das Gift aus dem Wurm ihm ins Antlitz träufelte. Und Sigyn, sein Weib, steht neben ihm und hält ein Becken unter die Gifttropfen. Und wenn die Schale voll ist, da geht sie und gießt das Gift aus; derweil aber tropft ihm das Gift ins Angesicht, wogegen er sich so heftig sträubt, daß die ganze Erde schüttelt, und das ist es, was man Erdbeben nennt. Dort liegt er in Banden bis zur Götterdämmerung.“

Auch das „Vegtamskvida – Das Wegtamslied“ handelt insgesamt davon, wie die Asen versuchen, Baldur von der Hel zurück zu holen, doch der Versuch misslingt:

siehe: Vegtamskvida – Das Wegtamslied

In „Ögisdrecka – Ögirs Trinkgelag“ gibt Loki seine Schuld am Tod Baldurs zu:

„Loki:
26) Schweig du, Frigg! Fiörgyns Tochter bist du
Und den Männern allzumild,
Die Vili und Ve als Widrirs Gemahlin
Beide bargst in deinem Schoß.

Frigg:
27) Wisse, hätt ich hier in den Hallen Ögirs
Einen Sohn wie Baldur schnell,
Nicht kämst du hinaus von den Asensöhnen,
Du hättest schon zu fechten gefunden.

Loki:
28) Und willst du, Frigg, daß ich ferner gedenke
Meiner Meintaten,
So bin ich schuld, daß du nicht mehr schauen wirst
Baldur reiten zum Rat der Götter.“

Aber zu Ragna rök wird Baldur zurückkehren und beherrscht nun zusammen mit Hödur Himmel und Erde, wie es in der „Völuspa – Der Seherin Weissagung“ heißt:

„57) Da seh ich auftauchen zum andernmale
Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen.
Die Fluten fallen, darüber fliegt der Aar,
Der auf dem Felsen nach Fischen weidet.

60) Da werden unbesät die Äcker tragen,
Alles Böse bessert sich, Baldur kehrt wieder.
In Heervaters Himmel wohnen Hödur und Baldur,
Die walweisen Götter. Wißt ihr, was das bedeutet?

61) Da kann Hönir selbst sein Los sich kiesen,
Und beider Brüder Söhne bebauen
Das weite Windheim. Wißt ihr, was das bedeutet?“