Selbstüberschätzung (Hybris) in der griechischen Mythologie + aktuell

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Holger1969
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Hybris (Psychologie) und griechische Mythologie

Mit Hybris ist eine extreme Form der Selbstüberschätzung gemeint. Überdies wird mit dem Wort Hybris Hochmut beschrieben.

Woher kommt der Begriff Hybris? Altgriechisch ὕβρις hýbris = deutsch -> ‚Übermut‘, ‚Anmaßung‘.

Realitätsverlust

Mit dem Wort Hybris wird der Realitätsverlust einer Person verbunden. Es handelt sich um eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. In erster Linie leiden Personen in Machtpositionen unter der Krankheit Hybris.

Antike

Es heißt, dass in der Antike unzählige Tragödien entstanden sind. Dabei werden meist griechische Dichter als Autoren genannt. In diesen griechischen Tragödien scheitern die Protagonisten sehr oft an ihrer Selbstüberschätzung, in den originalen Texten steht natürlich Hybris.

Meist geht es darum, dass diese Protagonisten die von den Göttern gegebenen Gesetze ignorierten. In den Tragödien folgt auf menschliche Selbstüberschätzung oft die Bestrafung durch Nemesis. Die göttliche Bestrafung der Protagonisten endet nicht selten mit dem Tod.

Homer

Gemäß Homer bedeutet das griechische Verb ὑβρίζειν (hybrízein) „zügellos werden“ oder auch „sich austoben.“

Hybris bedeutet bei Homer auch „mutwillige Gewalt“ und „Frechheit.“ Die Frechheit wird oft auf die Freier der Penelope (Epos Odyssee) bezogen.

Hybris wird auch mit „Gier“ und „Lüsternheit“ kombiniert. Das griechische Wort Hybrisma bedeutet Frevel und wird auch in den Kontext mit Vergewaltigungen gestellt.

Wissenschaft

Heute ist die Hybris Bestandteil wissenschaftlicher Forschungen. In der Psychologie, Medizin und in der Organisations- und Managementforschung wird die Hybris untersucht und thematisiert.

Beschrieben wird die Hybris auch als bildungssprachlicher Ausdruck für Vermessenheit und Selbstüberhebung.

Karl Popper

Der Philosoph Karl Popper wird zum Thema Hybris folgendermaßen zitiert:

„Die Hybris, die uns versuchen lässt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“

Griechische Mythologie

In der griechischen Mythologie wird die Hybris von einer Halbgöttin (Nymphe) personifiziert.

Web-Adresse: https://www.mythologie-antike.com/t297- ... onifiziert
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Holger1969 hat geschrieben: 25.09.2023, 10:39 „Die Hybris, die uns versuchen lässt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“
Das vollständige passende Zitat von Karl Popper: „Die Hybris, die uns versuchen lässt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln – eine Hölle, wie sie nur Menschen für ihre Mitmenschen verwirklichen können. Wenn wir die Welt nicht wieder ins Unglück stürzen wollen, müssen wir unsere Träume der Weltbeglückung aufgeben“.
https://www.rf-news.de/rote-fahne/2019/ ... hilosophie

Die Hybris all der Weltverbesserungsideen die alles über einen Leisten schlagen wollen. Beispiele sind der verordnete Kommunismus und aktuell zum Beispiel die penetrante Gehirnwäsche aller Einwohner und besonders der Kinder durch die „geheiligten Worte“ von Großvater Xi Jinping. Kein Studium, keine Weiterbildung ohne vorheriges intensives Studium und Verinnerlichung der "Worte" des chinesischen Parteichefs.

Nehmen wir die Schweiz als Versuch da eine Balance zu finden. Von Jeremias Gotthelf stammt das in der Schweiz, wie ich finde, sehr positiv und erfolgreich umgesetzte Wort: „Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland“.
Gotthelfs Satz ist "bei näherer Betrachtung das Modell für einen Staat, der mit seinen Strukturen einen Ausgleich schaffen kann und muss, damit Ungerechtigkeiten und damit Neid und Missgunst vermieden werden, ein Modell, das auch für die Staatengemeinschaft gilt."
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokum ... 15406.html
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