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Die Kolonialplitik Brandenburg-Preußens

Kolonialismus, Afrika, China, Wettlauf um die Welt, Indien, Englisches Weltreich

Moderator: Barbarossa

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Barbarossa
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Über die kurzlebige Kolonialpolitik des ,,Großen Kurfürsten'' Friedrich Wilhelm v. Brandenburg (1640-1688) in Westafrika ist kaum etwas bekannt. Auch mir war bisher nicht klar, dass im Laufe der Zeit tausende westafrikanischer Sklaven auch an den Brandenburgisch-Preußischen Hof gebracht wurden.

Gegründet wurde die Kolonie Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana im Jahre 1681 (also noch vor der Erhebung Preußens zum Königreich), wurde unter seinen Nachfolgern bis zum Jahre 1717 gehalten und erst danach an die Niederlande verkauft.
Der ,,Große Kurfürst'' gründete die ,,Africanische Compagnie'' und handelte mit Edelmetallen und anderen Produkten sowie mit Sklaven. Schätzungen zufolge wurden über diese Kolonie zw. 10.000 und 30.000 Sklaven nach Amerika verkauft.
Erst ab 1695 begann der Handel abzuebben und wurde unrentabel.
zum Nachlesen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gro%C3% ... _(Kolonie)

In Berlin hat dazu eine Sonderausstellung eröffnet, die bis zum 31. Oktober 2023 in Schloss Charlotenburg zu sehen ist.
Quelle: Oranienburger Generalanzeiger - Printausgabe v. 5. Juli 2023
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Balduin
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Warum wurde die Kolonie verkauft?
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Das ist ein sehr interessanter Blick in die Geschichte:

Der Brandenburgisch Afrikanischen Compagnie (BAC) war kein großer Erfolg beschieden. Sie bestand von 1682 bis 1711. Sklavenhandel war gang und gäbe. Diese Menschen begriff man als Ware und „Spielzeug“. (Die Katholische Kirche hat sich bei der Befreiung der Sklaven nicht mit Ruhm bekleckert. Die Päpste blieben in der Sklavenfrage lange bei ihrer moraltheologischen Zurückhaltung und sprachen sich erst im 19. Jahrhundert entschieden gegen die Sklaverei aus.) Zitate aus der sehr ausführlichen Arbeit von Anneli Partenheimer:
Alle, die alt und krank oder mit irgendwelchen körperlichen Gebrechen behaftet waren, sortierte man aus. Die Gesunden und Kräftigen kaufte man und kennzeichnete sie auf der rechten Schulter durch das Brandzeichen CABC für „Churfürstlich Afrikanisch-Brandenburgische Compagnie“. Hatte man fünfzig bis hundert Sklaven beisammen, trieb man sie, zu zweien und dreien aneinandergekoppelt, zur Küste, wo sie verladen wurden.
Hatte Friedrich III./I. bis zuletzt an der Kompanie festgehalten, so war eine der ersten Maßnahmen seines Nachfolgers Friedrich Wilhelm I., sie zum Verkauf anzubieten. Er betrachtete das afrikanische Handelswesen als eine „Schimäre“.
Die Suche nach Käufern blieb erfolglos, bis sich im August 1717 die Niederländische Westindien-Companie meldete. Der Verkaufsvertrag vom 18. Dezember 1717 bestimmte, daß Groß-Friedrichsburg und die benachbarten Plätze sowie Arguin für 6000 Dukaten in den Besitz der holländischen Gesellschaft übergehen sollten.
Die Schiffahrts- und Kolonialpolitik des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg / Anneli Partenheimer
https://d-nb.info/1213055288/34
Zuletzt geändert von Balduin am 05.08.2023, 15:06, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitate aus urheberrechtlichen Gründen gekürzt.
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Balduin
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Balduin hat geschrieben: 04.08.2023, 06:32 Warum wurde die Kolonie verkauft?
Friedrich Wilhelm I. hatte keinerlei persönliche Beziehungen oder Neigungen zu Marine und Kolonien und konzentrierte sich vielmehr auf den Ausbau der preußischen Armee. --- aus Wikipedia: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gro%C3% ... Kolonie%29

Letztlich der Verkauf, um Geld in die Kassen zu spülen. Wahnsinn, das das vor hunderten Jahren schon so war wie heute.
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Barbarossa
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Von Anfang an hatten auch die Holländer etwas gegen die kolonialen Ambitionen des Brandenburgischen Kurfürsten. Sie karperten sogar einige brandenburgische Schiffe - die Holländer hatten sich wohl zu der Zeit eine gewisse Vormachtsstellung in der Reigion gesichert, die sie dadurch bedroht sahen.
Und - wie du richtig schreibst - unter den Nachfolgern ließen die Amitionen deutlich nach.
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Barbarossa
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Textzitat in voller Länge:
»Brandenburgs Adler über Afrika

Am 1. Januar 1683 hisste Major Otto Friedrich von der Groeben am „Kap der drei Spitzen“ im heutigen Ghana die Flagge mit dem roten Adler und ergriff im Namen seines Herrn, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Besitz von einem winzigen Stück Westafrikas.

Vorausgegangen waren geschlossene Schutzverträge mit den lokalen Ahanta-Häuptlingen, die dem Bau der Festung Groß Friedrichsburg zustimmten. Während von der Groeben den 1. Januar nach dem bei den protestantischen Staaten noch üblichen julianischen Kalender notierte, schrieben die etablierten europäischen Mächte vor Ort bereits den 11. Januar, gemäß dem heute gängigen gregorianischen Kalender. Man könnte sagen, die Brandenburger waren ihrer Zeit hinterher und tatsächlich betraf es nicht nur den Kalender.

Brandenburg trat spät auf und der Markt war nicht nur weitestgehend aufgeteilt, er war auch buchstäblich hart umkämpft. Niederländer, Engländer, Franzosen, Dänen, Schweden und Portugiesen dominierten mehr oder weniger das Geschehen. Eine Sonderrolle spielten die Spanier, die zwar keine eigenen Festungen in Westafrika unterhielten, als Sklavenabnehmer für ihre amerikanischen Besitzungen jedoch die wichtigsten Handelspartner waren.

Überhaupt war die Lage vor Ort verworren und paradox: In Europa waren Brandenburg und die Niederlande konfessionell und politisch verbündet, doch in Westafrika bekämpfte die Niederländische Westindische Kompanie die Brandenburger Konkurrenten mit äußerster Schärfe.

Maritim war Brandenburg in allen Belangen im Nachteil. Weder verfügte man über eine Tradition zur See, noch über eine schlagkräftige Flotte und – was es wirtschaftlich geradezu dramatisch machte – über keinen leistungsfähigen Seehafen in der Heimat. Mit Stettin hielt Schweden nicht nur die Odermündung fest in der Hand, auch der für Brandenburg geeignetste Seehafen war durch hohe Zölle und wiederholte kriegerische Konflikte laufend versperrt oder unrentabel. Unverhofft bot sich eine Gelegenheit an der Nordsee: Der Kurfürst nutzte einen Konflikt in Ostfriesland, um sich vertraglich den Hafen von Emden als Basis zu sichern.
Das treibende Motiv hinter Friedrich Wilhelms überseeischen Ambitionen war keine koloniale Machtentfaltung, auch keine Frage von Prestige; es waren finanzielle Aspekte, die ihn sowohl zwangen als auch lockten. Das unter seiner Regierung aufgestellte stehende Heer kostete fortlaufend hohe Summen, und die finanziellen Bewilligungen der Landstände erforderten Zugeständnisse seitens des Landesherrn, die der Kurfürst nur ungern ohne Not gewährte. Friedrich Wilhelm hoffte, die Handelsgewinne direkt in die kurfürstliche Schatulle fließen zu lassen und so unabhängiger gegenüber seinen Ständen zu werden.

Merkantilistisch diente die Kolonie als Absatzmarkt für heimische Erzeugnisse, insbesondere für märkische Wollstoffe und Tuche aus dem Krefelder Raum. Diese Textilien wurden gegen Gold, Elfenbein, vor allem aber Sklaven getauscht, wobei letztere in der Karibik, oft über St. Thomas, wiederum gegen koloniale Luxuswaren mit den Spaniern, Engländern und Franzosen gehandelt wurden, um die Wertschöpfung weiter zu maximieren.

Nach anfänglichen Profiten zeigten sich bald strukturelle Defizite: Es fehlte an Kapital und einer ausreichend großen Marine zum Schutz der Routen. Nach dem Tod des Großen Kurfürsten 1688 verlor das Projekt seinen Initiator und Schirmherren. Während sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. (I.) aus Prestige noch daran festhielt, zog dessen Erbe Friedrich Wilhelm I. die ökonomische Konsequenz aus der dauerhaften Defizitwirtschaft. Er verkaufte die Besitzungen 1717 an die Niederländische Westindische Kompanie und beendete das koloniale Experiment 1720 endgültig. Brandenburg-Preußen war wieder eine reine Kontinentalmacht geworden und schöpfte seine Mittel aus den eigenen Landen.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/1XLasnvcdr/
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repo
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Es war mir schon eine ganze Zeit, wie wenn ich zu dem Thema was in meinem Bücherschrank stehen hätte.
Jetzt habe ich es gefunden.
"Schiffe unter dem Roten Adler"
Ein Buch aus dem Jahr 1986 Delius Klasing, Modellbau-Reihe, Autor ein Herr Schmidt aus Magdeburg,
jede Menge Details zum Brandenburgischen Schiffsbau in Havelberg einschl. Risse um die Schiffe als gewiegter Modellbauer anfertigen zu können.
Wie die Schiffe auf der Elbe mit ca. 2 m tiefer Fahrrinne per "Kamel" nach Hamburg transportiert wurden, zur Ausrüstung oder wegen Geldmangel dort bis ans Ende ihrer Tage blieben.
repo
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Noch zwei Bemerkenswerte:
Der Große Kurfürst wollte zuerst die Dänische Kolonialhandlung erwerben, die Verhandlungen zogen sich über einige Jahre hin, der Kurfürst musste teure Kriege führen und hatte deshalb immer wieder kein Geld.
Schließlich war es den Dänen zu "Blöd" und sie verzichteten auf den "Deal".

Daraufhin, etliche Jahre später hat der Große Kurfürst dann seine eigene See- und Kolonialhandlung gegründet.
Als Aktiengesellschaft, die allererste in Deutschland!
repo
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Übrigens, die Österreichische Ostindienhandelskompagnie ist ähnlich gescheitert,
Großbritannien machte seine Zustimmung zu den "Pragmatischen Sanktionen" von der Aufgabe dieser abhängig.
repo
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repo hat geschrieben: 16.01.2026, 12:02 Übrigens, die Österreichische Ostindienhandelskompagnie ist ähnlich gescheitert,
Großbritannien machte seine Zustimmung zu den "Pragmatischen Sanktionen" von der Aufgabe dieser abhängig.
Was der Papa der Maria Theresia dann auch machte.
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Barbarossa
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Ok, das mit Österreich wusste ich auch noch nicht.
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Barbarossa
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Im folgenden Beitrag geht es um einen Hauptakteur.
Hier das Textzitat in voller Länge:
.
»Otto Friedrich von der Groeben – barocker Weltenbummler in brandenburgischen Diensten

Am 30. Januar 1728 – heute, vor genau 298 Jahren – starb Otto Friedrich von der Groeben auf seinen Gütern bei Marienwerder in Westpreußen.

Der brandenburg-preußische Offizier, Entdecker und Reiseschriftsteller verkörpert einen damals typisch vorkommenden barocken Abenteurers und Weltreisenden aus dem Adel. Im Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm trug er maßgeblich zur kurzlebigen kolonialen Episode Brandenburg-Preußens bei.

In einer Epoche merkantilistischer Ambitionen, laufender kriegerischer Konflikte und zunehmend weltumspannender Neugier unternahm von der Groeben ausgedehnte Reisen, die ihn nach Afrika, in den Orient und auf europäische Kriegsschauplätze führten. Besonders machen ihn jedoch seine Berichte, die zu den ersten deutschsprachigen dieses Genres gehören. Sie sind nicht nur wertvolle historische Quellen, sondern spiegeln auch das barocke Ideal des gebildeten, tapferen und kosmopolitischen Adligen wider.

Frühes Leben und erste Reisen

Otto Friedrich von der Groeben wurde am 16. April 1657 in Napratten bei Heilsberg im Fürstbistum Ermland geboren. Er entstammte einer alten ostpreußischen und protestantischen Adelsfamilie, erhielt seine Ausbildung jedoch am katholischen Jesuitengymnasium in Rößel. Die jesuitischen Bildungsanstalten genossen einen guten Ruf und es war keine Seltenheit, dass der regionale protestantische Adel seine Kinder in derartigen Einrichtungen ausbilden ließ. Bereits mit 17 Jahren verließ er seine Heimat, um als typischer „Cavalierstourist“ der Zeit Europa und den Orient zu erkunden. Seine Reisen führten ihn nach Italien, Malta, Ägypten, Palästina, Zypern, Spanien, Frankreich und England. In spanischen Diensten nahm er als Soldat an Kämpfen gegen die Osmanen teil und erlitt Verwundungen.

Seine Ausbildung und die frühen internationalen Erfahrungen prägten ihn zum vielsprachigen, kulturbeflissenen Kosmopoliten.

Im Jahr 1680 kehrte von der Groeben nach Brandenburg-Preußen zurück und trat in den Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Als Kammerjunker am Hof erregte er durch seine Bildung und Reiserfahrungen schnell Aufmerksamkeit. Der Kurfürst, der Brandenburg-Preußen zur Seemacht ausbauen und am lukrativen Überseehandel teilhaben lassen wollte, erkannte in ihm den geeigneten Mann für ambitionierte Unternehmungen.

Die Expedition nach Westafrika und die Gründung einer Kolonie

Die bedeutendste Leistung von der Groebens war die Leitung der zweiten brandenburgischen Expedition an die Goldküste Westafrikas in den Jahren 1682/83. Im Kontext des europäischen Merkantilismus und des atlantischen Dreieckshandels gründete der Große Kurfürst 1682 die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie in Emden, um am Handel mit Gold, Elfenbein und Sklaven teilzunehmen. Von der Groeben erhielt den Oberbefehl über die Fregatten Churprinz von Brandenburg und Morian.

Am 16. Mai 1682 stach die Flotte in See. Nach beschwerlicher Reise erreichte sie Ende Dezember 1682 die Küste des heutigen Ghana. Am 1. Januar 1683 hisste von der Groeben die brandenburgische Flagge bei Pokesu und begann den Bau der Festung Groß-Friedrichsburg. Durch Verträge mit lokalen Ahanta-Häuptlingen sicherte er das Gebiet. Die Festung wurde zum Stützpunkt der brandenburgischen Kolonie, die bis 1717 bestand und am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt war. Schätzungen sprechen von 10.000 bis 30.000 verschifften versklavten Afrikanern, die als Kriegsbeute grassierender innerafrikanischer Kriege von den Einheimischen an die Europäer gegen Waren eingetauscht wurden, um dann über den Atlantik in die spanischen Kolonien gebracht zu werden.

Von der Groeben erkundete weitere Küstenabschnitte im heutigen Kamerun, Benin und Nigeria. Tropenkrankheiten dezimierten die Besatzung, er selbst erkrankte schwer. Im Sommer 1683 übergab er das Kommando und kehrte zurück. Für seine Verdienste wurde er zum prospektiven Amtshauptmann von Marienwerder und Riesenburg ernannt.

Militärische Karriere und weitere Reisen

Nach der Afrika-Expedition setzte von der Groeben seine militärische Laufbahn fort. 1686 kämpfte er im venezianischen Dienst im Großen Türkenkrieg auf der Peloponnes. In brandenburg-preußischen Diensten avancierte er 1688 zum Generalmajor, später trat er in polnische Dienste ein und erreichte den Rang eines Generalleutnants. Ab den 1690er Jahren widmete er sich der Bewirtschaftung seiner Güter und der Familie – er war dreimal verheiratet und hatte zahlreiche Kinder.

Seine Erlebnisse hielt er in literarischen Werken fest. Das bekannteste ist die Orientalische Reise-Beschreibung von 1694, die seine frühen Reisen, die Guinea-Expedition und den Morea-Feldzug beschreibt. Das illustrierte Werk in barocker Sprache gilt als eine der ersten detaillierten deutschsprachigen Darstellungen afrikanischer Kulturen und europäischer Handelsstützpunkte.

Otto Friedrich von der Groeben verkörpert den barocken „Weltenbummler“ par excellence: gebildet, abenteuerlustig, neugierig und weltoffen. Die Gründung und der Betrieb der Festung von Groß-Friedrichsburg markiert den Höhepunkt der brandenburg-preußischen Kolonialbestrebungen. Gleichzeitig mahnt sein Engagement im Sklavenhandel an die dunklen Seiten dieser Episode.

In einer Zeit, in der Europa die Welt neu entdeckte und eroberte, steht von der Groeben für die Ambitionen eines aufstrebenden Staates. Seine Reiseberichte bereicherten das Wissen über ferne Kontinente und trugen zur barocken Reiseliteratur bei.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/17in9x7xqJ/
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Barbarossa
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Hier ein weiterer interessanter Artikel zu den maritimen Ambitionen des „Großen Kurfürsten", der auch noch in andere, schon gepostete Artikel eingreift.
So steht er auch direkt im Zusammenhang mit dem Holländischen Krieg von 1672–1679:
viewtopic.php?p=76794#p76794
.
Textzitat in voller Länge:
»Der Kaperkrieg des Großen Kurfürsten gegen Spanien

Bevor wir auf Brandenburgs maritimen Ambitionen eingehen, müssen wir den Kontext erörtern. Heute fällt der Artikel dementsprechend lange aus. Wir hoffen ihn dennoch ausreichend interessant gestaltet zu haben.

- Der Holländische Krieg und Brandenburgs Kampf gegen Schweden

Der Kaperkrieg des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm gehört zu den weniger bekannten Episoden der brandenburgischen Politik des späten 17. Jahrhunderts. Er entstand nicht aus einem eigenständigen Konflikt Brandenburgs mit Spanien, sondern aus den politischen Folgen des Holländischen Krieges von 1672 bis 1679 und den Bemühungen des Kurfürsten, seine Stellung innerhalb der europäischen Mächteordnung zu behaupten.

Ludwig XIV. von Frankreich hatte 1672 den Krieg gegen die Vereinigten Niederlande begonnen, um die französische Vormachtstellung in Europa weiter auszubauen. Die niederländische Republik konnte sich jedoch behaupten und bildete gemeinsam mit Kaiser Leopold I., Spanien und weiteren Gegnern Frankreichs eine breite Koalition. Auch Brandenburg trat auf niederländisch-kaiserlicher Seite in den Krieg ein. Für Friedrich Wilhelm war der Kampf gegen Frankreich nicht nur eine Frage europäischer Machtpolitik, sondern auch eine Möglichkeit, Brandenburg als eigenständigen Faktor innerhalb des Reiches und darüber hinaus zu stärken.

Die brandenburgische Armee war deshalb seit 1674 gemeinsam mit kaiserlichen Truppen am Oberrhein gegen Frankreich eingesetzt. Ende Dezember 1674 erlitt die brandenburgisch-kaiserliche Armee bei Türkheim im Elsass eine Niederlage gegen die französischen Truppen unter Marschall Henri de La Tour d’Auvergne, Vicomte de Turenne, der einen außerordentlich geschickten Bewegungskrieg gestartet hatte. Die brandenburgischen Verbände zogen sich mit den Kaiserlichen ostwärts über den Rhein zurück und marschierten anschließend in die Winterquartiere nach Franken ab.

Diese Abwesenheit des brandenburgischen Hauptheers nutzte Schweden aus. Schweden stand zu diesem Zeitpunkt auf französischer Seite und sollte durch ein Vorgehen gegen Brandenburg die Kräfte der antifranzösischen Koalition schwächen. Bereits am 25. Dezember 1674 – noch vor der Niederlage von Türkheim – überschritten schwedische Truppen die brandenburgische Grenze und drangen in die Uckermark ein. In den folgenden Monaten besetzten sie große Teile der nördlichen Kurmark. Wieder stand der Schwede also in der Mark! Die Bevölkerung musste in dieser Zeit erhebliche Kontributionen für die Versorgung der Besatzungstruppen leisten und abermals große Not.

Friedrich Wilhelm musste seine Politik neu ausrichten und seine gegen Frankreich eingesetzten Truppen zurückführen. Die Niederlande und Spanien unterstützten den Kurfürsten schließlich auch diplomatisch und erklärten Schweden im Juni 1675 den Krieg.

Friedrich Wilhelm führte sein durch Krankheiten dezimiertes Heer in einem spektakulären Marsch aus Franken über Thüringen und Sachsen nach Brandenburg zurück. Am 28. Juni 1675 gelang der legendäre Sieg über die schwedische Armee bei Fehrbellin. Die Schlacht hatte zwar keine Bedeutung für den gesamteuropäischen Krieg, wurde jedoch zu einem wichtigen politischen Ereignis mit großer Signalwirkung: Erstmals hatte Brandenburg ohne Unterstützung die Armee einer europäischen Großmacht besiegt.

- Spanische Subsidien und die Grenzen der Bündnispolitik

Die Kriegführung gegen Schweden stellte Brandenburg vor erhebliche finanzielle Belastungen. Wie viele Mittelstaaten des 17. Jahrhunderts war auch Brandenburg auf ausländische Subsidien angewiesen. Bündnispartner unterstützten ihre Verbündeten durch Geldzahlungen, mit denen Soldaten angeworben, ausgerüstet und versorgt werden konnten.

Spanien, das gemeinsam mit Brandenburg gegen Frankreich und Schweden kämpfte, hatte Friedrich Wilhelm deshalb finanzielle Unterstützung zugesagt. Die Summe belief sich nach den zeitgenössischen Angaben auf rund 1,8 Millionen Taler. Für Brandenburg wäre diese Zahlung eine wichtige Entlastung gewesen, da die langen Feldzüge die Finanzen stark beanspruchten.

Die zugesagten Gelder blieben jedoch aus. Der Grund hierfür lag in der schwierigen Lage der spanischen Krone. Spanien war im 17. Jahrhundert zwar weiterhin eine Großmacht, verfügte aber nicht mehr über die finanzielle Stärke des 16. Jahrhunderts. Mehrere Staatsbankrotte, hohe Kriegskosten und die Belastungen durch die europäischen Konflikte hatten die Handlungsfähigkeit der Krone dramatisch eingeschränkt.

Unter Karl II., der 1665 als Kind den spanischen Thron bestiegen hatte, verschlechterte sich die Situation weiter. Die Einkünfte aus den amerikanischen Besitzungen waren zu großen Teilen auf Jahre hinaus verpfändet, und die spanische Regierung musste ihre begrenzten Mittel auf Unzählige verteilen. Zahlreiche Verbündete Spaniens machten deshalb ähnliche Erfahrungen.

Brandenburg erhielt trotz wiederholter Bemühungen keine ausreichenden Zahlungen. Friedrich Wilhelm musste daher nach anderen Möglichkeiten suchen, seine finanziellen Ansprüche durchzusetzen.

- Benjamin Raule und der Aufbau der kurbrandenburgischen Flotte

In dieser Situation gewann Benjamin Raule für die brandenburgische Politik eine besondere Bedeutung. Der aus Zeeland stammende Kaufmann und Reeder hatte umfassende Erfahrungen im niederländischen Seehandel gesammelt und war mit den Möglichkeiten und Risiken der Seefahrt vertraut. Seit 1675 stand er im Dienst Friedrich Wilhelms und erhielt den Auftrag, eine eigene brandenburgische Seestreitmacht aufzubauen.

Für Brandenburg war dies ein fast neues Feld. Der Kurstaat war traditionell ein Binnenstaat, der erst mit dem Herzogtum Preußen Anfang des 17. Jahrhunderts einen Seezugang erhielt. Der Ausbau einer Flotte entsprach den weiterreichenden Vorstellungen Friedrich Wilhelms, der Brandenburg nicht nur als Binnenmacht. sondern als selbstständig handelnde europäische Großmacht etablieren wollte.

Raule verband dabei kaufmännische Interessen mit militärischen Zielen. Nach niederländischem Vorbild sollte die brandenburgische Flotte nicht allein für den Schutz des Handels dienen, sondern durch Kaperfahrten auch Einnahmen erzielen. Im 17. Jahrhundert war die Grenze zwischen staatlicher Seekriegsführung und privatem Gewinnstreben fließend. Staaten stellten sogenannte Kaperbriefe aus, die es Schiffseignern erlaubten, feindliche Schiffe aufzubringen und deren Ladung als rechtmäßige Beute einzuziehen.
Der Vorschlag, die ausstehenden spanischen Subsidien auf diesem Weg einzutreiben, war deshalb ein Instrument der damaligen Zeit.

Im Jahr 1680 lief schließlich ein brandenburgischer Verband unter dem Kommando von Claus von Bevern aus dem Hafen Pillau aus. Der Hafen an der ostpreußischen Küste war zu dieser Zeit der wichtigste Stützpunkte der jungen kurbrandenburgischen Marine. Die Schiffe operierten im Auftrag des Kurfürsten und führten entsprechende Vollmachten für die Kaperfahrt.

Das Ziel war der spanische Seehandel. Obwohl zwischen Brandenburg und Spanien kein förmlicher Kriegszustand bestand, betrachtete Friedrich Wilhelm die ausstehenden Zahlungsverpflichtungen als Grundlage für sein Vorgehen. Die Unternehmung war politisch dennoch heikel, da Spanien weiterhin ein möglicher Partner gegen Frankreich blieb und ein offener Konflikt mit Madrid und dem verwandten Hof in Wien vermieden werden sollte.

- Die Kaperung der „Carolus Secundus“

Der erste größere Erfolg der brandenburgischen Kaperunternehmung gelang 1680 vor der belgischen Küste bei Ostende. Dort brachte der Verband das spanische Schiff Carolus Secundus auf. Das Schiff war schwer bewaffnet und führte nach den überlieferten Angaben 52 Kanonen sowie eine wertvolle Ladung.

Die Einnahme eines so bedeutenden spanischen Schiffes war für die junge brandenburgische Marine ein großer Erfolg. Die Prise wurde nach Pillau gebracht, wo die Ladung verkauft wurde. Der Erlös soll sich auf etwa 100.000 Taler belaufen haben – eine beträchtliche Summe für die brandenburgischen Finanzen.

Natürlich wurde das wertvolle Schiff selbst weiter genutzt. Nach seiner Übernahme erhielt es den Namen Markgraf von Brandenburg und wurde zum Flaggschiff der kurfürstlichen Flotte. Damit verfügte Brandenburg erstmals über ein größeres Kriegsschiff, das nicht nur symbolische Bedeutung hatte, sondern die wachsenden maritimen Ambitionen des Kurfürsten sichtbar machte.

Der Gesamterfolg blieb jedoch begrenzt. Die Einnahmen konnten die ausgebliebenen spanischen Subsidien bei weitem nicht ersetzen. Zudem verschärfte die Kaperfahrt die diplomatischen Beziehungen zu Spanien und anderen europäischen Mächten. Brandenburg bewegte sich mit seiner Politik in einem schwierigen Spannungsfeld: Einerseits wollte Friedrich Wilhelm seine Ansprüche durchsetzen, andererseits durfte er die Möglichkeit künftiger Bündnisse nicht vollständig gefährden.

- Die zweite Expedition und das Gefecht vor Kap São Vicente

Parallel zur Unternehmung gegen spanische Schiffe im europäischen Seegebiet wurde auch im Atlantik operiert. Nach der älteren Überlieferung brachte ein weiterer brandenburgischer Verband vor der amerikanischen Küste zwei spanische Galeonen auf. Die Ladung wurde anschließend auf Jamaika verkauft.

Diese Fahrten zeigen, dass die brandenburgische Marine nicht nur als Küstenstreitkraft gedacht war. Friedrich Wilhelm und Raule verfolgten vielmehr ein weitergehendes Konzept: Brandenburg sollte am internationalen Seehandel teilnehmen und eigene Handels- und Kolonialinteressen entwickeln.

Im Sommer 1681 lief die Markgraf von Brandenburg abermals aus. Das Schiff stand nun unter dem Kommando von Thomas Alders und sollte die bisherigen Operationen gegen spanische Schiffe fortsetzen. Diesmal blieb der Erfolg jedoch aus.

Ende September 1681 traf der brandenburgische Verband vor dem Kap São Vicente an der portugiesischen Küste auf mehrere spanische Kriegsschiffe. Es kam zu einem Gefecht, das etwa zwei Stunden dauerte. Die brandenburgischen Schiffe erlitten empfindliche Treffer und Verluste bei der Besatzung. Die Flottille mussten sich schließlich zurückziehen und Schutz im portugiesischen Hafen Lagos suchen.

Die Niederlage machte deutlich, dass Brandenburg trotz seiner neuen Flotte noch weit davon entfernt war, mit den etablierten Seemächten Europas gleichzuziehen. Spanien, England, Frankreich, Schweden und die Niederlande verfügten über jahrzehntelange Erfahrungen im Seekrieg, während Brandenburg erst am Beginn seiner maritimen Entwicklung stand.

- Das Ende des Kaperkrieges und Brandenburgs kurze Zeit als Seemacht

Nach den begrenzten wirtschaftlichen Erfolgen und den zunehmenden diplomatischen Schwierigkeiten beendete Friedrich Wilhelm die Kaperunternehmungen noch 1681. Die erhoffte Kompensation der ausstehenden spanischen Subsidien blieb weitgehend aus. Der Kaperkrieg hatte sein unmittelbares Ziel verfehlt. Trotzdem war die Unternehmung von größerer Bedeutung für die Entwicklung Brandenburg-Preußens. Sie fiel in eine Phase, in der Friedrich Wilhelm seine Herrschaft zunehmend über die Grenzen des traditionellen brandenburgischen Territorialstaates hinaus ausrichtete und europäische Züge annahm, denn bereits seit den 1670er Jahren hatte Benjamin Raule am Aufbau einer kurbrandenburgischen Marine gearbeitet. Die Kaperfahrten waren dabei nur ein Teil eines größeren Programms. Hinzu kamen Handels- und Kolonialpläne, die schließlich zur Gründung der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie im Jahr 1683 führten.

An der westafrikanischen Goldküste errichtete Brandenburg mit dem Fort Groß Friedrichsburg einen eigenen Stützpunkt, der bis 1721 unter brandenburgisch-preußischer Herrschaft blieb. Gemeinsam mit den Flottenprojekten und den Überseeexpeditionen zeigt diese Entwicklung, dass Brandenburg-Preußen unter dem Großen Kurfürsten für einige Jahrzehnte bedeutende maritime und koloniale Ambitionen verfolgte.

Der Kaperkrieg selbst war kein großer Erfolg, weder militärisch, noch ökonomisch. Seine Bedeutung liegt darin, dass er ein ungewöhnliches Kapitel der brandenburgischen Geschichte sichtbar macht: Der Staat, der später vor allem durch seine Landmacht bekannt wurde, versuchte unter Friedrich Wilhelm zeitweise auch den Weg einer See- und Handelsmacht einzuschlagen.«
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Und noch ein Artikel über eine brandenburgisch-preußische Besitzung, von der ich bisher auch noch nichts wusste.
Textzitat in voller Länge:

»Brandenburg-Preußen erweitert seine Kolonien nach Nordwestafrika

Am 5. Oktober 1685 dehnte Kurfürst Friedrich Wilhelm das brandenburgische Übersee-Engagement weiter nach Norden aus. Eine Expedition unter Kapitän Cornelius Reers eroberte die Festung auf der Insel Arguin vor der westafrikanischen Küste und begründete damit den zweiten afrikanischen Stützpunkt der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie.

Geografisch lag die kleine, aride Insel vor der Küste des heutigen Mauretanien in einer geschützten Bucht. Trotz der kargen Bedingungen besaß die Insel durch ihre Lage eine beträchtliche strategische Bedeutung: Sie bildete das Tor zu den nordwestafrikanischen Handelsrouten des Atlantiks und bot Zugang zu den ergiebigen Fischgründen der Arguin-Bank.

Für den brandenburgischen Überseehandel diente die Insel vor allem als Zwischenlager für das begehrte Gummi arabicum sowie im kleineren Umfang für Gold, Straußenfedern und andere regionale Handelsgüter. Sklavenhandel wurde nicht über diese Besitzungen getätigt, sondern von den Stützpunkten in Westafrika.

Eine der größten Herausforderungen vor Ort stellte das Fehlen jeglicher natürlicher Süßwasserquellen auf der Insel dar. Um das Überleben der Garnison zu sichern, griffen die Brandenburger auf ein mehrstufiges Versorgungssystem zurück. Sie nutzten und reparierten die bereits von den Portugiesen im 15. Jahrhundert angelegten gemauerten Zisternen im Inneren des Forts, um das seltene Regenwasser aufzufangen. Da diese Vorräte nicht ausreichten, verhandelten sie mit den einheimischen Häuptlingen des Festlands das Recht, an den dortigen Küstenbrunnen Süßwasser in Holzfässern zu schöpfen und per Boot überzusetzen. Ergänzt wurde dies durch Wasserlieferungen der anlegenden Schiffe der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie. Dennoch blieb das Wasser ein dauerhaftes Nadelöhr, das die Stärke der Besatzung begrenzte und die gesundheitliche Lage vor Ort belastete.

Vor Ort traf Brandenburg auf eine komplexe Lage. Das Fort war in den Jahrzehnten zuvor bereits durch mehrere europäische Hände gegangen. Ursprünglich im 15. Jahrhundert von den Portugiesen errichtet, befand sich die Festung zum Zeitpunkt des brandenburgischen Zugriffs unter niederländischer Kontrolle. Die niederländische Besatzung kapitulierte vor der brandenburgischen Übermacht, woraufhin Kapitän Reers das Fort einnahm. Um den Besitz gegen Ansprüche anderer Europäer abzusichern, schloss Brandenburg Verträge mit den einheimischen Berber- und Maurenhäuptlingen des Festlands. Diese Vereinbarungen garantierten den Brandenburgern das Handelsmonopol in der Region, verwickelten sie jedoch zugleich in die wechselhaften lokalen Konflikte der Küstenvölker.

Im europäischen Kontext forderte das brandenburgische Auftreten die etablierten Kolonialmächte heraus. Sowohl die Niederländische Westindien-Kompanie als auch Frankreich betrachteten die Aktivitäten des norddeutschen Aufsteigers als störende Konkurrenz in ihren abgesteckten Einflusssphären. Besonders Frankreich erhob eigene Ansprüche auf die mauretanische Küste und suchte nach Gelegenheiten, die brandenburgischen Konkurrenten wieder zu verdrängen.

Die Geschichte der Kolonie verlief in den folgenden Jahrzehnten äußerst wechselvoll. Nach dem Tod des Großen Kurfürsten ließ das kolonialpolitische Interesse in Berlin jedoch rasch nach. Schon unter seinem Nachfolger Friedrich III. (dem späteren König Friedrich I.) verschoben sich die Schwerpunkte grundlegend: Die Absicherung kontinentaler Interessen und das Erreichen der preußischen Königswürde besaßen fortan absolute Priorität. Unter Friedrich Wilhelm I. trat schließlich die Maxime der unbedingten Wirtschaftlichkeit aller staatlichen Engagements hinzu. Da die verbliebenen Überseestützpunkte chronisch defizitär arbeiteten und hohe Summen verschlangen, ohne den erhofften Ertrag zu liefern, passten sie nicht mehr in das straffe Staats- und Finanzkonzept des „Soldatenkönigs“.

Während das Hauptfort Groß Friedrichsburg an der Goldküste bereits Ende 1717 vertraglich an die Niederländer verkauft wurde, hielt die preußische Garnison die Stellung auf Arguin noch über einige Jahre aufrecht. Am 9. März 1721 kapitulierte die preußische Besatzung schließlich vor einem überlegenen französischen Kriegsschiffsgeschwader unter Jean-Baptiste du Casse. Arguin de facto der allerletzte überseeische Stützpunkt, auf dem Truppen Brandenburg-Preußens die eigene Flagge hissten und militärische Präsenz zeigten, ehe dieses frühe Kolonialkapitel endete.«

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Balduin hat geschrieben: 05.08.2023, 19:21
Balduin hat geschrieben: 04.08.2023, 06:32 Warum wurde die Kolonie verkauft?
Friedrich Wilhelm I. hatte keinerlei persönliche Beziehungen oder Neigungen zu Marine und Kolonien und konzentrierte sich vielmehr auf den Ausbau der preußischen Armee. --- aus Wikipedia: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gro%C3% ... Kolonie%29

Letztlich der Verkauf, um Geld in die Kassen zu spülen. Wahnsinn, das das vor hunderten Jahren schon so war wie heute.
Ja. Und der folgende Artikel beantwortet deine Frage vielleicht auch noch z. T.
Textzitat in voller Länge:

»Eine Flotte fast aus dem Nichts

Die See- und Kolonialambitionen des Großen Kurfürsten gegen Ende seiner Regierung waren Ausdruck einer veränderten politischen und wirtschaftlichen Zielsetzung. Friedrich Wilhelm wollte Brandenburg zu einer stärker am niederländischen Vorbild orientierten See- und Handelsmacht entwickeln und damit die wirtschaftlichen Möglichkeiten seiner weit verstreuten Territorien erweitern. Der militärische Erfolg im Krieg gegen Schweden hatte ihm zwar vorübergehend den Weg nach Vorpommern und an die Odermündung eröffnet, doch der Frieden von Saint-Germain vom 29. Juni 1679 zwang ihn, den größten Teil seiner Eroberungen wieder an Schweden zurückzugeben. Die Enttäuschung über die Haltung des Kaisers und der niederländischen Verbündeten beeinflusste seine Außenpolitik nachhaltig.

Nach 1679 rückte Friedrich Wilhelm deshalb von der bisherigen engen Bindung an den Kaiser ab und suchte neue Handlungsmöglichkeiten durch wechselnde Bündnisse. Besonders eng wurde zunächst das Verhältnis zu Frankreich. Zugleich gewann der Ausbau eigener wirtschaftlicher und militärischer Möglichkeiten an Bedeutung. Der Kurfürst wollte nicht länger allein auf die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse angewiesen sein, die ihm seine Stellung im Reich und seine bisherigen Bündnisse vorgaben. Der Aufbau einer eigenen Seemacht, die Förderung des Überseehandels und schließlich die Gründung der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie gehörten zu diesem Versuch, die wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit seines Staates zu erweitern.

Der Bau von hochseetüchtigen Schiffen war für Kurfürst Friedrich Wilhelm mit erheblichen Kosten verbunden. Ein wesentlicher Teil der benötigten Schiffe musste im Ausland teuer beschafft werden. Um die Ausgaben zu verringern und den Schiffbau stärker auf die eigenen Territorien zu stützen, ließ der Kurfürst neben Pillau und Kolberg, ab 1687 in Havelberg eine Werft für den Bau von Seeschiffsrümpfen einrichten. Für den nicht tief in der Regionalgeschichte Havelbergs verankerten Leser wird dies eine Überraschung sein, immerhin liegt die bekannte Domstadt weit im tiefsten Binnenland.

Die Wahl Havelbergs beruhte vor allem auf dem natürlichen Holzreichtum der Umgebung und der für das Vorhaben geeigneten Lage an der Elbe.
Das für den Schiffbau benötigtes Holz konnte aus angrenzenden Forstgebieten preisgünstig herangeführt werden. Eichen und Kiefern aus der Prignitz, der Altmark und dem Gebiet der Ruppiner Schweiz gelangten durch Flößerei über die Havel nach Havelberg. Der örtlichen Werft stand hierdurch ein wesentlicher Rohstoff aus nächster Umgebung zur Verfügung, ohne dass das Holz auf dem Landweg und über größere Entfernungen transportiert werden musste.

Beim Aufbau des Havelberger Schiffbaus spielte Benjamin Raule eine wichtige Rolle. Der aus den Niederlanden stammende Reeder und Unternehmer war seit den 1670er Jahren mit dem brandenburgischen Seewesen verbunden und hatte sich unter Kurfürst Friedrich Wilhelm mit dem Aufbau der kurfürstlichen Seestreitkräfte und des Überseehandels befasst. Raule verfügte über enge Verbindungen zur niederländischen Schifffahrt und zum dortigen Schiffbau. Über diese Verbindungen konnten erfahrene Fachkräfte für den Havelberger Betrieb angeworben werden. Dazu gehörten insbesondere Zimmerleute, Kalfaterer und Holzschneider. Gleichzeitig wurden einheimische Kräfte in den verschiedenen Arbeiten des Schiffbaus ausgebildet. Das liest sich jetzt wahrscheinlich nach einem groß angelegten Wirtschaftsprogramm, doch waren selbst auf dem Höhepunkt der Produktion nur rund 150 Menschen unmittelbar vor Ort mit dem Schiffbau beschäftigt.

In Havelberg entstanden auch keine vollständig ausgerüsteten Kriegsschiffe. Gebaut wurden die Schiffsrümpfe, die sogenannten Kaskos, ohne Masten, Segel und Bewaffnung. Diese Form des Schiffbaus war den örtlichen Bedingungen angepasst. Ein vollständig ausgerüstetes Seeschiff hätte wegen seines Tiefgangs die Fahrt auf den märkischen Wasserstraßen erheblich erschwert, wahrscheinlich unmöglich gemacht. Die Havelberger Rümpfe konnten dagegen bei ausreichendem Wasserstand, zumeist im Frühjahr, mittels stabilisierender Maßnahmen, flussabwärts gefahren werden. Über die Elbe gelangten sie nach Hamburg. Erst dort wurden sie mit Masten, Takelage und Geschützen für den Einsatz auf See ausgerüstet.

Für die brandenburgische Marine entstanden in Havelberg insgesamt 15 Bauten. Zu den überlieferten Schiffen gehören Castell Friedrichsburg, Margarete, Friedrich III., Fliegender Drache, Schloss Oranienburg, Charlotte-Louise, Sieben Gebrüder, Postillion, Jäger, Churprinz und Windhund. Die Schiffe wurden jeweils als Einzelanfertigungen ausgeführt. Von einer serienmäßigen Produktion konnte keine Rede sein. Bauweise und Ausführung richteten sich nach den jeweiligen Anforderungen und den zur Verfügung stehenden Mitteln.

Auch wenn unter Kurfürst Friedrich Wilhelm seit 1640 ein beeindruckendes Aufbauprogramm nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges entstand, waren die wirtschaftlichen Mittel sehr begrenzt und trotz aller Ambitionen blieb das brandenburgische Seewesens hierdurch gehemmt. Der kurfürstliche Staat verfügte nur über begrenzte finanzielle Mittel, während der Aufbau und die Unterhaltung einer Seemacht erhebliche laufende Ausgaben verursachten, die nicht durch den buchstäblich mit Waffengewalt umkämpften Seehandel getragen werden konnte. Brandenburg hatte nie genug Geld um genügend Schiffe zu bauen und zu unterhalten, und nie genug Schiff um Geld zu verdienen.
Viele der in Havelberg begonnenen Konstruktionen wurden deshalb teilweise unmittelbar nach ihrer Fertigstellung veräußert. Einige Fahrzeuge lagen aber auch über Jahre auf Reede, bevor sie unter Preise verkauft wurden. Die Idee mit dem Bau im eigenen Land die Kosten zu drücken war zwar richtig, doch die Rahmenbedingungen in Gänze waren unvorteilhaft.

Nach dem Tod Friedrich Wilhelms im Jahr 1688 wurden die überseeischen Unternehmungen unter Friedrich III. zunächst weitergeführt. Die finanziellen Schwierigkeiten blieben jedoch bestehen und intensivierten sich im Rahmen der Pläne des Kurfürsten im souveränen Herzogtum Preußen die Königskrone zu erlangen. Zugleich verlor die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie, die mit den überseeischen Handels- und Kolonialunternehmungen des Kurfürstentums verbunden war, zunehmend an Bedeutung. Damit entfiel eine wesentliche Triebfeder und Zweck. Die Flotte immer defizitärer und der Schiffbau im Land brach ein.

Um 1700 wurde der Schiffbaubetrieb in Havelberg schließlich ganz eingestellt. Die Werft hatte über einen kurzen Zeitraum versucht, einen Teil des für die brandenburgische Seepolitik benötigten Schiffsraum kostengünstiger zu liefern. Die immer angespannte Finanzlage Brandenburg-Preußens, auch unter dem Kurfürsten, wurde unter dessen Sohn und Nachfolger, Friedrich III., geradezu prekär. Die großen Kriege im Zusammenhang mit der Erbfolge in der Kurpfalz und in Spanien veränderten darüber hinaus die Schwerpunkte der brandenburgischen Politik völlig, die sich nun wieder eng an das Kaiserhaus anschloss.«

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