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Moderator: Barbarossa

 
Wallenstein

Das Mittelmeer – einst und jetzt

28.10.2015, 10:31

Das Mittelmeer ist für die europäische Geschichte von enormer Bedeutung, denn an seinen Küsten entwickelten sich die Kulturen, die bestimmend wurden für die weitere Entwicklung. Der große Soziologe Max Weber beschreibt die europäische Kultur in ihren Anfängen als Küstenkultur im Gegensatz zu den Stromuferkulturen in Asien.

Doch vor sechs Millionen Jahren gab es dort, wo heute das Mittelmeer liegt, eine riesige, heiße Salzwüste. Die Balearen und andere Ferieninseln ragten daraus als kahle, unfruchtbare Berggipfel empor. In dieses Wüstenbecken mündeten einige Flüsse vom Kontinent in Salzseen und sie formten riesige Canyons in den Untergrund, die noch heute am Meeresgrund als Schluchten erkennbar sind.

Was war passiert? Die afrikanische Platte rückt gen Norden vor. Dabei kommt es nicht nur zu Gebirgsbildungen, sondern vor sechs Millionen Jahren schloss sich die Meerenge von Gibraltar und das Mittelmeer trocknete aus.

Durch Verdunstung werden aufgrund unterschiedlich guter Löslichkeit die verschiedenen Evaporite nacheinander ausgefällt: Den schwer löslichen Carbonaten (Kalk und Dolomit) folgt zunächst Gips (Calciumsulfat). Erst dann werden Steinsalz (Natriumchlorid) und danach die leicht löslichen Magnesium und Kalziumsalze ausgefällt. Anschließend legt sich darüber eine vom Wind angehäufte Schicht aus Salztonen. Nach einer erneuten Meerestransgression wird alles überlagert von marinen Sedimenten. Bei einer erneuten Austrocknung wiederholt sich dieser Vorgang. Wir finden im Mittelmeer viele solcher Schichtfolgen übereinander.

Dann, viele tausend Jahre später nach Schließung der Meerenge, wurde die Barriere durchbrochen und das Wasser vom Atlantik füllte in wenigen Jahren die Wüste auf. Dann schloss sich die Meerenge erneut. Wieder trocknete das Becken aus. Dieses Wechselspiel, erst Wüste, dann Wasser, dann wieder Wüste, lässt sich geologisch gut verfolgen. Die Schichtfolgen weisen darauf hin, dass sich dieser Vorgang vermutlich fünfzehnmal in den letzten 6 Millionen Jahren wiederholte. Der letzte Durchbruch passierte dann vor 600.000 Jahren. Seitdem ist die Meerenge von Gibraltar wieder offen.

Wie hätte sich wohl die europäische Geschichte entwickelt ohne das Mittelmeer? Wenn die Menschen dort nur Wüste angefunden hätten?

Während der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit (Beginn etwa 115.000 bis 10.000 vor unserer Zeitrechnung) waren große Wassermengen in Form von Eis gebunden. Die Küsten des Mittelmeeres lagen 120 m tiefer als heute. Viele äonischen Inseln waren mit Anatolien verbunden, Korsika und Sardinien bildeten eine zusammenhängende Insel, ebenso Malta mit Sizilien. Einige Höhlen, in denen die Menschen der Eiszeit Malereien anfertigten, lagen früher hoch in den Bergen, befinden sich nun 36 m unter dem Meeresspiegel.

Als die Eismassen abschmolzen, stieg der Meeresspiegel wieder an. Dabei kam es noch zu einer anderen Katastrophe. Der Bosporus riegelte das heutige Schwarze Meer vom Mittelmeer ab, doch er ist an manchen Stellen nur 32 m tief. Während der Eiszeit lag er trocken. Anstelle des Schwarzen Meeres gab es dort früher einen kleineren Süßwasserssee, der Pontische See, der von den Flüssen aus Russland gespeist wurde. Riesige Wassermassen durchbrachen ca. 5.500 vor u.Z. den Bosporus und füllten das Becken auf. (So die Theorie, ist nicht unwidersprochen).

Auf dem Grund des Meeres finden wir Überreste von Dörfern und größeren Siedlungen. Sind die Menschen ertrunken? Konnten sie sich in Sicherheit bringen? Ist dies die Ursache gewesen für die Sintflut, von der als erste die sumerischen Königslisten berichten und die dann im Gilgamesch-Epos als Legende erwähnt wird, weil sich ein Mann namens Uta-napišti sich auf seiner Arche, gefüllt mit Menschen und Tieren, retten kann, das Vorbild für den biblischen Noah?

Wie geht es weiter mit dem Mittelmeer? Tektonische Prozesse drücken die Meerenge eines Tages wieder zu. Das Mittelmeer wird erneut austrocknen. Der Mensch könnte das vielleicht verhindern. Aber wenn sich der Meeresarm wieder schließt, vielleicht gibt es dann schon lange keine Menschen mehr?
 
Dietrich
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

29.10.2015, 15:21

Wallenstein hat geschrieben:
Das Mittelmeer wird erneut austrocknen. Der Mensch könnte das vielleicht verhindern. Aber wenn sich der Meeresarm wieder schließt, vielleicht gibt es dann schon lange keine Menschen mehr?


Wir verhindern das nicht, sondern schaffen Siedlungsgebiete für afrikanische Flüchtlinge. Das entlastet Europas Sozialsysteme. :mrgreen:
 
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Barbarossa
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

29.10.2015, 15:49

Dietrich hat geschrieben:
Wallenstein hat geschrieben:
Das Mittelmeer wird erneut austrocknen. Der Mensch könnte das vielleicht verhindern. Aber wenn sich der Meeresarm wieder schließt, vielleicht gibt es dann schon lange keine Menschen mehr?


Wir verhindern das nicht, sondern schaffen Siedlungsgebiete für afrikanische Flüchtlinge. Das entlastet Europas Sozialsysteme. :mrgreen:

In einer Salzwüste?

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Wallenstein

Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

30.10.2015, 10:22

Barbarossa hat geschrieben:
Dietrich hat geschrieben:
Wallenstein hat geschrieben:
Das Mittelmeer wird erneut austrocknen. Der Mensch könnte das vielleicht verhindern. Aber wenn sich der Meeresarm wieder schließt, vielleicht gibt es dann schon lange keine Menschen mehr?


Wir verhindern das nicht, sondern schaffen Siedlungsgebiete für afrikanische Flüchtlinge. Das entlastet Europas Sozialsysteme. :mrgreen:

In einer Salzwüste?

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In einer fernen Zukunft wird es nur noch wenige Menschen geben, die auf ein primitives Kulturniveau zurückgefallen sind und in kleinen Gruppen auf der Erde umherziehen. Staunend und verständnislos stoßen sie immer wieder auf die Überreste einer vergangenen Zivilisation und an ihren Lagerfeuern erzählen sie sich von einer Zeit der Wunder, als die Menschen noch Engel waren, die durch die Luft flogen und künstliche Monde an den Himmel hängten.

Meine Gruppe aus ca. 30 Personen beschließt eines Tages die Wüste, die einst das Mittelmeer gewesen ist, von Afrika nach Europa zu durchqueren. Sie folgen den Flussläufen, die von Afrika und Europa in das frühere Mittelmeer strömen und in abflusslosen Salzseen münden, denn nur so erhalten sie das lebensnotwendige Wasser. Sie gehen am Ufer eines Flusses entlang, denn man einst in einer fernen Vergangenheit den Nil genannt hatte, doch heute mündet er weit von Alexandria entfernt hoch im Norden in der Nähe vom einstigen Griechenland in einem großen Salzsee. Auch Süßwasser enthält in geringen Mengen Salz und in einem abflusslosen See nimmt infolge der Verdunstung der Salzgehalt ständig zu und es entsteht ein lebloses Gewässer wie heute das Tote Meer.

Jetzt im Frühjahr sieht die Wüste gar nicht aus wie eine Wüste. Die Menschen wandern über das einstige Nildelta. Als das Mittelmeer austrocknete, hat der Fluss seine Mündung immer weiter nach Norden verschoben. Der frühere Nilschlamm ist zwar jetzt steinhart geworden, doch noch immer fruchtbar. Im Winter kommt es auch jetzt gelegentlich zu wenigen, aber heftigen Regenfällen. Dann weicht der Boden auf und für kurze Zeit, nur wenige Wochen, blüht die sonst leblose Wüste kurz auf und es dehnt sich ein riesiges Blütenmeer aus soweit man sehen kann. Doch wenn die sommerliche Hitze beginnt, sieht man überall nur eine öde, lebensfeindliche Landschaft. Die Hochdruckgürtel der Passatwüsten haben sich nach Norden verschoben und sorgen für ständige Trockenheit, aber im Winter dringen gelegentlich atlantische Tiefausläufer in das frühere Mittelmeer vor und sorgen für sintflutartige Regenfälle. Das Wasser formt dann die vielen Wadis und versickert in abflusslosen Senken, in denen die Menschen auch im Hochsommer gelegentlich Grundwasser finden.

Nun nähert sich meine Gruppe dem Salzsee, die Endstation des Nils. Schon von weitem ist die riesige, blendend weiße Salzschicht zu entdecken, die ihn umgibt. Auf ihr muss man sich vorsichtig bewegen, denn die Schicht ist ähnlich wie Eis oft nicht ganz fest und man kann leicht einbrechen und landet dann in einem brackigen Schlamm. Jetzt im Frühjahr ist der See noch klein, aber noch immer funktioniert die jährliche Nilschwemme. Im Sommer liegt die äquatoriale Tiefdruckrinne über Äthiopien und sorgt für kräftige Regenfälle, wenn auch nicht mehr so stark wie früher. Dann schwillt der Nil an und füllt den Salzsee auf, der weit über seine Ufer tritt. Doch anschließend trocknet er weitgehend wieder aus und hinterlässt die dicke Salzschicht.

Meine Menschen entdecken in der Wüste immer wieder merkwürdige Gebilde aus Eisen. Die Jungen sind neugierig und fragen den Anführer, was diese seltsamen Hügel zu bedeuten haben.

Er antwortet: „Diese Hügel nannten die Menschen früher Schiffe. Auf ihr fuhren die Engel über das Meer.“

Die Jungen sind verwirrt. Wieso sind diese Schiffe in der Wüste? Ist das Meer doch viele Tagesreisen entfernt.

Auf dem Grund des Mittelmeeres liegen zahlreiche Schiffswracks. Einst waren sie überwuchert von Meerespflanzen und von Schlamm bedeckt, doch als das Meer austrocknete, hat die Erosion sie wieder freigelegt. Rätselhafte Kolosse einer vergangenen Zeit.

Der Anführer sagt: „Die Alten behaupten, Riesen hätten einst diese Schiffe in die Wüste geschleudert in einem großen Krieg. In der Zeit der Wunder war alles möglich. Da konnten diese Kolosse sogar schwimmen, obwohl Eisen sonst gar nicht schwimmen kann, weil es so schwer ist. Kommt ihnen nicht zu nahe. Es wimmelt dort von Schlangen und Skorpionen.“

Endlich haben sie den Salzsee umrundet und erschöpft erreichen sie schließlich die frühere griechische Küste. Nach einiger Zeit stoßen sie auf die Überreste einer alten Autobahn. Die Alten erklären den Jungen: „Das ist eine heilige Straße, die einst von den Göttern erbaut wurde. Auf ihr mussten die Menschen früher in kleinen Fahrzeugen, die man Autos nannte, solange von Stadt zu Stadt fahren, bis sie zusammen stießen und tot waren.“

Die Jungen haben tausend Fragen: Was ist ein Auto, was ist eine Stadt? Warum mussten sie auf der heiligen Straße sterben? Die Menschen waren doch früher Engel, warum sind sie nicht geflogen?

Doch die Alten erklärten es ihnen: „Die Menschen mussten auf der heiligen Straße fahren, weil die Götter es verlangten. Wenn sie zusammen stießen, war dies ein Ritual. Die Götter forderten damals Menschenopfer.“

Der Anführer zog aus seinem Gewand einen Mercedes-Stern: „Sehr ihr dies Zeichen? Es ist heilig, es stammt von den Göttern. Die Menschen haben es an den Autos angebracht zu Ehren der Götter, die ihnen all diese Wunder ermöglichten. Und nun ist es genug mit der Fragerei. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“
 
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Barbarossa
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

30.10.2015, 11:02

Wow! Was für eine Endzeit-Story! :mrgreen:

Ich kann nur hoffen, ich erlebe das nicht mehr...
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Dietrich
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

30.10.2015, 14:06

Wallenstein hat geschrieben:
Staunend und verständnislos stoßen sie immer wieder auf die Überreste einer vergangenen Zivilisation und an ihren Lagerfeuern erzählen sie sich von einer Zeit der Wunder, als die Menschen noch Engel waren, die durch die Luft flogen und künstliche Monde an den Himmel hängten. .....


Ist das ein neues Drehbuch für die Zeit nach dem Weltuntergang?

Interessante Gedankenspiele und Szenarien. :wink:
 
Ruaidhri
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

30.10.2015, 16:25

Dietrich hat geschrieben:
Wallenstein hat geschrieben:
Staunend und verständnislos stoßen sie immer wieder auf die Überreste einer vergangenen Zivilisation und an ihren Lagerfeuern erzählen sie sich von einer Zeit der Wunder, als die Menschen noch Engel waren, die durch die Luft flogen und künstliche Monde an den Himmel hängten. .....


Ist das ein neues Drehbuch für die Zeit nach dem Weltuntergang?

Interessante Gedankenspiele und Szenarien. :wink:

Ja, das fand ich auch. Gibt eine TV- halb-Doku, die in der ein ähnliches Szenario anklingt.
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LG Ruaidhri
 
Wallenstein

Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

30.10.2015, 16:33

Ruaidhri hat geschrieben:
Ja, das fand ich auch. Gibt eine TV- halb-Doku, die in der ein ähnliches Szenario anklingt.


Ja, tatsächlich? Interessant. Wie heißt die?
 
Ruaidhri
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

30.10.2015, 17:28

Wallenstein hat geschrieben:
Ja, tatsächlich? Interessant. Wie heißt die?

Weiß ich leider nicht mehr, das Szenario steht im Zusammenhang mit Klimawandel, Überleben und Wanderung.
In jedem Fall traue ich Dir aber zu, aus solchem Stoff einen Bestseller -Tatsachen-Roman über die Vergangenheit in der Zukunft zu schreiben.
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LG Ruaidhri
 
Renegat
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

31.10.2015, 12:10

Noch interessanter wird es, wenn man das Mittelmeer im Zusammenhang mit der Sahara betrachtet. Das Mittelmeer war nie so trennend wie die richtigen Ozeane Atlantik und Pazifik. Gerade die vielen Kulturen am östlichen Mittelmeer zeigen die Verbindung zwischen Europa, Nahost und Afrika.
Neben der Plattentektonik, bei der man sehr lange Zeiträume betrachten muß, wird die Geografie dieser Region auch von Klimaveränderungen bestimmt, die wiederum verschiedene Ursachen haben, wovon die Plattentektonik nur eine ist.
Die Sahara erlebte während der eiszeitlichen Temperaturschwankungen hin und wieder grüne Phasen mit lebensfreundlichen Bedingungen. Die letzte nach dem Ende der letzten Eiszeit so vor 10-5000 Jahren am Beginn des Neolithikums. Zu der Zeit muß die heutige Wüste Sahara dichter besiedelt gewesen sein. Manche vermuten, dass die Kulturen um das östliche Mittelmeer entstanden, als die Sahara austrocknete und die Menschen an die Flüsse, Küsten oder in regenbegünstigte Regionen zogen. Verdichtung kann Kultur befördern.
Wie dem auch sei, vielleicht wird die Sahara in Zukunft ja wieder grün, so als positives Zukunftsszenario. Schließlich soll es zu Beginn des Neolithikums teilweise wärmer gewesen sein und feuchter in der Sahara.
Vielleicht müssen wir uns also demnächst aufmachen, das Mittelmeer überqueren und die grüne Sahara besiedeln. :)
 
Spartaner
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

31.10.2015, 15:50

Renegat hat geschrieben:
Vielleicht müssen wir uns also demnächst aufmachen, das Mittelmeer überqueren und die grüne Sahara besiedeln. :)

Genau dieses Szenario kann uns blühen, wenn wir alle Ressourcen in Europa erschöpft haben und keine Rohstoffe mehr geliefert bekommen und an Überbevölkerung leiden.
Renegat hat geschrieben:

Die Sahara erlebte während der eiszeitlichen Temperaturschwankungen hin und wieder grüne Phasen mit lebensfreundlichen Bedingungen. Die letzte nach dem Ende der letzten Eiszeit so vor 10-5000 Jahren am Beginn des Neolithikums. Zu der Zeit muß die heutige Wüste Sahara dichter besiedelt gewesen sein. Manche vermuten, dass die Kulturen um das östliche Mittelmeer entstanden, als die Sahara austrocknete und die Menschen an die Flüsse, Küsten oder in regenbegünstigte Regionen zogen. Verdichtung kann Kultur befördern.

Da sich die Erdrotationsachse um die Sonne laufend ändert, verdrängt die Warme Luft den afrikanischen Monsumregen Richtung Süden. Dieses Szenario hat sich in der Erdgeschichte schon mehrfach abgespielt. Die Folge ist, dass es in der Sahara heisser wird und weniger Niederschläge fallen. Vor 16000 Jahren und vor 5500 Jahren nahm die Austrocknung der Sahara abrupt zu. Das wissen wir aus den Sedimentablagerungen im Schelfmeer vor der afrikanischen Küste. Dort lagert sich der trockene Saharastaub ab, der jährlich durch den Wind vom Festland fortgetragen wird und bildet auf dem Meeresgrund Ablagerungen. Vor 6000 Jahren muss die Sahara also noch fruchtbar gewesen sein und viele Tierherden durchzogen das Land.
Eine Theorie besagt, dass die Menschen sich in dieser Zeit von Jäger und Sammlern zu Ackerbauern und Viehzüchtern zwangsläufig entwickeln mussten. Was kurios ist, ist der Umstand, dass auch in etwa zur selben Zeit die neolithische Kultur- Wanderung vom Nahen Osten bzw. Anatolien nach Europa im vollen Gange war. Meine Vermutung ist, dass vor 6000- 5500 Jehren Viehzüchter und Ackerbauern aus Anatoilien und dem Nahen Osten ihre Erfahrungen in den nördlichen Teil von Afrika verbracht haben und damit indirekt und unbewusst einer vollständige Entvölkerung der Sahara vorgebeut haben .
Vieleicht führte auch die sich aller 10000 Jahre wiederholende Austrocknung der Sahara zur Auswanderung anderer früherer Menschenspezies wie dem Vorfahren des Neandertalers oder davor des Homo Erectus.
 
Wallenstein

Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

01.11.2015, 13:12

Renegat hat geschrieben:
Die Sahara erlebte während der eiszeitlichen Temperaturschwankungen hin und wieder grüne Phasen mit lebensfreundlichen Bedingungen. Die letzte nach dem Ende der letzten Eiszeit so vor 10-5000 Jahren am Beginn des Neolithikums. Zu der Zeit muß die heutige Wüste Sahara dichter besiedelt gewesen sein. Manche vermuten, dass die Kulturen um das östliche Mittelmeer entstanden, als die Sahara austrocknete und die Menschen an die Flüsse, Küsten oder in regenbegünstigte Regionen zogen. Verdichtung kann Kultur befördern.


Die Frage mit der Sahara gehört zwar nicht zum Thread, ist aber natürlich auch interessant. Das sie früher fruchtbar war ist unbestritten. Warum aber, das wird sehr kontrovers diskutiert. Es gibt viele Klimafaktoren: Strahlungsbilanz der Sonne, Verteilung von Land und Meer, Meeresströmungen, Oberflächengestalt des Reliefs und die damit verbundene Albedo, die Vegetation, Zusammensetzung der Luft (Kohlendioxidgehalt, Methan) und noch viel mehr. Das Klima ist sehr komplex und wird auch heute noch nicht richtig verstanden. Das zeigen ja die heftigen Auseinandersetzungen bezüglich der Erderwärmung.

Ich musste früher auch ein Semester Klimatologie belegen, das war aber schon Ende der sechziger Jahre und da sah man einen Zusammenhang mit den Eiszeiten. Der Professor erklärte uns damals: Während der Glazialzeit bildete sich über dem Eisschild ein Kältehoch in Europa, welches die Westdrift nach Süden ablenkte und zu Niederschlägen in der Sahara führte. Nach der Eiszeit bildeten sich die heutigen Klimazonen heraus, die Westdrift wanderte wieder nach Norden. Diese Theorie ist aber offensichtlich falsch, denn während der Eiszeiten war es anscheinend auch in der Sahara trocken und erst danach kam es zu einer Pluvialzeit in der Wüste.

Außerdem argumentierte man damals mit den Milankovicz-Zyklen, also mit exogenen, astronomischen Ursachen. Diese Theorie erklärte die Eiszeiten mit:

Exzentrizität: etwa alle 100.000 Jahre wechselt die Umlaufbahn der Erde aus einer ungefähren Kreis- in eine leichte Ellipsenform, dadurch ändert sich der Abstand der Erde von der Sonne.

Obliquität (Schiefe der Ekliptik)
Etwa alle 41.000 Jahre ändert sich der zwischen 21,6 Grad und 24,5 Grad schwankende Neigungswinkel der Rotationsachse der Erde zur Ebene der Erdumlaufbahn. Dadurch verändert sich die Verteilung der Strahlung auf der Erdoberfläche.

Präzession: Etwa alle 25.800 Jahre durchläuft die Rotationsachse der Erde eine Kreiselbewegung, dadurch ändern sich die Verteilung der Strahlung und die Zeitpunkte der Tagundnachtgleichen.

Diese Theorie wird allerdings von vielen heute bestritten oder als nur bedingt gültig angesehen. Die astronomischen Faktoren beeinflussen seit vielen Millionen Jahren die Erde, erklären aber nicht die langfristigen Änderungen des Erdklimas. Eine allgemein akzeptierte Theorie gibt es nicht.

Die Pluvialzeit in der Sahara muss man vielleicht mit dem westafrikanischen Monsun erklären. Heute funktioniert das System wie folgt (ganz primitiv vereinfacht): Am Äquator befindet sich die äquatoriale oder innertropische Tiefdruckrinne. Hier steigt permanent feuchte Luft nach oben und regnet sich ab. Als trockene Luft zieht sie Richtung Norden bzw. Süden und in der Nähe der Wendekreise sinkt sie wieder zu Boden und bildet dort die permanenten Hochdruckzonen, die dort zur Entstehung der Wüsten führen. Anschließend strömt ein großer Teil zum Äquator zurück und aufgrund der Corioliskraft bildet sich der Nordost-Passat heraus. (Auf der Nordhalbkugel).

Aufgrund der Schrägstellung der Erde wandert die Tiefdruckrinne, immer der Sonne folgend, im Sommer Richtung Norden und zieht große, feuchte Luftmassen mit sich. Es kommt zur Regenzeit, zum westafrikanischen Monsun. Der dringt aber nicht bis zur Sahara vor.

Während der Eiszeiten war es womöglich noch trockener dort als jetzt, weil der Meeresspiegel viel niedriger war, das Wasser war auch kälter und es ist weniger verdunstet und der Monsun war schwächer ausgeprägt.

Nach dem Ende der Eiszeiten war die Verdunstungsrate viel höher und der westafrikanische Monsun drang bis in die nördlichen Gebiete vor. Warum wurde aber dieser Prozess später wieder rückläufig? No idea. Ich habe viele verschiedene Theorien gelesen. Einige argumentieren mit Veränderung der Meeresströmungen usw. und so fort. Nach neuen Erkenntnissen endete die Trockenheit vor ca., 10.000 Jahren und wurde dann durch eine etwa 5.000 Jahre andauernde Pluvialzeit abgelöst. Solche periodischen Schwankungen gab es offensichtlich auch schon früher.

So, ich bin kein Klimatologe und ich glaube auch nicht, dass es hier im Forum einen Experten dafür gibt. Deshalb werde ich dies Thema auch nicht weiter verfolgen. Die sehr komplexen physikalischen Vorgänge kann man auch in einem Geschichtsforum nicht diskutieren, dafür gibt es schließlich naturwissenschaftliche Foren, in denen so etwas geschieht. Wir können uns hier allerdings mit den sozialen Folgen beschäftigen. Da sind wir sicherlich kompetent genug.
 
Spartaner
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

01.11.2015, 18:09

Wallenstein hat geschrieben:
Die Frage mit der Sahara gehört zwar nicht zum Thread, ist aber natürlich auch interessant. Das sie früher fruchtbar war ist unbestritten. Warum aber, das wird sehr kontrovers diskutiert. Es gibt viele Klimafaktoren: Strahlungsbilanz der Sonne, Verteilung von Land und Meer, Meeresströmungen, Oberflächengestalt des Reliefs und die damit verbundene Albedo, die Vegetation, Zusammensetzung der Luft (Kohlendioxidgehalt, Methan) und noch viel mehr. Das Klima ist sehr komplex und wird auch heute noch nicht richtig verstanden. Das zeigen ja die heftigen Auseinandersetzungen bezüglich der Erderwärmung.


Eine plausible Erklärung liefert Claußen vom Max Planck Institut:
Warum war die Sahara früher grüner?
"Es gibt durchaus Forscher, die den Analogieschluss ziehen und eine grüne Sahara erwarten. Claußen streicht eher die Unterschiede zwischen der heutigen Situation und dem mittleren Holozän heraus. Die Frage sei: Warum war die Sahara damals deutlich grüner als sie heute ist? Es hatte vor allem mit der Änderung der Erdbahn um die Sonne zu tun, erläutert Claußen. Im Gegensatz zum heutigen Klimawandel ist das ein ganz allmählicher Prozess: "Die Erde reagiert wie ein Kreisel, der sich im Weltraum dreht, und auf diesen Kreisel wirken Drehmomente, also Kräfte, die nicht im Massemittelpunkt der Erde angreifen - die Anziehungskraft durch die Sonne und die anderen großen Planeten. Wie jeder Kreisel fängt dann auch die Erde an zu taumeln." Dieses "Taumeln" geschieht sehr langsam; es sorgt dafür, dass sich die Exzentrizität, also die Ellipsenförmigkeit der Erdbahn mit einer Periode von gut 100.000 Jahren ändert und die Erdachse sich mit einer Periode von etwa 40.000 Jahren um wenige Grad hin und her bewegt. Auch die Länge der Jahreszeiten ändert sich dabei mit einer Periode von etwa 19.000 bis 23.000 Jahren.
Diese Veränderungen sorgen dafür, dass sich die geografische Verteilung der solaren Energieflüsse ändert. Im mittleren Holozän waren insbesondere die Sommer auf der Nordhalbkugel wärmer als heute. Dabei erwärmten sich die Landmassen im Jahresgang schneller als die Ozeane. Dies vergrößerte den Temperaturgegensatz zwischen Kontinent und Ozean im Sommer und verstärkte in Nordafrika den Monsun.
Das war der Anstoß, der zur Begrünung der Sahara führte, betont Claußen. Doch ein wichtiger Verstärkungsprozess war die Begrünung selbst: Da Vegetation wesentlich dunkler ist als Wüste, ändert sie den Strahlungshaushalt über der Wüste und damit die atmosphärische Zirkulation. Dadurch wurde der Monsun intensiviert, dass sich die Vegetation auch halten konnte."
http://www.n-tv.de/wissen/frageantwort/ ... 79792.html
 
Wallenstein

Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

02.11.2015, 11:13

Ja, eine von vielen Theorien. Ich kenne sie. Die astronomischen Komponenten hatte ich ja oben bereits erwähnt. Hat aber einen Nachteil, die Korrelationen stimmen nicht genau überein.

„Während der letzten Eiszeit, die vor 75.000 Jahren einsetzte und rund 60.000 Jahren andauerte, fielen die Feuchtperioden aus, weil das Klima weltweit deutlich kälter und trockener war. Der westafrikanische Monsun zog nicht weit genug nach Norden, um die Sahara zu erreichen. Allerdings war das Klima der Eiszeit sehr abwechslungsreich.“
https://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2008 ... hara.shtml

Ja, abwechslungsreich . Gute Ausrede, wenn man nicht genau weiß, wie es wirklich war und welche Faktoren wirkten und die Korrelationen nicht richtig stimmen. Es gibt also noch viel mehr Komponenten.

Hier ist noch eine Theorie:
„Ausgelöst wurden die Klimaschwankungen durch veränderte Meeresströmungen im Atlantik, wie die Analyse von fossilen Foraminiferen ergab – die Schalen der Meereseinzeller speichern quasi die chemische Zusammensetzung des Tiefenwassers, die wiederum von den Zirkulationsverhältnissen abhängt. So trocknete die Region stets aus, wenn die so genannte Thermohaline Zirkulation im Ozean nachließ. Diese Abschwächungen fanden zu Beginn warmer Zwischeneiszeiten während der Günz-Eiszeit statt, als die Gletscher auf der Nordhalbkugel schmolzen und frisches Süßwasser das salzige Meerwasser verdünnte.

Dadurch reduzierte sich die Menge des absinkenden Salzwassers, so dass die ozeanische "Pumpe" lahmte und weniger warmes Wasser von den Tropen nach Norden strömte. Kurzzeitig kühlten sich diese Regionen wieder ab, weshalb sich die atmosphärischen Druckverhältnisse verschoben: Über Nordafrika verstärkte sich der Hochdruckeinfluss, und die Regenmengen nahmen ab. „

http://www.spektrum.de/news/gruene-saha ... ka/1013652
Okay, nun ist es aber genug.
 
james
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Re: Das Mittelmeer – einst und jetzt

07.11.2015, 20:41

Wallenstein hat geschrieben:
In einer fernen Zukunft wird es nur noch wenige Menschen geben, die auf ein primitives Kulturniveau zurückgefallen sind und in kleinen Gruppen auf der Erde umherziehen. Staunend und verständnislos stoßen sie immer wieder auf die Überreste einer vergangenen Zivilisation und an ihren Lagerfeuern erzählen sie sich von einer Zeit der Wunder, als die Menschen noch Engel waren, die durch die Luft flogen und künstliche Monde an den Himmel hängten.


Also wenn du ein Buch schreibst, würd ich mir das glatt kaufen. Klingt nach einer interessanten Story, schreib weiter!


Wallenstein hat geschrieben:
Sie gehen am Ufer eines Flusses entlang, denn man einst in einer fernen Vergangenheit den Nil genannt hatte, doch heute mündet er weit von Alexandria entfernt hoch im Norden in der Nähe vom einstigen Griechenland in einem großen Salzsee.


Kleines Problem, der Nil verläuft im Falle eines austrocknendem Mittelmeeres in einer Kurve nach Malta, wo er zwischen Malta und Karthago ins westliche Mittelmeer fliessen würde, sofern das noch existiert. Der Nil ist also nie in die Agais geflossen. :shh:

Ich spinn mal den Faden weiter, wie die Welt vielleicht aussehen würde, durch die deine Gruppe wandern würde.

Die Welt von "übermorgen" - das neue Paradies?
Die Agais würde zu 90% trocken liegen und man könnte trockenen Fusses von Griechenland nach Anatolien gelangen, nur Kreta und Korfu, die unterirdisch zusammen hängen, lägen wahrscheinlich noch in einem austrocknendem immer flacher werdenden Salzsee, an derem Ufer tausende Pelikane leben würden.
Es ist unwahrscheinlich das Menschen durch ausgetrocknete Salzbecken wandern würden, da die Reflektion des Salzes ihnen zusätzlich Wasser entzieht und sie somit verdursten. Man rechnet damit das sich diese Salzpfannen auf Temperaturen bis zu +70 Grad aufheizen würden. Sicher würden es die Ersten noch so versuchen, denn sie haben ja keine Ahnung was sie erwartet.

Tatsächlich würden Menschen wohl von Berg zu Berg wandern, da die Inseln meist Berge haben, wo es erheblich kühler ist und wo man das Regen- und Tauwasser in Zisternen sammeln kann, das sich auf den Felsen absetzt. Auch die Tierwelt flüchtete sich während des ausgetrockneten Mittelmeeres überwiegend in jene Gegenden die heute Inseln sind. Diese waren also wie Oasen in der Wüste und zogen sämtliches Leben an.
Deshalb wurden sie auch vom Festland abgeschnitten und bildeten Inselpopulationen, als der Damm von Gibraltar brach. So sind z.B. Mammut, Pferde, Hirsche auf Mittelmeerinseln gefunden worden. Aber aufgrund des Nahrungsmangels werden sie zu Zwergen.
Kreta hatte z.B. den kleinsten "Riesenhirsch", der war nur noch 60cm hoch und wohl auch den kleinsten Elefanten mit nur 1,20m Höhe. Ähnliches könnte noch mal geschehen und würde wohl auch zu Kleinwuchs bei menschlichen Gemeinschaften führen, sofern diese Inselbevölkerung nicht den Genaustausch mit anderen Völkern pflegt, was natürlich Wasserfahrzeuge vorraussetzt. (So geschehen auf Palau wo eine humane Inselbevölkerung vor 10.000 Jahren entstand, die von der Neubesiedlung bekämpft wurde, aber in Mythen und nun auch durch Funde bestätigt ist. Per Genanalyse wurde sie dem Homo Sapiens zugewiesen, obwohl sie eher wie die Hominiden von Flores aussahen.
http://www.wissenschaft.de/kultur-gesel ... auf-Palau/)

Ebenso wäre mind. die halbe Adria trocken. Zwischen Pannonien und Italien würde wohl eine Salzsteppe entstehen, die vom Po durchzogen wird, der bei Apulien in den Salzsee münden würde (falls er noch soweit kommt).
Der See der ehemals das schwarze Meer war, würde eine Verbindung mit dem Kaspischem Meer über die Mantschyr-Senke aufbauen und nördlich des Kaukasus würde ein riesiger Sumpf entstehen. Der Mantschyr ist ein unterirdischer Fluss der vom Don abzweigt und heutzutage nur selten bei Hochwasser an der Oberfläche sichtbar wird. Uralte Mythen aus Mesopotamien und der Avesta erzählen noch von diesem Fluss des Todes, der zu ihrer Zeit noch den Sumpf speiste.
Üblicherweise erreicht er das Kaspische Meer nicht mehr, sondern versickert kurz davor. Da aber der Abfluss zum Mittelmeer geschlossen wäre, würde das Asowsche Meer am Pontus-See überlaufen und daher diesen Abfluss so stark nutzen, das der Mantschyr das Kaspische Meer wieder erreicht, was ein Ausgleich beider Binnenmeere schaffen würde. Auf der anderen Seite des Kaspischen Meeres würde die Kaspisenke, eine Salzsteppe im Norden des Kaspischen Meeres und die Kaspisch-Aralische Senke im Osten sich wieder füllen. Der Amu Darja würde unmittelbar vor dem Aralsee einen Bogen nach Westen machen, wie es sein ursprünglicher Verlauf war und in die Aralo-Kaspische Senke fliessen, die nach und nach auch den Aralsee mit dem Kaspischen Meer verbinden würde. Die angewachsenen Gletscher des Pamir und Tianshan würden nicht nur den Amu Darja sondern auch den Syr Darja zu mächtigen Strömen machen an deren Ufer sich neue Zivilisationen so reich und bunt wie das alte Baktrien und Sogdien bilden würden.
Der Aralsee würde binnen 20 Jahren wieder die einstige Dimension erreichen und vielleicht sogar auf die Größe eines Binnenmeeres anwachsen. Die Ersten die diese neuen Verbindungen nutzen würden, wäre der kaspische Stör, der im schwarzen Meer und im Aralsee heimisch werden würde. Plötzlich gäbe es auch wieder Robben und Delfine im Aralsee, die sich dem Süßwasser anpassen würden. Möglich das eine Population von Zwergwale im Pontus-See eingeschlossen wird und notgedrungen zum Süßwasserwal werden müsste.
Die Karakum und Kysylkum würden eine Art Flachwassermeer mit tausenden Inseloasen bilden, an deren nördliche Seite in der ehemaligen Hungersteppe von Kasachstan gigantische Herden von Saigaantilopen, verwilderten Pferden und Rindern bilden würden. Schon bald würden auch Raubtiere auftauchen die man dort nicht erwartet, denn Bären, Schneeleoparden und Tiger würden neue Unterarten bilden die sich der neuen Nahrungsressource anpassen.
Im Tarimbecken würden goldene Pappelwälder mitten in der Taklamakan wachsen und mehrere uralte Flüsse würden sich wieder füllen. Es würde so aussehen wie es alte Mythen erzählen und wovon es heute nur noch Restbestände gibt.
Auf der anderen Seite des Himalaya würde die Vegetation vermutlich leiden.

All dies wäre ein Grund das Millionen Inder in die ehemaligen Wüsten ziehen würden und eine Lebensweise aufnehmen, wie sie früher von Reitervölkern und heute von Mongolen noch praktiziert wird. Ähnliches würden wohl auch für ankommende Europäer zutreffen.

Nordeuropa würde wohl, nachdem der Süßwasseraquifer in Mitteleuropa versiegen wäre, sehr schnell entvölkert werden, zumal auch die Gletscher anwachsen würden die sich nach Ostdeutschland bewegen. Die anfangs von dem Zugewinn ihres Landes noch erfreuten Dänen würden bald von Schweden überrannt werden, die ihr Land an die wachsenden Gletscher verloren.
Die Bewohner der Lüneburger Heide, Niedersachsen, Schleswig, Pommern und Mecklenburg wie auch Jütlands wären wohl die Ersten aus Deutschland die losziehen würden, während von Norden die Schweden und Dänen nach Deutschland ziehen. Nach und nach würden alle Nordvölker notgedrungen nach Süden abwandern und die Südvölker ebenfalls zum Wandern zwingen.
Ihr Land im Norden Europas würde verwaist zu einer Art Mammutsteppe werden, in der die heutige Lebensart nicht mehr möglich wäre. Damit wäre es für die Rentierzucht wieder interessant und somit zum Lebensraum für Rentiervölker wie die Saamen werden, die damit zurecht kommen und in der Eifel Rentierherden halten würden.

Viele Nordeuropäer würden vermutlich den uralten Pfaden folgen, die sie aus den Geschichtsbüchern kennen, d.h. über die Elbe und Weichsel zum südl. Bug entlang des Pontus-Sees zum Uralbecken, dem Samara Fluss Richtung Kasachstan folgen und zu einer Art neuer Skythen in der nun aufblühenden Landschaft Zentralasiens werden, wie sie es schon früher taten. Dort würden sich wohl erneut Europäer auf Inder und Chinesen treffen.
Auf der anderen Seite würden Nordvölker nun südlich der Alpen siedeln und zu Südländern werden, deren Lebensbasis wohl der Handel mit Salz und Süßwasser werden könnte. Die Bevölkerung der südeuropäischen Länder würde erstmal massiv anwachsen und die Schwächsten nach Afrika verdrängen.

Andersrum wäre auch das Rote Meer und der Golf von Persien von Wasserschwund betroffen. Das Rote Meer würde einen mächtigen Schilfgürtel bilden, eine Art Schilfmeer wo sich Menschen ähnlich wie am Titicaca-See einrichten und mittendrin ein salziger Strom so mächtig wie der Nil, der zur Wasserstraße wird. Auf der anderen Seite würde Arabien zu einer Landschaft werden, die von Wadis und Flüssen geprägt ist und wo sich Araber, Afrikaner und Völker aus dem Iran und Südindien treffen würden, denn auch Südindien und China würde unter dramatischem Wassermangel leiden, obwohl Indien nun mit Sri Lanka verbunden ist und die Küstenlinie deutlich zugenommen hat. Dafür wächst am Helmant im Osten Irans ein mächtiger Strom heran der in einem Becken versiegt, das einst eine uralte Kultur ernährte. Auf ihren Ruinen würde in dem nun fruchtbar gewordenem Becken eine neue Kultur entstehen.

Weiter östlich würde Java, Sumatra, die Malaiische Halbinsel und Borneo zusammen wachsen und eine Art Kontinent
bilden, der bis Timor reicht. Auf der anderen Seite des Meeres würde Papua-Neuguinea, der Bismark-Archipel und Tasmanien mit Australien verbunden werden. Aus dem Pazifik würden tausende neue Inseln auftauchen, die aber nicht besiedelt werden können weil ihnen noch der Boden fehlt und sie somit nackte lebensfeindliche Koralleninseln darstellen.

Mit anderen Worten, die Welt wie wir sie kennen gäbe es nicht mehr.