Herz Jesu Feuernacht

Südtirol 1961

von Birgit Mosser-Schuöcker und Gerhard Jelinek

Verlagsanstalt Tyrolia, Insbruck
ISBN 978-3-7022-3132-3

Eine Rezension von Gilbert Jacoby, am 2. Juni 2011

Das Buch „Herz Jesu Feuernacht“ behandelt ein tatsächliches Ereignis im italienischen Südtirol, bei dem in der Nacht vom 11. zum 12. Juni 1961 eine lange geplante und vorbereitete Serie von Sprengstoffanschlägen auf gründlich dafür ausgesuchte Ziele verübt wurde. Verantwortlich dafür war der „Befreiungsausschuß für Südtirol“ („BAS“), der sich gegen die restriktive Politik Italiens gegenüber der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols gegründet hatte.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte Tirols, erzählt das Buch sehr eindrucksvoll und anhand von zahlreichen dokumentierten Zitaten in z. T. romanähnlicher Form, wie sich die einheimische Bevölkerung Südtirols auch nach der Diktatur Mussolinis ihrer kulturellen und sprachlichen Eigenheiten und Traditionen beraubt sah und wie sich auch Österreicher für ihre Südtiroler Landsleute einsetzten. Nach zunächst friedlichem Widerstand der Südtiroler gegen die Politik des italienischen Staates, radikalisierte sich eine kleine Gruppe von Südtirolern und griff zum Mittel der Gewalt – zunächst jedoch, ohne Menschen dabei verletzen zu wollen. Unterstützt wurden sie dabei neben den deutschsprachigen Südtirolern auch von Tirolern Österreichs, einem Wiener Verleger als einer der Geldgeber und selbst bis in höchste Regierungskreise der Republik Österreich fanden sie Unterstützer.  Auch bei der UNO wurde Südtirol mehrmals thematisiert.

Auf die Feuernacht folgten nach den Berichten und Briefen – z. B. an die Regierung Österreichs – Verhaftungen und Folterungen vieler „BAS“-Mitglieder und Erschießungen von Südtirolern durch italienische Carabinieri. Südtirol verwandelte sich in eine Besatzungszone Italiens, in der die deutschsprachigen Südtiroler schwersten Repressalien ausgesetzt waren – die noch freien „BAS“-Mitglieder radikalisierten sich weiter und griffen nun auch Menschen an: Eine Spirale der Gewalt. Die Folterungen an den „BAS“-Mitgliedern stritt Italien trotz der sichtbaren physischen Verletzungen hingegen immer ab – bis heute. Die darauf folgenden Gerichtsverhandlungen gegen die „BAS“-Leute verliefen dagegen fair – die mutmaßlichen Folterer, die ebenfalls vor Gericht standen, wurden dagegen freigesprochen.
Aber Schritt für Schritt wurde die Autonomie Südtirols verwirklicht.

Für dieses Buch wurde eine Vielzahl von Interviews mit ehemals Beteiligten geführt und die Ansichten von beiden Seiten neutral beleuchtet. Dabei wird klar, daß viele Todesfälle von damals bis heute nicht geklärt sind und die Ereignisse dieser Jahre zum großen Teil noch nicht aufgearbeitet sind. Insbesondere die italienischen Behörden scheinen kein großes Interesse an einer Aufarbeitung zu haben. Das Mißtrauen gegen jeden, der sich für diesen Teil italienischer Geschichte interessiert, scheint noch heute groß zu sein.
Die Frage, ob die Anwendung von Gewalt für das Erreichen der Autonomie tatsächlich notwendig war, wird unterschiedlich beantwortet. Die Mehrheit der damals Beteiligten ist jedoch noch heute der Ansicht, daß die Verhandlungen dadurch beschleunigt wurden bzw. dadurch überhaupt erst in Gang gekommen sind.
Nicht im Buch wird erwähnt, daß der „BAS“-Mitbegründer Norbert Burger im Jahre 1967 Mitbegründer der rechtsradikalen österreichischen NDP war. „Pangermanische“ oder neonazistische Tendenzen des „BAS“ wird von allen Beteiligten bestritten. Stets wird betont, man habe aus Patriotismus und für die Selbstbestimmung der Südtiroler gehandelt.

Das vorliegende Buch „Herz Jesu Feuernacht“ habe ich mit großem Interesse gelesen und kann es jedem empfehlen, der etwas über Südtiroler Zeitgeschichte erfahren möchte.